Marlene Streeruwitz: Nachkommen S.Fischer Verlag

Marlene Streeruwitz skizziert den Literaturbetrieb. Sie tut das deutlich und schonungslos. Und sie skizziert eine junge Frau, die zwar einen Roman geschrieben hat, aber sonst keinen Bezug zu diesem besitzt. Das einzige was sie über den Buchmarkt weiß, bevor sie zu der Buchpreisverleihung, für die sie nominiert wurde reist, ist das, was sie durch ihre verstorbene Mutter, einer sehr bekannten Schriftstellerin, erfahren hat.

Die Geschichte ist vorrangig ein Blick ins Innenleben der jungen Autorin. Die junge Nelia wird als sensible und gleichzeitig bewusste Frau geschildert, die eine besondere Beziehung zu ihrer Mutter verbindet. Mit dem Rest der Familie in ihrem Heimatort in Österreich kann und will sie dagegen nichts mehr anfangen, seitdem nun auch noch der Großvater, die letzte Bezugsperson, gestorben ist.

Sie hat ihren Lebensmittelpunkt inzwischen in Griechenland, wo ihre Halbschwester und ihr Freund leben und wo auch die Handlung ihres Romans spielt. Die Buchpreisverleihung in Frankfurt wird zur Farce, schon vorab fühlt sie sich dort wie ein Fremdkörper. Der Preis wird an eine andere Autorin verliehen, Nelia findet das gerechtfertigt, ihr selbst wäre der Geldpreis wichtig gewesen, um eine notwendige Operation ihres Freundes zu finanzieren.

Die Buchmesse mit ihren „Wir sind alle wichtig“-Menschen/Männern treibt sie immer wieder in die Flucht. Bei einem Fernsehinterview zeigt sie sich widerspenstig und unangepasst, was für allgemeine Verwunderung sorgt. Und als wäre das nicht verstörend genug für Nelia, meldet sich auch noch der verschollene Vater, von dem die Mutter nie erzählte und von dem sie immer ferngehalten wurde.

Nach einem Treffen, bei dem sie erfährt, dass er nie ein Kind wollte, irrt sie verstört und ziellos durch Frankfurts Straßen. Der Vater, selbst im Literaturbetrieb eine wichtige Rolle spielend, beharrt jedoch auf einer weiteren Begegnung und es kommt bei einer Buchmessepartie in seiner Villa zum Showdown …

Dieser Roman ist durch Streeruwitz´ sehr besondere Sprache, die zum Thema und besonders auch zu Nelia passt ein absolutes Highlight. Besonders interessant ist der Roman auch für Menschen, die mit Literatur und Büchern zu tun haben und mehr Einblick in die Welt der Büchermacher, Lektoren und Bestimmer gewinnen wollen.

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