Für immer: Peter Kurzeck erzählt sein Schreiben Hörbuch supposé

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Und wieder ein Hörereignis:
Eine „neue“ CD von Peter Kurzeck, dem wunderbaren Erzähler, der nun bereits seit drei Jahren tot ist und der die vielen schönen Geschichten in seinem Kopf nicht mehr alle aufschreiben konnte. Das Hörbuch beinhaltet zusammengeschnittene Erzählstücke, konzipiert von Klaus Sander, der bei supposé schon mehrere Hörbücher von Peter Kurzeck bearbeitete.

Diesmal geht es vor allem um Kurzecks Einstellung zum eigenen Schreiben und seine persönliche Herangehensweise. Wie immer redet Kurzeck ohne Konzept frei drauf los in seiner wunderbar weitschweifenden Art und lässt den Zuhörer gebannt lauschen. Peter Kurzeck ist wie kein anderer in der Lage zu schildern, wie wichtig und dringlich bei ihm das Bedürfnis zu schreiben ist.

„Es gehört eine andere Art von Mut dazu, nachts zu arbeiten, als morgens anzufangen.“

Er erzählt vom Ablauf eines normalen Tags in seinem Leben. Die meiste Zeit des Jahres lebte er in Uzés in Südfrankreich, wo er eine kleine Wohnung in der Innenstadt bewohnte, in einem Haus, in dem auch André Gide einge Zeit lebte. Er berichtet, wann er schreibt, wann er spazieren geht, Kaffee trinkt, isst, was er wahrnimmt. Für Kurzeck war diese Routine  wichtig für sein Schreiben.

So erzählt er, dass er schon als Kind das Wissen hatte, ein Schriftsteller zu werden, bereits mit 16 sein erstes Buch schrieb, welches die Schwester dann abtippte. Es folgte mit 20 das zweite Buch, welches an Abenden nach der Brotarbeit innerhalb eines halben Jahres entstand, aus dem nach mehreren Überarbeitungen Jahre später 1987 der Roman „Keiner stirbt“ entstand.

Und dann kommt der Tag, der 19.8.1971, an dem Kurzeck aufwacht und weiß, er will nun nur noch Schriftsteller sein. So kündigt er seine sichere Stelle und beginnt auf einem langen harten Weg sein Schriftstellerleben.

Überaus plausibel scheint mir der eigentliche Grund, den er für sein Schreiben nennt: Er wollte nichts vergessen. Sein Möglichkeit dafür fand er im Schreiben und Malen – die beste Umwandlung zur Konservierung der Erlebnisse. Überaus begreifbar vor allem auch, weil Kurzeck, geboren 1943, eine Flüchtlingskindheit erlebte.

„Insgeheim träume ich eigentlich davon, ein Buch zu schreiben, dass so gut ist,  dass die Leute dann, so wie sie bisher gelebt haben, nicht mehr weiterleben können.“

Und wenn ein Peter Kurzeck so etwas sagt, kann man gewiss sein, dass es sich nicht um eine narzisstische Befindlichkeit handelt, sondern, dass er in der Tat jedem auf der Welt nur das Beste wünscht.

Mehr über Kurzeck bei supposé.
Einige Erzählauszüge sind bereits im Hörbuch „Ein Sommer, der bleibt“ enthalten.
Ich habe bereits das Hörbuch „Da fährt mein Zug“ und das Romanfragment „Bis er kommt“ aus dem Nachlass hier auf der Seite besprochen.

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2 Gedanken zu “Für immer: Peter Kurzeck erzählt sein Schreiben Hörbuch supposé

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