Tove Ditlevsen: Kindheit/Jugend/Abhängigkeit Aufbau Verlag

Alle sind begeistert von Tove Ditlevsens (1917 – 1976) autobiographischer Roman-Trilogie. Ich hatte mich sehr aufs Lesen gefreut, denn eine Gedichte schreibende Frau aus der Arbeiterklasse klang hochinteressant. Doch ich kann in den Begeisterungssturm gar nicht so sehr mit einstimmen. Der dritte Band gefiel mir letztlich am Besten, schien mir am Ausdruckvollsten. Inhaltlich ist die Geschichte durchaus interessant, als Zeitdokument eines Frauenlebens dieser Jahre und Einblick in die Reifung ins Schriftstellerinnendasein. Sprachlich haben mich die Bände aber ein wenig enttäuscht. In den abgedruckten Gedichtstellen sehe ich auch nicht die große Begabung, die Ditlevsen damals in Kopenhagen bescheinigt wurde.

Schon als Kind fühlt sich Tove anders als die anderen Kinder in der Siedlung, in der die Ärmeren Kopenhagens leben. Der Vater meist arbeitslos, aber lesend und gewerkschaftlich organisiert und politisch interessiert, die unzufriedene Mutter zuhause, die sie schlägt. Schon mit fünf lernt sie von sich aus Lesen und Schreiben. In der Schule ist sie sehr gut, aufs Gymnasium darf sie dennoch nicht. Sie tritt mit 14 also ihre erste Arbeitsstelle an. Und sie schreibt. Was mit einem Poesiealbum beginnt, mit dem Tagebuch weitergeht und schließlich zu Gedichten und längeren Texten führt. Immer wieder wird klar, wie wenig gebildet sie ist und wie sehr (und meist richtig) ihre Intuition sie leitet und antreibt. Mit 18 zieht sie aus – ein eigenes Zimmer, endlich. Oft sind es glückliche Umstände, Zufälle, Begegnungen mit passenden Menschen, aber auch der stete Drang schreiben zu wollen, die sie auf ihrem Weg voran bringen. Ein Schlüsselsatz ist für mich etwa dieser:

„Ich denke, dass Piet Hein nicht weiß, was es bedeutet, arm zu sein und fast seine ganze Zeit verkaufen zu müssen, nur um ein Auskommen zu haben. Ich hege viel mehr Sympathie für Halfdan Rasmussen, der klein, dünn und schlecht gekleidet ist und von Sozialhilfe lebt. Wir entstammen dem selben Milieu und sprechen dieselbe Sprache.“

Klingt die Erzählstimme im ersten Band sehr kindlich, im zweiten Band sicherer, scheint sie mir im dritten Band, der auch im Original später (1967/1971) als die beiden ersten erschien, gereift. Nach ersten Erfahrungen mit Männern und durch das durch eigene Arbeit relativ selbständige Leben, folgen nun in Band 3 Abhängigkeiten in der Ehe. Vier mal hat Ditlevsen geheiratet. In ihrer dritten Ehe (1945) mit einem Medizinstudent wird sie durch ein Medikament nach einem Schwangerschaftsabbruch abhängig. Obwohl dieser Mann ihr gar nichts bedeutet, ist sie abhängig von ihm, weil er die Drogen beschafft und ihr verabreicht. Anfänglich schreibt sie unter Drogeneinfluss wie im Rausch. Doch ihre Gesundheit verschlechtert sich in dieser Zeit enorm. Wie sie diese destruktive Zeit schildert, auch wie ihr Mann Carl zur gleichen Zeit eine Psychose bekommt, ist sehr stark erzählt. Hier zeigt sich auch am deutlichsten der Wunsch einerseits nach Unabhängigkeit, vor allem für ihr Schreiben und andererseits nach Sicherheit und Familie. Mit ihrer Sucht wird sie ihr Leben lang zu kämpfen haben, doch scheint ihr die letzte Ehe mit Victor und ihre Kinder einigen Halt gegeben zu haben. 1976 stirbt sie an einer Überdosis Schlaftabletten.

Die drei Bände erschienen im Aufbau Verlag. Übersetzt hat sie Ursel Allenstein.

Judith Zander: Johnny ohne Land DTV Verlag

Welch ein Sprachfunkeln!

Judith Zander kenne ich bereits als Lyrikerin und es ist der erste Roman, den ich von ihr lese. Ihre Sprache ist wunderbar. Es ist wieder einmal so ein Buch, bei dem für mich die Sprache vor der Geschichte selbst steht. Die Geschichte ist eine Familiengeschichte, eine Entwicklungsgeschichte, eine Coming-of-Age-Geschichte. Bei „Lesenswert“ sprechen Ijoma Mangold und Insa Wilke so ziemlich genau das aus, was ich auch über das Buch sagen bzw. schwärmen würde. Ich versuche dennoch eigene Worte zu finden. Denn um Worte geht es ja vorrangig in diesem Roman, die Sprache spielt die Hauptrolle und wird zelebriert in jeder Hinsicht.

„Die dazu notwendige Sprachbefähigung aber schien dir ins Sprechen faul und dilettantisch fehlgeleitet, ein Missverständnis, eine unzulässige Ableitung. Ein Oxidationsprozess, der jeglichen Sinn dunkel anlaufen ließ wie Silber oder die grünen Hüllen der Walnüsse, man setzte die Worte der Luft aus, sozusagen an die Luft, und schon verfielen sie. Es war eine Bewegung in die falsche Richtung, Sprache schien dir nicht für Veräußerung, Äußerungen also, und Verdünnung gemacht, sondern für Verdichtung, ein Innewerden, eine Reduktion. Was du meintest, war Denken, Nachdenken, deine Lieblingsbeschäftigung. „

Wir erleben die Heldin Joana Wolkenzin in ihrer kleinen Heimatstadt im nördlichen Ostdeutschland. Beginnend mit dem Kindergarten, noch vor dem Mauerfall, bei dem sie 10 Jahre alt ist, begleiten wir sie, ihren ein Jahr jüngeren Bruder Charlie und ihre Eltern durch die Zeit bis in ihr Erwachsenenalter. Schon als Kind verhält sich Joana nicht so, wie sich die Eltern eine Tochter vorstellten. Zum Bruder entsteht ein komplexes Verhältnis. Wenig bis gar keine Freund*innen hat sie und das zieht sich durch die Jugendzeit bis ins Erwachsenenalter. Mit der Nachbarstochter Marlen spielt sie „Disco“. Joana, die sich bald Johnny nennt, ist der Junge, Marlen das Mädchen. Später in der Schule gehört sie zu keiner Clique. Sie ist Außenseiterin und will es eigentlich auch sein, denn sie fühlt sich einfach anders, hadert aber gleichzeitig auch damit. Die anderen sind ihr oft zu banal, was sich ebenfalls durch ihr weiteres Leben zieht und sie mitunter auch überheblich wirken lässt viel wahrscheinlicher aber, ist es überspielte Unsicherheit. Als sie 17 ist, verlässt die Mutter die Familie, nur einen nichtssagenden Brief hinterlassend. Seitdem ist es noch stiller im Haus, der Vater, der Bäcker ist, ist ohnehin kaum sichtbar. Die Geschwister wachsen durch diesen Verlust stark zusammen.

„Deine Sehnsucht war groß und ziehend wie ein Zahnschmerz, aber es war doch die nach einem einzelnen Menschen, es zog dich zu der einen Bezugsperson, die dir noch nicht untergekommen war, oder nur halb, nur kurz, einseitig und ansatzweise, und das war doch ein Widerspruch in sich. Und dieses Sehnen hatte nichts mit einer anderen, einer besseren Hälfte zu tun, du wolltest keine Ergänzung, sondern eine Erweiterung. Jemanden zum Reden. Und jemanden zum Anfassen.“

Erst im Studium in Finnland findet Johnny einen Freund und Gefährten, mit dem sie dann auch ihre ersten sexuellen Erfahrungen macht. 21 ist sie da. Doch der junge Mann hatte das Männliche in ihr gesucht und verlässt sie letztlich, weil sie eine Frau ist. Tröstlich ist da der Besuch Charlies in Finnland, der ihr allerdings dann die Frau ausspannt, in die sie sich verliebt hat. Das Verhältnis der Geschwister zerbricht. Joana kehrt in die Heimat zurück und erlebt einen langweiligen, von Melancholie und der Suche nach dem Sinn und nach der eigenen Identität geprägten Sommer. Die Geschichte führt uns dann weiter mit Johnny nach Leipzig zum Studium und in eine Beziehung mit einem Mann, die eigentlich recht einseitig ist und Johnny nicht das gibt, was sie sucht. Manchmal wirkt Johnny in ihren Ansichten arrogant, wenn sie aus ihrer „Ich bin anders“-Perspektive auf die „Normalen“ herabblickt. Als sie für eine Kollegin ein Auslandsjahr in Australien antritt, ist die Trennung bereits vollzogen. Auch in Australien ist sie nicht recht glücklich, findet kaum Anschluss, wird sich aber immer stärker bewusst, dass sie für eine neue Liebesbeziehung oder Freundschaft keine Kompromisse eingehen will. Das Geschlecht ist nicht so wichtig, eher die Seelenverwandtschaft, das „Erkennen“. Johnnys Suche nach Identität und Verortung ist ein sehr langer Prozeß und womöglich auch mit der letzten Seite nicht abgeschlossen.

Die eigentlich spektakulären Dinge passieren in Zanders Roman weniger im Außen, als im Inneren der Heldin. Denn sie reflektiert und seziert fast pausenlos ihr Dasein und versucht sich ihr Alleinsein und ihr Anderssein zu erklären und zu akzeptieren. Für mich als Leserin ist das hochinteressant, denn die Sprache, die die Autorin dabei verwendet sprüht vor Wortspielereien und Metaphern (die bis auf sehr wenige Ausnahmen stimmig sind). Dabei entstehen oft extrem lange Satzschlangen, die mitunter mehrfaches Lesen nahelegen. Eine weitere Besonderheit ist die Du-Perspektive, in der das Buch geschrieben ist. Es ist, als müsste die Protagonistin sich selbst ansprechen, wenn es schon sonst keiner tut. Auch für mich als Leserin ist diese Sichtweise sehr besonders. Es intensiviert den Leseeindruck noch. Stellt sich nur noch die Frage nach dem Autobiographischen in der Geschichte …
Aber egal, dieser Roman lässt mich fasziniert über 400 Seiten staunen. Ein Leuchten!

Der Roman erschien im Dtv Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

 

 

Ben Lerner: Die Topeka Schule Suhrkamp Verlag

Foto: pixabay, gemeinfrei

Das Buch „Wohin mit meiner Wut?“ – Neue Beziehungsmuster für Frauen von Harriet Lerner (damals in der Fischer Taschenbuchreihe „Die Frau in der Gesellschaft“) kennen wahrscheinlich heute nur noch meine Altersgenossinnen. Es war bei Erscheinen 1985 eines der ersten psychologischen, feministischen „Ratgeber“, die sich kritisch mit der Rolle der Frau in Beziehungen befassten. Aufgrund der Lektüre von Ben Lerners neuem Roman habe ich es aus meinem Buchregal gezogen und die damals angestrichenen Stellen nachgelesen. Verstaubt war es aber nur äußerlich, vieles ist auch heute noch aktuell. Dass Harriet Lerner Ben Lerners Mutter ist, merkte ich erst, als sie in seinem Roman vorkam.

In „Die Topeka Schule“ wird sie als Jane gehörig angefeindet von Männern nach Erscheinen dieses damals aufsehenerregenden Werks.

„Einmal fragte ich einen anderen leitenden Analytiker, warum er männliche Postdocs mit >Doktor< und weibliche Postdocs mit dem Vornamen ansprach, und prompt bekam ich beim nächsten Mal auf der Couch wieder den Penisneid-Vortrag. Der Diagnose Penisneid zu widersprechen war ein sicheres Zeichen für Penisneid.“

Ben Lerner erzählt also teils autobiographisch einen Teil eines Erwachsenwerdens in den 90ern in Topeka im Mittleren Westen der USA. Die einzelnen Kapitel handeln von der Hauptfigur Adam, seinem Vater Jonathan und seiner Mutter Jane, beide Psychologen an der Topeka Foundation. Zumeist wird aus der Sicht der jeweiligen Person erzählt. In Zwischenkapiteln, die schräg gesetzt sind, lesen wir von Darren, in Adams Alter und Umfeld, als auch Patient von Darrens Vater.

Adam, wohlbehüteter Sohn zweier Psychologen, in der letzten Klasse der Highschool ist ein Champion im Debattieren. Er gewinnt alle Schulwettkämpfe und erhält professionelle Unterstützung für sein Training. Ansonsten ist er aber ein gewöhnlicher Junge, eher sensibel sogar, vermutet man, von Migräneanfällen geplagt. Die Mutter deutet alles was in der Familie geschieht, nach ihrem Wissen als Familientherapeutin. Die Familie ist befreundet mit einem anderen Psychologenpaar, Sima und Eric. Sima hat iranische Wurzeln, hatte es mit ihrem übermächtigen Vater schwer, ebenso wie Jane. Die beiden sind nicht nur befreundet, sondern Sima wird auch zur Analytikerin von Jane. Was dabei durchklingt, ist der Missbrauch Janes durch ihren Vater.

Jonathan sieht sich in seiner Tätigkeit nach Alternativen zur Psychoanalyse um. So beschäftigt er sich viel mit Biofeedback, Meditation und anderen alternativen Methoden der Psychotherapie. Der stärkere Part in der Beziehung scheint durchaus Jane zu sein, auch klingt durch, dass Adam sich mehr an seine Mutter bindet. Zudem gibt es noch Klaus, einen älteren deutschen Psychologen, an dem sich Adam ebenfalls orientiert. Im Verlauf der Geschichte kommt es zwischen Adams Eltern immer wieder zu Auseinandersetzungen.

Schon im Teenageralter interessiert sich Adam nicht nur für die Debattensprache, sondern auch sein Interesse für Lyrik wird geweckt. Hier scheint es für ihn Möglichkeiten zu geben, freier und eigener Sprache zum Klingen zu bringen. So wie Sprache überhaupt das Thema des Romans ist. Sprache in jeder Ausdrucksform: Dialekt, Teenagerslang, Rap, Körpersprache, Hochsprache, gesprochene, geschriebene, irgendwie artikulierte, manipulierende Sprache. Sprache, die weit ab vom Inhalt nur noch für bestimmte Zwecke missbraucht wird.

Lerners Buch ist so komplex, dass man es eigentlich mindestens ein zweites Mal lesen müsste, um die verschiedenen Ebenen und tieferen Schichten zu entschlüsseln. Sicher auch, weil es keine leicht zu lesende Lektüre ist, sondern mit speziellem Wortschatz aufwartet und vom Leser enorme Konzentration verlangt. Mir haben die psychologischen, mitunter feministischen Teile mehr gefallen, als beispielsweise die ganzen ausführlichen Sequenzen über die Debattenkultur in den USA. Als Verbindungsglied fungieren die Parts, in denen es um Darren geht, der aufgrund seiner Herkunft nicht so richtig zur Collegeclique um Adam passt, in denen letztlich auch die Gewalt eskaliert. Für mich ist dieser Roman doch sehr typisch amerikanisch.

„In der Highschool bestand das Problem für ihn darin, dass das Debattieren einen zum Nerd und die Lyrik einen zur Pussy machte – auch wenn beides dazu beitragen konnte, einen in die undeutlich imaginierte Stadt an der Ostküste zu bringen, von der aus man mit großer Ironie über seine Erfahrungen in Topeka berichten konnte.“

Und das ist es, was Ben Lerner letztendlich tut. In seiner Rückblende mischt er sich auch immer mal wieder als Schriftsteller der Heute-Zeit ein und verwischt die zeitlichen Grenzen. Das ganze letzte Kapitel widmet er seiner inzwischen in New York gegründeten Familie und der aktuellen politischen Situation und seiner Position als Autor. Aus dieser Person heraus rührt er an Themen, die er gesellschaftskritisch durchleuchtet.

„Die Topeka Schule“ erschien im Suhrkamp Verlag und wurde übersetzt von Nikolaus Stingl. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein interessantes Interview mit dem Autor:

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Ambra Durante: Black Box Blues Wallstein Verlag

„Black Box Blues“ von Ambra Durante ist eine Art Graphic Novel. Schon aus dem Titel heraus kann man ahnen, dass es hier um Depressionen geht. Doch nicht nur das. Der 19-jährigen jungen Frau, die ihre jugendliche Heldin sich selbst und ihr Leben zeichnen lässt, die diversen Abstürze und Dunkelheiten, aber auch das Licht zeigt, das ab und an durchscheint, geht es auch darum, wie schwierig es heute ist erwachsen zu werden. Der, durch die bunte social media Welt vorgegebenen tollen Dauerstimmung kann jemand, der unter Depressionen leidet nicht standhalten. Das drohende Scheitern schwebt immer darüber, das Gefühl, es nicht so gut zu können, wie die anderen. Tröstlich für die Heldin ist der „Klub 27“: diverse Musiker*innen (wie Amy Winehouse, Curt Cobain), die bereits mit 27 den Tod fanden und womöglich mit ähnlichen Dunkelheiten zu kämpfen hatten. Musik machen ist somit auch eine Option, mit der Verlorenheit umzugehen. Mit den diversen Therapeuten ist es schwieriger. Mehr Licht bringt da das Zeichnen. So kann der schwarze Block, der scheinbar immer da ist, zumindest ab und an verkleinert werden. Familie und Freunde sind auch in den dunkeln Phasen von unschätzbarem Wert.

Die Zeichnungen sind comicartig, durchgehend in schwarz/weiß gehalten und oft sehr ausdrucksstark. Mir scheint das Buch allerdings eher für Jugendliche und junge Erwachsene geeignet und vielleicht auch eher für Außenstehende, die gerne einen Einblick in die Krankheit, die das Leben wirklich arg verändert, bekommen möchten. Betroffene werden sich sicher auch wiederfinden und vielleicht wird irgendwo ein kreativer Raum eröffnet. Dann wäre schon viel gewonnen. Mehr Worte möchte ich über das Buch nicht verlieren, denn es wirkt allein durch seine Bilder.

Ergänzend gibt hier es ein aufschlussreiches Interview mit der 19-jährigen Autorin, die in Berlin und Mecklenburg Vorpommern lebt: https://www.ndr.de/…/Black-Box-Blues-Graphic-Novel-ueber-De…

Das Buch erschien im Wallstein Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Stephan Roiss: Triceratops Kremayr & Scheriau Verlag

Mit seinem Debütroman „Triceratops“ wurde der Österreicher Stephan Roiss gleich für die Longlist des Deutschen Buchpreis nominiert. Das Buch ist schon äußerlich eine dunkle Schönheit. Das Cover mit diesem seltsamen Tier ist aufgeraut und sieht aus wie glänzender dunkelgrauer Stahl mit fliederfarbener Schrift. Mit Fliederfarben geht es auch innen auf dem Vorsatzblatt weiter, auf dem man die Hautstruktur des Triceratops, einer Dinosaurierart erkennt. Auch durch die Seiten schleicht sich das Tier.

Die Hauptfigur, ein namenloser Junge, der von sich selbst als „wir“ spricht, hat mich zutiefst berührt. Dieses „wir“, über das ich immer wieder erschrecke, als ich mir klar mache, dass der Junge allein ist, das mir immer wieder neu suggeriert, dass es vielleicht als eine Art Stärkung fungiert, eine Art „ich bin nicht allein“. Vielleicht eine Nachahmung der Schwarmbildung der kleinen Fische, die er im Naturkundemuseum sah, ein Versuch nicht gefressen zu werden? Auch der Triceratops, die Dinosaurierspielfigur wird eine Art Verstärker der Abwehr.

„Wir spielten am liebsten mit dem Dinosaurier mit dem Nackenschild und den Hörnern. Er aß nur Pflanzen, aber war unbesiegbar. Er war kompakt, schwer gepanzert, ein guter Krieger. Niemand konnte ihn in den Hals beißen, nichts konnte ihn um werfen. Er stand fest auf der Erde.“

Dem kleinen Schuljungen wird eine Bürde auferlegt, der er niemals gerecht werden kann, auch wenn er sich noch so anstrengt. Er soll auf seine Mutter achten, sie stabilisieren, sie nicht aus den Augen lassen, sie trösten. Und weil ein kleines Kind auf die Liebe seiner Mutter angewiesen ist, tut er sein möglichstes und verliert dabei seine Kindheit. Die Mutter leidet unter schweren Depressionen, muss immer wieder in die Klinik für längere Aufenthalte. Bei ihrem Sohn zeigt sich die psychische Anspannung schnell: er bleibt lange Zeit Bettnässer, er kratzt sich die Arme blutig, kaut die Nägel bis ins Fleisch ab. Der Vater übernimmt keinerlei Verantwortung, schützt den Sohn nicht, die ältere Schwester ist ebenfalls seltsam abwesend. Die guten Tage sind für ihn die, an denen er zu seiner Großmutter darf. Sie nimmt ihn wie er ist und fordert nichts von ihm. Doch die guten Tage sind selten.

„Bitte mach, dass es ihr besser geht“, flüsterten wir vor uns hin, während wir über den vereisten Schotterweg nach Hause trotteten.“

Im zweiten Teil des Buches ist der Junge älter geworden. Pubertät, Teenageralter. In den Ferien bei der Großmutter, beginnt er seinen dicklichen Körper zu trainieren, rasiert sich die Haare ab. Dann stirbt die Großmutter. Er versucht auf den Spuren des Großvaters dessen Geheimnis zu erkunden. Besetzt dessen Hütte im Wald. Bald schließt er sich einem Punkmädchen und dessen Bruder an. Doch auch da ist der Halt nicht von Dauer. Die ältere Schwester zieht zu ihrem Freund, wird schwanger und immer labiler. Monate nach der Geburt tötet sie ihr Kind. Auch sie landet in der Psychiatrie: „Es wird nicht mehr schön.“ Die Mutter gibt sich für alles die Schuld.

Unser Held lässt sich treiben. In der Schule häufen sich Fehltage, schlechte Zensuren. Das „wir“ bleibt. Die Suche. Die Fragen. Die Möglichkeiten sich aus der Familie zu lösen. Einen Halt in sich selbst zu finden.

Ein sehr kurzer dritter Teil schließt sich an. Ein sehr schöner, weil vollkommen offener Schluss. Nicht mehr aus der Ich- bzw. Wir-Perspektive erzählt. Unsere Hauptfigur ist einfach nur „der Junge“.

Roiss erzählt nie direkt, was ich sehr gelungen finde. Ich setze Bauteilchen zusammen und erkenne die Zusammenhänge. Ich habe die Geschichte quasi mitzutragen, ich muss mitgehen, sonst lese ich zwar eine Geschichte, aber nicht das zwischen den Zeilen. Der Wahnsinn, der in dieser so brüchigen Familie herrscht, wird niemals so beschrieben, dass es mir zu viel wird (wie es kürzlich beim Debütroman von Ulrike Almut Sandig mit dem Thema Gewalt war). Die traurigsten und furchtbarsten Passagen wechseln mit alltäglichen Szenen ab. Überwiegend sind es einfache Satzkonstruktionen, teilweise sind die Seiten nur halb gefüllt. Und doch ist da etwas an der Art der Anordnung, das aus dieser einfachen Sprache Literatur macht. Vollkommen zurecht nominiert. Ein Leuchten!

Der Roman erschien im Kremayr & Scheriau Verlag in feiner Ausstattung. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Deniz Ohde: Streulicht Suhrkamp Verlag

„Ich war nicht schaumgeboren, sondern staubgeboren; rußgeboren, geboren aus dem Kochsalz in der Luft, das sich auf die Autodächer legte. Geboren aus dem sauren Gestank der Müllverbrennungsanlage, aus den Flusswiesen und den Bäumen zwischen den Strommasten, aus dem dunklen Wasser, das an die Wackersteine schlug, einem Film aus Stickstoff und Nitrat, nicht Gischt.“

Diese Zeilen aus Deniz Ohdes Debütroman „Streulicht“ zeigen auf, wie und wo die Hauptfigur mit den zwei Vornamen aufgewachsen ist. Es ist ein Stadtteil von Frankfurt am Main, direkt neben den großen Chemiefabriken der Firma Höchst gelegen. Der Vater arbeitet dort im Schichtsystem, die Mutter geht putzen. Es ist ein Arbeiterhaushalt, in dem es nicht selbstverständlich ist, dass die Tochter aufs Gymnasium geht, später studiert. Im Gegenteil, sie wird immer wieder auf ihren Platz verwiesen, vom eigenen Vater, aber auch von Lehrern, gar Freunden. Dass sie mit so wenig Unterstützung als schüchterne, immer stiller werdende Person zum Scheitern verurteilt ist, glaubt sie meist selbst.

„Du tauchst immer so aus dem Nichts auf“, hat Sophia oft zu mir gesagt, und ich habe gelächelt, als wäre mein Lautlosigkeit eine charmante Eigenschaft und nicht Ausdruck einer erlernten Überlebensstrategie.“

Irgendwie gelingt es dann auf Umwegen aber doch. Das Abitur, das Studium. Und das Irgendwie hat mit doppelter Anstrengung zu tun, weil allzu viele Vorurteile den Weg verzögern. Fortan heißt es, immer erklären zu müssen, warum es diese „Brüche“ gab. Dass die Hauptfigur sogar von Freunden wenig Unterstützung bekam und auch so gut wie alle Lehrer die stillen Hilferufe nicht sahen, dass es auch ein Hindernis war, einen nicht geläufigen Vornamen zu haben, der sicher von der türkischstämmigen Mutter herrührte, all das lässt das Mädchen nicht ohne Verwundungen zurück.

Wie sich gegen etwas wehren, wenn man nie vorgelebt bekommt, wie sich wehren, für sich einstehen geht? Wenn der Vater sich so in sein Schicksal fügt, keine andere Lebensweise kennt, als die, die noch von der Zeit herrührt, als „wir zweimal ausgebombt wurden“.  Ein Vater, der keinen Besuch zulässt, weil die Familie etwas geschlossenes ist. Ein Vater, der trinkt, im Chaos versinkt, weil er hortet, nichts wegwerfen kann. Die Mutter, die auszuhalten versucht und sagt „du hast Glück, immerhin schlägt er nicht.

Die Geschichte ist überwiegend chronologisch mit einigen Abweichungen und Unklarheiten von der Kindheit bis zum Studium erzählt. Es ist meist eine sehr geradlinige Sprache, mitunter von bildhaften Szenen durchzogen, vor allem dann, wenn es um Reflexion oder die Erinnerung geht. Der Roman beginnt mit der Ankunft im Heimatort, ein Besuch aufgrund der Hochzeit der Jugendfreunde und hier finden sich gleich diese Sätze, die so beispielhaft sind:

„Auch mein Gesicht verändert sich am Ortsschild, versteinert zu dem Ausdruck, den mein Vater mir beigebracht hat und mit dem er noch immer selbst durch die Straßen geht. Eine ängstliche Teilnahmslosigkeit, die bewirken soll, dass man mich übersieht.“

Deniz Ohde hat einen für alle wichtigen Roman geschrieben, der mich an meine Grenzen brachte, weil mir die Geschichte sehr nah kam, weil mir vieles darin bekannt vorkam. Deshalb ist die Besprechung diesmal auch etwas kürzer als gewohnt; es finden sich nicht mehr Worte. Was nicht heißt, dass dieses Buch nicht gelungen wäre, ganz im Gegenteil. Für manche Leser wird es inhaltliches Neuland sein; gerade jenen lege ich diese so direkt und tief erzählte Geschichte sehr ans Herz.

Sie erhielt für diesen Roman den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2020. Ich freue mich, dass er für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Streulicht erschien im Suhrkamp Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eine weitere Rezension gibt es bei Letteratura.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Martin Panchaud: Die Farbe der Dinge Graphic Novel Edition Moderne

Die Debüt-Graphic Novel des Schweizer Zeichners Martin Panchaud „Die Farbe der Dinge“ begegnete mir auf der Liste für den Max und Moritz-Preis 2020 des Erlangener Comic-Salons. Graphic Novels sind eine meiner Meinung nach unterschätzte Sparte der Literatur. Hier kann viel mehr experimentiert werden, was Panchaud auch hinreichend ausnutzt. Seine Geschichte ist vor allem in der zeichnerischen Umsetzung ein echtes Highlight. 

Äußerlich scheint es zunächst unspektakulär, zeigt jedoch sofort, auf was die Leserin sich hier einstellen muss. Panchaud erzählt seine Geschichte sozusagen aus der Vogelperspektive. Die farbigen Punkte auf dem Umschlag stehen und bewegen sich stellvertretend für die Protagonisten der ungewöhnlichen Geschichte. Es ist unglaublich, wie extrem gut das funktioniert. Nach einer kleinen Gewöhnungsphase beginnt man diese Art der Darstellung zu lieben. Die Leserin selbst hat hier die Möglichkeit sich mit der eigenen Phantasie den/die Helden „auszumalen“. Diese reduzierte Art wechselt sich ab mit konkreten Bildern, so dass es genügend Abwechslung und genug Raum für die Vorstellungskraft gibt.

Am besten man prägt sich gleich die jeweiligen Farben ein, vor allem die von Simon, dem 14-jährigen Helden. Zu Anfang wenig heldenhaft, ausgenutzt und getriezt von seinen Mitschülern, hängt auch im prekären Zuhause der Haussegen schief. Als er auf Befehl seiner Peiniger einer Wahrsagerin die Einkäufe nach Hause trägt, gibt sie im unverhofft einen Tipp fürs Pferderennen. Simon setzt alles Geld, was er zuhause finden kann auf den Außenseiter Black Caviar – und gewinnt! Und zwar richtig viel. Das Problem: als Minderjähriger darf er seinen Wettgewinn nicht einlösen.

Zuhause angekommen, um den Vater Dan unterschreiben zu lassen, ist nichts mehr wie zuvor. Die Mutter, vermutlich vom Vater ins Koma geprügelt, weil er glaubt, sie hätte sein Geld entwendet, wird ins Krankenhaus eingeliefert, der Vater taucht unter. Simon muss ins Heim. Als ein Foto von ihm, dem glücklichen Gewinner in der Zeitung erscheint, tauchen plötzlich jede Menge Leute auf und wollen ihm den Wettschein abknöpfen. Nur einer, Alan, scheint vertrauenswürdig. Er sagt, er wäre Simons Mutter etwas schuldig und die beiden machen sich gemeinsam auf die Suche nach Dan. Es beginnt eine Art Roadmovie. Doch Simons Vater weiß die Umstände für sich zu nutzen. Er beschuldigt Alan der Kindesentführung und die Polizei schlägt unerbittlich zu. Was Alan Simon kurz vor der Verhaftung verrät, stellt Simons bisheriges Leben auf den Kopf. Alan sein Vater?

Dan verschwindet erneut, nicht ohne den Wettschein eingelöst zu haben, sprich mit dem ganzen gewonnen Geld. Simon sitzt wieder im Heim. Die Mutter liegt noch immer im Koma. Wie sich das Blatt dann doch noch für Simon wendet und die Gerechtigkeit siegt und was das ganze mit einem Blauwal zu tun hat, verrate ich nicht.

Martin Panchaud hat mit dieser Graphic Novel gezeigt, dass es doch immer noch und immer wieder Neues zu entdecken gibt, gerade in diesem Genre, und dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Sowohl die Idee der außergewöhnlichen bildlichen Umsetzung dieser Story, als auch die Story selbst zeugen von enormem Einfallsreichtum und zeichnerischem Können. Ich bin sehr begeistert! Ein Leuchten!

„Die Farbe der Dinge“ erschien im Schweizer Verlag Edition Moderne. Das Buch steht auch auf der Hotlist der unabhängigen Verlage 2020 . Natürlich habe ich dafür abgestimmt und ich wünsche dem Buch viel Erfolg. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eine kurzer Beitrag auf Arte über Martin Panchauds Arbeit am Buch ist zusätzlich aufschlußreich.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios Hanser Verlag

20190807_131833571077672504859701.jpg

Viel Aufmerksamkeit bekam dieses Buch schon lange vorab. Der Shooting Star aus den USA nun auch in deutscher Übersetzung! So viele Vorschusslorbeeren machen mich eher skeptisch. Doch dann las ich, dass Vuong auch Gedichte schreibt, las die Leseprobe und wusste: Ja, das will ich lesen. Da ist einer, der hat eine poetische Sprache, der hat kluge Metaphern an der richtigen Stelle, dessen Sprache schwebt und sich erhebt über die Geschichte, seine eigene Geschichte, die auch eine Leidensgeschichte ist. Grandios auch das Coverbild und der Titel.

Im ersten Teil beschreibt Ocean Vuong auf unruhige, nicht immer leicht durchschaubare Weise  Kindheit und Familiengeschichte seines Protagonisten, genannt „Little Dog“. Hier wählt er die Briefform, ein vermutlich nie gelesener Brief an die Mutter, die Analphabetin ist. Er kommt mit zwei Jahren mit seiner Mutter und Großmutter aus Vietnam in die USA. Gleich zu Anfang wird die Gewalttätigkeit der Mutter thematisiert, die umso mehr erschreckt, als sie zwischen sprachlich feine Passagen gesetzt wird. Großmutter, Mutter, Kind: Alle durch den Vietnamkrieg psychisch erschüttert, alle nun in der Hoffnung auf ein besseres Leben im Land des Kriegsgegners. Alle binnen kurzer Zeit ohne jede Hoffnung. Es ist auch der Teil, der mir am eindrücklichsten bleibt.

„Unsere Muttersprache ist so überhaupt keine Mutter – sondern eine Waise. Unser Vietnamesisch eine Zeitkapsel, die den Punkt markiert, an dem deine Bildung endete, zu Asche zerfiel, Ma, unsere Muttersprache zu sprechen heißt, nur teilweise auf Vietnamesisch zu sprechen, aber ganz auf Krieg.“

Im zweiten Teil geht es um die Identifizierung als Teenager, der sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt bis hin zum Coming Out gegenüber der Mutter. Mit Trevor einem Farmerssohn erlebt er zum ersten Mal Sex. Auch hier ist Gewalt im Spiel, gewollte Gewalt. Es geht um die beiden Jungen, der eine weiß, der andere gelb, die sich durch die Zeit treiben lassen, begleitet von Drogen verschiedenster Art, langer Weile, Schwärmerei und dem Wunsch nach Rebellion, in einer heruntergekommenen Gegend, in einer für sie begrenzten Welt.

„Da war Gewalt bereits alltäglich für mich, war, was ich letzten Endes von Liebe wusste.“

Im dritten Teil, fünf Jahre sind vergangen, studiert „Little Dog“ in New York Literatur. Als er von Trevors Tod durch eine Überdosis Heroin erfährt, kehrt er zurück in die Stadt seiner Jugend. Kurze Zeit darauf stirbt auch die Großmutter und Little Dog reist mit der Mutter zur Beisetzung zurück nach Vietnam, nach Saigon.

„Ich wollte nie einen „Textkörper“ erschaffen, sondern sie, unsere Körper, atmend und verschollen im Text bewahren.“

Vuong unterfüttert seine Geschichte mit einzelnen Sätzen, Zeilen, die ungeordnet aus dem Rahmentext hervorbrechen, die teils wirken, als versuchten sie wie Säulen den Fließtext in seiner inhaltlichen Brüchigkeit und manchmal auch Grobheit zu stützen. Einfach ausgedrückt, bestehen sie womöglich aus gewonnener Erkenntnis in poetische Bilder gelegt.

Was mir gefehlt hat, ist die Entwicklungsgeschichte Little Dogs hin zum Studium, zur Literatur und zum eigenen Schreiben. Das hätte mich brennend interessiert. Nun bin ich gespannt auf seine Lyrik, die hoffentlich auch in Deutsch erscheinen wird.

„Auf Erden sind wir kurz grandios“ erschien im Hanser Verlag. Die Übersetzung stammt von Anne-Kristin Mittag.