Alain Claude Sulzer: Postskriptum Galiani Verlag

Alain Claude Sulzer: Postskriptum

Was für ein schöner Roman!

Wie schon bei den letzten beiden Romanen „Aus den Fugen“ und „Zur falschen Zeit“ überzeugt mich Sulzer durch seine wunderbare Erzählweise. Es ist ein großes Vergnügen seinen Geschichten zu folgen, ein tiefes Eintauchen in seine Figuren, eine Lesemeditation – ein grenzenloser Lesegenuss!

1894: Als Lion Kupferberg 6 Jahre alt ist, ertrinkt der ältere Bruder im Urlaub im „Meer der Wiener“. Ein tragischer Unfalltod. Lion sieht, wie der Vater ihn im Arm hält und versucht, ihn wiederzubeleben, doch der Knabe stirbt.
Jahre später liest Lion im Balladenbuch des Vaters den Erlkönig und spürt, dass damit genau diese dramatsche Szene seiner Kindheit gemeint ist. Er beginnt sie zu rezitieren und spielt schließlich die Ballade in verschiedenen Rollen, die sich dabei alle in seiner eigenen Stimme, in seiner Person verkörpern, Er erlebt seine Initiation zum Schauspieler…

1933 verbringt der erfolgreiche, berühmte Schauspieler Lionel Kupfer einen Winter im Hotel Waldhaus in Sils Maria in der Schweiz. Er will sich erholen und sich auf seine neue Filmrolle vorbereiten.
Im Postamt von Sils, arbeitet Walter Staufer, der für Kupfer schwärmt und ihn verehrt. Als er von Kupfers Anwesenheit erfährt, wagt er eines Tages einen Versuch diesem näher zu kommen und mischt sich unter die Hotelgäste. Der Zufall meint es gut mit Walter, denn er begegnet leibhaftig seinem Idol. Zwischen den beiden, der Männerliebe Geneigten, beginnt eine Liebesaffäre, die jedoch nur von kurzer Dauer ist.
Als Eduard, Lionels Geliebter auftaucht, der inzwischen als Kunsthändler in Berlin mit den neuen Machthabern erfolgreich Geschäfte macht, und die Botschaft überbringt, dass Lionels neuer Film gestrichen wurde, sieht dieser die Zeichen der Zeit und reist unverzüglich ab.

1947, New York. Lionel Kupfer hat es rechzeitig in die neue Welt geschafft. Doch Amerika empfängt in nicht mit offenen Armen. Wie so viele europäische Künstler im Exil findet er nicht wieder in seinen Beruf. In Hollywood ist er nicht der gefragte Star wie in Deutschland. Eines Tages erhält er Post aus Italien, Visconti, dem er bereits kurz in Sils begegnet war, verspricht ihm eine Rolle in seinem neuen Film. Tatsächlich macht sich Lionel auf die Reise zu den Dreharbeiten. Auf seinem Flug mit Zwischenstopp in der Schweiz begegnet er Walter, der inzwischen für Air Swiss als Stewart arbeitet. Doch beide trauen sich nicht, den anderen anzusprechen…

1963, New York: Lionel Kupfer erinnert sich.
Nachdem Visconti seine ohnehin kleine Rolle aus dem Film herausgeschnitten hatte, fühlt er sich selbst aus dem Leben herausgeschnitten. Eines Tages erfährt er über eine gemeinsame Bekannte von Eduards Tod. Eduard, der sich zuletzt gewinnträchtig für die Nazi-Machthaber um Beutekunst kümmerte, dabei nicht zuletzt an sein eigenes Vermögen dachte, wurde während einer solchen Aktion erschossen.
Nach einer schwierigen Zeit ergibt sich dann für Lionel doch noch die Chance seiner Karriere wieder Aufschwung zu geben. Er spielt wieder. Es sind kleine Charakterrrollen in Filmen, am Theater.

Und von Walter, der immer wieder in seiner Erinnerung auftaucht, erhält er einen Brief, auf den er nach einigem Zögern antwortet und sich darin öffnet und zum ersten Mal einem Menschen von seinen Kindheitserlebnissen mit dem Erlkönig erzählt, die für sein Leben so ausschlaggebend waren.

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5 Gedanken zu “Alain Claude Sulzer: Postskriptum Galiani Verlag

  1. […] Lionel Kupfer ist ein Filmstar in den 30er Jahren und bereitet sich gerade auf seine neue Rolle vor, als er damit konfrontiert wird in Deutschland nicht erwünscht zu sein. Ausgerechnet sein Liebhaber überbringt ihm die Nachricht, dass sein Filmvertrag aufgelöst wird und Kupfer muß emigrieren… Bisher habe ich drei Romane von Alain Claude Sulzer gelesen und alle drei fand ich sehr gut. Daher denke ich mal, dass mir auch “Postskriptum” gefallen wird. Marina von literaturleuchtet hat dieses Buch bereits rezensiert. […]

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