Granaz Moussavi: Gesänge einer verbotenen Frau Leipziger Literaturverlag

„Ein Strick um die Kehle scheidet Wüste von Gesang“

Lyrik einer verbotenen Dichterin

Auf dem Cover das Bild einer Frau, die langen blauschwarzen Haare frei fliegend im Wind, doch ein Gesicht ohne Augen, ohne Nase, der Mund eine Sicherheitsnadel, geöffnet, eine Wunde, heraus fließen blutrote Buchstaben … Doch die, die hier schreibt hat Augen, sieht deutlich, alle Sinne aktiviert, und spricht.

Das Bild von Kamran Faridi ist eine passende Wahl für diesen Lyrikband. Es weist bereits außen darauf hin, was im Inneren zu finden sein wird. Und so ist es auch in den Gedichten Moussavis: ein Außen, ein Innen, Stimmen von Außen, Stimmen aus dem Innen – nichts schwieriger als sie zusammen zu führen. Und doch, so scheint es mir beim Lesen, gelingt es Moussavi in ihren Gedichten. Es sind Sprachbilder einer Frau, die eigentlich keine Stimme hat in ihrem Land, allein weil sie eine Frau ist.

„– ich habe zu lange ausgehalten, so dass mich jetzt nichts mehr hält
In diesem Land
                      ist kein Platz für mich“

Granaz Moussavi ist Iranerin, hat bereits vier Gedichtbände herausgegeben, ihr letzter Band „Rotes Gedächtnis“ durfte im Iran nicht veröffentlicht werden und kursiert nur unter der Hand: Gedichte einer verbotenen Autorin. Gedichte einer Frau. Gedichte, die der Zensur zum Opfer fallen.

„Vom Gate zum Galgen
Von einem Koffer bis zum nächsten Take-Off
Von Schafott zu Schafott“

Eine Auswahl aus Moussavis verschiedenen Lyrikbänden hat nun Isabel Stümpel zusammengestellt und ins Deutsche übertragen. Die Gedichte sind sowohl in Deutsch als auch in Farsi abgedruckt und in chronologischer Abfolge. Dadurch lässt sich signifikant die Entwicklung der Dichterin nachvollziehen. Themen und Ausdruck verändern sich maßgeblich.

Moussavi ist bekannt geworden auch als Filmemacherin. Sie pendelte zwischen Iran und Australien, wohin ihre Familie aufgrund der Zustände im eigenen Land, auswanderte. Wegen ihres Films „My Tehran for sale“ aus dem Jahr 2011, der das Lebensgefühl junger iranischer Künstler aufzeigt, jedoch abgesetzt wurde, lebt sie derzeit nur in Australien.

„Eine Frau, die Schlagstöcke filmt
                                                und verbotene Themen
fiel unter Fußtritten vor ihrer Zeit“

Im Iran kann sie nicht leben, weil ihre Kunst der Zensur unterliegt, im Exil sehnt sie sich nach ihrem Land und nach der Inspiration, die es trotz allem bietet. Geprägt wurden ihre Gedichte von verschiedenen großen persischen Stimmen: von der Dichterin Forugh Farrochzād und den beiden Dichtern Sohrab Sepehri und Ahmad Shamlu.

Viele der Gedichte sind im Exil entstanden, stehen aber immer unter dem Einfluss des Heimatlands.

Es sind Sehnsuchtsgedichte, Liebesgedichte und immer mehr politische Gedichte. Gerade in den letzten Gedichten in diesem Band wird die gesellschaftskritische, politische Stimme immer deutlicher und lauter. Dennoch vermag man als Leser nicht alles zu entschlüsseln, fehlt doch oft das Hintergrundwissen, der Einblick in ein unbekanntes Land. Ein wenig leichter macht es das am Ende angehängte Glossar, was verschiedene in den Gedichten verwendete iranspezifische Begriffe und Redewendungen erklärt. So erklären sich Anspielungen etwa auf Koransuren, Legenden oder persische Dichtung. Abseits dieses speziellen Verstehens wirken Moussavis Gedichte aber auch auf einer anderen tieferen Ebene. Sie sprechen direkt alle Sinne an.

 „ Weißt du es schon?
   Die Fische sind davongezogen ohne Reisepass, zurück blieb nur
                                                                               das salzige Meer
   Und der Himmel reicht nicht für all die Einsamkeit „

Das salzige Meer: die vergossenen Tränen? Moussavis Verse sind in ihrer Symbolhaftigkeit nicht immer so leicht zu durchdringen wie in diesen Zeilen.

„Denke ich an den Himmel
wird, was ich auch schreibe, nass … „

Im Gedicht „Nachtlied“ werden Haare unsichtbar gemacht, so wie es für eine Frau draußen verlangt wird:

„Vielleicht kämme ich mich nicht einmal
flechte nur Zöpfe und
durchkämme die nachtblauen Tage
                                           die grauen
                                                        die schwarzen
                                                          Ah …

Ich muss es aufsetzen
den Knoten schlingen“

Im letzten Drittel des Gedichtbandes werden unter dem Namen „Rotes Gedächtnis“ Gedichte versammelt, die 2001 – 2011 erschienen sind. Der Zyklus „Gedächtnis des ausgestorbenen Schreis“ ist meines Erachtens der stärkste Teil dieser Sammlung und so mutig und direkt, dass es nicht wundert, dass er im Iran offiziell nicht gedruckt werden darf. Es wird deutlich sichtbar, wie Moussavis Lyrik mit der vergehenden Zeit immer kraftvoller, widerständiger und kritischer wird.

„Drehte sich doch die Uhr ins Altertum zurück
Dass aus den Zeigern eine Generation ausgestorbener grüner
                                                                                    Tiger spränge“

Hier wird auch immer wieder auf die gescheiterte grüne Revolution angespielt. Manchmal stürzt sich Moussavi regelrecht in die Worte hinein, verbindet sie im Klang – laut gelesen klingen sie wie ein Stakkato, ja mitunter fast wie ein Rap  – auch hier ein Aufschrei des „Dagegen“.

„Meine Knochen sind zerfallen
Im Hallen der Maschinengewehrsalven
Und nein … nein, diese Legenden sind wahrlich kein
                                                                          Wiegenlied“

Es herrscht ein aufrührerischer, manchmal trotzig klingender Ton, der zwischendurch unterspült wird von einer feinen Zartheit. 

„ …zwischen dem Geschrei jenseits der Scheiben
und den stillgelegten Träumen
Mein Weinen verstört
über dem zerstörten Körper einer Frau, die nicht mehr ist …“

Ein Gedicht des letzten Zyklus heißt „Steinigung“ und erinnert daran, dass es diese grausame Todesstrafe auch in heutiger Zeit mancherorts noch gibt:

„Wurf um Wurf zerrann die Frau
An ihren Schläfen Granatäpfel-Platzen.“

oder

„Mann für Mann
Stein für Stein
                        säen Klatschmohn auf der Schläfe!“

Bestimmte Worte tauchen in Moussavis Gedichten stets wieder auf: Klatschmohn, Granatapfel, Stoppschilder, Fische, der grüne Tiger, die „Feen“ – durch die Wiederholung verdichtet sich die ohnehin schon deutliche Symbolwirkung, atmosphärisch starke Bilder entstehen. Durch Einrückungen und Zeilensprünge unterbricht die Dichterin die fortlaufenden Verse, zeigt ihre Unruhe. Reime finden sich selten, und wenn, dann sehr gezielt gesetzt. 

Granaz Moussavis Gedichte sind (an)klagende, hinterfragende, aber auch zornige, mutige Texte, die den `verbotenen` Frauen im Iran eine Stimme verleihen, die durch die Übertragung von Isabel Stümpel nun auch in unserer Sprache hörbar wird. Ich freue mich über diese Stimme sehr, ich empfehle diese Dichtung wärmstens.

Meine Besprechung erschien zuerst auf fixpoetry.com
07.12.2016 Hamburg
Von Marina Büttner



Ava Farmehri: Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen Edition Nautilus

Bereits der Buchtitel weißt auf die Geschehnisse in diesem Roman hin. Er ist einer Zeile aus Dante Alighieris Inferno nachempfunden. Und tatsächlich geht es hinein in die Düsternis, ins Gefängnis und ins Gefangensein in einer unfreundlichen Welt. Ava Farmehri (der Name ist ein Pseudonym) stammt aus dem Nahen Osten und lebt in Kanada. So spielt die Geschichte des Buches auch im Iran.

„Sie werden mich töten.
Mein Prozess hat drei Wochen gedauert. Und ich habe noch Glück, manch unglückliche Seele wartet jahrelang, nur um am Ende dieselbe Nachricht zu erhalten. […] und so kam die zügige Entscheidung nicht überraschend. Jedenfalls nicht für mich. Schließlich ist das hier Iran.“

Mit diesen Zeilen beginnt der Roman und die, die man töten, die man hängen wird, ist die zwanzigjährige Sheyda. Im Gefängnis wird sie mit Gewalt vor allem gegen Frauen konfrontiert. Und sie reflektiert ihre Geschichte. So erfahren wir Leserinnen, wie es zu dem Mord an ihrer Mutter, den sie ohne zu Zögern gestand, kam. Das ist hochspannend und in einer Sprache geschrieben, die melodiös und poetisch ist und in einer Schönheit, die sehr im Kontrast zum Inhalt steht.

Am ersten Tag der Islamischen Republik 1979 wird auch Sheyda geboren. Die Eltern, noch vom Schah beeinflusst, müssen sich plötzlich von ihrem freien Leben verabschieden und sich einer religiösen Regierung unterordnen. Sheyda, deren Eltern heirateten, weil die Mutter mit ihr schwanger war, spürt von Anfang an, dass ihr Leben nicht stimmig ist. Als Kind tanzt sie den Erwachsenen auf dem Kopf herum, lügt und bleibt ungezähmt, allerdings auch immer Außenseiterin im Gleichaltrigenkreis. Bereits als junges Mädchen verliebt sie sich unsterblich in den wesentlich älteren Sohn der Nachbarin. Als dieser Selbstmord begeht, will sich auch Sheyda das Leben nehmen, wird jedoch gerettet. Etwas ist fortan zerbrochen und unheilbar. Lange Zeit bleibt sie Bettnässerin. Die Eltern schleppen die Tochter zum Psychiater. Dort wird sie lange bleiben, jedoch nur selten die Wahrheit erzählen. Als der Vater bei einem Unfall stirbt, erfahren Mutter und Tochter, dass dieser ein Doppelleben mit einer anderen Frau führte und ihnen außer dem Wohnhaus nichts hinterlassen hat. Sheydas Verhältnis zur Mutter wird dadurch nicht besser. Die Mutter zerbricht fast vollkommen daran. Beginnt sich zu vernachlässigen und das Haus nicht mehr zu verlassen. Die Tochter ist bald auf sich allein gestellt.

„Die Stille war das wahre Grauen, die größte Gefahr für meine Psyche. Die Stille zwingt dich, den Blick von der Welt abzuwenden und ihn nach innen zu richten auf deine zerstörte, verrottete Seele, auf das Wrack, zu dem dich das Leben gemacht hat.“

Als älterer Teenager hat Sheyda eine Affäre mit dem verheirateten Lehrer. Später beginnt sie ein Studium, arbeitet nebenher in einer Buchhandlung, versucht sich freizuschwimmen, sich durch Lesen und Bildung aus ihrer Rolle zu befreien. Sie hat immer wieder Beziehungen, die meist nicht lange andauern, denn für Sheyda ist es schwer, einem Menschen tatsächlich zu vertrauen, dabei ist sie auf der Suche nach Nähe und Liebe.

„Bewacht wurden wir von Frauen. Jungen, hässlichen, erbarmungslosen Frauen. Ich hatte vorher nicht gewusst, zu welcher Grausamkeit Frauen fähig waren, vor allem gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen. […] Es fühlte sich wie Verrat an. […] Warum zerfleischen wir uns gegenseitig? Wir sind doch alle Opfer dieses Landes, dieser Welt. Alle Frauen innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern, wir alle sind Opfer der Männer und ihrer männlichen Götter!“

Farmehri lässt ihre im Gefängnis sitzende Heldin immer wieder zwischen Mut und Verzweiflung schwanken, immer wieder zwischen Haftalltag und Erinnerungen hin und her pendeln. Ein Besuch zweier Verwandter kurz vor dem Hinrichtungstermin wirft plötzlich eine neue Perspektive auf die Schuld der jungen Frau. Wie war das wirklich mit dem Tod der Mutter?

Es ist ein Roman mit dunkler Atmosphäre, der in seiner bildhaften Sprache gerade das Bittere der Geschichte zeigt. Die tragische Heldin ist, so wie viele Frauen im Iran, auch außerhalb des Gefängnisses kaum frei. Sie muss sich traditionellen Rollen, die von der Religionspolizei streng überwacht werden unterwerfen. Sie ist nicht immer sympathisch, doch kommt sie einem sehr nah, so dass man auch mit dem Schluss des Romans hadert. Und doch muss es so enden – „Die Freiheit“ – so die letzten Worte.

Das Buch erschien in der Edition Nautilus. Es steht auf dem 1. Platz der Litprom-Bestenliste Weltempfänger Winter 2020. Aus dem Englischen von Sonja Finck. Eine Leseprobe gibt es hier. Dunkles Leuchten!

Feuer auf der Zunge Persische Gedichte herausgegeben von Jasmin Tank Edition Pajam

48063048_2419915991572868_2083638641317380096_n

In der von Jasmin Tank herausgegebenen Lyriksammlung persischer Gedichte finden sich Texte aus allen Zeiten, der älteste Dichter aus dem 11. Jahrhundert, die Jüngste 1977 geboren. Die Herausgeberin hat darauf geachtet, dass auch Dichterinnen Eingang fanden. Die Gedichte sind schön. Für mich besonders die der Frauen. Was mich allerdings richtig begeistert hat sind die Illustrationen von Jasmin Tank. Stimmiger können Dichtung und Illustration keine Verbindung eingehen. Sie treffen vielleicht auch gerade deshalb so sehr meinen Geschmack, weil ich mich mit ähnlichen Materialien in meinen Arbeiten befasse.

Der schmale Band hat ein ungewöhnliches Format, was aber die Zeichnungen am Besten zur Geltung bringt. Er ist beinah quadratisch und hat etwa die Höhe von A5. Der Band ist nicht durchgehend zweisprachig, aber es tauchen immer wieder Übersetzungen auf und in die Illustrationen eingearbeitete arabische Schriftzeichen. Weshalb sich die in Berlin lebende Illustratorin Jasmin Tank mit der persischen Lyrik beschäftigt, erfährt man in ihrem Vorwort. Sie geht mit diesen Arbeiten und mit dem Sichten der Gedichte auch auf die Suche nach den eigenen iranischen Wurzeln, und das auf die schönte Weise, wie ich finde.

Es finden sich Gedichte der weltbekannten Klassiker der persischen Dichtung Farruchi, Hâfez, Dschâmi und auch einer Dichterin aus dem 17. Jahrhundert Zêbunissâ Makfi.

Von Forugh Farrochzād, der 1935 in Teheran geborenen, 1967 gestorbenen Lyrikerin, gibt es unter anderem das wunderbare Gedicht „Das Geschenk“ (siehe Foto oben). Sie war eine der ersten Frauen, die auch die Geschlechterrollen in ihren Gedichten hinterfragte, die in einer freien Versform schrieb, klar und direkt. Es wundert wenig, dass ihre Lyrik von der Regierung verboten wurde. Ich möchte den Text hier noch einmal zitieren, weil die wenigen Zeilen so viel beinhalten:

Geschenk

Vom Ende der Nacht spreche ich,
vom Ende der Finsternis
und vom Ende der Nacht spreche ich.

Kommst du in mein Haus, freundlicher Mensch,
so bringe bitte für mich eine Lampe
und ein Fensterchen, dass ich dadurch
das Gedränge auf glücklichen Straßen erblicken kann.

Eine zeitgenössische Lyrikerin finde ich vor allem noch interessant. Das ist Leila Nouri Naini. sie wurde 1970 in Teheran geboren und lebt in Deutschland. Sie fand zur Lyrik unter anderem durch eine Begegnung mit dem ebenfalls hier im Buch vertretenen Dichter Shamlu. (Ihr Gedicht siehe Foto oben).

Alle Dichter/innen sind am Ende des Buches mit einer Kurzbiografie vorgestellt, zudem gibt es Literatur- und Quellennachweise zu den einzelnen Texten.

Jasmin Tank ist ein wunderschöner Band gelungen, den man als Ein- und Überblick über die persische Dichtung benutzen kann, den man aber auch wegen seiner farbenfrohen und ausstrahlungskräftigen Bilder einfach genießen kann.

Der Band erschien in der Edition Pajam im Goethe & Hafis Verlag.

Mehr über Persische Lyrik gibt es von mir hier und hier.

Hier ist Iran! Persische Lyrik im deutschsprachigen Raum sujet Verlag

DSCN2299

Kürzlich hörte man wieder von Demonstrationen im Iran. Unzufriedene, gerade auch Frauen, wenden sich gegen die strikten Gesetze der religiösen Staatsoberhäupter. Eine, die über ihre eigene Situation in ihrer Heimat Iran meist nur aus dem Ausland schreiben kann ist Granaz Muossavi. Ihren Lyrikband habe ich vor einiger Zeit besprochen.

Der vorliegende Band jedoch vereint Stimmen von Dichtern, die meist schon länger nicht mehr in ihrer Heimat leben: „Persische Lyrik im deutschsprachigen Raum“ ist der Band untertitelt und er enthält eine reiche Fülle an Dichtung aus dem Persischen.

Eine wunderbare Sammlung hat Gerrit Wustmann, selbst Lyriker mit Faible für die Türkei und Iran, herausgegeben. Mit Gedichten vertreten sind unter vielen anderen, die mir bekannten Namen wie Abbas Maroufi, Sudabeh Mohafez, SAID und Farhad Showgi. Von jedem Dichter/jeder Dichterin gibt es mehrere Gedichte zu lesen. Die Autor*innen werden mit einer Kurzbiografie vorgestellt.

Farhad Showghi möchte ich hier aus aktuellem Anlass herausheben, da er soeben den Peter-Huchel-Preis 2018 erhalten hat. Von ihm habe ich bereits vor längerer Zeit einen Lyrikband erworben aus dem Verlag kookbooks: „In verbrachter Zeit“ heißt er und es sind Prosagedichte, die den Lesern vorgestellt werden. Auch in der Anthologie sind es prosaähnliche Texte, die meist weniger als eine halbe Seite in Anspruch nehmen. Inhaltsschwer, dicht, sich nicht sofort öffnend, zumindest nicht auf tieferer Ebene, dabei reich an Bildern und Symbolen. Mir kommen diese Gedichte sehr nah. Showghi wurde 1961 in Prag geboren. Er ist Psychiater und Psychotherapeut in Hamburg.


Abbas Maroufi kam 1996 nach Deutschland und betreibt in Berlin die Buchhandlung Hedayat für persische und orientalische Literatur und schreibt auch Romane und Theaterstücke.
Sudabeh Mohafez wurde 1963 in Teheran geboren, sie schreibt auch Romane und Erzählungen und veröffentlichte ihre letzten Bücher im kleinen Verlag Edition Azur.
Said dürfte wohl der bekannteste Dichter dieses Bandes sein. Der 1947 in Teheran geborene kam 1965 nach Deutschland. Er schreibt Lyrik und Prosa.

Unter den jüngeren Stimmen, die sich intensiv und oft kritisch mit dem Herkunftsland auseinandersetzen, habe ich zwei Favoriten: Die 1974 in Teheran geborene und 2009 nach Deutschland gekommene Pegah Ahmadi. Hier der Auszug eines ihrer Gedichte mit dem Titel Kugelhagel:

„Außer der Republik, deiner Stimme ist in mir
Kein Wort mehr, Genosse, Bruder, Vaterland!
Ganz egal!
Eines Tages
Gehen wir alle zusammen ins Wasser.“

Und die 1980 in Sarab geborene, seit 2010 in Deutschland lebende Sanaz Zaresani. Ihr Gedicht Herzlich willkommen bedichtet die Sprachunterschiede:

„Ich habe so viele Jahre mit den Wörtern meiner
/Muttersprache gespielt,
und jetzt spiele ich in meiner Adoptivmuttersprache mit
/dem Leben.“

Auch der 1968 in Teheran geborene Farhad Ahmadkhan wird sehr deutlich in seinem Gedicht mit dem Titel Nächstenliebe:

„Wieder hat ein Mensch
mit einer Überdosis Gott
am Orte aller Orte
seine Mitmenschen
mit ins Paradies genommen.“

Wir erfahren im Vorwort viel über die Bedeutung der Literatur im Iran und der Lyrik im Speziellen. Wustmann nennt die traditionellen Dichter, wie Rumi, Nizami oder Hafis. Aber auch die europäischen Dichter wie Celan, Rilke, Goethe nehmen Einfluß. Mit vielen Widrigkeiten haben Schriftsteller dort zu kämpfen. Oft thematisieren die Lyriker in ihren deutschsprachigen Gedichten dann auch die Hin- und Hergerissenheit zwischen alter und neuer Heimat, zwischen Tradition und Moderne oder die Suche nach dem Wer-bin-ich. Was auffällt sind die starken ausdrucksvollen Bilder, die durch die Texte strahlen. Zum Entdecken der Vielfalt persischer Lyrik kann ich diese Sammlung nur empfehlen. Erschienen ist das Buch im sujet Verlag, dessen Inhaber Madjid Mohit selbst in den neunziger Jahren aus dem Iran nach Deutschland ins Exil floh. Ein Interview mit dem Verleger kann man im Börsenblatt lesen.

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar!