Martin Mosebach: Mogador Rowohlt Verlag

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Ein neuer Roman von Martin Mosebach ist erschienen. In „Mogador“ erzählt der Autor beinahe ein Märchen aus 1001 Nacht. Die Geschichte, obwohl in der Jetzt-Zeit angesiedelt, liest sich als wären wir in eine Welt geraten, in der wir hinter jeder Ecke auch Ali Baba oder Aladin mit der Wunderlampe begegnen könnten. Schauplatz ist der marokkanische Küstenort Mogador, der heute eigentlich Essaouira heißt. Tatsächlich war ich beim Lesen immer wieder erstaunt, wenn dann plötzlich ein Mobiltelefon auftauchte, wo ich doch eigentlich einen Geist aus der Flasche erwartet hätte. Dabei benutzt Mosebach auch alte Schreibweisen wie Telephon oder Bankerott.

Der Roman beginnt, als Hauptfigur Patrick Elff, der als junger, aufstrebender Banker nicht nur legale Geschäfte betreibt, sich mit einem Sprung aus dem Fenster des Polizeireviers auf die Flucht vor dem Gesetz begibt. Nach Marokko bricht er auf, weg aus der angenehmen Beziehung mit seiner Ehefrau Pilar, weg aus dem ansehnlichen Haus in Düsseldorf. Nach Marokko deshalb, weil dort der betuchte, angesehene Pereira lebt, dem er einmal bei einem nicht legalen Geldgeschäft geholfen hat, und von dem er sich nun im Gegenzug Hilfe erhofft.

„Dies war eine Reise ins Ungewisse. Die Fahrkarte galt bis Mogador, aber was ihn dort erwartete und wie er sich dort durchschlagen würde, das war völlig unklar. Er hatte ein Ziel; danach wußte er nicht weiter. In Mogador mußte sich alles entscheiden – aber was konnte er selbst noch dazu tun?“

Dort angekommen landet er, von deren Helfershelfer Karim abgeschleppt, ausgerechnet im Hause von Khadija, die mit einem Geist, einem „Dschunnat“ im Bunde ist. Khadija und ihrem Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen zur Geldverleiherin, Bordellbesitzerin und Hellseherin widmet der Autor einen beträchtlichen und sehr unterhaltsamen Teil des Romans.

„Der erwünschte Effekt aus dem Zusammenwirken mit dem Imam trat ein. Die Geldverleiherei verschwand dahinter etwas. Im Westen würde man sagen, Khadija habe eine Lebensberatungspraxis begründet, die sich auch mit Finanzberatung befaßte, denn meist hingen die Sorgen der Menschen doch mit Geld zusammen. Geldverleiher galten als böse Menschen, weil sie ihr Geld wiederhaben wollen. Das konnte auch Khadija nicht von sich abstreifen, aber es war jetzt besser verpackt.“

Elff mietet sich dort ein, weil ihm das am wenigsten auffällig erscheint und macht sich auf die Suche nach seinem Retter. Mit Monsieur Pereira in Kontakt zu treten, wird allerdings ein weitaus schwierigeres Unterfangen, als Elff es sich vorstellt. So muss er lernen zu warten und sich ganz dem etwas anderen Zeitgefühl der Bewohner von Mogador anzupassen. Von seltsamen Träumen geplagt und in Gedanken immer wieder bei Pilar, traut er sich doch nicht, ein Lebenszeichen in die Heimat zu senden.
Nach mehrfachem Vorsprechen im Hotel des einflussreichen Pereira hinterlegt er schließlich einen persönlichen Brief, der jedoch die erwünschte Wirkung verfehlt und das genaue Gegenteil bewirkt.

Währenddessen spitzt sich die Situation aufgrund einer weiteren Verfehlung Elffs in Mogador immer mehr zu, so dass er erneut die Flucht ergreift und zwar nun zurück in die Gegenrichtung, nach Deutschland, scheint ihm die deutsche Rechtssprechung doch zuverlässiger als die Marokkos…

Zugegeben hat mich Mosebach zwar mit dieser Geschichte gefesselt, aber so ganz überzeugt hat er mich diesmal nicht. Ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirkt die Inszenierung, zu wenig überzeugend die Hauptfigur (die von Khadija bei Weitem überstrahlt wird),  zu verklärt das „Morgenland“. Schön ist wie immer Mosebachs Sprache, seine ausschweifende, leicht altertümliche Art zu erzählen, die sogleich Bilder hervorruft und die mit ganz feinem Humor durchzogen ist. Doch haben mir die beiden Vorgängerromane „Was davor geschah“ und „Das Blutbuchenfest“ besser gefallen, die beide in Mosebachs Heimatstadt Frankfurt spielen.

„Mogador“ erschien im Rowohlt Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier

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