Norbert Scheuer: Die Sprache der Vögel C. H. Beck Verlag

Nach „Winterbienen“, bereits hier auf dem Blog besprochen, lag Norbert Scheuers Roman „Die Sprache der Vögel“ schon hier zum Lesen bereit. In seinem gerade erschienenen Roman „Mutabor“ tauchen nun Figuren aus vorherigen Romanen auf und ich entschloss mich vorher noch „Die Sprache der Vögel“ zu lesen. Beide Romane sind, wie auch Winterbienen, mit zarten Schwarz/Weiß-Bildern illustriert, die mir sehr gefallen. Im Abspann erfährt man, dass Scheuers Sohn die stimmigen Illustrationen gefertigt hat. Der Autor, der in der Eifel lebt und dessen Romane auch immer zumindest teilweise dort spielen, hat eine unspektakuläre und wohltuend mainstreamferne Art zu schreiben. Ich mag das sehr.

In mehreren Strängen erzählt Scheuer hier die Geschichte von Paul Arimond, der sich als Sanitätsoffizier in Afghanistan aufhält und dort bei jeder sich bietenden Gelegenheit Vögel beobachtet. Es kommt einem beim Lesen beinahe zwanghaft vor, doch erfährt man nach und nach, was es damit auf sich hat.

Was anfangs als eine ganz einfache schlichte Geschichte beginnt, fächert sich nach und nach auf und entfaltet sich, bis die Leserin Einblick erhält, warum alles genauso passiert, wie es passieren muss. Fliegen – das ist das Stichwort, dass in diesem Roman (wie auch in Winterbienen) über allem steht. Beginnend mit Ambrosius Arimond, einem Urahnen von Paul (auch ihn kennen wir schon aus Winterbienen), der sich mit der Sprache der Vögel beschäftigte und viele Länder bereiste, um darüber zu forschen. Unter anderem auch das heutige Afghanistan, was vielleicht mit ein Grund war für Pauls Entscheidung. Ein weiterer Grund, wir bekommen immer wieder kleine Hinweise darauf, ist die obsessive Vogelbeobachtung des Vaters von Paul, der sich im Sport als Hochspringer hervortat und der nach und nach, auch aufgrund, der Geschehnisse in seiner Ehe, seinen Sprungstil verfeinert, in der verrückten Annahme dann abheben und fliegen zu können …


Paul übernimmt die Passion der Vogelbeobachtung des Vaters und begibt sich in dem gut gesicherten Lager, in dem er stationiert ist, damit immer wieder in Gefahr, bis er dort nicht mehr tragbar ist. Hals über Kopf hatte er sich zum Wehrdienst verpflichtet, nachdem er mit seiner Freundin und einem Freund einen Unfall hatte, an dem er sich die Schuld gibt.

Als Rahmenhandlung dient eine Frau, Helena, die mit ihrem Mann Ignatz auch in Mutabor auftaucht, aus Pauls Heimatort. Sie liest die Aufzeichnungen von Paul, die er mit Vogelzeichnungen unterlegt hat, die für ihn als eine Art Tagebuch in Afghanistan fungierten. Sie erhielt sie von einem Soldaten, einem Kameraden Pauls.

„Sergej neben mir gähnt, ihn interessiert das nicht. Er holt seinen Zauberwürfel aus der Tasche und dreht ihn unter der Bank. Gestern hat er mir erzählt, dass er dabei alles vergessen kann. Vielleicht kommt es im Leben nur darauf an, irgendetwas zu finden, bei dem alles andere in Vergessenheit gerät.“

Mich hat der Roman sehr fasziniert, vor allem aufgrund seiner klugen Konstruktion, die zunächst viel im Verborgenen lässt. Auch am Ende stehen noch Fragen, die ich aber gut unbeantwortet stehen lassen kann (teilweise werden sie in Mutabor beantwortet). Es passt einfach zu Scheuers Erzählart. Ein Leuchten!

Im folgenden Blogbeitrag schreibe ich über den neuen Roman „Mutabor“. Beide Romane sind im C. H. Beck Verlag erschienen. Eine Leseprobe gibt es hier.

2 Gedanken zu “Norbert Scheuer: Die Sprache der Vögel C. H. Beck Verlag

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