Dag Solstad: [ 16.7.41 ] Dörlemann Verlag

Das neu übersetzte Buch von Dag Solstad trägt als Titel das Geburtsdatum des großen norwegischen Schriftstellers. Bereits dies weist darauf hin, dass es diesmal um den Autor selbst geht, dass er diesmal viel über sich selbst schreibt. Ich bin seit meinem Solstad-Leseprojekt großer Fan des Norwegers und tauchte gleich mit dem ersten Kapitel in den typischen Solstad-Space ein, Fußnoten inbegriffen.

Solstad erzählt von einem Flug nach Frankfurt am Main zu einer Veranstaltung der Buchmesse im Jahr 1990. Er fliegt dabei mit Zwischenstop Kopenhagen, da es keine Direktverbindung von Oslo gibt. Vor der Ankunft fliegt der Pilot ewig, wie es scheint, in Kreisen in der Warteschlange, um die Landegenehmigung zu erhalten. Hier beginnt Solstad sich in die Wolkendecke, über der der Flieger schwebt, zu versenken. Die Gedanken reichen so weit, dass er beginnt sich Engel und andere Himmelsgestalten auf den Wolken vorzustellen. Er driftet in ein vollkommen von der Erde losgelöstes Universum einer beinah religiösen Fantasie. Als er aus dieser endlich wieder auftaucht, weil die Maschine den Landeanflug begonnen hat, merkt er, dass er über Berlin fliegt und in Tegel landet. Die Durchsagen, dass die Maschine nicht in Frankfurt landen kann, hatte er aufgrund seiner Träumereien überhört. Es ist Solstads erste Begegnung mit Berlin.

„Fußnote 1
„Wie immer bin ich derjenige, der das hier schreibt. Doch wer ist derjenige, der sich in der internationalen Abflughalle des Flughafens Fornebu befindet, um mit einem SAS-Flug nach Frankfurt am Main zu reisen? Ich bin derjenige, der schreibt. Ich, der das hier schreibt, sage, der Mann am Flughafen ist derjenige, der schreibt. Also ich. Mein >nacktes< Ich. Ich denke zurück an mich in Fornebu an einem Oktobertag 1990 und schreibe diesen Text. Das liegt jetzt mehr als zehn Jahre zurück.“

In Berlin geht es dann auch im folgenden Kapitel weiter, allerdings 10 Jahre später. Solstad lebte mehrere Jahre in Berlin Kreuzberg am Maybachufer. Warum, weiß der Autor selbst nicht genau. Es folgen Beschreibungen der Stadt und der Spaziergänge, auf die uns der Autor mitnimmt. Da ich selbst hier wohne, ist mir vieles bekannt. Ich selbst kam 2004 nach Berlin, so kenne ich auch das Berlin dieser Zeit noch. Leider schlägt der Autor hier einen Erzählton an, der sich anhört, als würde mir ein allwissender Reiseführer Teile Berlins zeigen und den geschichtlichen Hintergrund dazu erzählen. Ich vermisse hier ganz klar die besonderen Eigenheiten in der Art der vorherigen Romane, die ich extrem gut finde. Mir sind diese Beschreibungen zu wenig aussagekräftig.

Dann wechselt der Schauplatz. Solstad schreibt über einen Vortrag, den er in Lillehammer hält. Dieser Vortrag über das Romaneschreiben und wie Solstad, der beinahe 60-jährige, sich das gegen Ende seiner aktiven Zeit als Schriftsteller vorstellt, findet sich dann auch komplett im Buch. Von Lillehammer reist der Autor in seinen Heimatort Sandefjord. Auch dort begleiten wir in wieder auf seinen Wegen. Er ist zu einem Klassentreffen eingeladen, findet aber die Lokalität nicht, in der die Festgesellschaft stattfinden soll. Die Suche gestaltet sich skurril, auch in Anbetracht des zunehmenden Alkoholpegels des Helden. Erst ganz spät am Abend, es ist beinahe Nacht, bemerkt er beim Spazieren durch die Stadt in seinem ehemaligen Elternhaus durchs Fenster seine Klassenkameraden feiern und tanzen. Trotzdem gelingt es ihm nicht, Zugang zu finden …

Hier ändert sich wieder der Tonus von Solstads Schreiben und das Blatt wendet sich zurück in die Vergangenheit. Ab hier bin ich wieder ganz dabei. Solstad erzählt anhand eines Kindheitserlebnisses von seinem Vater. Und das ist zutiefst berührend. Womöglich ist das das Neue, was in diesem Roman passiert: das erste(?) Mal schreibt Solstad über seine Herkunft, über seine Familie. Das gelingt im perfekt. Der Vater wird zum Zauberer für den kleinen Jungen, ja, zum Erfinder, dem es letztlich doch nicht gelingt das Perpetuum Mobile zu konstruieren und der sich dafür hoch verschuldet hatte. Der Vater, der Fragen immer ehrlich zu beantworten wusste, der einzig den Sohn in sein Vorhaben einweihte. Ein chronisch Kranker, der leider zu früh starb. Und so schließt sich auch der Kreis, der eingangs mit dem Kreisen des Flugzeugs begann und der Vorstellung des Vaters auf einer Wolke im Himmel.

„Eigentlich bin ich schon zu weit gegangen. Ich habe eine Lücke in meinem Bewusstsein gefunden und sie genutzt oder ausgenutzt, um mir Zugang zur Ewigkeit zu verschaffen, für einen kurzen Augenblick, weil ich meinen Vater auf diese Weise wiedersehen wollte.“

Und so bin ich wieder versöhnt am Ende des Buches, dass für mich auch ohne das Berliner Kapitel gut, wenn nicht sogar besser, funktioniert hätte. Nach den Phasen, in denen Solstad politische Literatur schrieb, dann teils skurrile Romane, kommt womöglich jetzt eine Phase der persönlichen Innenschau. Um Solstads Literatur kennen zu lernen empfehle ich dennoch mit anderen Titeln von ihm zu beginnen. Siehe mein zweiteiliges Solstad-Leseprojekt.

Der Roman „16.7.41“ erschien, wie alle anderen auch, im Dörlemann Verlag. Übersetzt hat es wie immer Ina Kronenberger. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Stephen Uhly: Finsternis Secession Verlag

Stephen Uhly ist ein höchst interessanter Erzähler. Seine Stories könnten verschiedener nicht sein, und sie überraschen immer. Sein letzter Roman „Den blinden Göttern“ hat mir auch vor allem wegen des Themas Lyrik gefallen, aber eben auch weil er so abgedreht ist. Dem steht „Finsternis“ in nichts nach. Obgleich der neue Roman als eine Art Krimi angelegt ist, zudem mit einem Thema, das ich durchaus heikel finde, bin ich in kürzester Zeit in dieser spannenden Story verschwunden. Die 200 Seiten habe ich an einem einzigen Tag absolviert.

Man darf über den Inhalt eigentlich gar nicht viel verraten, weil sonst die Spannung wegfällt, die die Geschichte trägt. Also relativ kurz diesmal:

Schauplatz Berlin: Der junge Kriminalbeamte Abid Malik wird zu einem Tatort gerufen. Eine weibliche Leiche um die 60 wurde auf einer Trage auf einer Brachfläche in einem belebten Berliner Kiez abgestellt. Mit seinem erfahrenen älteren Kollegen und Freund Jan West arbeitet er an der Aufklärung des Falles. Was man schnell herausfindet, ist, dass die Tote in der BDSM-Szene unterwegs war. Das stellt die Pathologie anhand des Zustand des Körpers fest. Was man nicht herausfindet, ist die Identität der Toten. Die beiden Ermittler versuchen den wenigen Hinweisen, die sie haben nachzugehen, kommen jedoch nicht weiter. Als Jan ein anonymes Video zugeschickt bekommt, nimmt die Geschichte eine hochspannende Wende. Jan und Abid beginnen ab nun in einer geheimen „Mission“ alleine weiter zu ermitteln, die wahrhaftig in die Finsternis führt.

Kripo-Chef Ballmann fällt währenddessen die zunehmende Unruhe und Abwesenheit Abid Maliks auf und er schickt ihn zu einer Polizei-Psychologin. Das Buch beginnt mit der ersten Sitzung der beiden und so erfährt die Leserin nach und nach in 12 Gesprächen die unheimliche Geschichte der versuchten Aufklärung der Tat, die Abid extrem zusetzt und die er sichtlich schlecht verarbeiten kann. Dabei gelingt es Uhly sehr geschickt, die inneren Zerwürfnisse und Selbstzweifel Abids aufzuzeigen. Er, der anfangs ein souveräner von seiner Arbeit und deren Sinn vollkommen überzeugter Kriminalbeamter war, hinterfragt seine Tätigkeit.

„Wenn ich als Polizist anfange, das Verhalten der Bürger zu beurteilen, hebe ich de facto die Gewaltenteilung auf. Ich mache mich zum Richter. Der Staat funktioniert aber nur, solange die Exekutive nicht damit beginnt, die Kompetenzen der Judikative auszuüben. Das erfordert Disziplin. Dafür wurden wir ausgebildet.“

Unter seiner ausufernden Arbeit leidet auch seine Frau und die beiden Kinder. Jan gegenüber zeigt er absolute Loyalität, auch als dieser die Grenzen seiner Zuständigkeit als Beamter schließlich überschreitet. Seiner Frau gegenüber bleibt er verschlossen. Die Psychologin Dr. Roth kann ihn zunächst durchaus unterstützen, bleibt aber im Verlauf von Abids Erzählung nicht unberührt. Ohne Supervision und mit eigenen Problemen belastet, gerät sie selbst an die Grenzen der Professionalität und unterläuft schließlich das Berufsethos.

Uhly gelingt es in dieser abgedrehten Geschichte in teils bizarrer Szenerie wichtige philosophische Fragen einzubinden: Wie frei sind wir wirklich? Was bedeutet Freiheit für jeden Einzelnen? Was bedeutet absolute Loyalität?

„Als du Polizist wurdest, unterschriebst du deinen Vertrag, mit dem du deine Macht zugunsten der Staatsgewalt aufgabst. Seitdem handelst du nicht als Jan West, sondern als Staatsdiener, nicht wahr? Aber wer ist Jan West, der Staatsdiener? Jan West, der Staatsdiener, ist ein Unfreier, der in der Lage ist, seine Unfreiheit aufzugeben und gegen eine andere Unfreiheit einzutauschen. Darin besteht deine einzige Freiheit.“

Ob das Ende dann am Ende tatsächlich so war, hinterfragt der Autor durch seinen Helden Malik und bietet Varianten des Möglichen an.

Der Roman erschien im Secession Verlag. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.
Besonders erwähnenswert finde ich bei Büchern aus dem Secession Verlag immer die ästhetische Aufmachung. Hier findet sich echter Leineneinband, Lesebändchen, Fadenheftung und Druck auf hochwertigem feinem Papier, dass beim Umblättern ein haptischer Genuss ist. Auch Satz und Schrift heben sich frisch und besonders ab.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Laura Lichtblau: Schwarzpulver C. H. Beck Verlag

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Dieser Name! Schon wegen des wunderbaren Namens der Autorin musste ich mich für diesen Debütroman interessieren. Auch die Covergestaltung finde ich sehr gelungen. Laura Lichtblau hat mich mit „Schwarzpulver“ dann tatsächlich mit ihrer gekonnten poetischen Sprache begeistert (im wahrsten Sinne des Wortes). Zunächst fand ich die Idee der Story spannend: Schauplatz Berlin, womöglich nicht so viele Jahre in der Zukunft. Eine Dystopie (hoffentlich!), denn man wünscht sich wahrhaftig keine Bürgerwehr, keine Partei wie diese an der Macht und keine solchen Verbote und Verhaltensregeln. Man wünscht sich aber solche Charaktere, wie sie Lichtblau erschafft. Ganz unterschiedlich und auf eigene Weise sensibel und aktiv dagegen.

Die Geschichte hat etwas Verspieltes, Leichtes, trotz der unschönen Realität in der sie sich ereignet. Sie hat von Anfang an ein Geheimnis, das auch im Laufe des Lesens nur durch Andeutungen aufscheint. Lichtblau glänzt mit ihrer Gabe und zählt auf die Fantasie ihrer Leser*innen.

Ihre drei Hauptfiguren agieren gleichwertig, sie lässt sie abwechselnd zu Wort kommen:  Burschi, eine junge Frau, auf dem Land aufgewachsen, die in einer WG wohnt und ein altes Ehepaar betreut. Charlie, ein junger Mann, der ein (natürlich unbezahltes) Praktikum bei einem angesagten rebellischen Musiklabel macht, in der Hoffnung selbst als Talent entdeckt zu werden. In Wirklichkeit ist er Mädchen für alles. Charlie, eigentlich Karl, lebt noch bei seiner Mutter Charlotte (den Vater kennt er nicht), die ihm keine Chance zur Abnabelung lässt. Sie arbeitet als Scharfschützin in der Bürgerwehr. Hier wird man zum ersten Mal stutzig, denn die Autorin beginnt sehr langsam aber stetig die neuen Errungenschaften der Politik in die Geschichte einfließen zu lassen.

„Die Konditionen dieses Schießcamps überzeugen mich einfach, hatte sie Tante Liese und Onkel Gabriel erklärt, Es gibt zwanzig verschiedene Waffen zur Auswahl, die Proteinshakes sind auch inklusive.“

Eigentlich steht Charlotte gar nicht hinter ihrem neuen Job, ist eigentlich eher eine Alternative, die vorher einen Töpferladen hatte und an die Alt-68er erinnert.

Die Autorin hat eine absolut sichere Hand, ihre Held*innen liebenswert schrullig darzustellen. Mit wenigen Worten lässt sie sofort ein Bild entstehen. Überhaupt hat sie einen genialen erfrischenden trockenen Humor, der das ganze Buch durchzieht und gleichzeitig weiß sie sicher mit Sprache umzugehen und mit Sprachspielereien bunte Szenarien zu zaubern. Da gibt es beispielsweise einen Anita-Augspurg-Platz, einen zentralen Platz, wie es der Alexanderplatz ist, ein Platz also nach einer Aktivistin der bürgerlich-feministischen Frauenbewegung und Pazifistin benannt. Da gibt es altmodische, fast vergessene Worte, etwa das wunderbare „tramhappert“, was wohl soviel wie schlaftrunken bedeutet. Oder:

„Am Tisch sitzen junge Männer mit feisten Gesichtern, die aussehen, als hätten ihre Mütter sie abgeleckt, ehe sie sie nach draußen gelassen haben.

Es ist die Zeit um Weihnachten und Neujahr, eine aufgeladenen Zeit. Es sind die Raunächte, in denen laut alter Tradition die „Wilde Jagd“ unterwegs ist. Geheimnisvolle Geisterwesen, die nicht unbedingt nur Gutes wollen. Für Burschi wird es eine aufregende Zeit, denn sie begegnet der geheimnisvollen Johanna (die nach Schwarzpulver riecht). Die beiden fühlen sich sofort magisch zueinander hingezogen. Im Weg steht bei der ersten Begegnung nur die Bürgerwehr, die auf Johanna allerdings kaum Eindruck macht. Die Silvesternacht verbringen sie zusammen:

„Konkrete Fragen nach deinem Woher sind deiner Laune überhaupt nicht zuträglich, du bist ein ungefähres Wesen, scheint mir.“

Auch Charlie begegnet nach unzähligen Praktikantendiensten auf der Silvesterparty des Labels seinem Glück in Form der angebeteten Rapperin „Pseudoluchs“. Nur für Charlotte läuft der Jahreswechsel nicht so gut. Als sich die Wege der drei Hauptakteure schließlich unerwartet in der Silvesternacht im U-Bahnschacht kreuzen, ist es eine eher absurde Begegnung, die für Charlies Mutter Charlotte zum Desaster wird.

Was ich hier über das Buch schreibe, wirkt womöglich unspektakulär, vielleicht gar wirr oder seltsam. Aber: es hat eine unglaubliche Strahlkraft! Man muss es selbst lesen. Trotz der schlimmen Entwicklungen: es gibt selten mehr Tageslicht, weil die Sonne die Umweltgifte nicht mehr durchdringt. Die Regierungspartei hat sich rechtes Gedankengut angeeignet. Es gibt Fremdenfeindlichkeit und Homophobie. Der Feminismus wird zurückgedrängt. Obwohl man eigentlich schreien möchte, bitte nicht so ein furchtbar düsteres Szenario, lohnt sich dieses Buch so sehr, aufgrund seines schwer greifbaren Charmes, seiner kaum erklärbaren Anziehungskraft und immer wieder dieser Sprache. Hier ist alles rund, alles passt zusammen, alles fügt sich. Ich habe in diesem Jahr noch keinen anderen Debütroman gelesen und weiß dennoch, dass dieser vermutlich mein Favorit bleiben wird. Ein Leuchten!

Der Roman erschien im C. H. Beck Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eine weitere Rezension findet sich auf dem Blog letteratura.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Andreas Schäfer: Das Gartenzimmer Dumont Verlag

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Andreas Schäfers neuer Roman „Das Gartenzimmer“ erzählt die Geschichte eines Hauses. Ein junger Architekt, Max Taubert (teils angelehnt an den realen Architekten Max Taut?), verwirklicht gleich anfangs seiner Laufbahn ein ungewöhnliches privates Hausprojekt in Berlin, das ihn auch eng an die Personen bindet, die ihn beauftragten und nun darin leben. Entstanden ist das Haus bereits vor dem ersten Weltkrieg und wir erleben die Entwicklung von 1908 bis in die heutige Zeit ins Jahr 2013. Alle Bewohner beschäftigt oder beeinträchtigt dieses Haus auf jeweils eigene Art und Weise …

In diversen Zeitsprüngen, die durch die Jahreszahl als Kapitelüberschrift gekennzeichnet sind, geht es im Roman kreuz und quer, recht verwirrend. Es entsteht dadurch keine Spannung, wie das normalerweise bei dieser Technik der Fall ist, sondern eher viel Unklarheit, auch bezüglich der handelnden Personen, die zudem für mich auch kaum Tiefe besitzen. Die weiblichen Protagonisten empfinde ich als klischeehaft dargestellt. Die Männer sind durchweg unsympathisch. Zudem wurde mir beim Lesen langweilig.

Trotzdem las ich weiter, immer in der Hoffnung es würde noch die Kehrtwendung kommen, die mich vom Buch überzeugt. Doch trotz der vielversprechenden Ansätze von Erzählsträngen finde ich den Roman nicht gelungen. Zu viele Personen werden vorgestellt, ihr Schicksal kurz angerissen, aber nicht hinreichend auserzählt. Das ist schade, denn so manche Person scheint mir durchaus interessant und erkundenswert. Wie etwa Julius Sander, der offenbar im „Gartenzimmer“ des Hauses, dass die Nazis beschlagnahmten und zum Eugenik-Labor ausbauten und für ihre furchtbaren Experimente nutzten, selbst Schreckliches erlebt hat. Auch über die Lebensgeschichte des Architekten selbst hätte ich gerne mehr gelesen. Für mich ergibt sich aus diesen unzähligen Windungen letztendlich kein stimmiges Ganzes.

Dabei fand ich den Erzählstrang um die Familie Rosen, die das Haus in Auftrag gab und 1909 einzieht, noch am Interessantesten. Nach meiner Ansicht wäre es sinnvoller gewesen, sich auf deren Geschichte zu beschränken. Doch gibt es eine Menge übersprungene Zeit, bis die Geschichte wieder zur Zeit des Nationalsozialismus andockt. Aber auch hier gibt es viele Ungereimtheiten und vage Andeutungen. Der Strang, der in der heutigen Zeit ab 2001 spielt hat mich eher gelangweilt. Man lernt die neureiche Familie Lekebusch kennen, die das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Haus renovieren lässt und neu bezieht. Aber ich finde keine Verbindung zu ihr. Auch wird nie genau klar, weshalb die Bewohner, das Haus als unheilbringend empfinden. Mir scheint eher, die Protagonisten leiden an sich selbst oder ihrer Lebensüberdrüssigkeit.

Zu guter Letzt hätte nur noch die Sprache diesen Roman für mich retten können, doch auch sie ist unauffällig (was schon daran zu merken ist, dass ich nichts zu zitieren fand). Sehr schade, dass das Potenzial dieser an sich guten „Haus“-Idee nicht genutzt wurde. Kein Leuchten, sorry!

„Das Gartenzimmer“ erschien im Dumont Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Zwei weitere Blogs sind deutlich mehr angetan von diesem Buch:
Buch-Haltung und Fräulein Julia

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Aras Ören: Berliner Trilogie Verbrecher Verlag

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Aras Örens drei Poeme aus den 70er und 80er Jahren sind nun in einem Band zusammengefasst neu erschienen. Der 1939 in Istanbul geborene Autor, Journalist und Schauspieler lebt seit 1969 in Berlin und hat für diese Ausgabe ein kurzes Vorwort geschrieben. Seine Texte schrieb er auf Türkisch, sie wurden übersetzt von H. Achmed Schmiede, Johannes Schenk, Jürgen Theobaldy und Gisela Kraft.

Die „Berliner Trilogie“ unterteilt sich in die drei Kapitel „Was will Niyazi in der Naunynstraße?“, „Der kurze Traum aus Kagithane“ und „Die Fremde ist auch ein Haus“. Figuren aus dem ersten Kapitel tauchen auch in den folgenden wieder auf. Ören beginnt ausgehend von einem Mietshaus in der Naunynstraße in Berlin Kreuzberg die Geschichte seiner Bewohner zu erzählen. Überwiegend sind es türkische Gastarbeiter, die hier wohnen. Die Miete ist bezahlbar und der Arbeitstag lang. So lernen wir gleich eingangs Niyazi Gümüşkiliç kennen. Anhand seiner Lebensgeschichte erkunden wir die Geschichten der im Haus und in der Straße lebenden Menschen. Ören erzählt nicht chronologisch und auch nicht sachlich. Seine Texte sind Poesie und durch diese Form sehr dicht und von eigentümlicher Schönheit. Diese teils düsteren, teils aufleuchtenden Geschichten in Lyrikform zu lesen ist ein außergewöhnliches Leseerlebnis.

„Es schneit in Berlin.
Die Temperatur ist 3 Grad unter Null.
Die Naunynstraße ist zugefroren.
Ihre Häuser sind fertig zum Aufwachen.

Niyazi Gümüşkiliç aus der Naunynstraße
geht mit schnellen Schritten,
wie Mitte September,
zum Blaufischfang in der Bucht von Bebek
geht er spät, mit schnellen Schritten,
den Kopf tief zwischen den Schultern
zur Nachtschicht.“

Ich erfahre viel über die „Gastarbeiter“, ein Begriff, den ich aus Kinderzeiten noch im Ohr habe. Ich lerne hier viel über die Geschichte der Türkei. Ich erfahre von denen, die zunächst von Anatolien nach Istanbul gingen, auf der Suche nach einem besseren Leben und um die Familie zu ernähren. Über die Wege, die sie weiter nach Deutschland führten, die großen Hoffnungen und die oft auch enttäuschende Ankunft. Ören stellt mir Menschen persönlich vor, schafft Nähe zu ihnen und lässt mich dicht dran miterleben, wie jeder einzelne vom Schicksal gezeichnet ist. Ich lese aber auch über Freundschaften, die entstehen und über Arbeiter, die sich zusammenschließen, über eine Zeit, in der Gewerkschaften noch mehr bewirken konnten und ja, auch über Zusammenhalt.

„Fangen wir erst einmal zu sprechen an,
fangen wir erst einmal an zu erzählen
von unserem Leben, unserem Kampf,
schwer und roh spricht die Geschichte aus jedem Mund,
denn, nicht wahr, was haben wir alles erlebt,
während wir die Werkzeuge in den Händen hielten.
Und was wir erlebt haben, zeigt sich
darin, wie wir leben.“

Der erste Teil wirkt auf mich am stärksten, obgleich er am leichtesten zu lesen ist. Hier schwingt Sprache im Rhythmus der Straße. Hier ist das Kreuzberg der 70er Jahre, das bald Klein-Istanbul genannt wird. Kreuzberg 36, dass direkt an die Mauer zu Ostberlin grenzt. Ören lässt sie alle zu Wort kommen. Die Müllfahrer, die Fabrikarbeiter/innen, die Gewerkschaftler, die Arbeitslosen, die kommunistischen Aktivisten. Die Witwe Frau Kutzer kommt ebenso zu Wort, wie Kazim oder Süleyman oder die 15-jährige Emine.

„Das Haus, das sind drei Zimmer
aus vier Wänden.
Im Kissen, dass ich sticken mußte,
steckt meine Geduld, mein Traum, meine Hoffnung.
Wenn ich groß bin, kann ich nicht Ärztin werden,
nicht Beamtin, nur ein Kissen,
und auf dem Kissen eine Stickerei,
während ich in den Gebäuden der Fremde
Fußböden wische wie meine Mutter.“

Aras Örens drei Poeme sind ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Dass es sich um Gedichtzyklen handelt ist an der ausdrucksstarken Sprache zu spüren, sollte aber niemanden abschrecken, sie nicht zu lesen. Denn sie sind spannend und fließend zu lesen und ganz und gar unverrätselt. Große Empfehlung!

Das Buch steht auf der Liste der Lyrikempfehlungen 2020, die ich Lyrikfans unbedingt ans Herz legen kann.

Die Berliner Trilogie erschien im Verbrecher Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Lutz Seiler: Stern 111 Suhrkamp Verlag

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Mit seinem zweiten Roman hat der Lyriker und Prosaautor Lutz Seiler eine Art Fortsetzung seines grandiosen Romans „Kruso““ geschrieben, für den er 2014 den Deutschen Buchpreis erhielt. Er ist womöglich sogar noch besser als dieser. War „Kruso“ ein Roman, der kurz vor der Wende überwiegend auf der kleinen Ostseeinsel Hiddensee, also in der ehemaligen DDR spielte, so ist diesmal Berlin der Hauptschauplatz und zwar ganz kurz nach der Grenzöffnung.

Der Mitte 20-jährige Carl Bischoff erhält von seinen Eltern ein Telegramm mit der Bitte sofort nach Hause zu kommen und so reist Carl von Halle nach Gera und fällt dort aus allen Wolken, als seine Eltern ihn informieren, dass sie in den „Westen“ gehen wollen. Der Vater übergibt Wohnungsschlüssel und den „heiligen“ Wagen, einen gepflegten Shiguli an den Sohn und dieser fährt die Eltern an den Grenzpunkt, von wo sie ins Erstaufnahmelager Gießen kommen.

Von diesem Punkt aus teilt Seiler seinen Roman in zwei Erzählstränge. Zum einen folgen wir Carl im Shiguli nach Berlin, zum anderen den Eltern, die im Westen sehr zielstrebig einem ganz bestimmten inneren Plan folgen, das Carl dann immer wieder das „Elterngeheimnis“ nennt.

„Meine Eltern sind verschollen, gleich nach Öffnung der Grenze, das heißt, ich bin jetzt allein und suche eine Höhle, nur für mich und mein Schreiben, für die Suche nach dem Übergang, genauer gesagt, die Passage in eine poetisches Dasein.“

Carl gelangt in Berlin durch Zufall in einen sehr speziellen Kreis, „Das Rudel“ genannt, oder die „Arbeiterguerilla“, die unter ihrem Anführer, des „Hirten“, verlassene Häuser besetzt. Carl, der ehemals Maurer gelernt hat, aber eigentlich nur Dichter werden will, engagiert sich gleich beim Ausbau des Kellers, der Versammlungsraum mit Ausschank werden soll. So gelangt er in alternative Künstlerkreise mit allerlei illustren Gestalten, skurrilen Begebenheiten und trifft schließlich auf Effi, seine angehimmelte Jugendliebe, inzwischen Kunststudentin. Auch Edgar und Kruso (aus dem Vorgängerroman) tauchen in kurzen Szenen auf. Carls Unruhe legt sich durch das Zugehörigkeitsgefühl und er schafft es immer wieder sein Ziel, ein poetisches Leben zu führen, im Fokus zu behalten. Es gibt eine erste Veröffentlichung, Anerkennung von einem Dichterkollegen namens Thomas Kunst (der keinem Lyrikleser unbekannt sein sollte), ein Verlag erbittet ein Manuskript, doch die Beziehung zu Effi ist nicht dauerhaft lebbar. Einer liebt immer mehr, in diesem Fall Carl.

Seiler erzählt hier möglicherweise aus seiner eigenen Geschichte. Die Assel, das Kellerlokal gab es damals wirklich, die besetzten Häuser im Prenzlauerberg zwischen Prenzlauer Allee und Monbijoupark gab es wirklich, die sich daraus entwickelnden Künstlerkreise gab es wirklich. Seiler erzählt von einer sich auflösenden Welt, einer Übergangswelt, von der man noch nicht weiß, wo es hingehen wird. Er erzählt von dem Versuch einer Gruppe von Menschen, die sich nicht dem Konsumkapitalismus ausliefern wollen, wie er allmählich aus dem Westen vordringt. Die Sprache, die der Autor hierfür findet ist eine enorm poetische. Es ist ein Eintauchen in die Tiefe und ein Beschwören der Worte, ein Be-schreiben der zweifelnden Innenschau eines angehenden Dichters.

„Die Vorstellung, sich dorthin zu retten, aus allem heraus in ein Jenseits der Poesie. (Um dann, irgendwann, von dort her wieder einzutreten in diese öde, armselige Welt, jedoch unangreifbar, geschützt, als hätte man in Drachenblut gebadet.“

Im zweiten Strang schafft er es, die Erlebnisse von Carls Eltern als DDR-Bürger in Westdeutschland so nah und berührend zu schildern, dass auch dieser Teil der Geschichte höchst lebendig wird. Egal ob Carls Vater als Experte Kurse für seltene Computersprachen gibt oder seine Mutter als Haushälterin und Putzfrau arbeitet, immer wird das Geld sofort gespart, immer ist das Ziel im Fokus. Carls Mutter ist diejenige, die über Briefe Kontakt zu ihm hält. Diese Briefe sind auch immer Ausgangspunkt für das Weitererzählen des „Elternstrangs“, der auch oft mit Kindheitserinnerungen Carls unterfüttert ist.

Das letzte Kapitel, das den Namen des Romans und den eines DDR-Kofferradiotyps trägt, führt Eltern und Sohn wieder zusammen und auch das Elterngeheimnis wird aufgelöst. Für Carl ist es eine Zeit des Erkenntnisgewinns, für Wachstum und Neuausrichtung.

„Sie hatten ihm das alles verschwiegen und eine Art Ersatzleben geführt. Ein gutes, passables, kein unglückliches jedenfalls, nur das erzwungene Leben. […] Auch in ihm war es verankert gewesen, das zweitbeste Leben. Es entsprach einem Grundgefühl seiner Kindheit: jemand oder etwas zu vertreten, nicht voll und ganz gemeint zu sein – nicht an sich, oder wie sollte man es sagen?“

Wie schon in Kruso gibt es auch in Stern 111 immer wieder kurze traumhafte, surreale Sequenzen, die man vergeblich zu greifen versucht und das ist auch gut so. Denn zum Beispiel die schwebende Ziege Dodo möchte ich keineswegs missen. Diese Art zu schreiben zeigt vielleicht auch, wie es sich anfühlt den Weg ins Poetendasein aufzuzeigen, denn auch in Gedichten geht es mitunter nicht mit rechten Dingen zu, bleiben Geheimnisse.

Lutz Seiler hat seine große Dichtkunst mit feiner Prosa versponnen und einen sprachlich und inhaltlich höchst gelungenen Roman geschrieben, der sehr verdient auch den Preis der Leipziger Buchmesse 2020 erhalten hat. Sternenleuchten!

„Stern 111“ erschien im Suhrkamp Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eine weitere Besprechung gibt es auf dem Blog letteratura.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Aris Fioretos: Nelly B.s Herz Hanser Verlag

Der 1960 im schwedischen Göteborg geborene Autor Aris Fioretos hat einen sprachlich meisterhaft gelungenen Roman geschrieben. Lange schon wollte ich einmal etwas von ihm lesen und habe mit „Nelly B.s Herz“ gleich einen Glücksgriff getan. Fioretos erzählt von Nelly Becker, die 1911 als erste Frau in Deutschland ihre Flugzeugführerlizenz erwarb. Er lehnt sich dabei an die reale Biografie der Amelie – Melli – Beese (1886 – 1925) an und ergänzt fiktiv die Zeit nach ihrer Fliegerlaufbahn in Johannisthal bei Berlin und vor ihrem Suizid 1925, über die man fast nichts weiß. Die Biografie Beeses selbst ist schon höchst interessant. Fioretos erzählt sie kurz als Anmerkung am Schluss des Buches.

„Der erste Pilot der Geschichte soll mit Schwingen aus Wachs zur Sonne aufgestiegen sein. Er ließ ein Labyrinth hinter sich, strebte nach offenen Himmeln. In dieser Sehnsucht nach Ungebundenheit erkenne ich mich selbst wieder. Als Mädchen habe ich niemandem erlaubt, mir zu helfen.“

Dem Autor ist es hervorragend gelungen, seine Hauptfigur im Kontext ihrer Zeit aufleben zu lassen. Er gibt ihr sehr viel Tiefe, Melancholie, aber auch eine kraftvolle Lebensfreude. Nelly wird in der Nähe von Dresden geboren, studiert Bildhauerei in Stockholm, bevor sie fasziniert von der Fliegerei mit dem Franzosen Paul Boutard im Fliegerhorst Johannisthal eine Flugschule gründet. Sie fliegt nicht nur, sondern kennt sich auch im technischen Bereich der Mechanik und Konstruktion bestens aus. Als selbständige Frau wird sie jedoch von den männlichen Kollegen oft schräg angesehen, sogar sabotiert. Nach dem 1. Weltkrieg, in dem Paul interniert wird und an Tuberkulose erkrankt, gelingt es ihnen nicht, die Schule erfolgreich weiterzuführen. Gleichzeitig bekommt Nelly die Diagnose einer Herzkrankheit. Sie darf nicht mehr fliegen.

Hier setzt nun die Haupthandlung ein. Nelly, die mittlerweile mit Paul verheiratet ist, trennt sich von ihm, nimmt eine Arbeit bei BMW Berlin an und verkauft Motorräder. Hier lernt sie Irma kennen. Sie verliebt sich in die wesentlich jüngere Frau und erlebt trotz des Flugverbots eine Zeit des Aufwinds, ein Gefühl der Verbundenheit, ja der Verschmelzung, dass sie bisher eigentlich nur oben am Himmel im Cockpit eines Flugzeugs fand. Nellys Herz soll genesen durch Ruhe und Medikamente und beginnt nun durch Irmas Anwesenheit weit zu werden. Im Erinnern an die Beziehungen zu zwei Freundinnen wird Nelly nun auch klar, dass sie bereits als junges Mädchen wusste, dass sie eine „Veilchenfrau“ ist. In der Erzählung der Liebesgeschichte zwischen den beiden Frauen zeigt sich auch die Sprachkunst und Sensibilität des Autors. Er verwendet im ganzen Text Wörter und Metaphern, die mitunter altmodisch anmuten, die aber perfekt zur Zeit und zu den beiden Frauen passen. Dabei spielt er mit Zahlen- oder Buchstabensymbolen, die Nellys komplexes Denken durchziehen.

„Ich muss an das Emblem der Flugschule denken. Sie und ich, einander zugewandt wie zwei Bs. Die Form eines perfekten Stundenglases.“

So musste ich das Wort „inklinieren“ suchen, was Fioretos mehrfach verwendet. Duden sagt dazu: „neigen; eine Disposition/eine Neigung haben, einen Hang/eine Tendenz haben, hinneigen, tendieren“. Das lässt sich nun natürlich hier auch für die Fliegersprache verwenden, nicht nur für die Zuneigung der beiden Frauen oder für die generelle Hinneigung von Frauen zu Frauen. Schnell bemerkt man, dass bei Fioretos Schreiben nichts dem Zufall überlassen wird. Die Geschichte lebt von gelungener Konstruktion, die aber niemals konstruiert wirkt, sondern vollkommen stimmig und leicht, was natürlich auch der großen Sprachsicherheit des Autors zu verdanken ist.

„Ob eine Frau sich nicht wie ein Mann verhalten könne, fragt Irma.
„Aber warum deshalb ein Mann sein wie ein Mann?“

Doch die Beziehung gestaltet sich nicht so einfach. Irma ist ein Kind ihrer Zeit, hat einen anspruchsvollen Job in einer Werbeagentur, will sich nicht festlegen, hat noch jemand anderen. Nelly erkennt das nur langsam und erkennt gleichzeitig was sie selbst will. Eine gemeinsame Flugreise, die sie eigentlich näher zusammen bringen sollte, stellt den Anfang vom Ende dar. Für Nellys Gesundheit zudem ein Desaster. Sie kann nicht mehr arbeiten, versinkt mehr und mehr in einer Welt von mal düsteren, mal klaren Wachträumen, hervorgerufen durch den Missbrauch drogenartig wirkender Medikamente. So wie die echte Fliegerin Mellie Beese, setzt sie ihrem Leben am 22.12.1925 ein Ende.

„Manchmal glaube ich, das ist der Sinn in allem: Als Mensch soll man sich mit seinem ganzen Sein nach außen und vorwärts strecken. Begrenzungen überwinden, dem Punkt entgegenstreben, an dem man endet – und sich danach an ihm vorbeibewegen.“

Aris Fioretos` komplexer Roman, der noch viel weiter reicht, als ich hier erzählen kann, ist für mich ein glückliches bleibendes Leseerlebnis gewesen. Aviatisches Leuchten!

Der Roman erschien im Hanser Verlag und wurde von Paul Berf aus dem Schwedischen übersetzt. Eine Leseprobe und ein interessantes Interview mit dem Autor gibt es hier. Der Roman steht außerdem vollkommen zurecht auf der Februar-Bestenliste des SWR.

Ulrich Alexander Boschwitz: Menschen neben dem Leben Hörbuch Der Audio Verlag

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Der 1915 in Berlin geborene Autor Ulrich Alexander Boschwitz hat nicht viel schreiben können, denn er starb früh mit 27 Jahren. Mit nur 20 schrieb er diesen ersten Roman im skandinavischen Exil, wohin er als Jude mit der Mutter 1935 geflohen war. Das Buch war erfolgreich und so konnte er sich ein Studium in Paris leisten. Doch die Flucht ging weiter nach England, wo man ihn aber nach Kriegsbeginn zunächst internierte und dann in eine Strafkolonie nach Australien brachte. Dass sein Schiff auf der Rückreise aus der Gefangenschaft 1942 von einem deutschen Boot versenkt wurde, ist bittere Ironie des Schicksals. Sein zweiter und leider letzter Roman „Der Reisende“ von 1939 wurde bereits im vorigen Jahr von Wiederentdecker Peter Graf herausgegeben. Ich kann beide sehr empfehlen.

Da eine Reise mit dem Auto anstand und ich beim Fahren gerne Hörbücher höre, hatte ich mich diesmal für das Hörbuch entschieden.

Boschwitz`Debütroman spielt im Berliner Lumpenproletariat anfangs der 30er Jahre: Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Kriegsversehrte, Armut.

„Ein alter Mann betrat den Keller, und Schreiber betrachtete ihn erstaunt. Er war bei seinen Kunden keine große Eleganz gewohnt, aber dieser Mann war nicht bekleidet, sondern behangen. Um seine Schultern schlotterte ein viel zu weites Jackett. Die ehemals wohl amerikanisch geschnittene Sporthose, jetzt eine farblose
Menge Stoff, war viel zu breit und verhüllte sackartig seine Beine. Der ehemalige Besitzer musste ein gut beleibter, großer Mann gewesen sein. Denn anders ließ sich
die Differenz zwischen Träger und Getragenem nicht erklären. Dieser hier war klein, und wenn er ging, so hatte es den Anschein, als würde er einen Rock statt Hosen tragen. Der Schritt reichte ihm bis zu den Knien und die offensichtlich zu langen Hosenbeine waren so abgeschnitten worden, dass sich zahllose Fransen gebildet hatten. Dazu trug er einen Hut, der ihm recht gut passte und das Lächerliche und Vogelscheuchenartige seiner übrigen Erscheinung nur noch mehr hervorhob. Sein Gesicht war gelb und knochig. Mit matten Augen sah er sich in dem Raum um.“

Fundholtz lebt vom Betteln. Zusammen mit dem dicken „Tönnchen“, einem geistig Zurückgebliebenen, den er unter seine Fittiche genommen hat, schlägt er sich durch die Straßen, immer auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht und etwas zu essen. Oft dabei: der arbeitslose Grissmann, vormals Straßenbahnschaffner, der sich mit allerlei kleinen Gaunereien ein Zubrot zur Stütze verdient. Der Leser/Hörer begleitet die drei durch die Stadt und lernt so diverse weitere typische Berliner Zille-Milljöh-Gestalten kennen, wie etwa den Gemüsehändler, der seinen miefigen, feuchten Keller als Absteige vermietet. Oder die Kriegswitwe Fliebusch, die immer noch auf ihren gefallenen Mann Wilhelm wartet. Es taucht der kriegsversehrte Blinde Sonnenberg auf, der sich mit dem Verkauf von Zündhölzern über Wasser hält, im Gefolge seine Frau Elsie, eine die früher „Tippeln“ ging, sprich als Prostituierte auf der Straße arbeiten musste. Der Zuhälter Wilhelm, der nach einer auskurierten Krankheit nicht wieder in die Gilde seiner Zunft zurückkehren, sondern richtig arbeiten will und die junge Hermine, Minchen, die sich von reichen, älteren Männern finanzieren lässt und mit dem Geld auch ihrem Vater, einem ehemaligen, nun entlassenen Bezirksrichter, zuhilfe kommt. Sie alle landen abends oft im „Fröhlichen Waidmann“, einer Kneipe mit Tanzsaal, um den Alltag und ihr wenig frohes Dasein hinter sich zu lassen, beim Tanzen oder beim Trinken. Dort kommt es schließlich auch zu einem Showdown zwischen dem Blinden und Grissmann, als Elsie mit diesem tanzt und turtelt.

Der Roman erinnert an Döblins Berlin Alexanderplatz, an Kästners Fabian, an Tergitts Käsebier und an Brechts Dreigroschenoper, steht aber doch ganz für sich. Boschwitz hat einen Blick für die „kleinen Leute“. Seine Sprache ist nicht so derb, wie bei Döblin oder Brecht. Er wendet sich fast liebevoll seinen Figuren zu, die er typgerecht ausgearbeitet hat. „Menschen neben dem Leben“ ist ein ausgezeichnetes Zeitdokument. Schlimm ist es allerdings, dass die Geschichte fast gleich auch in heutiger Zeit spielen könnte, denn auch in unserer Wohlstandsgesellschaft müssen Menschen immer noch betteln und obdachlos leben.

Das Hörbuch  aus dem Audio Verlag ist ungekürzt (7,46 Stunden) und aus- und eindrucksvoll gelesen von dem Schauspieler Hans Löw. Auch das informative Nachwort von Peter Graf ist beim Hörbuch dabei. Eine Hörprobe gibt es hier.

Christiane Neudecker: Der Gott der Stadt Luchterhand Verlag

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Es ist das erste Buch, dass ich von Christiane Neudecker lese. Bei der Premiere ihres neuen Romans „Der Gott der Stadt“ erfuhr ich nun mehr über sie und ihr Schreiben. Im Literaturhaus Berlin sprach sie mit Insa Wilke über die Entstehung des Romans und las einige Passagen. Die Standardfrage nach dem autobiographischen Hintergrund wurde auch hier gestellt und war auch schlüssig. Denn ihr Roman spielt in einer Regie-Klasse der in der DDR hoch angesehenen Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin in den Nachwendejahren. Die aus Nürnberg stammende 1974 geborene Neudecker hat ebenso in dieser Zeit dort studiert.

Im Roman heißt die Schule Piscator-Schule und die Regie-Klasse die unter dem charismatischen, von den Schülern angebeteten Regisseur und Professor Korbinian Brandner in die Regiearbeit eingeweiht wird, besteht aus lauter „Westdeutschen“, was im Roman auch eine Rolle spielt. Die Geschichte beginnt mit der Ich-Erzählerin Katharina, die von Nürnberg nach Berlin zieht und voller Träume in dieses Studium hineingeht.

Zunächst erfahren wir mehr von ihr und begleiten sie durch die erste Zeit ihres Studiums. Sie himmelt Brandner an, hat aber zunächst so ihre Probleme mit den vier anderen Studenten. Als Brandner ihnen die Aufgabe stellt aus einem Fragment des 1887 geborenen, mit nur 25 Jahren tödlich verunglückten Georg Heym, das sich mit der Faust-Thematik beschäftigt, ein Stück zu kreieren, beginnt ein rasanter, geradezu teuflischer Konkurrenzkampf.

“ … draußen donnerte es, eine dunkle Wolkendecke schob sich über den Innenhof der Bibliothek, der Gott der Stadt rang mit dem Fürsten der Finsternis, alles zog sich zu.“

Im Verlauf des Romans wechseln immer wieder die Erzählperspektiven, werden auch die privaten Hintergründe der anderen Studenten Schwarz, der eigentlich lieber Filmregisseur werden will, François, der sich am liebsten in Bücher verkriecht, Nele, die schon Schauspielerfahrung hat, aber auch ein kleines Kind, Tadeusz, der Brandner schon lange kennt und Brandners selbst und das was aktuell in ihnen vorgeht, näher beleuchtet.

Schließlich beginnen Proben und die ersten Prüfungen zur Inszenierung, die Brandner am Todestag Heyms auf der öffentlichen Bühne sehen will. Doch obwohl alle auf ihre Weise mit dem Fragment umgehen, und etwas auf die Beine stellen, ist Brandner absolut nicht zufrieden. Er hat sich der alten (DDR-)Schule verschrieben und ist nicht bereit Zugeständnisse an abweichende oder modernere Entwürfe zu machen: „Wir psychologisieren nicht.“ Dies zeigt er seinen Schülern deutlich, er demütigt sie und geht schließlich soweit, das Stück aus dem Spielplan zu streichen. Dass Brandner womöglich dunkle DDR-Geheimnisse verbirgt, ahnen seine Schüler nicht.

Seine Schüler, allen voran Nele und die ehrgeizige Katharina, entscheiden nun unkonventionellere Wege zu gehen und proben heimlich auf der Probebühne auf ihre Weise. Das schweißt sie zusammen. Als schließlich ein Probetermin von François Szene um Mitternacht angesetzt wird, da es sich um eine spiritistische Sitzung handeln soll, laufen die Ereignisse aus dem Ruder. Denn François hat sich in satanistische Kreise begeben, um möglichst nah am teuflischen Geschehen im Faust zu sein … Diese Nacht hat für alle Konsequenzen.

Christiane Neudecker hat einen unglaublich starken Roman geschrieben. Hier passt alles. Er ist spannend und stimmig konstruiert, die Figuren sind exakt ausgearbeitet und kommen einem nah, wenngleich einige sehr unsympathisch sind, die Sprache passt und das Setting im Schauspielbetrieb ist höchst aufschlussreich.

Mich hat die Lektüre von Heym-Gedichten durch den Roman begleitet. Ich liebe es, wenn Romane Türen zu weiteren Texten und Autoren öffnen. Unten das namengebende Gedicht von Georg Heym, mit anderen in der empfehlenswerten expressionistischen Anthologie „Menschheitsdämmerung“ veröffentlicht:

Der Gott der Stadt

Auf einem Häuserblocke sitzt er breit,
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
Die letzten Häuser in das Land verirrn.

Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,
Die großen Städte knien um ihn her.
Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
Wogt auf zu ihm aus schwarzer Träume Meer.

Wie Korybanten-Tanz dröhnt die Musik
Der Millionen durch die Straßen laut.
Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik
Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blau.

Das Wetter schwält in seinen Augenbrauen.
Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt.
Die Stürme flattern, die wie Geier schauen
Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.

Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust.
Er schüttelt sie. Ein Meer aus Feuer jagt
Durch eine Straße. Und der Glutqulam braust
Und frißt sie auf, bis spät der Morgen tagt.

Ich bin begeistert und beeindruckt und empfehle dieses Leseerlebnis uneingeschränkt. Ein diabolisches Leuchten!

Der Roman erschien im Luchterhand Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Aufschlussreich auch das Interview unten.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.
Eine weitere Besprechung gibt es bei letteratura.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Matthias Nawrat: Der traurige Gast Rowohlt Verlag

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Ein Berlinroman, dachte ich. Wieder ein Berlinroman. Ich lebe in Berlin. Muss ich wirklich noch etwas über Berlin lesen, fragte ich mich. Zum Glück wurde Matthias Nawrat mit seinem neuen Roman „Der traurige Gast“ dann für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Das war Anreiz, zumindest hineinzulesen. Und: Was soll ich sagen? Ein Glück! Dieser Roman ist so ganz weit weg von all diesen Szene-und Mode-Berlin-Romanen, dass es ein großes Leseglück ist. „Der traurige Gast“ ist ein stiller Roman, der nichts Großes will, der aber gerade im Kleinen das Große findet. Beim Lesen denke ich dauernd, genau so ist es geschehen, genauso „recherchiert“ Nawrat für seine Bücher. Ich kenne das ja selbst: Wenn man schreibt, ist alles was man tut Vorbereitung und Recherche. Das Leben selbst schreibt in uns und wir Schreibende aus ihm heraus.

„Es war schon dunkel, und die Laternenlichter vervielfältigten die Dunkelheit des Abends in Dutzende Dunkelheiten – zwischen den geparkten Autos, unter den Simsen über den Hauseingängen, unter den Kapuzen oder Mützen der mir entgegenkommenden oder meinen Weg kreuzenden Viertelbewohner.“

Es geht hier ums Ganze. Um den Sinn. Um die Ver-rücktheit des Daseins in dieser Welt. Und um die Erkenntnis der Sinnlosigkeit allen Tuns. Die Schicksalhaftigkeit. Die Kleinheit eines Menschenlebens. Nawrat beschwört das alles herbei, indem er über das Alltägliche schreibt. Über die Begegnung mit Menschen, die unendliche Tiefe, die in jedem steckt.

„Die Zeit, so dachte ich in diesem Augenblick, ist zirkulär, faltet sich, wenn ich will, über sich selbst, sodass mein jetziges Leben in Berührung kommt mit dem schon vergangenen und gleichzeitig die Unendlichkeit in Berührung kommt mit ihrer eigenen Unmöglichkeit, während wir auf diesem Planeten, in dieser Stadt, in diesem Weltjetzt durchs Weltall fliegen.“

Der Held des Romans, ein Schriftsteller polnischer Abstammung, der mit seiner Frau in einem Berliner Kiez lebt und auf der Suche nach neuem Stoff für seine Bücher durch die Stadt wandelt, könnte ein Alter Ego des Autors sein. Alle seine Begegnungen sind in einer Weise unspektakulär, so dass sie ihm gerade recht kommen. Die ältere polnische Architektin, die nie ihren Kiez verlässt und anhand von Fotos die Wohnung des Protagonisten renovieren will. Was wirklich bei diesen Treffen passiert, ist das Öffnen einer wildfremden Person gegenüber. Sie erzählt ihm unverblümt aus ihrem Leben. Wobei sich zeitweise komische Augenblicke, trotz des Eindrucks größter Traurigkeit ergeben. Etwa wenn unser Held ihren selbstgebackenen Kuchen beschreibt.

„Wir aßen ein Stück Kuchen. Er schmeckte nach wie vor neutral, aber auch so, dass er mich nun aufmerksam machte auf sich selbst und auf etwas, das jenseits der Kategorie Geschmack zu liegen schien.“

Genau so der ehemalige Studienfreund, der beim Feierabendbier sein Leben vor ihm ausbreitet, sein polnischer Kollege an der Tankstelle, ein ehemaliger Chirurg, der trinkt, weil er den Tod seines Sohnes nicht überwindet, obwohl er damals bei der Flucht in den Westen Frau und Kind zurückließ, der Junge im Hinterhof, der einsam zu sein scheint, der selbstbewusste Schauspieler, der eine dramatische Geschichte erzählt mit sich in der Hauptrolle.

Der Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin, mit dem so prominent auf dem Bucheinband geworben wird, nimmt nur einen winzigen Teil des Buches ein und ist einer der unwichtigsten. Davon sollte man sich also nicht abschrecken lassen. So besteht das Buch komplett aus Sequenzen, die blitzlichtartig Momente aus Menschenleben beleuchten, dabei aber nur wenig über den Hauptprotagonisten verraten. Ihm scheinen sich alle anvertrauen zu wollen, er scheint ein guter Zuhörer für Redebedürftige. Wohl ist ihm dabei nicht immer, dennoch harrt er aus.

Matthias Nawrats Roman hat philosophische Tiefe, schaut mitunter in Richtung Religion und Spiritualität. Seine Sprache hat Reife und liest sich mit Genuß. Und ja, er erinnnert tatsächlich, wie kürzlich schon auf dem Blog „letteratura“ zu lesen war (hier gehts zur Besprechung), in seiner Erzählperspektive den Romanen von Rachel Cusk. Und es ist ein ganz wunderbar trauriger Roman, so wie ich Romane liebe. Ein Leuchten!

„Der traurige Gast“ erschien im Rowohlt Verlag. Der Roman steht auf der SWR-Bestenliste und wurde für den Leipziger Buchpreis 2019 nominiert. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.