Film-Kunst-Film: Seraphine DVD Film von Martin Provost 2008

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Unter der Rubrik „Film-Kunst-Film“ stelle ich nun in loser Folge auch Filme vor, die mich beeindruckt haben und die in irgendeiner Form mit Literatur/ Kunst zu tun haben oder die sonst bemerkenswert sind.

Seraphine de Senlis, eigentlich Seraphine Louis, war eine der bekanntesten naiven Maler/innen in Frankreich. Sie lebte von 1864 bis 1942 in Oise, Frankreich. Sie wuchs in armen Verhältnissen auf und verdingte sich später, zunächst in einem Kloster, dann privat, als Putzfrau und Haushaltshilfe. In ihrer knappen freien Zeit und somit meist nachts, entstanden ihre Bilder, die sie in großer Hingabe malte und die von ihrem religiösem spirituellem Hintergrund zeugen, aufgrund dessen sie sich auch zum Malen berufen fühlte. Ihre Farben mischte sie sich aus natürlichen Zutaten selbst zusammen, einmal, weil sie sehr wenig Geld hatte, zum anderen aus ihrer Naturverbundenheit heraus. Nach außen hin wirkt sie naiv, gar etwas zurückgeblieben, doch spricht aus ihren Gemälden eine ganz eigene Leuchtkraft.

Entdeckt wurde Seraphine vom deutschen Kunsthändler Wilhelm Uhde, der im Sommer 1914 seinen Urlaub in Senlis verbrachte und zufällig eines ihrer Gemälde sah. Zwischen beiden entsteht eine besondere Verbindung. Uhde besaß eine Galerie in Paris und war Entdecker unter anderen von Picasso und Rousseau. Durch den Ausbruch des ersten Weltkriegs musste er Frankreich verlassen und kehrte erst 10 Jahre später zurück und entschied sich zu bleiben. Seraphine malte inzwischen exzessiv weiter, auf immer großflächiger werdenden Leinwänden. Uhde unterstützte sie nun finanziell und materiell. Sie begann jedoch zunehmend an Wahnvorstellungen zu leiden und lebte, nun regelmäßig Geld verdienend, über ihre Verhältnisse. Auch für Uhde blieb das nicht finanzierbar. 1932 wurde sie in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, in der sie 1942 aufgrund einer Mangelversorgung während des zweiten Weltkriegs starb. Uhde stellte ihre Bilder aus und machte sie so in aller Welt bekannt.

Seraphine wird authentisch dargestellt von der belgischen Schauspielerin Yolande Moreau, Uhde von Ulrich Tukur; eine starke und überzeugende Besetzung.

Es ist ein stiller Film, bildkräftig, der einmal mehr aufzeigt, wie fragil ein Leben für die Kunst sein kann und wie nah dabei Genie an Wahnsinn grenzt oder umgekehrt.

Zur offiziellen Filmseite mit Trailer gehts hier.

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4 Gedanken zu “Film-Kunst-Film: Seraphine DVD Film von Martin Provost 2008

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