Film-Kunst-Film: Werk ohne Autor von Florian Henckel von Donnersmarck 2018

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Unter der Rubrik „Film-Kunst-Film“ stelle ich nun auch ab und an Filme vor, die mich beeindruckt haben und die in irgendeiner Form mit Literatur/ Kunst zu tun haben.

Schon mehrmals habe ich nun über einen Social Media Kanal Kinokarten gewonnen. Facebook scheint mir Glück zu bringen (Dank an Suhrkamp für die Ausdauer beim Zusenden). Zuletzt war es der Film „Werk ohne Autor“, der mit immerhin über drei Stunden Laufzeit aufwartet. Doch kein Problem: ich hätte noch eine Stunde länger sitzen und zusehen können. Nun bearbeitet der Film von Florian Henckel von Donnersmarck, bekannt durch den Film „Das Leben der Anderen“, auch vorrangig zwei Themen, die ich aus persönlichen Gründen mehr als interessant finde. Zum einen ist der Film an die Biografie des Ausnahmekünstlers Gerhard Richter angelehnt und berichtet im letzten Drittel ausführlich über den Entwicklungsprozess zum eigenen künstlerischen Ausdruck, zum anderen steht das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten im Mittelpunkt und die (teilweise erfolglose) Verfolgung der Täter im Nachkriegsdeutschland.

Kurt Barnert heißt der Künstler im Film und er durchlebt drei politische Systeme: als Kind den Nationalsozialismus, als junger Mann die Anfänge der DDR und durch „Flucht“ in den Westen kurz vor dem Mauerbau die Bundesrepublik. Als Künstler fängt Barnert im Westen wieder ganz neu an, nachdem er im Osten bereits ein hoch angesehener Maler war, der mit sozialistischen Wandgemälden den Arbeiter- und Bauernstaat porträtierte. Die Initiation (siehe Szene oben) an der Kunsthochschule in Düsseldorf erhält er im Film von einem Kunstprofessor, der unschwer als Joseph Beuys (sehenswert der Film „Beuys“)  erkennbar ist. Beeindruckend wie der Regisseur die oft verzweifelte Suche des Malers nach dem künstlerischen Ureigenen darstellt. Mit seinen fotorealistischen Gemälden, die er minimal verändert durch Verwischungen wird er sich auf den Weg begeben und erste Erfolge erzielen. Als Vorlage dienen zum Teil Familienfotos, unter anderem von der psychisch labilen Tante, die ausgerechnet von Barnerts Schwiegervater, der im nationalsozialistischen Deutschland bekannter Professor der Gynäkologe war und Zwangssterilisierungen durchführte, später als „unwertes Leben“ in den Tod geschickt wurde. Dieser Teil der Geschichte stimmt genau mit Gerhard Richters Biografie überein.

Ich kann diesen Film nur empfehlen. Er ist mit hochkarätigen Schauspielern besetzt, allen voran Tom Schilling (Mein Kampf, oh boy) und Paula Beer (Poll, Frantz, Transit) Das Filmbuch, erschienen bei Suhrkamp, enthält ein aufschlussreiches Interview mit dem Regisseur und ein interessantes Gespräch zwischen Alexander Kluge und Thomas Demand. Desweiteren empfehle ich den Film „Gerhard Richter Painting“ von Corinna Belz (die auch den wundervollen Film über Peter Handke drehte). Hier werden auf achtsame Weise die Malprozesse, die Entstehung von großformatigen Gemälden Richters dokumentiert. Die Biografie von „Jürgen Schreiber: Ein Maler aus Deutschland: Gerhard Richter: Das Drama einer Familie“, welche unter anderem Donnersmarck als Vorlage diente ist ebenso lesenswert.

Werke von Richter, der in Dresden zur Welt kam, kann man im Gerhard-Richter-Archiv in Dresden sehen. Ich war kürzlich in der Ausstellung „Abstraktion“ (siehe Fotos) im Museum Barberini in Potsdam, die allerdings bereits beendet ist.

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