Oksana Matiychuk: Rose Ausländers Leben im Wort Graphic Novel danubebooks

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Rose Ausländer ist eine der vielen Lyrikerinnen, die nicht vergessen werden darf. Als Rosalie Ruth Scherzer wurde sie am 11.5.1901 in Czernowitz in der Bukowina geboren. Ein bewegtes Leben erwartet Rose. Später wird sie in einem Gedicht einmal schreiben: „Ich wohne nicht, ich lebe“ und bewahrt alle ihre Habseligkeiten in mehreren Koffern auf. Eine Graphic Novel erinnert nun zum 120. Geburtstag an die Dichterin.

Wegen des ersten Weltkriegs flieht Roses Familie nach Wien, kehrt aber unversehrt zurück, nur dass Czernowitz inzwischen zu Rumänien gehört. Als der Vater stirbt, schickt die Mutter ihre nur 19 jährige Tochter zu Verwandten in die USA. Dort heiratet sie einen Freund, Ignaz Ausländer, lebt in New York, doch die Ehe wird nach drei Jahren getrennt. Sie kehrt 1931 zurück in die Bukowina.  Auch ihre große Liebe zu Helios Hecht, der auch Gedichte schreibt, geht in die Brüche. 1939 erscheint ihr erster Gedichtband „Der Regenbogen“. Die Familie überlebt den zweiten Weltkrieg im Ghetto von Czernowitz, inzwischen Russland zugehörig, dass von den Deutschen eingenommen wird.

Nach der Befreiung geht Rose 1946 erneut in die USA und lebt dort bis 1964. Mutter und Bruder bleiben zurück. Sie schreibt weiter Gedichte, nun in englischer Sprache. Sie reist und liest viel, interessiert sich für Kunst und kehrt schließlich ganz nach Europa zurück, zunächst nach Wien. Ab 1965 lebt sie in Düsseldorf, nach einem Unfall im Pflegeheim der jüdischen Gemeinde. Erst hier erscheint ihr zweiter Lyrikband, wieder in deutscher Sprache, aber Rose entwickelt einen neuem Stil: „Der Reim ging in die Brüche“. 

Die beiden Illustratoren Olena Staranchuk und Oleg Gryshchenko haben die Lebensgeschichte, die uns von der Rose Ausländer-Expertin Oxana Matiychuk erzählt wird ins Bild gesetzt. Die einzelnen Episoden werden dicht an dicht in Szene gesetzt. Das Farbspektrum bewegt sich angeführt von kräftigem Rot in Grün/Schwarz/Hellblau/Weiß. Teils in quadratische Flächen wie in einem Memory-Spiel unterteilt, teils ganz frei durch den vorhandenen Spielraum bewegen sich Bild und Text. Rose selbst durchquert die Bilder oft auffällig immer in Weiß gekleidet. Einzelne Titel der jeweils zu dieser Zeit erschienenen Lyrikbände tauchen auf, ebenso wie kurze Zitate aus Gedichten. Große Blüten und Käfer queren die Seiten. Die Texte zu Roses Leben sind anfangs sehr einfach gehalten und wachsen mit der Zeit. Die Frage nach den Beweggründen und den Motiven von Rose Ausländers Schreiben wird gestellt. Ähnlich wie der Philosoph Adorno fragt sich Rose, ob und wie man nach dem Holocaust noch Poesie schreiben kann. Auch ihre Heimatstadt und die Bukowina sind immer wieder Themen in Gedichten.

Rose schreibt und schreibt. Ihre Gedichte werden durchaus bekannt, sie erhält mehrere Literaturpreise, lebt dennoch zurückgezogen. Ihr späterer Nachlassverwalter Helmut Braun hilft ihr mit allem was das Schreiben und Verlegen betrifft. An einem Tag im Juni 1986 entscheidet sie sich, nicht mehr zu schreiben. Es ist alles da. 1988 stirbt sie. Rose Ausländers Werk umfasst die beeindruckende Zahl von 2500 Gedichten. Sowohl Werk als auch diese kunstvoll gelungene Graphic Novel empfehle ich sehr.

Der Band erschien im danube books Verlag. Die Übersetzung stammt von Kati Brunner. Eine Leseprobe, mehr über die Dichterin und ein aufschlussreiches Video gibt es hier.

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