Olav H. Hauge: Gesammelte Gedichte/Mein Leben war Traum Edition Rugerup

Olav H. Hauge (1908-1994) wurde in eine bäuerliche Familie hineingeboren, arbeitete als Gärtner und Obstbauer und lebte Zeit seines Lebens im ländlichen Norwegen. Ein Mensch, der sich schon früh eine Sprache, einen Ausdruck verschaffte, der sich selbst alles beibrachte, der las und übersetzte und in und mit der Natur lebte und in dieser eigenen Sprache Möglichkeiten des Umgangs fand für seine besonderen Bewusstseinszustände – er verbrachte längere Zeiträume in einer psychiatrischen Klinik. (Bewusstseinsleuchten würde ich es nennen). Seine Gedichte berühren mich – da wirkt etwas Archaisches, etwas Höheres und gleichzeitig Tieferes. Es sind Verse, die weit mehr sagen, als zunächst erkennbar scheint, wenn man versucht sie zu durchdringen. Ich glaube, Hauge war ein zutiefst spiritueller Mensch.

Ich ziele leicht drüber

Ein Pfeil, der treffen soll, darf nicht viele
Kurven machen. Doch ein guter Schütze
rechnet mit Abstand und Wind.
Ziele ich also auf dich, ziele ich leicht drüber.

Die Gedichte wurden von Klaus Anders übersetzt, der selbst Lyriker ist. Im Anhang des Bandes schreibt er aufschlussreich über die norwegische und speziell Hauges Sprache.

23.2.90
Ordnung im Chaos? Im Universum? Es ist eine Ordnung, ein Sinn, ein Plan, das haben die Weisen zu allen Zeiten gesagt.
Nein, sagt die Wissenschaft, Der Zufall ist das herrschende Prinzip.
Wandelt sich die Sichtweise der Wissenschaft auch? Vielleicht.“

Mehr über Hauges Leben und seine Gedankenwelt kann man in seinen Tagebüchern lesen. Sein Leben und damit seine Lyrik wurde vom Lauf der Natur beeinflusst und von seiner regen Neugier, was Sprachen und Wissen angeht. Er las unglaublich viel, Dichter und Schriftsteller aus aller Welt, teils in Originalsprache und berichtet in den Tagebüchern auch von seinen Lektüreerfahrungen. Auch von deutscher Lyrik, die er „harte Kost“ nannte, wie etwa Hölderlin. Er war Autodidakt, hatte nie an einer Universität studiert. Hauge war einer der bedeutendsten norwegischen Lyriker. Die Tagebücher umfassen 70 Jahre mit längeren Zwischenräumen (oft Klinikaufenthalte). Eine Auswahl von Auszügen aus den Jahren 1924 bis 1994 kommt wie auch der Lyrikband aus der Edition Rugerup, übersetzt von Klaus Anders.

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