Muriel Pic: Elegische Dokumente Wallstein Verlag

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„Der Tod des Dichters ist eine Honiggeschichte.“

Schön, dass es den Wallstein Verlag gibt. Hier findet sich immer wieder Besonderes, gerade auch, wenn es um Lyrik geht. Vollkommen unbekannt war mir die französische, in der Schweiz lebende Autorin Muriel Pic. Sie beschäftigte sich mit Henry Michaux, W.G. Sebald und übersetzte Walter Benjamin. Alles mich sehr ansprechende Autoren. Und nun ihre Gedichte auf Deutsch in einem zweisprachigen Band, übersetzt von Lukas Bärfuss. Ich freue mich sehr über dieses Buch.

Muriel Pic schreibt anhand alter Fotos Spuren in die Geschichte ganz verschiedener Welten. Alle Gedichte entstanden aus einem Blick ins Archiv. Sind die Themen rein zufällig gewählt? Jedenfalls gibt es Überschneidungen, Schnittmengen. Gemeinsam haben alle eins: Es sind zunächst vermeintlich unscheinbare Zeugnisse, die durch Pics Betrachtungsweise in einen Mittelpunkt gestellt werden, der mit weitreichenden Assoziationen einhergehen. (Witzig und interessant, dass Pic auch Fotos(pics!) in ihrem Band mit unterbringt.

Zunächst besucht sie das Dokumentationszentrum Prora auf der Insel Rügen. Spannende geschichtliche Einblicke liefern bereits die Fotos zu Prora, das im Nationalsozialismus ja zum „Kraft durch Freude“-Urlaubsmassenresort werden sollte. Bis heute weiß man nicht so recht, was man mit diesen Monsterbauten, erbaut von 1936 bis 39 direkt am Strand, machen soll. Wer diese viereinhalb Kilometer lange größenwahnsinnige Architektur an einem der schönsten Strände Rügens selbst gesehen hat, wird die Gedichte Pics sofort begreifen.

„Wenn Prora stattgefunden hätte
wenn sich die Ostsee an ihre
blauwandigen Versprechen gehalten hätte
es wäre ein Ferienlager
des Dritten Reiches gewesen.
Mit Leibesertüchtigung für zwanzigtausend
eine Masse der Einsamkeit
eine vereinigte soziale Idylle
bei ganz populistischer Tauglichkeit
im Fehlschlag der Utopie.“

Pic bildet Verse aus dieser Zeit heraus, hinterfragt, zerpflückt, verdichtet Dokumente und verknüpft sie mit Gedanken von Franz Kafka, Hannah Arendt, Alexander Kluge, W. G. Sebald, Tomas Morus und Lukrez.

Die Texte des folgenden Kapitels „Honig“ wurden durch Funde in Archiven verschiedener  Kibbuze Israels inspiriert. Es geht um die Arbeit. Aus der Gesellschaftsform und der Arbeit eines Bienenschwarms heraus überdenkt Pic die Gesellschaftsformen und die Stellung der Arbeit bei uns Menschen. Das Bienensterben aufgrund von Parasiten: Die Leben im Kapitalismus oder im Kommunismus. Wer sind unsere Parasiten? Welche Politik ist dem Menschen am zuträglichsten? Ist die Arbeits- und Lebensform eines Kibbuz eine Idealform? Viele Fragen wirft Pic auf. Sie lädt ein zum Mitdenken, zur Selbsterforschung. Hier erzählt sie in Versen von Kafkas hebräischem Vokabelheft (von rechts nach links) und was Waben mit der Bauhaus-Architektur zu tun haben.

„Was sagen die Archive?
Sie beschreiben das Leid nicht.
Sie warten auf einen der sprechen wird
sie warten darauf
trotz aller Folgen Fragmente zu werden.
Aber wo ist der Grund der Bilder?
Auf ein Desaster sollte man sie stecken.“

Im letzten Kapitel geht es um Orientierung. Hier begegnen wir den Ureinwohnern Amerikas. Die Indianer haben als Orientierung die Natur, vor allem auch den Himmel, die Sterne benutzt, für die sie auch bestimmte Namen haben. Durch verschiedene Sternenkarten und Fotos lässt sich Pic zu ihrer universellen Archivpoesie inspirieren.

„Ausgedehnte Meditationen über die Fixsterne:
Seit längst vergangen Jahrtausenden
bewegen sie sich in Richtung kommender Jahrtausende
ebenso weit entfernt.
In ihrer Nähe die siebzig Jahre
die gewöhnliche Dauer eines menschlichen Lebens?
Eine infinitesimale Parenthese der Kürze.“

Ein Leuchten!

aus der Nachbemerkung der Autorin:

Die Elegischen Dokumente wurden nach Archivbeständen geschrieben, nach Untersuchungen, mit der Empfindung eines Sandkorns im Auge des Gedankens.“

Der Band erschien im Wallstein Verlag. Mehr über Buch und Autorin gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Einen kleinen Auszug aus den Gedichten über Prora/Rügen gibt es in Originalsprache von der Autorin selbst gelesen auf youtube:

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

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Feuer auf der Zunge Persische Gedichte herausgegeben von Jasmin Tank Edition Pajam

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In der von Jasmin Tank herausgegebenen Lyriksammlung persischer Gedichte finden sich Texte aus allen Zeiten, der älteste Dichter aus dem 11. Jahrhundert, die Jüngste 1977 geboren. Die Herausgeberin hat darauf geachtet, dass auch Dichterinnen Eingang fanden. Die Gedichte sind schön. Für mich besonders die der Frauen. Was mich allerdings richtig begeistert hat sind die Illustrationen von Jasmin Tank. Stimmiger können Dichtung und Illustration keine Verbindung eingehen. Sie treffen vielleicht auch gerade deshalb so sehr meinen Geschmack, weil ich mich mit ähnlichen Materialien in meinen Arbeiten befasse.

Der schmale Band hat ein ungewöhnliches Format, was aber die Zeichnungen am Besten zur Geltung bringt. Er ist beinah quadratisch und hat etwa die Höhe von A5. Der Band ist nicht durchgehend zweisprachig, aber es tauchen immer wieder Übersetzungen auf und in die Illustrationen eingearbeitete arabische Schriftzeichen. Weshalb sich die in Berlin lebende Illustratorin Jasmin Tank mit der persischen Lyrik beschäftigt, erfährt man in ihrem Vorwort. Sie geht mit diesen Arbeiten und mit dem Sichten der Gedichte auch auf die Suche nach den eigenen iranischen Wurzeln, und das auf die schönte Weise, wie ich finde.

Es finden sich Gedichte der weltbekannten Klassiker der persischen Dichtung Farruchi, Hâfez, Dschâmi und auch einer Dichterin aus dem 17. Jahrhundert Zêbunissâ Makfi.

Von Forugh Farrochzād, der 1935 in Teheran geborenen, 1967 gestorbenen Lyrikerin, gibt es unter anderem das wunderbare Gedicht „Das Geschenk“ (siehe Foto oben). Sie war eine der ersten Frauen, die auch die Geschlechterrollen in ihren Gedichten hinterfragte, die in einer freien Versform schrieb, klar und direkt. Es wundert wenig, dass ihre Lyrik von der Regierung verboten wurde. Ich möchte den Text hier noch einmal zitieren, weil die wenigen Zeilen so viel beinhalten:

Geschenk

Vom Ende der Nacht spreche ich,
vom Ende der Finsternis
und vom Ende der Nacht spreche ich.

Kommst du in mein Haus, freundlicher Mensch,
so bringe bitte für mich eine Lampe
und ein Fensterchen, dass ich dadurch
das Gedränge auf glücklichen Straßen erblicken kann.

Eine zeitgenössische Lyrikerin finde ich vor allem noch interessant. Das ist Leila Nouri Naini. sie wurde 1970 in Teheran geboren und lebt in Deutschland. Sie fand zur Lyrik unter anderem durch eine Begegnung mit dem ebenfalls hier im Buch vertretenen Dichter Shamlu. (Ihr Gedicht siehe Foto oben).

Alle Dichter/innen sind am Ende des Buches mit einer Kurzbiografie vorgestellt, zudem gibt es Literatur- und Quellennachweise zu den einzelnen Texten.

Jasmin Tank ist ein wunderschöner Band gelungen, den man als Ein- und Überblick über die persische Dichtung benutzen kann, den man aber auch wegen seiner farbenfrohen und ausstrahlungskräftigen Bilder einfach genießen kann.

Der Band erschien in der Edition Pajam im Goethe & Hafis Verlag.

Mehr über Persische Lyrik gibt es von mir hier und hier.

Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt #weiterschreiben Ullstein Verlag

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Ein wirklich tolles Projekt haben sich die Autorinnen Annika Reich und Lina Muzur ausgedacht und in die Tat umgesetzt. Es begann mit der Idee eine Möglichkeit zu finden für Autorinnen und Autoren aus Krisengebieten und/oder im Exil weiter zu schreiben und auch weiter gelesen zu werden. Daraus entstand  im Netz die Seite https://weiterschreiben.jetzt/  und nun die gedruckte Anthologie.

Das Buch ist innen viel schöner geworden als das Cover verspricht. Ich bin ziemlich begeistert, dass im Buch nicht nur Texte, sondern auch Kunst, bunt sich ausbreitend, enthalten ist. Es ist auch das, was ich zuerst ansehe. Ich bin mit Bildern vertraut, ich nehme vieles wahr, was dahinter steht. Es sind Fotos, Mixed Media-Arbeiten, Malerei und Tusche, die ich selbst als Material so liebe. Ich gehe mit diesem Buch anders um, lese nicht von vorne nach hinten durch, sondern blättere, lese, blättere, schaue.

Deutschsprachige Autorinnen und Autoren trafen sich, real oder über den Bildschirm, um über ihr Schreiben zu sprechen, zu übersetzen oder einfach der Welt des/der anderen zu begegnen. Ob Annett Gröschner mit Lyrikerin Widad Nabi in die Geschichte ihrer Heimathäuser eintaucht, ob Saša Stanišić über ein Lachen von Salma Salem erleichtert ist oder ob der Journalist und Dichter Ramy Al-Asheq überrascht ist, als die Lyrikerin Monika Rinck, bei ihrem Treffen sofort beginnt sein Gedicht zu übersetzen, alle haben einen stimmigen Umgang miteinander gefunden, alle haben sie mich getroffen, nah am Herzen.

Ich werde nicht viel mehr über das Buch schreiben. Das entscheide ich gerade beim Blättern. Ich werde kurz aufzeigen, was es für mich so wertvoll macht, stärker, als ich vorher dachte. Es erzählt von Menschen, die das tun, was ich auch tue, Schreiben, trotz aller Widrigkeiten, innerer und äußerer. Ob im Innen Krieg herrscht oder im Außen – Schreiben bleibt.

 

Auszug aus dem Gedicht „Briefe an 14 Gazellen“ von Widad Nabi

„Nachts werde ich alt
heimlich vor der Zeit,
ohne dass mich jemand sieht.
Ich werde hundert Jahre alt.
Die Traurigkeit, die unter meiner Haut wächst,
wird zum Gedicht,
und ich bleibe, wie ich bin,
eine kleine Gazelle im Spiegel der Quelle.

Auszug aus „Das Herz eines Wolfes kochen“ von Rabab Haidar

„Wölfe werden immer nur mit Männern in Verbindung gebracht: Männer essen ihre Herzen und die Wölfe essen ihre. Wölfe werden Männer und verwandeln Männer in Wölfe.
Frauen hingegen werden mit Schlangen, Skorpionen, Eulen, Mäusen, Katzen oder Kaninchen assoziert. Mit Wölfen nicht.
Wie soll ich nur von mir erzählen?“

Auszug aus dem Gedicht „Den Dichtern folgt die Traurigkeit“ von Ramy Al-Asheq 

„Den Dichtern
folgt nur die Traurigkeit

Sie erwacht wie ein Funke an Fingerspitzen
und schläft ein
wischt man eine Träne
fort
mit den Fingerspitzen

Geboren wird sie
unbefleckt
bevor die Sprache sie überfällt
und benennt

Sie tritt ein mit dem Wind
und fährt aus mit der Seele“

Ich lege dieses Buch allen sehr ans Herz. Es ist eine Schatztruhe, eine Wunderlampe, ein Leuchten!

Das Buch erschien im Ullstein Verlag. Alle Beteiligten hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen, sie sind aber im Buch und auf der Verlagsseite zu finden, wo es auch eine Leseprobe gibt. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Kerstin Herbert vom Blog Frauenleserin stellt Fragen – Hier meine Antworten

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Eine schöne Idee hatte Kerstin Herbert. Sie rief den Blog „Frauenleserin“ ins Leben. Wie wenig Raum Frauen in allen Bereichen des Literaturbetriebs immer noch gewährt wird, ist gerade im vergangenen Jahr oft auf Blogs, in Zeitungen und in Magazinen thematisiert worden. Kerstins Aufruf gilt nun den Buchbloggerinnen und fragt nach Lesegewohnheiten. Hier sind meine Antworten auf ihre Fragen:

  • Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wieviele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wieviele davon wurden von Autorinnen verfasst?                     Wenn ich richtig gezählt habe, sind es insgesamt 83 gelesene Bücher. Davon sind 37 von Frauen geschrieben, 42 von Männern (der Rest sind Anthologien). Es gibt also einen Männerüberhang. Wenn man aber meine 12 Favoriten ansieht, hier auf dem Blog nachzulesen, sieht das Verhältnis deutlich besser aus. Es sind 8 Frauen und 4 Männer.
  • ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
  • Welches Buch einer Autorin ist Dein diesjähriges Lesehighlight? (Warum?)
    Es ist auch nicht nur eines (siehe Blog Meine liebsten …). Dennoch nenne ich hier jetzt einfach Karen Duves Roman über Annette von Droste-Hülshoff. Denn hier verbindet sich meine Leidenschaft für schöne Sprache mit dem Inhalt, denn es geht um eine Lyrikerin, die sich als schreibende Frau behaupten muss, und oft erfolglos dafür kämpft, als Lyrikerin ernst genommen zu werden. Zudem präsentiert Duve hier eine gutes Stück Zeitgeschichte.
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  • Welche Autorin hast Du in diesem Jahr für Dich entdeckt und was macht Sie für Dich so besonders?                                                                                                                            Esther Kinsky. Ich habe den Roman „Hain“ gelesen, mit dem sie auch den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 gewann. und war beeindruckt. An Esther Kinskys Büchern mag ich vor allem die Sprache. Da wird jegliche Handlung nebensächlich. Man merkt deutlich, dass Kinsky auch Lyrik schreibt. Außerdem ist sie eine bemerkenswerte Übersetzerin. Ich habe mir nach der Lektüre gleich einen ganzen Stapel ihrer Werke zugelegt.
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  • Welche  weibliche Lebensgeschichte bzw. Biografie hat Dich in diesem Jahr besonders beeindruckt (und warum?)
    Es ist ein Roman und auch nicht komplett autobiographisch, aber eine große Wiederentdeckung, die nah an Mela Hartwigs Leben dran ist. Hartwig schreibt in ihrem Roman „Inferno“ in sehr starken Stimmungsbildern über eine Kunststudentin im Wien der 30er Jahre, die erleben muss, wie ihre Stadt von den Nationalsozialisten übernommen wird. Erst nach einem Schlüsselerlebnis erkennt sie die Ausmaße und beginnt für den Widerstand zu arbeiten.
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  • Welches Buch einer Autorin möchtest Du in 2019 unbedingt lesen?
    Da gibt es nicht nur eine. Ich freue mich sehr darauf, dass endlich wieder ein Roman der Japanerin Hiromi Kawakami auf Deutsch erscheint. Ich habe bisher alle Bücher von ihr mit Begeisterung gelesen. Außerdem gibt es neue Romane von Siri Hustvedt, Marlene Streeruwitz, Doris Knecht und Angela Krauß.
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  • Ich füge noch eine Frage hinzu, die mir besonders wichtig ist, denn auf meinem Blog spielt Lyrik eine große Rolle.
  • Welcher Lyrikband einer Autorin hat Dich in diesem Jahr über die Maßen begeistert?
    Grace Paleys wunderbarer, auch für Wenig- bis Nichtlyrikleser_innen geeigneter Band „Manchmal kommen und manchmal gehen“. Eine Perle, da sie eine Sprache spricht, die jeder versteht. Sie schrieb auch viele Erzählungen, die ich mir ebenfalls noch vornehmen möchte.
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  • Nun bin ich gespannt, wie ihr diese Fragen beantwortet. Bis 12.1.19 kann frau noch mitmachen. Beitrags-Link einfach schicken an: http://www.kerstin-herbert.de/?p=8088

1.1.19 Frohes Neues Jahr mit Literatur leuchtet

Frohes neues Jahr!
Literatur leuchtet, auch und gerade in der lichtarmen Zeit. Doch es geht aufwärts. Die Tage werden wieder heller. Auch die Besucherzahlen auf meinem Blog sind im alten Jahr wieder gestiegen, nicht spektakulär, aber stetig. Mich freut das sehr, denn es zeigt, dass meine Beiträge ankommen. Ich wünsche meiner Leserschaft auch im Jahr 2019 eine angenehme Zeit mit bester Lektüre.  Bleibt meinem Blog und mir gewogen!

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Spitzbergen, Svalbard

Es reicht nicht. Bergstiefel. Zelt.
Kraft fehlt Geld. Sitzende Ruinen.
Versteinerte Pflanzen, vereinzelt.
Verzweifelt verwurzelt, wo Erdflocken
Flechten als einzige Verzahnung

dienen gefrorene Lockvögel auf
Pisten im Talwind, umtoste Gefieder.
Verwaiste Landstreicher verbringen
die Ewigkeit in endloser Weitsicht.
Eine Steilwand, Sprossen. Wer sichert

das Seil? Befellte Füße und Hände in
Fäustlingen, NordNordOst, Stiegen im Fels
Ziegen im Eis. Schau weiß.
Höre stumme Geräusche, fang haltloses
Licht. Spricht durch gefrorene Wasser leise

die Geschichte, die Gedichte in arktischer
Weise. Stauen sich Schlieren oszillierend,
Himmelsspan, zerflossenes Grün wie
Leuchtraketen gespiegelt in Augen und
Glanz auf komplementärfarbenen Wangen.

Durchdrungen. Erleuchtet. Empfangen.


©Marina Büttner Text &Tusche 2018
aus einem noch nicht erschienenen Lyrikband mit eigenen Illustrationen

 

 

 

Meine 10 liebsten Romane 2018 und 2 lyrische Dreingaben

Meine 10 liebsten Romane …


Tatsächlich habe ich einen der besten Romane dieses Jahres erst vor einigen Tagen gelesen, aufgrund der Empfehlung von Alexander Weidel vom Secession Verlag für Literatur. „Kanada“ ist ein immens gutes Buch, ein Einklang von Sprache und Handlung, wie es sie selten mehr gibt. Ausführlich besprechen werde ich es im neuen Jahr.
Ebenso wie den Lyrikband „Elegische Momente“ von Muriel Pic. Auch hier bin ich von Idee und Sprache enorm begeistert. Eine Empfehlung vom Wallstein Verlag. Von beiden Verlagen haben es außerdem je 2 Titel auf meine Bestenliste geschafft.

Und 2 lyrische Dreingaben:

 

Ich stelle fest, dass ich, ohne es zu beabsichtigen, überwiegend Autorinnen mit ihren Romanen und Lyrikbänden favorisiere und ein Großteil aus Indie-Verlagen kommt. Außerdem lese ich mich kreuz und quer durch die Welt. Eine schöne Bilanz!

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Obige Bilder sind verlinkt, so dass man zur Buchbesprechung kommt.  Alle leuchten. Viel Vergnügen beim Lichtfang!

 

 

24.12. Literarische Adventtürchen

Es weihnachtet!
Literatur leuchtet wünscht eine himmlische Zeit mit bester Lektüre! Frohes Fest! 

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Baum an Buchfink

Aus den entkleideten Bäumen
fallen nun weniger Schatten,
wenn ein Ast sich beugt, ein
Zweig sich bückt, fällt

das letzte Nashorn herab,
knacken lang schon die Eicheln
unterm Schuh, kommt kein
Eichelhäher hinterher. Vielleicht

aber eins, zwei Eichhörnchen
mit Schwindsucht und Fuchsschweif.
Gelangweilt schaut die Kohlmeise
zu, fliegt von Laubfall zu Restmüll

und landet am Blattrand. Ein
Specht zielt und setzt den Schnabel
an und, Zack, spuckt der Tannenbaum,
harzt die Landebahnen der Goldammern,

sticht und nadelt, aufgestapelt
die Gefallenen, die Geschlagenen –
Brennholz für die Welt – am Kaminfeuer
sitzt ein Mensch und liest.


©Marina Büttner Text & Tusche 2018
aus einem noch nicht veröffentlichten Lyrikband mit eigenen Illustrationen

Linda Vilhjálmsdóttir: Freiheit Elif Verlag

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Auch in diesem Jahr kommt aus dem Elif Verlag, dessen kleines Programm immer beachtlicher wird, ein Lyrikband aus Island. Ganz eindeutig scheint die Zusammenarbeit  des engagierten Verlegers Dinçer Güçyeter mit Übersetzer und Islandexperte Wolfgang Schiffer reiche Früchte zu tragen.

„zwischen
himmel und erde
ist alles

wie es geschrieben steht“

Diesmal ist es Linda Vilhjálmsdóttir, die ihren Gedichtband „frelsi / freiheit“ nennt, der in Island bereits im Jahr 2015 erschien und großen Erfolg hatte. In einem einzigen strömenden Ton, teils anklagend, teils ermahnend, durchleuchtet sie unser heutiges Menschsein. Die 58-jährige Isländerin hakt nach und gibt sich nicht gleich zufrieden. Energisch, teils wiederholend und dringlich schiebt sie nach, ein gesellschaftskritisches Bild nach dem anderen. Wie sagt man so schön: Sie hält uns den Spiegel vor.

Im ersten Teil geht es um das Weltliche. Wir und unsere Bequemlichkeit, unser Wohlstand. Das ist nicht spezifisch isländisch, das gilt generell für die westliche Welt. Es geht um das, was wir haben, um unseren Besitz, sei es der Gasgrill oder das Fitnessgerät.

„das ziel ist es in einer woche
mindestens fünfhundert gramm
menschlichen fetts zu verbrennen.

dazu pumpen wir
auf der veranda und rackern uns ab auf dem crossstepper
und auf dem laufband in der garage

auf diese weise werden wir
in kürze alle bedingungen erfüllt haben
zur auferstehung des fleisches“

Der zweite Teil führt uns ins heilige Land. Doch auch hier ist nicht mehr alles heilig. Hier kämpfen die Religionen um ihre Vorherrschaft, auch hier geht es nicht mehr um den Glauben allein, nicht ums Religiöse. Hier herrscht Fanatismus und wieder geht es um Besitz. Wem gehört das Land? Welche Religion ist die Richtige?

„jahrhundert um jahrhundert durch marmor und metall
durch synagogen moscheen mauerwerk
hinein in die zerrissenen herzen der muslime und der juden
von denen keiner von beiden zögert den sohn des anderen zu opfern
im krieg um das alleinige recht den vorfahren zu ehren
um das alleinige recht in frieden zu leben im heiligen land.“

Der dritte Teil erzählt von der verschwindenden Natur, der Politik des Konsums, der gesellschaftlichen Forderungen, wie wir sein und uns verhalten sollen, das Streben nach immer mehr, immer schneller, immer weiter …

„gut beraten
in andacht
der festansprache zu lauschen

über unverbrauchte ressourcen
ungefangene makrelen ungebändigte energie
unberührte weiden und unbegrenzte möglichkeiten

in andacht zuzuhören
wenn in den kiefern der minister der knisternde markt
zusammenfließt mit dem lukrativen krachen des schmelzenden eises
in nördlichen gebieten und sich das ende der bewohnten welt
in einen strudel neuer weltsicht wandelt.“

„Freiheit“ ist eine zweisprachige Ausgabe, aus dem Isländischen übertragen von
 Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer. Freiheit in schlichtem Karton mit japanischer Bindung. Mehr über Buch und Autorin findet sich hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

21.12. Literarische Adventtürchen

Kurze Auszüge aus Büchern, die mir am Herzen liegen – Zeilen, Worte, die vielleicht in ein Leser_innenbewusstsein vordringen – Literatur, die etwas zum Leuchten bringt:
Hier sind meine literarischen Adventtürchen, tägliches Licht und auch die Tage werden wieder länger und heller …

Felix und Felka

aus „Felix und Felka“ von Hans Joachim Schädlich

Zu meiner Besprechung: https://literaturleuchtet.wordpress.com/2018/01/17/hans-joachim-schaedlich-felix-und-felka-rowohlt-verlag/

 

15.12. Literarische Adventtürchen

Kurze Auszüge aus Büchern, die mir am Herzen liegen – Zeilen, Worte, die vielleicht in ein Leserbewusstsein vordringen – Literatur, die etwas zum Leuchten bringt:
Hier sind meine literarischen Adventtürchen, tägliches Licht und auch die Tage werden wieder länger und heller …

altmann

aus „Weg zwischen wechselnden Feldern“ von Andreas Altmann

Zu meiner Besprechung:
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2018/08/19/andreas-altmann-weg-zwischen-wechselnden-feldern-poetenladen/