Teresa Präauer: Oh Schimmi Wallstein Verlag

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„Schimmi, verschwinde. Bevor du dich zum Affen machst.“

In einem Affentempo und mit ausgeklügelter Wortwahl jagt Teresa Präauer ihren Helden durch die Geschichte – „Sich zum Affen machen“, dieses Sprichwort nimmt die Autorin wörtlich und stülpt es ihrem Schimmi über. Und der weiß es in allen Facetten auszuleben.

Teresa Präauers neuer Roman „Oh Schimmi“ ist ein wunderliches Sprachexperiment und eine verrückte Reise durch Schimmis (unser aller?) affige Welt. Präauer las bereits 2015 einen Auszug aus dem Roman, hatte aber das Pech, obwohl der Jury der Text durchaus gefiel, durch das komplizierte Wahlsystem zu rutschen und somit preislos auszugehen. Schon damals war klar, der Text wirkt am Besten, wenn er laut vorgelesen wird.

Hanebüchen ist die Show, die Schimmi abzieht!
Als kindisches Muttersöhnchen, als zurückgebliebener Möchtegern und als armes Würstchen präsentiert die Autorin ihre Hauptperson. Der großmäulige Halbwüchsige, der alleine mit seiner Mutter in einer unbenannten Großstadt in den USA lebt, zudem noch in einer Wolkenkratzer-Wohnsiedlung umgeben von lauter Autobahntrassen, spinnt sich sein Leben zusammen. Der Vater abwesend, die Mutter unzuverlässig, scheint Schimmi vor allem eines zu sein: traumatisiert.
Im Blaufuchsmantel und in Stilettos stöckelt die Mutter abends davon, wer weiß wohin?, und überlässt Schimmi seiner wilden Fantasie, allerlei Naschereien und dem Pay-TV-Sexkanal. Zwischen übergroßer Fürsorge, Vernachlässigung und Verführung pendelt ihre Zuwendung. Schimmi kommt nicht raus aus der Nummer, will es vielleicht auch gar nicht, kann es nicht, da er Unabhängigkeit nie gelernt hat. Bleibt ihm einzig Zindi aus dem Pay-TV, die mexikanische Haushälterin Guadelupe und das heimliche Beobachten der angebeteten Ninni in der Wohnung gegenüber. Doch auch der filmreife Auftritt im Affenkostüm überzeugt Ninni nicht –  im Gegenteil.

„Kann ja noch gerade Sätze bilden, so betrunken kann ich gar nicht sein. Hübsche Aff- aff- affäre mit der kleinen Lilitha, aber an die Ninni reicht die freilich ni- ni- nicht heran“

Um einen echten Eindruck von „Oh Schimmi“ zu bekommen, hört man Teresa Präauer am besten daraus vorlesen. Ein Hörbuch wäre für diesen Text nahezu ideal, ermüdet das Lesen von Schimmis Sprachexzessen doch auf Dauer ein wenig. Der Text, den Präauer in Klagenfurt las, fällt auch ein wenig aus dem restlichen Rahmen, scheint sprachlich etwas anders gestaltet, denn er ist für sich allein als kurze Erzählung wohl am stimmigsten.

Mehr über die Autorin und ihre Lesung in Klagenfurt findet man hier.
Der Roman erschien im Wallstein Verlag, schön gestaltet und in Fadenheftung, wie auch sein Vorgänger „Jonny und Jean“, den ich doch deutlich gelungener finde. Ich habe das Buch bereits hier besprochen.

Weitere Blogbesprechungen finden sich bei Kulturernten und Kapri-ziös.

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2 Gedanken zu “Teresa Präauer: Oh Schimmi Wallstein Verlag

  1. „Oh Schimmi“ liegt auch noch auf meinem Lesestapel. Ich bin ja großes Präauer-Fan-Girl und fand den Text, den sie in Klagenfurt und bei ihren Lesungen bisher las, total gut. Aber trotzdem stellte ich mir dabei auch immer die Frage, ob sich der Stil des Textes auch auf einen ganzen Roman übertragen lässt bzw. ob er dann noch so wirkt. Deiner Meinung nach, klappt das ja nicht so ganz. Oder?

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    • Ich mochte den Auszug in Klagenfurt, doch auf die Länge eines Romans war es mir dann doch etwas zuviel. Aber es ist ein mutiges Experiment. Die Feuielletons waren ja überwiegend begeistert. Allerdings kommt für mich sowieso nichts an Johnny und Jean heran;-)

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