Gertraud Klemm: Hippocampus Kremayr & Scheriau Verlag

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Wirklich schön aufgemacht ist dieses Buch aus dem österreichischen Verlag Kremayr & Scheriau. Auf dem Umschlagcover  des neuen Romans von Gertraud Klemm leuchtet einem Gelb auf Meerblau ein Seepferdchen entgegen. Das Seepferdchen, griechisch Hippocampus, spielt auch in der Geschichte, die im gewohnten Klemm`schen Ton erzählt wird, eine nicht unwichtige Rolle. Der Buchschnitt ist desweiteren mit gelben Wellen bedruckt, der tatsächliche Bucheinband ist ebenfalls mit Seepferdchen verziert. Alles sehr kunstvoll aufeinander abgestimmt.

Es geht im Buch um Bücher, Kritiker und den Literaturbetrieb. Und um Feminismus. Genaugenommen um ein Buch, dass für den Deutschen Buchpreis nominiert ist. Genaugenommen um eine Autorin, die zu wenig Aufmerksamkeit für ihr Werk bekommen hat, eine die noch recht jung einen feministischen Bestsellerroman schrieb. Es geht um eine um die 60-jährige Frau, die Freundin dieser Autorin, die sich nach dem plötzlichen Tod, der etwa gleichaltrigen um deren Nachlass kümmern soll. Elvira jedoch tut sich damit schwer. Sie erinnert sich an die Jahre in der gemeinsamen Frauen-WG, an die wilden feministischen Aktionen, die es damals noch gab. Helene, die Autorin mit Buchpreisnominierung, versank nach dem ersten Erfolg in Vergessenheit. Sie heiratete, bekam Kinder und begann erst nach der Scheidung wieder mit dem Schreiben. Nun scheint endlich der Erfolg greifbar. Doch dann stirbt Helene allein in ihrem Haus auf dem Land. Für die Nominierung zum Buchpreis scheint das sogar ein Glücksfall: Gut fürs Marketing, makaber, aber es ist so.

„Mit „Rauhreif“ kam der große Erfolg nämlich zu früh. Helenes Erfolg war außerdem zu groß für eine dreiundzwanzigjährige Frau. Vor allem 1977. Heute ist das etwas anderes. Heute ist der Literaturbetrieb ein Kindergarten für Schwererziehbare: Jeder darf alles.“

Elvira, eine unabhängige eigensinnige Frau, ehemals 68erin, will das so nicht hinnehmen. Sie beschließt, mit diversen hanebüchenen Kunstaktionen im öffentlichen Raum Gerechtigkeit für Helene einzufordern und setzt dabei gezielt den Focus auf die Benachteiligung von Frauen in der Literatur. Sie will abrechnen mit Kulturausschüssen, Literaturkritikern und Liebhabern, die Helene das Leben schwer machten. Sie engagiert einen jungen Mann als Assistenten und reist mit ihm im alten VW-Bus durch Österreich. An bestimmten Schauplätzen aus Helenes Leben inszeniert sie ihre Kunstaktion (die sie immer mit dem Seepferdchen kennzeichnet) mithilfe von Adrian, der auch alles dokumentiert und hinterher recherchiert, wie die Aktion öffentlich wahrgenommen wurde. So zieht sie ihre feministische Aktionsspur quer durch Österreich und hält sich dabei nicht immer an die Gesetze. Dass Adrian es mit ihr nur wegen der Bezahlung aushält, scheint klar …

„Seine Mutter mal ausgenommen, sind alte Frauen eine Art Hintergrundgeräusch.“

Teils amüsant zu lesen, wenn Klemm mit ihrer typischen scharfsinnigen, spitzzüngigen Sprache brilliert, gerade auch, wenn sie den heutigen Zeitgeist unter die Lupe nimmt,

„… so ist das neoliberale Zeitalter. Wer kein Streber ist, fliegt gleich ganz raus. Es gibt keine Ränder mehr, an denen es sich ein wenig verweilen lässt, es gibt nur mehr gleich den Abgrund.“

teils aber auch ein wenig zu gewollt, vor allem am Schluss, wo meiner Meinung nach die Handlung irgendwie unglaubwürdig aus dem Ruder läuft.

Besonders nett auch von Gertraud Klemm, dass sie beim Erzählen über Literaturkritik auch einen Absatz über Literatur- und Buchblogger parat hält (siehe Textauszug Foto oben).

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar. Eine Leseprobe gibt es hier.

Weitere Besprechungen hier auf dem Blog zu Büchern von Gertraud Klemm:
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2016/04/23/gertraud-klemm-muttergehaeuse-kremayr-scheriau-verlag/
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2018/01/09/gertraud-klemm-erbsenzaehlen-literaturverlag-droschl/

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Ein Gedanke zu “Gertraud Klemm: Hippocampus Kremayr & Scheriau Verlag

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