Thomas Böhm/Carsten Pfeiffer (Hrsg.) Die Wunderkammer der Deutschen Sprache Verlag Das kulturelle Gedächtnis

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„In welchen Teil des Wortvorrats man immer greift, wird, nach überwundener erster Scheu, man sich bald davon angezogen fühlen.“

Jacob Grimm

In der Einleitung dieses von Thomas Böhm und Carsten Pfeiffer herausgegebenen Bandes heißt es: Wunderkammer – das Wort selbst gab den Anstoß zu diesem Buch.“ In der Tat findet sich hier ein oft spannender Einblick in die Vielfalt der deutschen Sprache. Manch Ausgefallenes, manch Banales wird hier vorgestellt. Und das eingebunden in außergewöhnlicher Gestaltung und Illustration, für die 2x Goldstein+Schöfer verantwortlich ist:

Feinstes, schweres Papier, mehrfarbiger Druck, Farbschnitt und Lesebändchen in orange. Und auch innen besonders illustriert und ungewöhnlich gesetzt in verschiedenen Schriftarten und Größen. Die Farbe Orange wiederholt sich auch hier und wechselt sich, wie schon auf dem Einband, mit dunklem Blaugrau ab.

Tabellen, Listen, Collagen, Photos, Auszüge aus alten Büchern, alles jeweils zu einer Thematik der deutschen Sprache sind in der Wunderkammer enthalten. Einige Schriftsteller*innen wurden nach ihren Lieblingswörtern und deren Geschichten befragt. Mit dabei etwa Karen Duve, Erik Fosnes Hansen, Felicitas Hoppe, Georg Klein oder Franz Hohler. Goethe darf natürlich nicht fehlen. Er taucht hier anhand von Zitaten aus dem Mund seiner Kritiker auf. Dialekte und die diversen Sprachvarianten der DDR-Sprache werden betrachtet. Anhand von einer Deutschlandkarte wird aufgezeigt wie unterschiedlich manche Dinge in verschiedenen Regionen heißen. Um Kindersprache geht es oder Kunstsprache, um Geheimsprachen und Küchenlatein. Konkrete Lyrik und Figurengedichte, Schriften an Hausfassaden, Grabinschriften, Letzte Worte und vieles mehr versammelt sich in diesem Band.

Sehr schön zu lesen und eines meiner Lieblingskapitel ist die Liste der ungebräuchlich gewordenen Wörter: Brosamen kenne ich noch, an die Manchesterhose meines Vaters erinnere ich mich noch gut, bei Funeralien wirds schon kritisch und dass verleitgeben Bier und Wein ausschenken bedeutet, weiß ich schon nicht mehr. Ein spannendes Kapitel sind auch die Äquivokationen, nämlich Homonyme, Polyseme, Homographe und Homophone (wer kennt sie nicht!?). Palindrome und Anagramme fehlen nicht. Auch den Wortschönheiten aus dem Grimmschen Wörterbuch kann ich einiges abgewinnen: Geliebtes Blitzzwiebelblau, feierliche Flitterherrlichkeit oder wüstes Planetengetriebe.

Es gibt viel zu entdecken, Wichtiges und Unwichtiges, Witziges und Schräges, Notwendiges und Unsinniges. Wer Spaß an Sprache in allen Facetten und Spielereien hat, dem sei dieses gut recherchierte Buch empfohlen.

Ach und fast hätte ich mein Highlight vergessen: Es gibt ein wirklich lustiges Kapitel über die haarsträubenden Namen von Berliner Friseursalons im Jahr 2019. Will man sich wirklich die Haare bei James Blond, Hairforce One oder Mata Haari schneiden lassen?

Das Buchkunstwerk erschien im Verlag Das kulturelle Gedächtnis. Mehr über Buch und Verlag hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

4 Gedanken zu “Thomas Böhm/Carsten Pfeiffer (Hrsg.) Die Wunderkammer der Deutschen Sprache Verlag Das kulturelle Gedächtnis

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