Marion Poschmann: Nimbus Suhrkamp Verlag

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„Was ist Dunkelheit? Eine Beruhigung, daß etwas endet,
was lange zunahm, zuviel wurde, Wald wurde, Wildnis, was
weiter wucherte, bis es sich endlich lückenlos schloß,
schwarzer Waldwürfel, Wildnisklotz, eine Vitrine, vollkommen
ausgefüllt mit der Behauptung von tiefer Nacht.“

Als Marion Poschmann Ende Februar ihren neuen Gedichtband im Literarischen Colloqium Berlin vorstellte, war ich wieder einmal überrascht von der Vielseitigkeit dieser Autorin. Nach „Geliehene Landschaften“ und dem Roman „Die Kieferninseln“ begibt sie sich mit den neuen Gedichten in die Welt des Wettergeschehens, des Klimas und der Landschaften, immer im Zwiespalt zwischen Höheren Kräften und Wissenschaft. Der Autor Christoph Peters unterhielt sich mit der Lyrikerin über ihre Gedichte und brachte passend zu den „Seladon-Oden“ eigene Seladon-Keramik aus China und Korea mit.

„Seladon ist die Farbe, die Jade nachahmt,
die Farbe, die sich aus der Welt zurückzieht,
das Flüstern von einem nach innen gekehrten Meer – „

Wie es zu dem Kapitel kam, erzählte Poschmann anschaulich: Ein französischer Barockroman mit einem Schäfer namens Seladon und die farbige Glasur der Keramik in Seladon-Farben, ein changierendes Graugrün, nicht klar definierbar, manchmal ins Bläuliche gehend. Faszinierende Texte sind daraus entstanden.


Poschmann ist eine Forscherin und eine Reisende im Namen des Lyrischen Ichs. So erzählte sie von ihrer Reise mit der transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee (auf dem Blog Allons Enfants kann man darüber lesen) zusammen mit der französischen Autorin Celine Minard (ihren Roman „Das große Spiel“ kann ich sehr empfehlen) nach der die Kapitel „Transsib“ und „Sibirischer Tierstil“ entstanden. Im letztgenannten Kapitel geht es eisig zu. Poschmann hatte wohl von den „Top-Eis- und Schneefestivals der nördlichen Hemisphäre“ (= auch der Titel eines Gedichts) die Idee der Eisfiguren mitgebracht und überraschte mit einigen selbstgeformten Eisplastiken, die leider aufgrund der milden Temperaturen sehr schnell schmolzen (Klimawandel im Kleinen):
„ich taute Grönland auf mit meinem Blick, ich schmolz die Gletscher, während ich sie voll der Andacht überflog.“


Die Dichterin, die wenig jünger ist als ich, schreibt im Kapitel „
Wettermachen“ von häuslichen Szenen, die mich sehr an meine eigene Kindheit erinnern: „Seltsam, daß Dinge wie Haarspray mit mir zusammen auf die Welt kamen“ und bringt dabei gleich ganz subtil eine Umweltkritik unter, in dem sie weiterschreibt: 

                         „Meine Kindheit jene der Tetrapaks,
Plastiktüten und Kühltruhen. Letztens erst trieben
im Müllstrudel Tausende Überraschungseikapseln
mit Spielzeug gefüllt an den Strand von Langeoog.“

Bald danach ist vom Staubsaugen die Rede und womöglich hat noch nie jemand so gelungen eine Hausarbeit verdichtet:

„Ich führe das gierige Tier auf die Weide. Ein Schlauch
voller Anmut, gebogener Nacken, das Kabelschwänzchen
erst ängstlich zwischen die Räder geklemmt, dann
nur noch gefräßig, und lange äste es zwischen den
Teppichfransen.“

Der Buchtitel, Nimbus, aus dem Lateinischen für „dunkle Wolke“, bedeutet gleichzeitig aber auch Heiligenschein, weist auf die Symbolkraft hin, die Poschmann in jedem ihrer Bücher gerne umkreist. Diesmal geht es dann auch um Wolkenformationen – Cumolonimbus – und Wasser, fließend oder gefroren und um Farben, vielfach um die Farbe Weiß in all ihren Variationen, aber auch um Schwarz, das absolute Dunkel. Hierbei spielt sie auch dazu passend mit den verschiedenen Gedichtformen, so das es immer stimmig durchgearbeitete Verse sind.

Marion Poschmanns zeigt in diesem Band aufs Schönste, dass man Gedichte über die Natur sehr wohl mit Zeitkritischem verbinden kann und dabei nicht explizit politische Gedichte schreiben muss, um auf die relevanten Themen unserer Zeit hinzuweisen. Dass ihr das bravourös gelingt, weist auf ihr feines Gespür und ihr überragendes Können als Lyrikerin hin. Ein Leuchten!

„Nimbus“ erschien im Suhrkamp Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Christiane Ritter: Eine Frau erlebt die Polarnacht Ullstein Verlag

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„Diese Landschaft hat nichts Irdisches mehr. Sie scheint in ihrer Entrücktheit ein in sich geschlossenes Leben zu führen. Sie ist wie der Traum einer Welt, der sichtbar wird, bevor er sich zur Wirklichkeit gestaltet.“

Es ist faszinierend: Christiane Ritter, geboren 1898 in Karlsbad, aus wohlhabender Familie, reist im Alter von 36 Jahren zu ihrem Mann, der sich schon länger in der Arktis aufhält, nach Spitzbergen, um dort ein Jahr lang mit ihm in einer winzigen Hütte ohne Komfort in absoluter Einsamkeit zu verbringen. Und was sie anfangs selbst nicht glaubt, sie erliegt dem Zauber der Natur, der Stille und der weißen Weite.

Bereits im letzten Winter hatte ich mir dieses Buch gekauft. Offenbar hat es aber jetzt erst den richtigen Zeitpunkt des Lesens gefunden. Wohl auch, weil der kühle Norden mich immer mehr anzieht. Wie man schon an obigem Zitat erkennen kann, liegt die Besonderheit dieses Buches nicht nur an der Außergewöhnlichkeit, dass eine Frau 1934 mit ihrem Mann, einem Kapitän und Abenteurer, einen dunklen Winter im eisigen Spitzbergen unter schwierigsten Lebensbedingungen verbringt, sondern auch an der großartigen Sprache Ritters. Sie schafft es, all das, was man hier im gemütlichen mitteleuropäischen Winter so gar nicht kennt, in Worte zu fassen, die genau die Stimmung dieses nordischen Landstrichs spiegeln.

Und sie zeigt auch, dass Frauen all das auch können. Immer schon konnten. Christiane Ritter wusste ihre kleine Tochter bei den Großeltern gut versorgt und lebte ihren Traum und ließ sich dabei nicht von damaligen Konventionen beirren. „Laß alles liegen und stehen und folge mir in die Arktis“, schrieb ihr Mann und sie tat es. Ich bin von diesem Reisebericht, der letztlich auch Überlebens/Erwachensbericht ist, zutiefst beeindruckt. Gleich nach der Ankunft, ihr Mann ist längere Zeit auf der Jagd, erlebt sie allein in einer winzigen Hütte einen tagelang dauernden Sturm. Dies durchzustehen, war Vorbereitung auf die „Polarnacht“ (vier Monate lang ist die Sonne nicht zu sehen) und gab ihr die Kraft den Winter mit all den Entbehrungen zu überstehen. Und nicht nur das: aus jedem ihrer Sätze klingt die große Faszination, die eine solche Landschaft im Menschen auslösen kann, an. Die Weite, das Licht, das Dunkel, die Nähe zur alles überwältigenden Natur, das auf sich selbst zurückgeworfen sein klingt durch jede Zeile.

Im Laufe des Winter müssen die Ritters monatelang ohne frisches Fleisch auskommen, weil sie abhängig sind vom Auftauchen von Eisbären, die mit dem Packeis an Land kommen. Robben, Füchse und Enten werden geschossen und bevorratet. Die Daunen gesammelt, die Felle gegerbt. Hier wird einem klar, was Jagd eigentlich einmal bedeutete. Ritter beschreibt, wie wichtig die winzigen Hütten sind, die verteilt über die Fjorde stehen, um unterwegs Schutz vor Wetter und Kälte zu finden. Sie erläutert, wie es sich anfühlt bei minus 35 Grad mit Skiern über das zugefrorene Meer zu fahren, wie es ist keine Geräusche mehr zu hören oder lauthals tobende Stürme. Sie macht die Erfahrung mondsüchtig zu werden oder geisterhafte Naturphänomene zu erleben, die an Hellsichtigkeit grenzen. Heutzutage würde man sagen, sie findet im Einklang mit der (damals noch intakten) Natur zu sich selbst. Doch was sie schreibt ist so klug und wichtig, dass ihr Reisebericht Jahrzehnte überdauerte. Für mich ist dieses Buch in jeder Hinsicht besonders: es ist feministisch, es ist spirituell und es ist sprachlich beeindruckend. Eine echte Perle. Polarlichtleuchten!

Christiane Ritter lebte nach ihrer Reise wieder in Mitteleuropa, seit 1985 in Wien. Sie wurde 103 Jahre alt. Ihr Buch ist mit eigenen Illustrationen bereichert. Es erschien 1938 zum ersten Mal und erlebte bis heute unzählige Neuauflagen und Übersetzungen. Meine Taschenbuchausgabe erschien im Ullstein Verlag. Hier finden sich interessante Infos zu den Buchausgaben.

Tarjei Vesaas: Das Eis-Schloss Guggolz Verlag

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Aus dem kleinen Guggolz Verlag kommen immer außergewöhnliche Entdeckungen in schönster Ausstattung: ein wirklich ästhetisches Cover und Fadenheftung. Diesmal finde ich das Cover besonders interessant, passt es doch vollkommen zu einer meiner Tuschearbeiten aus dem letzten Winter (siehe oben). Herr Guggolz sucht und findet immer wieder überraschende „neue“ Stimmen aus vergangener Zeit, aus oft nord- oder östlichen europäischen Ländern und lässt übersetzen. So wie hier der geniale Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkels ans Werk ging.

Eisig ist es wirklich fast durchgängig in diesem Roman. Dennoch wurde mir warm beim Lesen, weil diese Geschichte wirklich feinsinnig und in sehr poetischer Sprache erzählt wird. Dass Vesaas auch Lyrik schrieb, spürt man. Es ist ein sehr sinnliches, mystisches und symbolkräftiges Buch. Der Autor kommt aus Norwegen, dieses Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, lebte von 1897-1970 im Ländlichen. Er schrieb auf Nynorsk, einer Art westnorwegischem Dialekt. Für diesen Roman erhielt er 1964 den Preis des Nordischen Rats.

„Siss hatte viele Gedanken, wie sie da ging, eingemummt gegen den Frost. Sie wollte zu dem Mädchen Unn, ihr noch halb unbekannt, zum ersten Mal, zu etwas, das sie nicht kannte, darum war es aufregend.“

Es ist die Geschichte von Siss, einem 11-jährigen Mädchen in einer eher abgelegenen Region Norwegens. Die Natur spielt hier eine wichtige Rolle. Manchmal spürt man die Naturgeister durch die Zeilen ziehen, hört Vogelstimmen und das Eis knacken und klirren. Siss ist von einer neuen Mitschülerin, Unn, die Waise ist und bei einer Tante lebt, vollkommen fasziniert und angezogen. Am Tag nachdem sie sie zum ersten Mal bei ihrer Tante besucht hat, verschwindet Unn. Sie erscheint nicht in der Schule und das ganze Dorf begibt sich auf die Suche. Nur die Leserin weiß, was mit ihr passiert ist.

„Die Strömung hat zugenommen, geht stärker durch den Fichtenwald. Die Nadeln strecken ihre Zungen vor und singen ein unbekanntes Nachtlied. Jede Zunge allein ist so klein, dass sie nicht zu hören ist, gemeinsam tönt das Lied so leise und machtvoll, dass es Berge schleifen könnte, wenn es wollte.“

Siss jedoch verkraftet nicht, dass die frisch gewonnene Freundin nach langer Suche als verschollen, ja als tot gilt. Wie zuvor Unn, sondert sie sich in der Schule ab und wird zur Außenseiterin, weil sie glaubt, sich an ein Versprechen Unn gegenüber halten zu müssen. Unn schien mit ihr ein Geheimnis teilen zu wollen. Doch kam es dazu nicht mehr.  Es bedarf eines weiten Wegs, einer permanenten Innenschau und die Mithilfe der Dorf- und Schulgemeinschaft, bis Siss wieder aus ihrem Kokon der Einsamkeit und Schuld heraustritt.

Das Eis-Schloss spielt hier eine wesentliche Rolle. Es ist ein aus einem gefrorenen Wasserfall entstandenes monumentales Bauwerk, hinter dem sich viele Eishöhlen verbergen. Zuvor noch Ausflugsziel verändert sich seine Bedeutung im Laufe der Geschichte: Es wird zuerst zum Grab, dann zum Mahnmal und schließlich kurz bevor es durch das Tauwetter des Frühlings zusammenstürzt auch Ort der Befreiung für Siss.
Ein klirrendes Leuchten!

Der Roman erschien im Guggolz Verlag, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Norbert Gstrein: Die kommenden Jahre Hanser Verlag

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An Norbert Gstreins neuen Roman habe ich mich erst herantasten müssen. Es ist sehr lange her, dass ich ein Buch dieses Autors las. Doch dann eröffnete sich mir der Roman in schönster Fülle. Gstrein hat eine starke Geschichte konstruiert, die aus einem Kernthema heraus weite Kreise zieht und sehr differenzierte Betrachtungsweisen aufzeigt.

Die Hauptfigur ist Richard, ein Gletscherforscher, der sich dem ewigen Eis verschrieben hat und darüber an der Uni lehrt, vor allem über den Klimawandel. Ob dabei eine Rolle spielte, dass er in der Kindheit von seinen Eltern, wenn er frech war in einem Kühlraum eingesperrt wurde? Die Eltern hatten in Tirol ein Hotel. Inzwischen lebt er aber längst mit Frau und Kind in Hamburg. Im Roman finden sich Eis und Kälte zuhauf. Und sei es sinnbildlich, wenn etwa Natascha, die Ehefrau, ihn mal wieder Eismann nennt, wenn sie seiner angeblichen Gefühlskälte überdrüssig ist. Diese unterstellt sie ihm ebenfalls in der Sache mit der Flüchtlingsfamilie, die beide in ihrem Ferienhaus im Umland aufgenommen, besser gesagt, es an diese vermietet haben. Während Richard die Familie zur Ruhe kommen lassen will, kümmert sich Natascha jeden Augenblick um das Wohl der Familie, ruft an, fährt hin, ja beginnt sie im Grunde zu bevormunden. Schön, wie Gstrein diesen Zwiespalt herauskehrt und den Leser damit konfrontiert.

„Sicher hätte ich mir meinen Kommentar sparen können, um zu helfen, müsse ich nicht ein Diplom in Ethnologie oder Religionswissenschaftler haben, als sie mich fragte, ob ich mich nicht auch auf unsere Gäste vorbereiten wollte.“

Natascha und Richard entfremden sich aufgrund dieser Differenzen noch mehr als bisher. Natascha ist erfolgreiche Schriftstellerin und vermarktet die Idee mit der Flüchtlingshilfe sogar als Story in einer populären Zeitschrift. Sie lässt Mann und Kind alleine in die Ferien fahren. Sie geht voll in ihrer neuen Rolle als Helferin und Beschützerin auf. Vor allem auch dann, als vermehrt bedrohliche Nachrichten oder sind es Gerüchte? über das Haus am See aus der Nachbarschaft kommen. Die Familie aus Damaskus hingegen, scheint sich einzuleben, die Söhne gehen zur Schule, haben in kürzester Zeit deutsch gelernt. Als der Vater gar zum Christentum übertreten will, ist Natascha entsetzt, hatte sie sich doch gerade mit dem Islam beschäftigen wollen. In der Tat fragt man sich da als Leser/in, ob außer dem Wunsch zu helfen nicht doch auch ein gewisser Narzissmus im Spiel ist.

“ … ob sie der Familie nicht ein bisschen Ruhe gönnen wolle, wenn sie sich wieder einmal bereitmachte, zum Haus hinaus zu fahren, ob sie sicher sei, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit willkommen war, …“

Richard dagegen verhält sich freundlich, doch zurückhaltend. Außerdem denkt er gerade selbst über einen Neuanfang in einem anderen Land nach. Kanada steht zur Debatte, weil ein Studienfreund ihm dort eine Stelle angeboten hat. Doch bevor es zu einer Entscheidung für ein neues Leben und damit verbunden womöglich zur Trennung von Frau und Kind kommt, hat Gstrein eine Idee, die nicht neu ist: Im letzten Teil des Buches schreibt er drei verschiedene Schlusskapitel, wovon er eines „Was wirklich geschah“ nennt. Die anderen beiden kann man getrost weglassen. Sie sind nicht stimmig und lesen sich wie Füllmaterial.

Norbert Gstreins Roman „Die kommenden Jahre“ erschien im Hanser Verlag.

 

Anne von Canal: Whiteout Mare Verlag

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Schade … Anne von Canals Debütroman „Der Grund“ war richtig gut. Im Prinzip ist zwar gegen den nun vorliegenden neuen Roman „Whiteout“ nichts zu sagen. Er ist solide gemacht, recht gut konstruiert, aber er haut mich eben nicht um, weder inhaltlich noch sprachlich. Er fesselt mich bei weitem nicht so, wie „Der Grund“ es in seiner Vielschichtigkeit tat.

Von Canals „Whiteout“ ist eine Freundschaftsgeschichte, die in Rückblenden erzählt wird, ausgehend und erzählt von der Hauptperson Hanna, einer Glaziologin. Sehr schade finde ich, dass das Thema Gletscherforschung imgrunde nur als Ausganspunkt für die Geschichte gewählt wurde, die sich dann größtenteils aus den Erinnerungen Hannas speist. Viel erfährt man leider über diese Wissenschaft und über die Forschung im Eis nicht. In der Tat hatte ich gerade diese Ausgangssituation für äußerst spannend gehalten. Natürlich bieten sich die Bohrungen im Eis als Metapher für „Bohrungen“ in der Vergangenheit an …

Der Inhalt ist kurz erzählt: Hanna und ihr Bruder Jan lernen als Kinder die Pfarrerstochter Friederike, genannt Fido kennen und die drei werden unzertrennlich. Sie planen nach der Schulzeit ein gemeinsames Studium in Hamburg. Doch bevor es dazu kommt verschwindet Fido ohne Erklärung auf Nimmerwiedersehen.
Ausgerechnet während der wichtigen Forschungsarbeit in der Antarktis erhält Hanna eine Nachricht ihres Bruder Jan, mit dem sie kaum mehr Kontakt hat. In seiner Mail schreibt er, Fido sei tot. Diese Nachricht verwirrt Hanna so, dass sie zunehmend unkonzentrierter in ihrer Arbeit wird, da sie ständig in Erinnerungen an die Zeit mit Fido gestürzt wird.

Ein „Whiteout“ ist ein meteorologisches Phänomen, dass auf eine besondere Sonnenreflexion in Polargebieten zurückzuführen ist. Sie kann bei Beobachtern psychisch zu Beklemmungen und physisch zu Desorientierungen führen. Insofern ist der Titel stimmig gewählt, denn Hannas Zustand verstärkt sich durch das Whiteout noch. Ein aufkommender Schneesturm tut sein Seiniges …

Anne von Kanals Roman erschien im Mare Verlag, ebenso wie ihr voriger Roman „Der Grund“, den ich deutlich besser fand. Eine Leseprobe gibt es hier . Eine weitere Blog-Besprechung gibt es bei Zeichen & Zeiten