Ayelet Gundar-Goshen: Wo der Wolf lauert Kein & Aber Verlag

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Nach „Löwen wecken“ ist dies mein zweiter Roman der Israelin Ayelet Gundar-Goshen. Die Autorin greift brisante Themen auf, in denen sich menschliche Verhaltensweisen in Extremsituationen spiegeln. Das ist hochinteressant und spannend zu lesen, wobei mir Löwen wecken etwas besser gefiel, was vielleicht am für mich interessanteren Thema lag. Was ich jedoch immer wieder feststelle bei Autoren aus Israel – erst kürzlich las ich auch den sehr empfehlenswerten neuen Roman „Siegerin“ von Yishai Sarid – ist, dass in Israel im Lebensalltag Waffen, Militärdienst und Krieg eine offenbar große, ja selbstverständliche Rolle spielen. Etwas, was mich irgendwie sehr erschreckt. War es in „Siegerin“ die Militär-Psychologin, die Soldaten beim Töten und den traumatischen Folgen unterstützen soll, so ist es hier der ehemalige Soldat Uri, der für Jugendliche Kurse in Krav Maga, einer israelischen Selbstverteidigungsart gibt, unter dem Motto „Bevor dich ein anderer tötet, töte du ihn“. Und auch in Zeruya Shalevs neuem Roman „Schicksal“, den ich als Hörbuch höre, wird gleich in den ersten Abschnitten von der Militärausbildung des Sohns gesprochen.

Lilach und Michael Schuster sind von Israel in die USA ausgewandert, um eine ruhigeres Leben für sie und den kleinen Sohn Adam zu finden. Michael tritt eine gut bezahlte Stelle im Silicon Valley in einer IT- Sicherheitsfirma an und wird rasch befördert. Lilach kümmert sich um das Haus und den mittlerweile 16 Jahre alten Sohn und arbeitet ehrenamtlich in einem Altenheim. Doch auch hier im bunten Kalifornien sind Juden nicht vor Anfeindungen geschützt. Das erste Mal wird ihre Sicherheit erschüttert, als es in einer Synagoge der israelischen Gemeinde zu  einem antisemitischen Anschlag kommt. Ein junges Mädchen stirbt.

Beim zweiten Mal sind die Schusters unmittelbar betroffen, als ein Mitschüler Adams bei einer Party stirbt. Wie sich bei den polizeilichen Ermittlungen herausstellt waren Drogen im Spiel. Auch Adam gerät in den Fokus der Ermittlungsbeamten, da er nicht gut auf den schwarzen Jamal zu sprechen war. Lilach versucht alles, um ihren Sohn zu schützen, aber auch alles, damit er sich ihr anvertraut. Doch der öffnet sich neuerdings nur seinem Trainer Uri, den er sich als großes Vorbild auserkoren hat. Uri freundet sich auch mit Adams Vater an und Michael bringt ihn in seiner Firma unter, mehr oder weniger aus Dankbarkeit, dass sich Uri so gut um seinen Sohn kümmert. Michael freut es, dass Adam endlich nicht nur am Computer sitzt, sondern nun lernt, sich körperlich gegen andere zur Wehr zu setzen.

Lilach verhält sich ziemlich überbehütend und kommt gleichzeitig ihrem Sohn nicht nahe. Sie schafft es nicht, zu erfahren, was wirklich am Abend der Party geschah. Uri wird immer wichtiger für die Familie, wird sogar zum Wochenendausflug eingeladen. Als Michael auf Dienstreisen ist, quartiert er sich im Haus ein und wirkt als Beschützer. Was zunächst durchaus hilfreich ist, denn die islamische Clique von Jamal verdächtigt Adam und schreckt auch nicht vor direkten Bedrohungen und handgreiflichen Einschüchterungsversuchen zurück.

Was für eine Rolle Uri in dieser Geschichte wirklich spielt, zeigt sich, als die Familie nach einem Trauerurlaub wegen des Todes von Michaels Mutter aus Israel zurückkehrt …

Ich fand den Roman anfangs etwas lang gezogen, erst im letzten Drittel gewinnt die Geschichte wirklich an Fahrt. Sprachlich gibt es hier keine großen Highlights. Doch die überraschenden Kapitelanfänge sorgen für Spannung. Gundar-Goshen hat einen leicht lesbaren Roman zu einem brisanten Thema geschrieben, der jedoch an manchen Stellen wichtige Fragen offen lässt. Ob das absichtlich so konstruiert ist, habe ich nicht herausbekommen.

Das Buch erschien im Kein & Aber Verlag und wurde von Ruth Achlama übersetzt. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ein klein wenig hat es mich auch an Ben Lerners „Topeka Schule“ erinnert, bei dem es auch um den Tod eines Schülers geht, wenngleich es sprachlich eine viel größere Herausforderung ist.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Ulrike Bail: sterbezettel edition offenes feld

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memento mori – Bedenke, dass du sterblich bist

Ich war neugierig: Wer nennt seinen Lyrikband „sterbezettel“?

Ich vermutete, es würde jemand sein, die sich mit dem Sterben und dem Tod beschäftigt hat. Die Autorin, davon ging ich aus, muss zutiefst mit dem Thema verbunden sein. In der Kurzbiografie von Ulrike Bail las ich dann, dass sie Germanistik und Theologie studiert hat und Professorin für Altes Testament ist. Sie lebt in Luxemburg und hat dort für „sterbezettel“ bereits einen Preis erhalten.

Beim Lesen der Gedichte zeigte sich schließlich, dass es in ihrem Band nicht nur ums Sterben geht, sondern vielmehr um ein „Stirb und Werde“.

Sterbezettel, auch Totenzettel genannt, haben eine lange Tradition in der katholischen Kirche. Es sind gedruckte Blätter, die die wichtigsten Lebensdaten eines Verstorbenen enthalten und die bei einer Trauerfeier verteilt wurden oder auch als Einladung zum Begräbnis und Gedenken galten. Eine Tradition, die es auch heute gebietsweise noch gibt.

Sogleich fand ich die Vorstellung schön, einem Verstorbenen ein persönliches Gedicht zu widmen, und dieses mit auf dem Sterbezettel abzudrucken. Wer weiß, vielleicht war das auch ein Gedanke von Ulrike Bail beim Schreiben ihrer Gedichte?

auf einen sterbezettel
rückseitig notiert

rollt hin und her
sandschwer die trauer
hinunter die grube
hinauf
die weißen blumen
sie wurzeln wortüber“

Ulrike Bails kurze, ja Kürzestgedichte sind außerordentlich bewusste Anordnungen von Wörtern, von auserwählten Wörtern, Wörtern, über denen womöglich meditiert wurde, bis sie klar sichtbar waren und exakt ihren Platz fanden. So entstanden starke Bilder. Bails Gedichte ähneln in ihrer Art auch Haikus, keines ist länger als acht Zeilen, keine Zeile länger als sieben Worte. Jedoch übernehmen sie nicht deren strikt formale Regeln. Sie könnten aber einen ähnlichen Entstehungsprozess durchlaufen haben, denn sie zeigen Sinnbilder, die deutlich im hier und jetzt verankert sind. Es sind Stillleben – immer wieder kamen mir beim Lesen Bilder der großen flämischen oder holländischen Maler in den Sinn. So wie in diesen Gemälden, die niemals Bilder des Zufalls, sondern bewusst symbolhaft angeordnete Szenarien waren, so erscheinen mir auch Bails Gedichte. Bilder der Vergänglichkeit, Erinnerungen an die Endlichkeit allen Lebens.

Der schmale Band ist unterteilt in vier Kapitel.

Im ersten Kapitel „nature morte“ findet sich auch gleich der Begriff wieder, der mir schon beim Betrachten des Cover-Bildes „Besteckkasten Erde“ von Annette Wiercke ins Gedächtnis kam: Natura morta – Stillleben. Auf dieser Fotografie finden sich Pflanzenfasern, trockene Zweige, Samenkapseln, Pappelschnee – Dinge aus der Natur, wie sie auch verschiedentlich in Bails Gedichten wieder auftauchen. Natura morta (italienisch) – Tote Natur oder Stillleven (holländisch) – unbewegtes Dasein. Einerseits findet sich dieses „tote“ Dasein in jedem Gedicht und doch wächst andererseits jedes Mal etwas aus der Unbewegtheit heraus auf den Leser zu und diese Bewegung wiederum lässt den Lesenden innehalten. So beginnt etwas zu fließen, was wiederum zu einem Kreislauf hinführt: Einer Endlosschleife, einem Möbiusband.

„vogelbeute
an einem nagel
hängend
flügel gefaltet
silbrig
fällt licht
gehacktes blei“

Im zweiten Kapitel „schneefall“ öffnet sich dem Leser eine Winterlandschaft, die von verschiedenen Arten von Weiß geprägt ist, in der russische Wiegenlieder erklingen und in der die ersten Tulpen blühen. Es herrscht eine weiche Stille, in der Begegnungen mit einem du, mit Mensch oder Tier, sich ganz anders anfühlen, sich einbetten in den Schnee.

leicht

der schnee sei still
sanft streiche er sich übers gesicht
man sterbe so schön im schnee
man sterbe an der stille im ohr
lose und leicht gewogen
bajuschki baju“

Das letzte Kapitel heißt, wie der Titel „sterbezettel“ und beinhaltet Gedichte, die einen Prozess vom Sterben über Tod und Trauerphase hin, bis zu einem Trostfinden beschreiben. Trost und Hoffnung finden sich hier im Schreiben, im Finden und Bewegen von Worten.

falten

schreibs dem papier
auf die gefaltete haut
bis in den ritzungen
die tinte weint schwarz
sich anschwemmt dort“

Alle Gedichte, auch die im dritten Kapitel „herzpassagen“ haben einen Bezug zur Natur, zu Flora und Fauna. Vielfach tauchen hier Vögel auf, Früchte, Blumen, Farben, Geräusche und Gerüche. Immer wieder fallen Lichtstrahlen in die Dunkelheit. Eine innere Landschaft im Außen gespiegelt?

dunkelgrün

schweigt der fuchs
schiebt die gänsefeder
unter das moos
ungebügelter Samt
über den wipfeln
vielfach vernäht“

Nach wiederholtem Lesen lässt sich das Anordnungsmuster der Gedichte erkennen – von Trauer zur Hoffnung. Es geht immer um die Verbindung zur Quelle, zum Ursprung – die Natur als Bindeglied zwischen dem Menschen und dem Göttlichen. Die Begriffe Transzendenz, Spiritualität und Mystik fallen mir bei der Lektüre der Gedichte immer wieder ein: Der Bezug auf etwas Übernatürliches im Anblick des Natürlichen, des Absoluten, eine Vollkommenheit in allen Dingen, die zu beschreiben womöglich am besten, wie hier, in Form von Verdichtung gelingt. Bail ist dabei eine Meisterin in der Kunst der Verknappung – nichts fehlt, nichts ist überflüssig.

Für mich sind Ulrike Bails Gedichte erfüllt von Stille, einer tiefen meditativen Ruhe, die eine große Kraft birgt, die wiederum Schritt für Schritt zu einer lebendigen Leichtigkeit der Dinge führt.

Der Beitrag erschien zuerst auf fixpoetry.com

Hamburg

Nadine Schneider: Wohin ich immer gehe Jung und Jung Verlag

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Auf Nadine Schneiders zweiten Roman war ich sehr gespannt. Im Jahr 2019 erhielt sie den Bloggerpreis von Das Debüt, bei dem ich auch in der Jury war. Die Besprechung zu ihrem ersten Roman „Drei Kilometer“ gibt es hier auf dem Blog. Auch beim Bachmannpreis-Wettbewerb las Nadine Schneider dieses Jahr. Leider erreichte ihr wunderbarer Text „Quarz“ offenbar nicht alle in der Klagenfurter Jury. „Wohin ich immer gehe“ schließt irgendwie indirekt an ihr Debüt an und ist auch wieder im gleichen ruhigen aber einprägsamen Ton geschrieben. Es ist für mich ein sehr melancholisches, atmosphärisch dichtes Buch, dass mich zeitweise traurig machte, auch weil es mich an ähnliche Erlebnisse erinnerte und starke Bilder erzeugte. Qualitativ ist so eine Art zu schreiben für mich immer wertvoll. Andere, die mehr Wert auf Action und Plot legen, werden sicher damit weniger anfangen können, denn vieles steht hier zwischen den Zeilen.

Die Geschichte erzählt von Johannes, der nach seiner Flucht aus Rumänien in Deutschland ein Auskommen gefunden hat. Deutschland war naheliegend, da er aus einer deutschsprachigen Enklave in Rumänien stammt. Er scheint nicht so richtig angekommen zu sein in seinem neuen Leben, obwohl er bald einen guten Job als Hörgeräteakustiker hat, eine eigene Wohnung und eine nette Kollegin, die eigentlich schon Freundin ist.

„Nur wenn er die Langeweile zu genau ansah, sie von einem Moment ablöste und sie in Gedanken auf die nächsten zwei, drei oder fünf Jahre legte, spürte er ein Unbehagen, das er schon kannte.“

Etwas scheint zu fehlen und womöglich hat es mit seinem Freund David zu tun, der in Rumänien zurück geblieben ist, obwohl die Idee abzuhauen eigentlich von ihm stammte. Durch den Fluss auf die andere Seite der Grenze schwimmen, war der Plan. Deswegen übten sie im See gemeinsam schwimmen und aus ihrer Freundschaft wurde mehr. Ein Mehr, das sie aber im Dorf und den traditionell ausgerichteten Familien nicht leben konnten, sich vielleicht auch nicht sicher waren, ob es richtig war. Als einziges vertraut sich Johannes der einen Großmutter an, die in der nächsten Stadt lebt.

„Sie schüttelten Johannes die Hand, leierten ihr Beileid herunter, so als hätte sie jemand im Jahr 1987 hier abgestellt und sie sehr lange an einem Rädchen in ihrem Rücken aufgezogen, sodass der Mechanismus genau jetzt, sechs Jahre später, ansprang.“

In Deutschland denkt Johannes immer wieder an David. Dass der ungeliebte Vater gestorben ist, teilt die Mutter in einem knappen Brief mit. Johannes reist zur Beerdigung „nach Hause“, wo er seit seiner Flucht niemals war, hält Ausschau nach David. Wir Leser*innen werden Zeuge aus Szenen der Kindheit, die Johannes im Elternhaus sofort wieder einholen. Wie ihm der Vater, ein liebloser Trinker, das Schwimmen „beibrachte“, wie die Großmutter den Bruder erschossen durch eigene Hand im Garten findet, wie bereits der Großvater den Freitod wählte. Johannes erlebt sich wie schon damals oft, erneut als Fremder bei Familienfesten, so auch bei dieser Trauerfeier, die mit dem üblichen Klatsch beginnt und dem üblichen Besäufnis endet.

„Dass sich das über die Jahre gehalten hatte, dass Johannes jetzt als Erwachsener hier schlief und die Ängste wie Ungeziefer wieder aus den Ecken kamen, hätte er nicht erwartet. Wozu verging die Zeit, wenn nicht dazu, eine alte Angst oder einen Schmerz verschwinden zu lassen.“

In Zeitsprüngen lesen wir uns durch prägende Situationen im Leben von Johannes. Manchmal ist Johannes noch Kind, manchmal Jugendlicher, manchmal lebt er bereits in Nürnberg. Als zentralen Punkt platziert Schneider das Hören. Das Zuhörenkönnen, das Lauschen aber eben auch das Schlechthörenkönnen bis zum Hörverlust, vor dem sich Johannes bald selbst fürchtet. Hier besonders wichtig, die Stadt-Großmutter, die nicht mehr hören kann (will?). Sie war die Einzige, die von David wusste, der dann plötzlich aus dem Ort verschwand und womöglich Opfer der Securitate wurde …

Dass was sich Johannes vielleicht von der Reise erhofft hat, bleibt ihm verwehrt; den Lesern allerdings auch. Es gibt keine Aufklärung, aber Verdachtsmomente, die der Erinnerung auf die Sprünge helfen. Und eben auch ganz anderes, neues Leben, ein Leben unter Freunden, unter Menschen, die Wahlfamilie sind.

Mit großer Sprachgewandtheit und Sinn für das feine Dazwischen hat Nadine Schneider auch ihren zweiten Roman geschrieben, der wieder im Jung und Jung Verlag erschien. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Granaz Moussavi: Gesänge einer verbotenen Frau Leipziger Literaturverlag

„Ein Strick um die Kehle scheidet Wüste von Gesang“

Lyrik einer verbotenen Dichterin

Auf dem Cover das Bild einer Frau, die langen blauschwarzen Haare frei fliegend im Wind, doch ein Gesicht ohne Augen, ohne Nase, der Mund eine Sicherheitsnadel, geöffnet, eine Wunde, heraus fließen blutrote Buchstaben … Doch die, die hier schreibt hat Augen, sieht deutlich, alle Sinne aktiviert, und spricht.

Das Bild von Kamran Faridi ist eine passende Wahl für diesen Lyrikband. Es weist bereits außen darauf hin, was im Inneren zu finden sein wird. Und so ist es auch in den Gedichten Moussavis: ein Außen, ein Innen, Stimmen von Außen, Stimmen aus dem Innen – nichts schwieriger als sie zusammen zu führen. Und doch, so scheint es mir beim Lesen, gelingt es Moussavi in ihren Gedichten. Es sind Sprachbilder einer Frau, die eigentlich keine Stimme hat in ihrem Land, allein weil sie eine Frau ist.

„– ich habe zu lange ausgehalten, so dass mich jetzt nichts mehr hält
In diesem Land
                      ist kein Platz für mich“

Granaz Moussavi ist Iranerin, hat bereits vier Gedichtbände herausgegeben, ihr letzter Band „Rotes Gedächtnis“ durfte im Iran nicht veröffentlicht werden und kursiert nur unter der Hand: Gedichte einer verbotenen Autorin. Gedichte einer Frau. Gedichte, die der Zensur zum Opfer fallen.

„Vom Gate zum Galgen
Von einem Koffer bis zum nächsten Take-Off
Von Schafott zu Schafott“

Eine Auswahl aus Moussavis verschiedenen Lyrikbänden hat nun Isabel Stümpel zusammengestellt und ins Deutsche übertragen. Die Gedichte sind sowohl in Deutsch als auch in Farsi abgedruckt und in chronologischer Abfolge. Dadurch lässt sich signifikant die Entwicklung der Dichterin nachvollziehen. Themen und Ausdruck verändern sich maßgeblich.

Moussavi ist bekannt geworden auch als Filmemacherin. Sie pendelte zwischen Iran und Australien, wohin ihre Familie aufgrund der Zustände im eigenen Land, auswanderte. Wegen ihres Films „My Tehran for sale“ aus dem Jahr 2011, der das Lebensgefühl junger iranischer Künstler aufzeigt, jedoch abgesetzt wurde, lebt sie derzeit nur in Australien.

„Eine Frau, die Schlagstöcke filmt
                                                und verbotene Themen
fiel unter Fußtritten vor ihrer Zeit“

Im Iran kann sie nicht leben, weil ihre Kunst der Zensur unterliegt, im Exil sehnt sie sich nach ihrem Land und nach der Inspiration, die es trotz allem bietet. Geprägt wurden ihre Gedichte von verschiedenen großen persischen Stimmen: von der Dichterin Forugh Farrochzād und den beiden Dichtern Sohrab Sepehri und Ahmad Shamlu.

Viele der Gedichte sind im Exil entstanden, stehen aber immer unter dem Einfluss des Heimatlands.

Es sind Sehnsuchtsgedichte, Liebesgedichte und immer mehr politische Gedichte. Gerade in den letzten Gedichten in diesem Band wird die gesellschaftskritische, politische Stimme immer deutlicher und lauter. Dennoch vermag man als Leser nicht alles zu entschlüsseln, fehlt doch oft das Hintergrundwissen, der Einblick in ein unbekanntes Land. Ein wenig leichter macht es das am Ende angehängte Glossar, was verschiedene in den Gedichten verwendete iranspezifische Begriffe und Redewendungen erklärt. So erklären sich Anspielungen etwa auf Koransuren, Legenden oder persische Dichtung. Abseits dieses speziellen Verstehens wirken Moussavis Gedichte aber auch auf einer anderen tieferen Ebene. Sie sprechen direkt alle Sinne an.

 „ Weißt du es schon?
   Die Fische sind davongezogen ohne Reisepass, zurück blieb nur
                                                                               das salzige Meer
   Und der Himmel reicht nicht für all die Einsamkeit „

Das salzige Meer: die vergossenen Tränen? Moussavis Verse sind in ihrer Symbolhaftigkeit nicht immer so leicht zu durchdringen wie in diesen Zeilen.

„Denke ich an den Himmel
wird, was ich auch schreibe, nass … „

Im Gedicht „Nachtlied“ werden Haare unsichtbar gemacht, so wie es für eine Frau draußen verlangt wird:

„Vielleicht kämme ich mich nicht einmal
flechte nur Zöpfe und
durchkämme die nachtblauen Tage
                                           die grauen
                                                        die schwarzen
                                                          Ah …

Ich muss es aufsetzen
den Knoten schlingen“

Im letzten Drittel des Gedichtbandes werden unter dem Namen „Rotes Gedächtnis“ Gedichte versammelt, die 2001 – 2011 erschienen sind. Der Zyklus „Gedächtnis des ausgestorbenen Schreis“ ist meines Erachtens der stärkste Teil dieser Sammlung und so mutig und direkt, dass es nicht wundert, dass er im Iran offiziell nicht gedruckt werden darf. Es wird deutlich sichtbar, wie Moussavis Lyrik mit der vergehenden Zeit immer kraftvoller, widerständiger und kritischer wird.

„Drehte sich doch die Uhr ins Altertum zurück
Dass aus den Zeigern eine Generation ausgestorbener grüner
                                                                                    Tiger spränge“

Hier wird auch immer wieder auf die gescheiterte grüne Revolution angespielt. Manchmal stürzt sich Moussavi regelrecht in die Worte hinein, verbindet sie im Klang – laut gelesen klingen sie wie ein Stakkato, ja mitunter fast wie ein Rap  – auch hier ein Aufschrei des „Dagegen“.

„Meine Knochen sind zerfallen
Im Hallen der Maschinengewehrsalven
Und nein … nein, diese Legenden sind wahrlich kein
                                                                          Wiegenlied“

Es herrscht ein aufrührerischer, manchmal trotzig klingender Ton, der zwischendurch unterspült wird von einer feinen Zartheit. 

„ …zwischen dem Geschrei jenseits der Scheiben
und den stillgelegten Träumen
Mein Weinen verstört
über dem zerstörten Körper einer Frau, die nicht mehr ist …“

Ein Gedicht des letzten Zyklus heißt „Steinigung“ und erinnert daran, dass es diese grausame Todesstrafe auch in heutiger Zeit mancherorts noch gibt:

„Wurf um Wurf zerrann die Frau
An ihren Schläfen Granatäpfel-Platzen.“

oder

„Mann für Mann
Stein für Stein
                        säen Klatschmohn auf der Schläfe!“

Bestimmte Worte tauchen in Moussavis Gedichten stets wieder auf: Klatschmohn, Granatapfel, Stoppschilder, Fische, der grüne Tiger, die „Feen“ – durch die Wiederholung verdichtet sich die ohnehin schon deutliche Symbolwirkung, atmosphärisch starke Bilder entstehen. Durch Einrückungen und Zeilensprünge unterbricht die Dichterin die fortlaufenden Verse, zeigt ihre Unruhe. Reime finden sich selten, und wenn, dann sehr gezielt gesetzt. 

Granaz Moussavis Gedichte sind (an)klagende, hinterfragende, aber auch zornige, mutige Texte, die den `verbotenen` Frauen im Iran eine Stimme verleihen, die durch die Übertragung von Isabel Stümpel nun auch in unserer Sprache hörbar wird. Ich freue mich über diese Stimme sehr, ich empfehle diese Dichtung wärmstens.

Meine Besprechung erschien zuerst auf fixpoetry.com
07.12.2016 Hamburg
Von Marina Büttner



Leïla Slimani: Das Land der anderen Luchterhand Verlag

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Das Land der Anderen“ habe ich mit Gewinn gelesen. Nachdem ich kürzlich „Der Charme von Marokko“ von Sophia Yablonska las, war Leïla Slimanis neuer Roman eine gute Ergänzung und Erweiterung für meine bislang dürftigen Kenntnisse, was die Kolonialzeit Frankreichs in Nordafrika angeht. Slimani erzählt bilderreich aus ihrer Familiengeschichte, es sollen noch zwei weitere Bände folgen.

Mathilde, eine junge Elsässerin begegnet am Ende des zweiten Weltkriegs dem Marokkaner Amine und beide verlieben sich. Amine hat als Soldat für Frankreich gekämpft. Frisch verheiratet entscheiden sie sich 1947 nach Marokko zu ziehen, wo Amine in der Nähe der Stadt Meknès unweit des Atlasgebirges Land von seinem Vater geerbt hat. Doch das Land ist schwierig zu bearbeiten, das Haus zunächst eher eine Hütte. Viel Arbeit steht an. Mathilde, die neugierig auf ihr neues Leben war, ist ernüchtert. Es dauert nicht lange und sie bekommt ihr erstes Kind, die Tochter Aïscha. Zum Glück gibt es eine Haushaltshilfe und Feldarbeiter. So lernt Mathilde auch Arabisch und leider auch, dass in Marokko Frauen ans Haus gebunden sind und einen ganz anderen Stellenwert als in Europa haben. Eine Mischehe ist zudem nicht gern gesehen. Einheimische und Franzosen leben in strikt getrennten Vierteln. Wenn beide im Auto durch die Stadt fahren, wird Amine nicht selten für Mathildes Chauffeur gehalten, was diesen natürlich demütigt.

Mathilde kämpft sich durch. Im Sommer ist es brennend heiß, im Winter eiskalt. Als Aïscha in die Schule kommt, die von Nonnen geleitet wird, muss Mathilde sie jeden Tag nach Meknès fahren. Doch die Tochter ist gut in der Schule, wenngleich sie aufgrund ihres Aussehens und ihrer schlichten Kleidung gemieden wird und findet Trost im christlichen Glauben. Der Sohn Selim wird geboren. Und Mathilde beginnt sich mit Heilmethoden zu beschäftigen, denn der Arzt ist teuer und fern. So erwirbt sie sich einen Ruf und es kommen viele Nachbarn zu ihr, die Rat suchen. Währenddessen arbeitet Amine wie besessen, um neue Olivensorten zu züchten und Südfrüchte nach Osteuropa zu liefern.

Als Mathildes Vater stirbt, reist sie zur Schwester ins Elsaß. Den Verwandten verschweigt sie allerdings wie schwierig ihr Leben ist. Sie spürt die Leichtigkeit ihrer Jugendzeit wieder und ist sogar versucht, nicht mehr nach Marokko zurückzukehren.  Dennoch reist sie nach vier Wochen wieder ab.

Im Land spitzt sich die Situation zu. Die Marokkaner wollen sich nicht mehr mit der Herrschaft Frankreichs zufrieden geben. Es kommt immer häufiger zu Aufständen, an denen auch Amines Bruder Omar maßgeblich beteiligt ist. Währenddessen versucht Amines Schwester Selma auszubrechen aus dem strengen Korsett, dem muslimische Frauen unterworfen sind. Sie verliebt sich in einen französischen Offizier. Doch als Amine das herausbekommt, wütet er und schlägt zum ersten Mal seine Frau, die davon wusste. Er besteht darauf, dass Selma seinen ehemaligen Mitsoldaten Mourad heiratet, den er auf seinem Hof als Vorarbeiter angestellt hat. Was er nicht weiß, ist, dass Mourad homosexuell ist. Der Roman endet 1955 als es zu schwersten Ausschreitungen zwischen Marokkanern und Franzosen kommt. Der Hof von Mathilde und Amine bleibt verschont …

Leïla Slimani hat einen spannenden und informativen Roman geschrieben, der zwar sprachlich keine Finessen bietet (es gibt einige kitschnahe Sequenzen, vor allem, wenn es um Liebe und Sex geht), aber Geschichte, auch persönliche, sehr gut aufarbeitet. Der Roman erschien im Luchterhand Verlag. Übersetzt hat ihn Amelie Thoma. Ebenfalls gelesen und bereits hier besprochen habe ich Slimanis Roman „Dann schlaf auch du“, der sich ganz anders zeigt.

Neue Lyrik im Herbst – Eine subjektive Auswahl aus den Verlagsvorschauen Herbst 2021

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Viele Blogger gestalten derzeit Beiträge zu den Herbstvorschauen 2021 der Verlage. Was dabei aber fast immer fehlt ist die Lyrik. Diese Lücke will ich nun schließen. Aber: Es ist ein sehr subjektiver Blick, es ist eine winzige Auswahl, es sind die, die mich am stärksten ansprechen. Viel Vergnügen beim Entdecken!

Meine vier Favoriten:

Auf Ulrich Kochs neuen Lyrikband freue ich mich sehr. Er ist ein, wenngleich unerreichbares, Vorbild für mein eigenes Schreiben. Geniale Kostproben gibt es immer wieder auf Facebook. „Diese Gedichte sind groß, groß genug für Gegensätze und Selbstwidersprüche, und sie nehmen sich zurück, als hätten sie sich gekürzt. Sie sind das, was übrig bleibt, wenn das Ich – »Ein Niemand / Unvergessen« – gestrichen ist.“ (aus dem Vorschautext). „Dies ist nur ein Auszug aus einem viel kürzeren Text“ erscheint am 27.8.21 beim Jung und Jung Verlag.

Levin Westermann hat mich mit seinem letzten Gedichtband sehr begeistert. „Denn das Schreiben ist immer auch ein Überschreiben. Literatur ist Palimpsest. Und alles ist verbunden, im Text und in der Welt. Kein Lebewesen existiert für sich allein, und kein Text entsteht aus dem Nichts.“ (aus dem Vorschautext).  „farbe komm dunkel“ erscheint am 26.8.21 im Matthes & Seitz Verlag.

Ich bin Fan von Lutz Seilers Texten, sei es Prosa oder Lyrik. Sein neuer Band heißt  „schrift für blinde riesen“. „Mit seiner suggestiven Stimme und einer gehärteten Sprache jenseits aller Moden eröffnet Lutz Seiler einen ureigenen poetischen Raum. Vor allem ist es die Materialität der Dinge, das Sprechen nah an den Substanzen – verwandelt in Rhythmus und Klang, bilden sie den Erzählton seiner neuen Gedichte.“ (aus dem Vorschautext) Erscheinungstermin ist der 16.8.21, wie immer im Suhrkamp Verlag.

Der Debütband „dekarnation“ von Eva Maria Leuenberger hat mich bereits fasziniert und ich bin sehr gespannt auf  „kyung“.  Eva Maria Leuenbergers zweites Buch ist eine unerschrockene Auseinandersetzung mit Identität, Herkunft und Sprache, Ent- und Verwurzelung, sexueller Gewalt und Angst. All das macht kyung zu einem hochpolitischen und hochaktuellen Werk.“ (aus dem Vorschautext) Der Band ist bereits erschienen am 25.6.21 im Literaturverlag Droschl.

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Ron Winklers Bände stehen fast alle in meinem Buchregal. Sein neuer Band trägt den Titel „Magma in den Dingen“. „Ron Winkler untersucht in seinem neuen Band, wie die Sprache in der Bewegung ihre Fließgeschwindigkeit verändert. Unermüdlich sind Winklers Gedichte dem »strapaziösen Schönen« auf der Spur, tragen sie die überraschenden Überschüsse dessen nach, was der Fall ist.“ (aus dem Vorschautext). Der Band erscheint am 20.7.21 im Schöffling Verlag.

Birgit Kreipes neuer Lyrikband aire“ ist gerade bei Kookbooks erschienen. „Die Gedichte in aire spüren inneren und äußeren Umbrüchen nach – etwa Krankheit, Umzug, Verlust – und interessieren sich für disruptive oder allmähliche Veränderungen: für die sukzessive Integration von Sinneseindrücken, das Gären von Gefühlen, Gedanken- und Erinnerungsspuren sowie die dadurch ausgelöste spezifische Unruhe – und deren Sprünge und Transformation in neue Erfahrung.“ (aus dem Vorschautext). ET 28.6.21

Herausgegeben von beiden, von Birgit Kreipe und Ron Winkler erscheint eine Anthologie über Märchen im Gedicht: „Rote Spindel Schwarze Kreide“.  Es überrascht nicht, dass Märchen auch die Poesie inspirieren. Es überrascht eher, dass märchenhafte Lyrik bisher nicht in dieser Form zusammengekommen ist. Dabei sind sich beide Genres äußerst nah. Am Wunderbaren rühren, die eigene Zeit verwandeln oder hinterfragen, vertuschen und verblüffen, es mit dem Unergründlichen aufnehmen: Das können Märchen, können Gedichte.“ (aus dem Vorschautext) Ab 13.9.21 bei Edition Azur/Voland Quist.

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Die Gedichte der jungen albanischen Lyrikerin Luljeta Lleshanakus fielen mir schon in der Anthologie „Grand Tour“ positiv auf.  Nun erscheint der Band Die Stadt der Äpfel im Hanser Verlag. „Luljeta Lleshanaku gehört zu den prägendsten Stimmen der neuen Lyrik Osteuropas. In jungen Jahren erlebte sie den politischen Umbruch in Albanien, jene plötzliche Beschleunigung der Zeit, die ihrer Generation eine Welt ohne Anker und Zukunft hinterließ. Lleshanakus Gedichte sind von großer Unmittelbarkeit und Melancholie gezeichnet.“ (aus dem Vorschautext) ET 27.9.21

Ronya Othmann, die bereits beim Gertrud Kolmar-Preis den Förderpreis erhielt, bringt nun nach ihrem Debütroman auch einen Gedichtband heraus. „Widerständig und zugleich an jeder Stelle ungeschützt und intim tragen diese existenziellen Gedichte einen neuen Ton in die Gegenwart: „wir werden die detonation rückwärts lesen.““ (aus dem Vorschautext)  „Die Verbrechen“ erscheint am 25.10.21 im Hanser Verlag.

Den Hauptpreis beim Gertrud Kolmar-Preis erhielt Ulrike Draesner mit ihrem Gedichtzyklus  „doggerland“ „Oszillierend zwischen Deutsch und Englisch, zwischen gebundener und freier Rede, wirft Draesners bereits vor der Veröffentlichung preisgekröntes Gedicht einen Blick zurück: vom immer wahrscheinlicheren Ende des Holozäns zu unseren Anfängen. Eine bewegende, von jahrhundertealten, meist männlichen Vorstellungen befreite lyrische Suche nach unseren Wurzeln.“ (Vorschautext) Der Band erscheint am 4.10.21 im Penguin Verlag.

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9783945832462.jpg frau20210624_130415158214244945771143.jpgDas Kettenkarussell

Die 1982 in Syrien geborene Rasha Habbal ist bereits an dem wunderbaren Projekt „Weiterschreiben“ beteiligt. „Rasha Habbals Gedichte machen sich verletzlich. Sie sind immer intim, aber nie privat – immer alltäglich, aber nie belanglos. Szenen und Situationen projiziert Habbal auf den Hintergrund ihrer Entstehung: die syrische Revolution von 2011, den Bürgerkrieg, das Leben in Deutschland. Die Geschehnisse gewinnen aber nicht die Oberhand über das Gewöhnliche, das eine umso größere Symbolkraft entfaltet.“ (aus dem Vorschautext) „Die letzte Frau“ erscheint am 1.9.21. im Verlagshaus Berlin.

Bei Kookbooks erscheint der neue Band des Lyrikers Farhad Showghi. „Ich entwerfe ein Sprechen. Und komme zum Erzählgedicht. Was geschieht, wenn ich sage: Genaugenommen verlasse ich das Haus und die Ortschaft. Die Ort-schaft. Die Silbe schaft beschäftigt mich. Und ich will jetzt einen Zuruf suchen, mit einem mundfernen Sprechgefühl, mir indes einen Namen machen, einen Namen, der von sich aus nichts tut, keiner Anweisung folgt, eher Lautfolge bleibt.“ (O-Ton Showghi in der Vorschau)  „Anlegestellen für Helligkeiten“ erscheint im Oktober 21.

Neue Gedichte der Georgierin Bela Chekurishvili sind bereits am 13.7.21 erschienen. Der Gedichtband heißt „Das Kettenkarussell und erschien beim Wunderhorn Verlag. „Die neuen Gedichte von Bela Chekurishvili haben ihre Ankerpunkte in der Kindheit. Sie rückt umso mehr in den Blick, je länger und je weiter sich die georgische Dichterin aus ihrer Heimat entfernt hat. Die Gedichte Bela Chekurishvilis holen die Ferne heran, mit den uralten Mitteln der Poesie.“ (Text aus der Verlagsvorschau).

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20210711_131959147890374588268838.jpgSchmutzfleck Cover[10237]Scale.jpg Safak

Zwei interessante Lyrikbände erscheinen Mitte September im Elif Verlag. Zum einen ein weiterer Band aus Island, diesmal „Lederjackenwetter“ von Fríða Ísberg, wieder zweisprachig und übersetzt von Wolfgang Schiffer und Jon Thor Gislason. Eine Empfehlung vom Verleger selbst ist der Band „Schmutzfleck“ von Seyyidhan Kömürcü. 

Şafak Sarıçiçeks neuester Gedichtband scheint mir inhaltlich sehr spannend: „Mit Aplomb treten auch die Gedichte auf, die Im Sandmoor ein Android versammelt. Bemerkenswert ist ein Zyklus, der die Heidelberger Sammlung Prinzhorn – ein Museum für Kunstwerke aus psychiatrischen Kliniken – reflektiert und in kraftvolle Sprachbilder übersetzt. Überhaupt geht es in Sarıçiçeks Lyrik oft um Objekte, um Exponate. Kaum ein Gedicht ohne Auftritt lebender oder fossiler Pflanzen und Tiere.“ (aus dem Vorschautext)  „Im Sandmoor ein Android“erschien bereits am 14.7.21 beim Quintus Verlag.

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Titelfoto: Constanze Matthes