Hans Joachim Schädlich: Felix und Felka Rowohlt Verlag

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Hans Joachim Schädlich ist ein Meister der kurzen Form. Vielfach wendet er sich historischen Themen zu („Sire, ich eile“ – Voltaire bei Friedrich II), fokussiert aber immer einen kleinen Ausschnitt und setzt ihn ins Bild. Im neuen Roman geht es um den jüdischen Maler Felix Nussbaum und seine Gefährtin Felka Platek.

Felix und Felka befinden sich 1933 in Rom. Felix hat ein Aufenthaltsstipendium der Villa Massimo. Zur gleichen Zeit arbeitet auch Arno Breker, der zukünftige Haus- und Hofbildhauer und Architekt Hitlers in einem der Ateliers. Zum Eklat und zur unerwartet frühen Abreise des Malerpaares kommt es, als ein Stipendiat, der sich eindeutig auf seinen Antisemitismus beruft, Felix tätlich angreift. Diese Situation steht symbolhaft gleich zu Beginn und weist auf das was künftig geschieht.

Von da an ist das paar ständig unterwegs. Nach Deutschland zurückzugehen wäre inzwischen zu riskant. So pendeln sie als Emigranten zwischen der italienischen Riviera, der Schweiz, Ostende, wo sie auch James Ensor treffen, und Brüssel, wo sie schließlich eine kleine Wohnung beziehen und 1937 heiraten.

Hier verfolgt der Leser zunächst vor allem den Briefwechsel zwischen Felix Nussbaum und der Familie Klein in den USA, die für Felix Bilder verkauft. Doch die Klientel will nur freundliche heitere Bilder, eine Herausforderung für den Maler, für den die Zeit alles andere als rosig ist. Und so hält sich das Paar zusätzlich mit Porzellanmalerei über Wasser. Die schlechten Vorzeichen häufen sich. Deutschland im Krieg gegen Polen: Felka sorgt sich um die Eltern in Warschau. Deutschland besetzt Belgien. Wohin nun?

„Jetzt sind wir in Bruxelles, wo morgen? Aber das ist ja nicht wichtig, zu neugierig darf man nicht sein. Aber ich glaube, dass wir hierbleiben. Das Wanderns Lust ist ja die des Müllers. Ein Nussbaum hat ruhig auf einem Fleck zu stehen.Hoffentlich trägt sein Baum mal Früchte.“

Eines Tages wird Felix abgeholt und in ein Internierungslager in Südfrankreich gebracht. Erst bei einer Verlegung gelingt Felix und einem Bekannten die Flucht. Sie schlagen sich durch zurück nach Brüssel. Freunde bieten eine winzige Wohnung an, bieten im Verlauf an bei ihnen zu wohnen. Doch sie werden gefunden. Man bringt sie nach Mechelen, von wo aus die Deportationen in den Osten geplant werden. Felix Nussbaum und Felka Platek werden 1944 in Auschwitz ermordet. Belgische Bekannte versteckten Gemälde, die somit erhalten blieben und teilweise heute im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück zu sehen sind.

Schädlich gelingt trotz oder vielleicht wegen aller Verknappung ein intensives Porträt der beiden Künstler. Vor allem auch, weil er sich ins Private vorwagt, etwa die Konkurrenz zwischen beiden andeutet und Felkas Probleme mit der Schwiegermutter aufzeigt, der sie nicht genügt, weil sie eine „Ost-Jüdin“ ist.

Der kurze Roman macht neugierig, mehr über die beiden zu erfahren. Dazu bietet sich das Buch „Orgelmann“ von Mark Schaevers an, erschienen bei Galiani, dass ich aufgrund seiner Informations- und Bilderfülle sehr empfehle.

„Felix und Felka“ erschien im Rowohlt Verlag. Eine Leseprobe und mehr über den Autor gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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2 Gedanken zu “Hans Joachim Schädlich: Felix und Felka Rowohlt Verlag

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