Die dunkle Nacht der Seele Teil 2 – Psychische Erkrankungen in Roman und Graphic Novel

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Bereits im Jahr 2020 gab es hier einen Beitrag über das Thema Psyche im Buch: Depressionen/Psychische Erkrankungen/Psychiatrie. Ich finde es richtig, dass dieses Thema auch im Buch immer mehr Eingang findet. Menschen mit psychischen Erkrankungen werden noch immer stigmatisiert. Mich interessiert dieses Thema brennend. Vor allem dann, wenn es Autor*innen gelingt, aus oft (auto)biographischem Inhalt wirklich gute Literatur zu machen. Deshalb heute ein neuer ergänzender Beitrag über die Psyche. Sowohl in Prosa als auch in Graphic Novels habe ich Empfehlenswertes gelesen. Durch Klick auf das jeweilige Foto gehts zur ausführlichen Besprechung.

In „Gesichter“ erzählt Tove Ditlevsen von einer Autorin, die sich von Mann und Haushaltshilfe bedroht fühlt und sich selbst in die Psychiatrie begibt. Hier gehen die Wahnvorstellungen weiter, die drastisch aufgezeigt werden; woher sie kommen, eventuell gar von Drogenexperimenten, erfahren wir nicht.

In „Yoga“ erlebt der Autor dieses autobiografischen Romans, Emmanuel Carrère eine schwere Phase der Depressionen, die ihn länger schon begleiten. Yoga und Meditation helfen ihm unter anderem beim Bewältigen der Krankheit.

Gine Cornelia Pedersen erzählt in „Null“ von einer jungen Frau, die bereits früh im Leben mit einer psychischen Erkrankung konfrontiert wird. Auch mehrere Versuche der Heilung in verschiedenen Kliniken, bringen nicht dauerhaft Hilfe. Bis sie ihren ganz eigenen, ziemlich abenteuerlichen und auch gefährlichen Weg findet, sich selbst zu helfen.

Einen seltsam anmutenden Titel „Triceratops“ trägt der Debütroman von Stephan Roiss. Wir gelangen in eine dysfunktionale Familie, in der vor allem der jüngere Sohn unter der psychischen Krankheit der Mutter zu leiden hat. Aus dem Gefühl heraus für ihr Wohl verantwortlich zu sein, kann er sich selbst nicht hinreichend weiter entwickeln. Dennoch versucht er einen eigenen Weg zu gehen, der ihn letztlich auch stärken wird.

Die farbenfrohe Graphic Novel „Fremde Blicke“ von Cynthia Hafliger thematisiert die Erkrankung Schizophrenie. Der besondere Blick liegt hier darauf, wie die Familie des betroffenen jungen Manns damit umgeht. Die Auffälligkeiten bemerken vor allem die anderen, er selbst hält alles für normal. Die dramatischen Ereignisse werden mit unterschiedlichem künstlerischem Material gut dargestellt.

„Black Box Blues“ von „Ambra Durante“ zeigt in schwarz/weiß-Bildern, wie sich die eigene Depression der jungen Künstlerin anfühlt und auf die Umwelt auswirkt. Was sie als Betroffene braucht und sich wünscht und was nicht. Sehr ausdrucksstark und comicähnlich gestaltet.

Zwei weitere Bücher zum Thema: Eines habe ich noch vor zu lesen, „Ungefähre Tage“ habe ich gerade beendet. Ines vom Blog Letteratura hat beide schon besprochen und ich darf teilen: Mit Klick auf das Foto kommt man zu ihren Blogbeiträgen. Danke, Ines!

Annika Domainko erzählt in „Ungefähre Tage“ von einem Pfleger in der Psychiatrie, der sich seiner selbst nicht sicher ist und in eine viel zu dichte Beziehung zu einer Patientin geht, obwohl er seine Arbeit bereits seit 20 Jahren macht und weiß, wie unmöglich das ist. Seine Frau und die kleine Tochter scheint er dabei völlig auszublenden. Domainko hat hier ein starkes Debüt geschrieben, dass eine höchst sensible Thematik beleuchtet.

In Mischa Mangels Buch „Ein Spalt Luft“ geht es um ein Kind, das unter der Psychose der Mutter leidet, die gleich nach seiner Geburt beginnt. Es fällt vor allem durch seine Form auf. Es ist zwar eine Art Roman, aber doch mit sehr vielen ungewöhnlichen Erzählarten: bürokratische Sprache psychologischer Gutachten und Studien, Märchen, Träume, psychotische Tiraden, erzählerische und poetische Sequenzen (Verlagstext)

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