Ror Wolf: Die plötzlich hereinkriechende Kälte im Dezember Schöffling Verlag

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!Das sofort hereinströmende Leuchten beim glücklichen Betrachten der Collagen Ror Wolfs unter Berücksichtigung des Lesens seiner unglaublichen Gedichte!

Das Schöne ist, dass Ror Wolfs Bücher schon immer solche langen seltsamen Titel tragen und nicht erst seit es bei Verlagen in Mode gekommen ist. Zu recht. Denn in ihnen steckt genau das, was man dem Titel nach erwarten darf – das setzt sich fort in den Titeln der Gedichte (z.B. „Die Übernachtung im kalten Eisenbahncoupé beim Toben des Sturmes im Hochgebirge in den menschenleeren Gebieten von Colorado) und wirkt hinein in die Texte. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles wirkt surreal und lässt eine Vielfalt an Assoziationen zu, hat dennoch Bezug zur Wirklichkeit des Daseins. Sowohl bei seinen Gedichten und seinen Collagen als auch bei seinen Romanen.

In dem aktuellen Band findet man im ersten Teil unveröffentlichte Gedichte aus den frühen 50er Jahren bis heute und im zweiten Teil den Gedichtzyklus „Hans Waldmanns endgültiges Verschwinden“. Dazwischen eingefügt sind bisher nicht gedruckte Collagen.

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Ich bin große Bewunderin Ror Wolfs, sicher auch weil er diese Vielfalt im künstlerischen Ausdruck zeigt. Für mich sind auch seine Collagen Kunst, auch wenn er selbst meint, sie wären für ihn nur Ausgleich und Erholung nach „dem Kampf mit den Worten“.
Ich bin fasziniert von den Gedichten und berauscht, und auch amüsiert von den Versuchen Hans Waldmann durch Gedichte verschwinden zu lassen. Er ist hartnäckig, er hält lange durch, so dass Ror Wolf noch einmal nachlegen muss mit 5 letzten Versuchen…
Skurril, wundersam, tiefgründig, witzig – eben unverfälscht Ror Wolf!
Man könnte interpretieren, ob er mit dem Verschwinden von Waldmann gar versuche sich selbst als Schriftsteller in den Ruhestand zu versetzen… ich hoffe nicht…

„Die Besichtigung der Dunkelheit

Krach Dreck Gestank und Feuer, fernes Knallen,
und Wände Hände Brände Gegenstände,
und jemand lacht im Zipfel dieser Nacht,
und jemand hat das Fenster zugemacht,
und irgendetwas ist herabgefallen,
in dieser Nacht, vom Anfang bis zum Ende.
Und Schluß und weiter nichts Erwähnenswertes,
nur etwas Ausgeleertes, Abgekehrtes,
nur Kerben, Scherben, Scherben und Verderben.
Und ich bin viel zu alt um schon zu sterben.“

Ror Wolf (eigentlich Richard Georg Wolf) wurde 1932 in Saalfeld/Thüringen geboren. Er lebt heute in Mainz. Er veröffentlichte, teilweise unter dem Pseudonym Raoul Tranchirer, Romane, Gedichtbände, „Lexika“, Hörspiele(unter anderem über Fußball).
„Die plötzlich hereinkriechende Kälte im Dezember“ ist soeben im Schöffling Verlag erschienen, wie auch sein letzter ebenso empfehlenswerter Roman: Die Vorzüge der Dunkelheit, Neunundzwanzig Versuche, die Welt zu verschlingen, ein Horrorroman.
https://www.schoeffling.de/buecher/ror-wolf/die-plo%CC%88tzlich-hereinkriechende-ka%CC%88lte-im-dezember
Wer mehr über Ror Wolf und sein Werk wissen möchte, werfe einen Blick auf diese Website:
http://www.wirklichkeitsfabrik.de/

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