A. L. Kennedy: Schreiben Edition Akzente Hanser Verlag


Die schottische Autorin A. L. Kennedy erhielt am 11. Dezember den Düsseldorfer Heine-Preis 2016. Die Jury begründet ihre Auswahl wie folgt:

„Der Heinrich-Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf 2016 wird an A. L. Kennedy verliehen. Ausgezeichnet wird die Autorin für ihr eigenwilliges literarisches Werk, in dem sie die Grenzen menschlicher Seele und zugleich die des Schreibens auslotet – nie ohne Humor, abgründig und zärtlich. Ihr Blick auf politische und soziale Zustände schärft gesellschaftliche Diskussionen, etwa über den Irak-Krieg oder den Brexit. In der Tradition Heinrich Heines ist A. L. Kennedy eine große Literatin und eine streitbare Europäerin.“

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Ich habe beinahe jeden ihrer Romane und Erzählbände seit „Einladung zum Tanz“ gelesen. Sie hat in der Tat eine sehr besondere Art zu schreiben, man darf sie eigenwillig nennen. Die Themen ihrer Bücher sind vielfältig, weisen jedoch immer auf die Verlorenheit des Menschen hin. Ihre Protagonisten sind auf der Suche, das Finden und (Be-)Halten ist die Schwierigkeit …

Nun ist ein Buch übers Schreiben von ihr erschienen und es ist eine gute Möglichkeit die Autorin näher kennen zu lernen. Hier finden sich Texte aus ihrem Blog und ausgewählte Essays zum Thema. Der Leser erfährt manches über die Herangehensweise Kennedys, sei es ans Schreiben, an Lesungen, an Signierstunden, an Workshops, an den Umgang mit Lesern und Kollegen, letztlich ans Leben.

Im Vorwort schreibt Kennedy:

„Wenn der Ton einiger Texte übermäßig leicht und locker ausgefallen ist, kann ich zur Erklärung nur sagen, dass ich damit Lesende und Schreibende in einer Zeit, aufheitern wollte, in der das Schreiben – und künstlerische Betätigung überhaupt – unter Druck zu stehen und zugleich ziemlich zwecklos erscheinen mag.“

Stimmt, Kennedy schreibt hier mit viel Humor, englischem, schottischem, doch lässt sich das durchaus geniessen, es ist eine ausgesprochen kurzweilige Lektüre.

So berichtet Kennedy von absolvierten Workshops, sowohl als Teilnehmerin als auch als Leiterin.

„Andererseits ist das eine bewährte Verdienstmöglichkeit für angehende Schriftsteller: Workshops für Menschen zu geben, für Menschen, die noch nicht schreiben können, während man selbst noch nicht schreiben kann.“

Weiter erzählt sie über Recherchen, die nicht immer leicht vonstatten gehen, muss man dabei doch oft Menschen mit Fragen auf die Nerven gehen, und von der eigentlichen Arbeit am Roman, die ständige Höhen und Tiefen birgt und mal tags mal nachts am Besten läuft und wie sehr sie von den Figuren abhängig ist, die ihr letztlich den Roman diktieren … Kennedy scheint unstet, sie ist viel auf Reisen, immer im Zug, schreibt dort oder in diversen Hotelzimmern am Roman weiter, gleichzeitig ist sie eine große Planerin.

Kennedy schreibt viele sehr gute Kurzgeschichten, was in ihrem letzten Buch „Der letzte Schrei“ nachzulesen ist. Oft werden von verschiedener Seite Stories bei ihr angefragt. Dass solche Angebote einschränken und sich oft auf die Qualität der Kurzgeschichte auswirken, trägt ihrer Meinung nach dazu bei den Ruf kurzer Geschichten zu verschlechtern. Dazu schreibt sie hier:

„Wir hätten es gern bis heute Nachmittag – und es soll Plymouth vorkommen, außerdem eine kleine Szene, in der ein rothaariger Mensch etwas aus Seife schnitzt […] Meine Antwort auf derlei Anfragen lautet oft: „Nein“. […] weil ich unter anderem deshalb schreibe, weil dabei niemand bestimmen kann, was ich tun oder denken soll.“

Die hier versammelten Blogeinträge spielen mit verschiedenen Themen aus Kennedys Schriftstellerleben, im Teil mit den Essays finden sich auch echte handwerkliche Schreibanregungen. Somit bietet sich das Buch sowohl dem Leser als auch dem Schreibenden an.
Fazit: Eine kurzweilige Lektüre mit Einblick ins Schreiben und in den Kopf von Frau Kennedy.

„Schreiben“ erschien im Hanser Verlag, wie auch die letzten beiden Bücher der Autorin. Übersetzt wurde es von Ingo Herzke. Eine Leseprobe gibt es hier.

Ihr Roman „Gleissendes Glück“ ist vor Kurzem verfilmt worden mit Martina Gedeck und Ulrich Tukur in den Hauptrollen.

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2 Gedanken zu “A. L. Kennedy: Schreiben Edition Akzente Hanser Verlag

  1. A.L.Kennedy ist wirklich eine außerordentliche Schriftstellerin. Ich mochte „Gleissendes Glück“ und „Alles was du brauchst“ sehr, habe sie aber ein wenig aus den Augen verloren. Die Erzählungen liegen noch ungelesen hier. Danke für die Erinnerung! Habe mir „Schreiben“ gerade über die Onleihe reserviert.

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