Ralf Rothmann: Im Frühling sterben Suhrkamp Verlag

Literatur leuchtet etc 004

Der jeweils neue Roman von Ralf Rothmann ist für mich obligatorisch. Rothmanns Romane sind, finde ich, schwer einzuordnen. Sie sind meist unspektakulär, aber immer lesenswert. Sie sind nicht hochliterarisch, aber eben alles andere als Unterhaltungsliteratur. Diesmal ist es kein leicht konsumierbares Thema:
Rothmann erzählt(wie ich vermute mit autobiografischen Anteilen) vom Erleben eines 17jährigen jungen Mannes, der gegen Ende des 2. Weltkriegs noch für die SS rekrutiert wird, obgleich klar ist, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen ist. Walter und sein engster Freund Fiete werden nach kurzer Wehrausbildung aus der ländlichen Idylle Norddeutschlands nach Ungarn geschickt. Walter hat das „Glück“ als Fahrer eingesetzt zu werden. Fiete muß an die Front. Nach einer Verwundung desertiert er. Er wird gefasst und zum Tode verurteilt. Walters Einheit ist für die Ausführung des Urteils verantwortlich…
Der Roman ist ein steter Fluß, die Schrecknisse, die wir dabei mit erleben, werden hier aneinandergereiht, als wären sie vollkommen normal, und nur so sind sie vielleicht zu ertragen. Walter überlebt, gründet eine Familie, baut sich ein „gutes Leben“ auf. Sein Sohn erzählt die Geschichte nach dem Tod des Vaters, der nie über diese Zeit hat reden wollen: Die Generation der traumatisierten Kriegsväter.

Der Roman erschien im Suhrkamp Verlag.

Ein interessantes Interview mit Ralf Rothmann zum Roman erschien in der Welt:
http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article142862427/Ich-habe-die-Toten-in-den-Saergen-damals-angesehen.html

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2 Gedanken zu “Ralf Rothmann: Im Frühling sterben Suhrkamp Verlag

  1. lesen hilft, die vätergeneration wenigstens ein bisschen zu verstehen – dazu gehört auch dieses buch. es ist schon etwas länger her, dass ich es gelesen habe. sehr gut erinnere ich mich an viele gefühle, die durch schimmern, aber nie wichtig sind, werden, werden dürfen … übertüncht durch die erlebnisse, den alltag, auch nicht wichtig werden dürfen, weil man(n) sonst untergeht.

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    • Ja. Ein schwieriges, aber immer noch auf unsere Generation nachwirkendes Thema. Dazu passt auch Treichels: Tagesanburch, den ich auch hier besprochen habe. Und gerade aktuell habe ich Silvie Schenks Roman „Schnell, dein Leben“ gelesen, die aus der Sicht einer Deutsch-Französin das Thema anschaut, diese Perspektive ist sehr spannend. Die Besprechung von mir dazu wird bald auf fixpoetry.com erscheinen …
      Viele Grüße!

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