Klaus Modick: Konzert ohne Dichter

Cover Modick 001

Klaus Modicks neuester Roman wirft einen spannenden Blick ins Innere der Künstlerkolonie Worpswede.

Erzählt wird aus der Perspektive von Heinrich Vogeler, der gerade sein Bild „Das Konzert oder Sommerabend auf dem Barkenhof“ (im Einband des Buches ist das Gemälde abgebildet) vollendet hat und der kurz vor einer großen Auszeichnung steht. Allerdings steht er auch vor einer Lebenswende. Er ist erfolgreich in seiner Arbeit als Großer des Jugendstils, befindet sich aber zusehends in einer persönlichen Krise. Was im Gemälde deutlich wird, Rilke fehlt, zeigt sich auch im Leben. Die anfänglich überschwängliche Freundschaft zwischen Vogeler und Rilke scheint zu zerbrechen. Er selbst arbeite an der Tiefe, Vogeler an der Oberfläche, meint Rilke. Der Mythos Rilke wird hier jedenfalls deutlich in Frage gestellt: Rilke war ein genialer Dichter, aber menschlich höchst kompliziert und schwierig. Rilkes Liebe zu Clara Westhoff und zugleich zu Paula Modersohn-Becker steht im Focus, auch die Obsession zu Lou Andreas-Salome, Vogeler hingegen lebt vergleichsweise bodenständig als Familienoberhaupt, als Ernährer, der diesen ganz besonderen Ort und sein Haus großzügig zu einem Künstlerrefugium gemacht hat.

Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt und wirft Licht auf beider Lebensläufe und zeigt zugleich auch die Schatten. Ganz wunderbar, wie Modick ein vermeintlich allzu bekanntes Thema in ganz eigener passender Sprache zu vermitteln weiß.

Der Roman erschien im Kiepenheuer & Witsch Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier.

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