Lyrisches Sonntags-Literatürchen

Jeden Sonntag ein Türchen zu aus verschiedenen Richtungen leuchtender Literatur. Heute in etwas anderer Form


Mein Augenmerk gilt heute dem Lyrikband „azur ton nähe“ von Siljarosa Schletterer. Am Untertitel „flussdiktate“ erkennt man schon in welche Richtung es geht: ans Wasser. Da ich selbst so ein wasseraffiner Mensch bin, habe ich mich an den vielen Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen sofort wohlgefühlt. Meine Aufmerksamkeit hat zunächst auch der Einband geweckt. Es ist ein Motiv des Künstlers Franz Wassermann (!), dessen mit einer bestimmten Klebetechnik hergestellten Collagen auch im Buch immer wieder in Korrespondenz mit den Gedichten gehen.
Die Lyrikerin hat eine sehr schöne Form gefunden, ihre Gedichte zu gliedern und einzuordnen. Jedes Gedicht hat einen Titel, der aus dem Namen des Gewässers und seinen geographischen Koordinaten besteht. So reise ich strömend durch Österreich mit seinen großen Flüssen und kleinen Bergbächen und weiter über die Schweiz nach Deutschland, in die Niederlande und auch nach Italien, zu Venedigs Kanälen. Schletterer teilt den Band in drei Kapitel ein, die im Titel bereits genannt sind: azur, ton, nähe. Je nachdem, was die Gewässer auslösen, welche Worte oder auch Gefühle oder Erinnerungen sie hervorbringen, sind sie einem der Kapitel zugeordnet, wobei das letzte Kapitel am sinnlichsten ist. Ich habe das Gefühl, dass die Gewässer jeweils eine ganz eigene Sprache sprechen, die die Dichterin ganz zart einfängt und mit ihrer eigenen Stimme zu wunderbarer Poesie übersetzt.

Der Band erschien im Limbus Verlag. Hier gehts zur Website der Lyrikerin: https://siljarosaschletterer.wordpress.com/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s