Käthe Kollwitz: Ich sah die Welt mit liebevollen Blicken marixverlag

 

Vor 150 Jahren wurde Käthe Kollwitz geboren. Verschiedene Sonderausstellungen über sie und ihr Werk gab es hier in Berlin zu sehen. Ich war im Kollwitz-Museum in der Fasanenstraße. Hier sind viele ihrer Werke in sehr schönen Räumen platziert und gehängt.

 

Der marix Verlag hat zudem die Auszüge aus Tagebüchern und Erinnerungen, die der Sohn Hans bereits 1968 herausgegeben hatte, neu aufgelegt. Käthe Kollwitz begann erst im Alter von 41 Jahren Tagebuch zu schreiben, wohl um für sich die Geschehnisse zu sortieren und zu dokumentieren. Zwischen den einzelnen Einträgen gibt es lange Pausen. Hans Kollwitz erklärt mit einleitenden Worten, weshalb er keine chronologische sondern eine thematische Anordnung gewählt hat, was ich persönlich nicht so geschickt finde, weil so wichtige Zusammenhänge auseinander gerissen werden. Die Kapitel gliedern sich beginnend mit dem Thema Kindheit und Jugend in Bereiche wie Ehe, Mitmenschen, Mutterschaft, Über Kunst, Selbstkritisches etc. Zwischen den Kapiteln wurden Bilder von ihren Werken eingefügt, nach dem ersten Kapitel Familienfotos.

Der Leser erfährt über die enge Verbindung zur Schwester Lise, die Liebe zur Mutter, die Unterstützung des Vaters, der sie zur Künstlerin ausbilden lässt, die ersten Erfolge mit der Serie zu den „Webern“,  das Zusammenleben mit Ehemann Karl, der sie an ihrem Künstlerinnensein nicht hindert, den starken Einschnitt durch den Tod des jüngsten Sohnes Peter im Krieg (welcher die Idee eines Mahnmals gegen den Krieg entstehen lässt), die Verehrung Goethes, die Lektüre verschiedener Schriftsteller, die Ernennung zur Professorin in Berlin, die Juryarbeit für Ausstellungen (Kollwitz fand oft die Werke von Frauen nicht genügend, sollte aber generell die Frauen vertreten).

 

Was mir auffällt ist, dass die „private“ Käthe wesentlich liebevoller und wohlwollender wirkt, als die Künstlerin, die oft Härte und Strenge ausstrahlt. Vielleicht musste sie das auch, um sich gegen die überwiegend männliche Künstlerschaft durchzusetzen. Ebenso interessant ist, dass sie oft harsche Urteile über die Jungen, die nächste Künstlergeneration und deren Ideen äußerte.

Auch das Zeitgeschehen kommentierte sie in ihren Tagebüchern:

„Am Sonnabend, 1. Juli 1933
… In ganz Deutschland existiert nur noch die NSDAP. Es gibt keine Zeitung, die eine andere Meinung vertritt.
Gleichschaltung.
Unterdes lebt man und arbeitet. Ich bin an der plastischen Gruppe Mutter mit zwei Kindern. Ende September muß ich das Akademie-Atelier geräumt haben. Die Arbeit geht von der Hand.“

Kurze Zeit später ändert sich alles. Käthes Arbeiten werden als „Entartete Kunst“ gebrandmarkt. Sie darf nicht mehr ausstellen. Im April 1945 stirbt Käthe Kollwitz nahe Dresden, kurz vor der Kapitulation Deutschlands.

Dem Band ist eine Biographische Übersicht angehängt und auch eine Bibliographie. Er erschien im marix Verlag.

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5 Gedanken zu “Käthe Kollwitz: Ich sah die Welt mit liebevollen Blicken marixverlag

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