Yael Inokai: Mahlstrom Edition Blau im Rotpunkt Verlag

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„Sie hat sich getötet.
Erst ein paar Tage nach der Beerdigung wurde es mir bewusst. Langsam verschob sich das Bild in der Dauerschleife;“

Barbara beging Suizid. Das wird Nora, Barbaras Freundin nun klar, die wechselweise mit Barbaras Bruder Adam und Yann als Erzähler fungiert. Es war kein Unfall. Die 22-jährige Barbara hat sich den schweren Wollmantel ihres Bruder Adams übergezogen und ist in den Fluß gegangen, der für seine gefährlichen Strudel bekannt war. In dem kleinen Schweizer Dorf, will sich keiner etwas anmerken lassen. Erstaunlich schnell gehen selbst die Eltern wieder in die Alltagsroutine über.

Aus drei verschiedenen Blickwinkeln erfahren wir etwas über Barbara. So setzt sich ein Bild zusammen. So erfahren wir aber noch viel mehr. Die Erinnerung reicht zurück in die Kindheit. Alle gingen in die Dorfschule, doch als Yann dazu kam, änderte sich etwas. Yann, dessen Eltern aus der Stadt hinzuzogen, wird ausgegrenzt und wie sich langsam herauskristallisiert zur Zielscheibe ihrer Gewalt. Eine Gewalt, die bereits aus den Familien kommt, und die Gefühle oder ein Anderssein schlichtweg nicht zulässt …

Wie Inokai diese Geschichte erzählt, ist gekonnt und spannend und sprachlich überzeugend. Das Thema ist nicht neu und doch trifft es und fesselt. Das liegt sicher daran, dass die Autorin zeitweise sehr nah an ihre Protagonisten herantritt, dem Leser sozusagen Eintritt gewährt in das soziale Gefüge dieser dörflich eingeschworenen Lebensgemeinschaft und ihn gleichzeitig über Einzelheiten im Unklaren lässt.

„Der Papa hat manchmal gesagt, die Barbara ist ohne Filter zur Welt gekommen. Vielleicht trifft es das ganz gut.“

Der Titel „Mahlstrom“ ist passend gewählt, denn nicht nur der Fluß erweist sich als solcher, auch die Dorfgemeinschaft kann einen Menschen, der kein dickes Fell hat oder eben etwas anders ist, so wie Barbara, tief hinunterziehen, bis es keinen Ausweg mehr gibt: Fliehen oder Untergehen … Bis endlich einer beginnt die Wahrheit zu sagen: „Ich will jetzt endlich mal etwas klarstellen“. So endet der Roman und so kann vielleicht eine Öffnung stattfinden.

Der Roman erschien im Rotpunkt Verlag. Es ist Yael Inokais zweiter Roman. Mehr über die Autorin und eine Leseprobe gibt es hier.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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2 Gedanken zu “Yael Inokai: Mahlstrom Edition Blau im Rotpunkt Verlag

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