Andreas Maier: Die Universität Suhrkamp Verlag

DSCN2709

Es geht nun weiter mit Andreas Maiers „Ortsumgehung“, einem autobiographischen Romanwerk, welches bereits aus fünf Bänden besteht und mich gerade diesmal zu Beginn sofort an Thomas Bernhards biographische Romane erinnert. Maier gelingt etwas, was auch Peter Kurzek und in gewisser Weise auch J. J. Voskuil gelungen ist, allerdings mit wesentlich weniger Worten, doch nicht minder intensiv. Maiers Bände, zwölf sollen es werden,  haben meist nur um die 150 Seiten und bieten dennoch nachhaltige Einblicke in das Leben, ja die Seele des Protagonisten aka Andreas Maier.

Wir wissen längst, dass der Held eine Obsession für die Buchhändlerstochter seines Heimatorts in der Wetterau hat. Und auch hier geht es eingangs wieder um die Bindernagelsche Buchhandlung, diesmal nicht die in Friedberg, sondern die kleinere Filiale in Butzbach. Hier landet der Held zu Beginn der Semesterferien, obgleich er eigentlich in einen Zug Richtung Südtirol steigen wollte.

“ Ich bin jetzt eine weitere Meta-Ebene, die Meta-Ebene zu ihm, ich bin das Bewusstsein des Bewusstseins, das er von den anderen hat, die dritte Stufe von Bewusstsein. Bin jetzt für ihn selbst umwölkt und unsichtbar.“

Maiers Buch ist diesmal sehr meta-ebenen-lastig. Kein Wunder, denn er studiert ja auch gerade Philosophie. Wie er sich von außen betrachtet, wie mit einem abgespalteten zweiten Ich, ist einleuchtend. Wie er im Seminar bei dem dozierenden Professor statt zuzuhören, die Kommilitonen betrachtet und aufschlüsselt, ja beinahe denkend seziert, hat etwas komisches. Am absurdesten sind die zig Seiten, die Maier darauf verwendet, über ein gefundenes Erotikmagazin zu fantasieren, bloß weil eine der Abgebildeten seinem Jugendschwarm namens Katja Melchior ähnelt.

Von wiederkehrenden Träumen erzählt Maier, die sich oft mit dem tatsächlichen Sein vermischen und über die er in seiner ersten Studentenbude philosophiert. Vom Besuch beim Internisten, der während der Sprechstunde einschläft. Das Autobahnkapitel halte ich persönlich für überflüssig, vielleicht habe ich die Wichtigkeit nicht verstanden oder aber vielleicht muss das einfach dabei sein bei einer Ortsumgehung. Hingegen finde ich die Begegnung mit der Witwe Theodor Adornos, die nur aufgrund seines Studentenjobs bei einem Alten-Pflegedienst stattfindet, berührend.

„Ich schrieb zu der Zeit eine Hausarbeit über Identität, bei der ich oft an Frau Adorno denken mußte und die vielleicht sogar von ihr und ihrem seltsam atomisierten Wesen inspiriert war.“

Und endlich im letzten Kapitel, am Schluß, lässt Maier die seit über vier Jahren vermisste und doch erwartete Buchhändlerstochter auftreten und seinem Helden begegnen.

Wie immer kann ich Maiers neuestem Band des 12-bändigen Projekts einiges abgewinnen. Und schön, dass ich nun bereits die Titel der neuen Bände kenne, denn Maier hat bereits vor Beginn des Schreibens alle Titel festgelegt. Als nächstes „Die Familie“.

Andreas Maiers Roman erschien im Suhrkamp Verlag. Die beiden vorigen Bände Der Ort und Der Kreis habe ich bereits hier besprochen.

Besprechungen der ersten drei Bände gibt es bei Bookster HRO.

Advertisements

8 Gedanken zu “Andreas Maier: Die Universität Suhrkamp Verlag

  1. Ich bin um Weihnachten rum mit dem ersten Band eingestiegen – und freue mich jetzt einfach so, weiter auf dieser Straße zu lesen – deine Besprechung erhöht die Vorfreude, ich stelle mir diesen schrägen Philosophiestudenten schon bildlich vor 🙂 Jedenfalls mag ich dieses leicht Versponnene, diese Sprache sehr – ein Genuß.

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Marina, mal wieder eines meiner vielen Projekte. Ich habe alle bisherigen Bände. Schon allein durch meine räumliche Nähe zu Friedberg, Butzbach, Bad Nauheim und der gesamten Wetterau muss ich dieses Werk unbedingt in Angriff nehmen. Ich kenne bisher nur den „Wäldchestag“ (auch ganz wunderbar) und das Zimmer. LG

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Petra, mit Wäldchestag begann es bei mir damals als es neu erschien auch. Das Schöne ist ja, dass es keine so dicken Bände sind. So fällt der Beginn nicht so schwer. Außerdem könntest du dann alle „Schauplätze“ besuchen ;-). Eine andere Möglichkeit wäre, zu warten bis alle erschienen sind. Das stelle ich mir auch gut vor, alle nacheinander wegzulesen. Immerhin hast du alle Bände liegen, dann wird der Zeitpunkt kommen.
      Viele Grüße!

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s