F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby Reclam Verlag

 

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„Ich will etwas Neues schreiben – etwas ganz außergewöhnliches und wunderschönes und einfaches + verwoben komplexes.“

So äußerte sich wohl Francis Scott Key Fitzgerald seinem Lektor Maxwell Perkins im Verlag Scribners, New York, gegenüber. Dieses Versprechen hat er in der Tat eingelöst.

„Daisy begann rhythmisch zur Musik zu singen, mit einer rauchigen Flüsterstimme, die jedem Wort eine Bedeutung verlieh, die es noch nie gehabt hatte und nie wieder haben würde.“

Ein Romanklassiker, den ich, ich gestehe es, vor etwa einem Jahr zum ersten Mal las und nun endlich auch darüber schreibe. Nie hatte er mich gereizt, obgleich ich einige Erzählungen Fitzgeralds, lange zuvor gelesen, sehr mochte … Vielleicht hätte ich mir die Verfilmung damals nicht ansehen sollen, denn was der Film zeigt, ist vor allem der Glamour der 20er Jahre in New York, Menschen, die sich mit ihrem immensen Reichtum gelangweilt durch ihre Oberflächlichkeit bewegen, der mich wenig beeindruckte.

 “ … auf der anderen Seite des Flusses erhebt sich die Stadt in weißen Quadern und Zuckerwürfeln, alle ganz nach Wunsch aus geruchlosem Geld erbaut.“

Was der Film nicht zeigen kann und weshalb er auch niemals so gut sein kann, ist die Sprache: Es ist tatsächlich Fitzgeralds Sprache und sein frischer Stil, der mich  für diesen Roman sehr einnimmt.

„Die Erde taumelt von der Sonne fort, die Lichter erstrahlen heller, und jetzt spielt das Orchester gelbe Cocktailmusik, und die Stimmenoper schwingt sich eine Tonart höher.“

Nun hängt natürlich in diesem Fall alles auch von der Übersetzung ab. Ich erwischte in der Bibliothek die Reclam Ausgabe mit der Übersetzung von Hans-Christian Oeser aus dem Jahr 2012 und bin damit sehr zufrieden. In verschiedene andere Varianten habe ich noch hineingelesen und könnte mir vorstellen die neueste von Lutz-W. Wolff bei dtv noch einmal zu lesen, um zu vergleichen.

„So kämpfen wir uns voran, Boote gegen die Strömung, unablässig zurückgetragen, der Vergangenheit zu.“

Das ist der Schlusssatz. Über den Inhalt brauche ich nichts weiter zu sagen, sicher kennt jeder die Story vom partyfeiernden geheimnisvollen reichen Jay Gatsby und der tragisch endenden Liebesgeschichte zu Daisy in den Roaring Twenties in New York, der Zeit des Jazz und der Flapper-Generation.

„Wir alle wandten uns suchend nach Gatsby um. Dass gerade diejenigen über ihn tuschelten, die in dieser Welt wenig gefunden hatten, worüber zu tuscheln sich lohnte, war ein Beweis für die romantischen Spekulationen, die er beflügelte.“

Der Erzähler Nick scheint mir da noch die sympathischste und auch empathischste Figur des ganzen Romans zu sein. Alle anderen leben in einer Welt des Reichtums, glamoursüchtig, sorglos und arrogant, blasiert und über die Maßen elitär. Eine Welt, die mir ferner gar nicht sein könnte.

“ Das war es. Bis dahin hatte ich es nie begriffen. Sie klang nach Geld – das war der nie versiegende Charme, der in ihr schwang, ihr Geklingel, ihr Zimbelklang … Hoch droben in einem weißen Palast des Königs Tochter, das goldene Mädchen … „

Gerade deshalb ist es Fitzgeralds Erzählkunst zuzuschreiben, dass es mich trotzdem gepackt hat, dieses berühmte Buch. Neben der Sprache ist es auch sicherlich der ironische Blick, den Fitzgerald auf die Szenen wirft. Dennoch ist es womöglich Zufall, welcher Schriftsteller aus dieser Zeit es mit seinen Werken geschafft hat, bis in die heutige Zeit zu überdauern. Wofür auch immer wieder die diversen großartigen Neu- und Wiederentdeckungen sprechen …

Interessant und ergänzend ist auch Stewart O´Nans Roman „Westlich des Sunset“, der aus den letzten Jahren von Scott Fitzgerald erzählt und damit genau die Phase beschreibt, in der er wohl in Sachen Broterwerb Erzählungen schrieb und versuchte, oft vergeblich, sie bei diversen Zeitungen unterzubringen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Es galt schließlich Zelda, damals in der Klinik und die Tochter im Internat zu versorgen. Eine Besprechung dazu gibt es hier auf dem Blog.

Der große Gatsby gibt es in vielen Ausgaben. Näheres zur Reclamausgabe und eine Leseprobe gibt es hier.

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5 Gedanken zu “F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby Reclam Verlag

  1. liebe marina, das ist ja eine interessane duplizität: mir ging es mit dem großen gatsby in der neuen reclam-ausgabe ähnlich wie dir. ich habe das buch vor einigen monaten gelesen, sehr gerne gelesen, dann hat es lange auf einem stapel gelegen, aber ich habe nie eine besprechung geschrieben. jetzt steht es im regal, aber vllt nehme ich deinen beitrag als anlass, zumindest mal ein bild vom buch zu machen…. den film kenne ich übrigens nicht.

    liebe grüße
    gerd

    Gefällt 1 Person

    • Ja, das ist manchmal seltsam mit den Überschneidungen. Bei mir lag die Rezi lange im Entwurfsordner, weil irgendwie immer Neues sich vordrängte. Den Film würde ich mir sparen. Würde ich gerne lesen, was du zum Buch sagst.
      Viele Grüße
      Marina

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