Rachel Cusk: Kudos Suhrkamp Verlag

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Die kanadische, in England lebende Autorin Rachel Cusk lässt den dritten Band ihrer Trilogie fast gleich beginnen wie den ersten. Zufall oder Kalkül? Interessant auf jeden Fall, denn das Gespräch, das genau wie im ersten Band fast ausschließlich vom Nachbarsitz im Flugzeug geführt wird, ist ein ganz anderes. Und doch ist es letztlich das gleiche Thema, um dass es bereits in den ersten beiden Bänden „Outline“ und „Transit“ ging. Großartig, wie Cusk ihren bewundernswerten Stil beibehält.

Beziehungen und deren Ungleichgewichte zwischen Mann und Frau, Kindern und Eltern, berufliche und private, durchleuchtet Cusk auf ihre ganz unvergleichliche Art. Wie bereits in den Bänden zuvor, schickt sie ihre Hauptfigur Faye, in Begegnungen, meist recht kurze, die auf Gesprächen basieren. Die Gespräche verlaufen allerdings sehr einseitig. Das Gegenüber erzählt, oft uferlos, und die Schriftstellerin Faye hört zu, geht mitunter, doch sehr selten, auf Fragen ein oder sagt ihre Sicht auf die Dinge. Diese aber sehr konkret und mit großer Wichtigkeit.

Diesmal ist Faye auf dem Weg zu einem Literaturfestival auf dem „Kontinent“. Im Flugzeug hört sie sich die Geschichte eines erfolgreichen Geschäftsmann an, der für die Karriere immer unterwegs, sich nun endlich seiner Familie widmen will, diese jedoch gar nicht mehr zu erkennen scheint. Das eingespielte Team brauchte offenbar nur den Versorger. Eine wichtige Rolle spielt allerdings der Familienhund …

„Ich hatte den Eindruck, dass er seine Geschichte oft und gern zum Besten gab und es ermächtigend und befriedigend fand, die Ereignisse noch einmal zu durchleben, nur eben ohne den Schmerz. Offenbar bestand der Trick darin, sich der vermeintlichen Wahrheit so weit wie möglich anzunähern, ohne die von der Wahrheit ausgelösten Gefühle die Oberhand gewinnen zu lassen.“

Im Gespräch mit dem Moderator einer Lesung und einer Schriftstellerkollegin geht es dann um den Nutzen des Buches an sich. Es wird eingetaucht in den Literaturbetrieb. Auch hier wird er totgeredet. Dann hören wir die Familiengeschichte der anderen Autorin. Auch ein Gespräch mit einer Journalistin endet nach kürzester Zeit im Monolog der selbigen. Fast glaubt man Faye würde etwas über die Journalistin schreiben wollen und sicher schöpft sie eben aus all diesen Begegnungen, den Stoff für ihre Literatur.

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Wir erleben zwei weitere Interviews, in denen ausschließlich die Journalisten reden. Sehr selbstbewusst, ohne zu merken, was sie da tun, breiten sie Theorien und biografische Daten aus, drängen Faye ins Aus. Es sind häufig Gender-Themen, die hier seziert werden. Seltsame Figuren sind unter den Gästen dieses Literaturfestivals. Schriftsteller, die eigenartiger nicht sein könnten. Jeder hat eine andere Macke. Es ergeben sich seltsame Querverbindungen, Flirt- und Fluchtversuche. Schwierig zu deuten, ob „echte“ Autoren dabei sind und in welchem Land/Stadt (Lissabon?) das Buch spielt.

“ …, gleichzeitig habe sie das Gefühl, aus einem privaten Zeitvertreib wie Lesen und Schreiben ein öffentliches Anliegen zu machen, bringe eine ganz eigene Art von Literatur hervor. Viele der eingeladenen Autoren überträfen sich bei ihren Auftritten selbst, während man ihre Bücher bestenfalls durchschnittlich nennen könne.“

Nur Faye bleibt „normal“ und im Hintergrund. Gegen Ende der Story, merke ich, wie mich die fortdauernden Monologe ermüden. Vielleicht hat Cusk diesmal doch ein wenig übertrieben, wäre doch besser ein wenig näher an ihre Hauptfigur gerückt, so wie sie es im zweiten Teil „Transit“ gemacht hat, der mir auch am Besten gefiel. Nur zweimal wird Cusk konkreter: Zwei Anrufe ihrer Söhne deuten an, dass in Fayes eigenem Leben noch immer keine Ruhe eingekehrt ist.
Für ein Faye-Interview bin ich jedoch sehr dankbar, erwähnt die Journalistin doch eine bildende Künstlerin, die ich noch nicht kannte und die eine inspirierende Entdeckung ist. Es ist die schottische Malerin Joan Eardley, deren Namen und Ideen sie, wie auch Louise Bourgeois in das Gespräch einfließen lässt.

Generell mag ich Cusks Sprache sehr. Auch davon lebt der Roman. Ich bin gespannt auf weitere Übersetzungen der Autorin und empfehle die Lektüre in der Reihenfolge des Erscheinens. Ein Leuchten!

Kudos (laut wikipedia: Ruhm, Ehre, ein vor allem im englischsprachigen Raum verbreiteter Ausruf der Anerkennung) und beide vorherigen Bände erschienen bei Suhrkamp. Übersetzt aus dem Englischen hat sie Eva Bonné. Eine Leseprobe gibt es hier.
Eine weitere Blogbesprechung gibt es auf letteratura.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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6 Gedanken zu “Rachel Cusk: Kudos Suhrkamp Verlag

  1. Mir gefiel auch der zweite Band am besten… schade, dass es für meine Neugier nicht noch einen dritten Band gibt, der nur von ihr erzählt 😉 würde natürlich nicht ins Konzept passen, mich aber interessieren. Viele Grüße!

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