Sonntags-Literatürchen

Jeden Sonntag ein Türchen zu aus verschiedenen Richtungen leuchtender Literatur.


aus Wider die Kunst von Tomas Espedal

Zu meiner Besprechung:
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2015/08/28/tomas-espedal-wider-die-kunst-matthes-seitz-verlag/

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Kirstin Breitenfellner: Maria malt Picus Verlag


„Jede Zeichnung ist ein Triumph über die Unruhe der Welt.“

Die Autorin Kirstin Breitenfellner hat der wunderbaren österreichischen Künstlerin Maria Lassnig einen Roman gewidmet. Gleich mit dem Cover taucht die Leserin ein in Lassnigs Malerei: „Selbstporträt als Tier“, 1963 entstanden. Ich hatte das Glück, dass es gerade hier in Berlin eine kleine Ausstellung von Maria Lassnig gab, was die Lektüre bestens ergänzt hat und meinen Eindruck der Besonderheit dieser Künstlerin bestätigt hat.

So erlebt Maria gleich als Kind, dass zwischen weiblich und männlich ein großer Unterschied besteht. Und sie wird es noch lange spüren, denn auch die Kunstwelt, in die sie sich mutig hinein begibt, bevorzugt männliche Künstler.

„Wenn man einen Sohn bekommt, dann trinkt man Wein, und wenn man ein Mädel bekommt, Wasser, sagt die Mutter. Und dann rennt man noch mehr davon, als wenn man einen Buben bekommt, sagt die Mutter, sie hat es schon so oft gesagt, aber jedes Mal, wenn sie es sagt, wird es noch wahrer.“

Nach einem kurzen Kapitel über Maria Lassnigs Kindheit, sie wird 1919 als uneheliches Kind in Kappel, Österreich, geboren und lebt lange bei der Großmutter, bis die Mutter sie nach Klagenfurt holt, finden wir Maria in Wien wieder, wo sie Kunst studiert. Der Künstler Arnulf Rainer ist ihr Freund. Sie fahren zusammen nach Paris, wo sie auf der Suche nach dem eigenen Stil Paul Celan, Jean Paul Sartre und André Breton kennenlernen. Doch eine Art Initiation erfährt Maria erst in einer kleinen Galerie, wo sie die Art Gemälde findet, die sie auch malen will. Sie will nach innen gehen.

Im Anschluss geht es in vielen Zeitsprüngen durch Maria Lassnigs Leben. Nicht trocken sachlich, sondern sprachlich sehr fein ausgearbeitet. Der kurze Satz „Maria malt“ kommt wie ein Mantra immer wieder daher und zeigt so auch die Wichtigkeit dieser Tätigkeit. Wenn sonnst alles im Argen liegt oder menschliches Chaos herrscht, wird gemalt. Jede Liebesbeziehung wird auserzählt und damit auch die besonderen Schwierigkeiten, die Maria mit den Männern hat. Bindungs- und Freiheitswunsch lassen sich oft schwer unter einen Hut bringen. Meist sind die Männer jünger. Auch im Älterwerden bleiben die Liebhaber immer jünger. Doch eine ernsthafte Beziehung geht Maria später nicht mehr ein.

„Wenn ein Mann heiratet, dann um seine Kunst zu finanzieren. Wenn eine Frau heiratet, dann um ihre Kunst aufzugeben.“

Da ist Arnulf Rainer, der eigentlich als ihr Schüler auftaucht, sich aber sehr gut vermarkten kann, was Maria nicht kann und auch nicht will. Sie bleibt ihrem Weg treu. Die Trennung folgt. Ähnliches passiert mit dem Lebenskünstler Buddy, später dem noch jüngeren Ossi. Viele der Männer sind von Kriegserlebnissen traumatisiert. Noch mit 35 Jahren wird sie von der Mutter mit Lebensmitteln und Geld versorgt, obwohl sie zwar Ausstellungen hat, aber doch die wenigsten etwas von ihr kaufen wollen. Das kleine Atelier in Wien muss ja bezahlt werden.

„Maria lernt etwas: Es ist nicht notwendig, seine eigene Kunst zu erklären, denn es will sowieso niemand wissen, worauf sie hinauswill. Was in ihr drinnen ist und aus ihr herauswill. Hauptsache, Maria weiß es selbst, in ihrem Herzen.“

Erst im Alter von 40 Jahren hat Maria Lassnig ihre erste Einzelausstellung. Beteiligungen gab es zwar schon lange, doch Maria bekommt immer wieder zu spüren, dass sie es als Frau eben schwerer hat. Das kann Maria kaum ertragen. Die Kritiken, die auf die Ausstellung folgen scheinen zwar gut, doch Maria spürt, dass sie es in Wien nicht wirklich schaffen kann. Zumindest nicht so, wie sie ihre Kunst erarbeitet und versteht. Sie geht nach Paris für einige Jahre, dann für sehr lange nach New York.

„Wenn Marias Kunst „durchaus maskulin“ anmutet, heißt das natürlich, dass sie nie an das Lob, das für Männer bereitgehalten wird, herankommen wird. Dazu braucht es keine prophetischen Gaben. Die Volkszeitung schlägt in dieselbe Kerbe und meint, dass bei Maria eine „für eine Frau auffällige Beteiligung des Intellekts“ zu erkennen sei.“

Mitten im Roman kommt unerwartet, aber sehr aufschlussreich, noch ein längeres Kapitel über Marias Kindheit. Als sie noch Riedi genannt wurde und die Mutter sie mit nach Klagenfurt zum „neuen“ Vater nimmt. Was Riedi zu erdulden hat mit einer derart kalten Mutter (von der Maria auch später kaum los kommt, eine Art Hassliebe?), lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Aus dem Text heraus lese ich, dass Maria als Kind schon hochsensibel war und es damit ohnehin schwer hatte. Eine gesunde sichere Bindung durfte sie wohl nie erleben und das setzt sich oft in ihren späteren Beziehungen fort. Zudem steht für Maria immer die Kunst im Vordergrund.

„Was Maria nicht versteht: Wie man zugleich ein guter Künstler sein kann, also schwer, und guter Gesellschaftsmensch, also leicht.“

Paris scheint nicht der richtige Ort zu sein um weiterzukommen. New York ist es. Hier kann sie weiter an ihren unzähligen Trauerbildern malen, nachdem die Mutter starb („Maria weint mit dem Pinsel.“). Hier findet sie auch den Zusammenhalt von Frauen, den sie bisher in Europa vermisst hat. Maria Lassnig wird bekannter, hat Ausstellungen, malt Bilder. Hier erkundet sie auch andere Techniken, wie das Zeichnen und bearbeiten von Trickfilmen. Doch das Malen bleibt immer die Herzenskunst. Ein Jahr verbringt sie in Berlin mit einem Stipendium. Im Jahr 1980 kommt die Berufung als Professorin an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Maria kehrt nach Österreich zurück.

In der Hochschule kommt es auch zu Auseinandersetzungen mit den jüngeren Schülerinnen und auch die Konkurrenz zu Arnulf Rainer lebt wieder auf, da er an der Akademie der Künste ausgerechnet Malerei lehrt. Er, der vor allem „übermalt“. Letztlich erkennt Maria als sie längst in Pension ist und in ihrem mitten in der Natur gelegenen Ruhesitz in Kärnten, dass die Schüler ihr doch auch am Herzen lagen. Im letzten Kapitel, das in der Ich-Form geschrieben ist, durchlebt Maria eine Art Rückschau und obwohl sie mit 80 alt ist, fühlt sie es nicht so. Sie will immer weiter malen.

Kirstin Breitenfellner hat sicher viel recherchiert und sich eingefühlt. Ihr Blick liegt immer wieder auf der besonderen Sensibilität der Künstlerin. Die Betonung, aus einer erspürten Körperlichkeit heraus, aus dem innen heraus zu malen, die Bilder in Ruhe aufsteigen zu lassen und nicht nach der Mode zu malen, nicht für alles Geld der Welt. Die Betonung, dass es Frauen sehr viel schwerer im Kunstbetrieb haben, die auch Maria immer wieder einholt, ist auch heute/jetzt noch genauso stimmig. Mal klebt sich Maria einen Bart an, mal will sie keine Künstlerin sein, sondern Künstler. Sie verabscheut diese Festlegung auf „Frauenmalerei“, die natürlich immer von Männern kommt. Die Autorin hat zudem eine ganz wunderbare Sprache gefunden, die diesen Roman für mich zusätzlich zum Inhalt sofort leuchten lässt. Große Empfehlung für Kunstfreund/innen!

Der Roman erschien im Picus Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Aus dem Archiv: Astrid Schmetterling: Charlotte Salomon Bilder eines Lebens Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag

Astrid Schmetterling: Charlotte Salomon: Bilder eines Lebens

„C´est toute ma vie“ – „sich das Leben nehmen oder etwas ganz verrückt Besonderes unternehmen“

Charlotte Salomon entschied sich für das „ganz verrückt Besondere“. Sie schuf binnen eineinhalb Jahren ein riesiges Gesamtkunstwerk. Unter dem Titel „Leben? Oder Theater?“ (1940-1942) beginnt sie ihr Mammut-Projekt: Sie malte ihr Leben in über 1000 Blättern, die zudem mit Text versehen und mit Musik angedacht waren: Ein „Singespiel“, das eine wahre Meisterarbeit ist. Trotz ihres Entschlusses, sich nicht das Leben zu nehmen, war ihr Leben kurz. Sie wurde 1943 im Alter von 26 Jahren in Auschwitz-Birkenau ermordet.

Bereits 2001 erschien das vorliegende Buch von Astrid Schmetterling über die jüdische Künstlerin Charlotte Salomon erstmals. Nun hat sie es neu überarbeitet. Anlass war der 100. Geburtstag von Charlotte Salomon am 16.4. Im Buch sind außer Malereien auch einige wenige Fotos der Malerin abgebildet.

Charlotte Salomon wird 1917 als Tochter des Arztes Albert Salomon und Franziska Grunwald in Berlin geboren. Sie ist ein aufgewecktes, doch von starken Stimmungsschwankungen geprägtes Mädchen. Im Alter von acht Jahren begeht ihre schwermütige (aus heutiger Sicht depressive) Mutter Suizid. Charlotte gegenüber spricht man nicht von Selbstmord. Das wird sie erst viel später von ihrem Großvater erfahren. Charlotte wird nun von Kindermädchen und den strengen Großeltern betreut. Der Vater bemüht sich, ist aber ganz in seiner Arzttätigkeit absorbiert. Eines der Kindermädchen erweckt in Charlotte die Lust auf das Zeichnen und Malen. Fortan wird diese Neigung Charlotte ihr Leben lang begleiten.

„Weibliches Sprechen, Schreiben, Malen, als zulassen anderer Blickwinkel und Deutungen, als Sprechen vom Ort der Frau aus, jenem Ort, der zugleich innerhalb der sozialen Ordnung ist und außerhalb, zugleich eingegrenzt, in die Grenzen gewiesen, und ausgegrenzt.“

Astrid Schmetterling gelingt in ihrem Band über Charlottes Leben und Kunst vor allem auch eine  weibliche Betrachtungsweise. Zusätzlich legt sie den Focus auf das Dasein als Jüdin in Zeiten des Nationalsozialismus. So verlässt Charlotte die Schule ein Jahr vor dem Abitur, wegen der zunehmenden antisemitischen Anfeindungen. Dass Charlotte es einige Zeit darauf schafft in der Kunsthochschule in Berlin angenommen zu werden, in einer Zeit in der Juden fast keine Möglichkeiten und keine Rechte mehr haben, ist allein Charlottes Tatkraft und ihrem starken Willen zuzurechnen. Selbst als sie es beim ersten Mal nicht schafft, versucht sie es ein zweites Mal. Und es gelingt. Als ihr jedoch dort ein 1. Preis aberkannt wird, eben weil sie Jüdin ist, verlässt sie sofort die Akademie.

„Es ist diese gewaltsame Realität, von der Charlotte Salomons brüchige Sprache erzählt. Gegen die nazistische Einheits- und Ganzheitsrhetorik setzte die Künstlerin Fragmentierung und Vermischung, behauptete sie mit ihrem Werk ihre Differenz, ihr Anderssein. Als Jude, als jüdische Frau, als jüdische Frau im Exil.“

In vier Kapitel gliedert Astrid Schmetterling das Buch auf: Bildteil, Vorspiel, Hauptteil, Nachwort, vielleicht in Anlehnung an ein Theaterstück.

Im umfangreichen Bildteil eröffnet sich gleich die große Ausdruckskraft der Charlotte Salomon. In ihren Malereien zeigt sie ihre besondere Eigenart – heute würde man ihre Art vielleicht in die Sparte der Graphic Novels einordnen – sie malt auf Papier mit Gouachefarbe auf einzelnen Blättern fortlaufende Ereignisse wie in einer Bildgeschichte. Nicht immer sind sie mit Text versehen. Falls doch, hat Charlotte sie mit dem Pinsel ins Bild integriert oder Zwischenblätter eingelegt. 32 Blätter hat Astrid Schmetterling für das Buch ausgewählt, Bilder die die große Vielfalt von Charlottes Kunst widerspiegeln.

 

Im zweiten Kapitel weist Schmetterling darauf hin, dass Charlottes Werke oft nur als zeithistorische Dokumente wahrgenommen wurden, ähnlich des Tagebuchs der Anne Frank. Glücklicherweise, schreibt sie, hat sich das inzwischen verändert: Bekannt gemacht in den letzten Jahren durch mehrere Ausstellungen in den verschiedensten Ländern, auch auf der documenta 2012, wird Salomons Arbeit endlich als ernstzunehmende Kunst beachtet. Mittlerweile wird Salomons Stück sogar als Theaterstück, Oper und Ballett aufgeführt. Die Reduzierung auf ein rein biografisches Werk hält die Autorin für falsch. Charlotte hat Fakten mit Fiktion geschickt verwoben.

[…] ein komplexes Werk aus biografischen und fiktiven Elementen, das davon zeugt, wie sehr sich Charlotte Salomon der Täuschungen bewusst war, denen sich ein erinnerndes Ich beim Versuch, sich selbst zu schreiben und zu malen, unterliegt.“

Charlotte Salomons vielschichtige Bilder sind schwer einzuordnen. Der Vielfalt liegt vermutlich die Tatsache zugrunde, dass sie sie aus ihren zwei Lebenswelten zusammensetzte: Aus Heimat in Verbindung mit der Zeit im Exil in Südfrankreich. „Auflesen und Wiederverwenden“ nennt es Schmetterling im Buch.

„Eine Frau sitzt am Meer. Den Rücken uns zugewandt, malt sie. Sie malt das tiefblaue Wasser und den Sand, den endlosen Himmel und das Licht. Das Blatt auf ihrem Schoß erscheint jedoch durchsichtig. Als sei es kein Bild, sondern nur ein Rahmen, der ein Stück vom Augenblick umfängt. Ein Rahmen, in dem Abbild und Wirklichkeit ineinanderfließen. Leben oder Theater? Diese Frage ist der Frau auf den Rücken geschrieben.“

Dieses hier von der Autorin beschriebene Bild scheint ein Schlüssel zu sein, der die Tür zu allen anderen Bildern, ja zum Leben Charlottes öffnet. Es entstand in Südfrankreich, wo sie sich in ein kleines Hotel am Cap Ferrat zum Malen zurückgezogen hatte. 1939 war Charlotte aus Berlin geflohen und kam zunächst zu den Großeltern nach Villefranche. Dort nimmt sich Charlottes Großmutter 1940 das Leben. Kurz darauf bringt man sie und den Großvater ins Lager Gurs. Doch sie kommen wieder frei aufgrund des hohen Alters des Großvaters. Charlotte schafft es anschließend nur mithilfe der Malerei eine tiefe Krise zu überstehen. So beginnt sie wie eine Getriebene mit ihrem Lebensprojekt „Leben? oder Theater?“, an dem sie fast zwei Jahre lang malt, die Schlüsselszenen ihres Lebens in Farbe festhält.

Astrid Schmetterling berichtet weiter, dass Charlotte ihre Arbeiten wie ein Theaterstück inszeniert: Alle Figuren gibt es im eigenen Leben, sie werden jedoch umbenannt, erhalten teils skurrile neue Namen. So nennt sie ihre Stiefmutter, die Opernsängerin Paula Lindberg, die sie verehrt und liebt, in ihrem Stück Paulina Bimbam. Ihr Vater heißt Albert Kann. Der Gesangspädagoge ihrer Mutter und gleichzeitig angehimmelter Geliebter Charlottes, Alfred Wolfsohn, trägt den Namen Amadeus Daberlohn. Charlotte schwebt als allwissende Erzählerin über den Geschehnissen. Viel Ironie steckt hinter dieser Vorgehensweise.

Sie bindet auf vielen Seiten Anweisungen für die Begleitmusik mit ein. Diese reichen von klassischer Musik über Opern bis zum aktuellen Schlager. Bei der Textauswahl finden sich oft Sprichwörter zwischen Bibelpassagen und Zeilen aus klassischer Literatur – Goethe, Dante, Rilke etc. Charlotte ließ sich von einigen Künstlern aus verschiedensten Epochen inspirieren. Ihre Bilder enthalten beispielsweise Elemente der mittelalterlichen Buchmalerei, gleichwohl aber orientierte sie sich an der expressionistischen Malerei: Van Gogh, Gauguin, aber auch Chagall.

Nach Abschluss ihrer Arbeit für „Theater“ oder Leben?“ lebt Charlotte Salomon wieder in Villefranche. Trotz aller sie umgebender Widrigkeiten, die Nazis sind mittlerweile auch bis in den Süden Frankreichs vorgedrungen, heiratet sie. Mit ihrem Mann und dem ungeborenen Kind wird sie  1943 nach Auschwitz gebracht und ermordet. Sie hatte ihr Werk einem befreundeten französischen Arzt übergeben, der es bis nach dem Krieg aufbewahrte. Charlottes Eltern, die in Amsterdam in einem Versteck überlebten, übergaben es später einem Amsterdamer Museum.

Astrid Schmetterling ergänzt ihr Buch am Ende mit aufschlussreichen Anmerkungen und einer biografischen Zeittafel. Sie beleuchtet sehr differenziert Aspekte aus Charlotte Salomons Leben und Werk. Zusammen mit den Bildtafeln kann der/die Leser/in sich ein recht umfangreiches Bild von dessen Strahlkraft machen. Ein Wunder vielleicht, jedenfalls ein großes Glück, dass die Blätter erhalten blieben …

Diese Rezension erschien zuerst auf fixpoetry.com, einer wunderbaren Plattform für Literatur und vor allem auch Lyrik. Aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung wurde das Portal geschlossen.

Erschien zuerst auf fixpoetry.com
14.05.2017 Hamburg Von Marina Büttner

Etel Adnan: Die Stille verschieben Edition Nautilus

„Aber alles dauert nur eine Weile, wahrscheinlich selbst die Ewigkeit.“

Erst im letzten Jahr entdeckte ich die vielseitige und besondere Schriftstellerin und Malerin Etel Adnan. Kurz darauf starb sie im Alter von 96 Jahren. Sie hatte ein reiches Leben, welches auch durch ihre vielen Schriften, Texte und Bilder dokumentiert ist. Erst kürzlich sah ich einige Bilder von ihr in einer Berliner Ausstellung (siehe oben). Nun ist ihr letztes Buch in deutscher Übersetzung erschienen. „Die Stille verschieben“ ist ein wirklich passender Titel, denn es ist im Bewusstsein der Möglichkeit des nahenden Todes geschrieben.

„In jedem Ende liegt eine Einsamkeit, aber wir haben uns schon einsamer gefühlt. Wir sind auf Gipfel gestiegen, um seltsamen Bauchschmerzen zu entkommen, aber wir stießen auf andere Schmerzen. Das Licht schwindet wie damals, als wir von der Schule heimkamen, oh die Verzweiflung, die Kinder kennen und sich nicht anmerken lassen! Ich hatte Angst vor dem Ende des Tages, jetzt fürchte ich den Tag selbst. Dazwischen liegen Jahre, aber die, die ich war, ist seither verschwunden.“

Es sind mehrzeilige kurze Texte, die aus Gedanken entstanden und sich teilweise aufeinander beziehen. Sie unterstehen keiner chronologischen Reihenfolge. Es könnten auch Tagebuchauszüge sein. Jedenfalls ist es zunächst leicht, sich auf sie einzulassen. Man springt gerne mit den Denkansätzen hin und her. Wir bewegen uns gedanklich zu den verschiedenen Orten, die große Bedeutung in Adnans Leben hatten. Der Geburtsort Beirut, Paris, die Bretagne, Kalifornien. Aber auch die mythischen Landschaften der Antike fehlen auf kaum einer Seite. Immer wieder taucht Delphi auf mit seinem Orakel, Prometheus, Ikarus und auch Schriftsteller wie Tolstoi und Dostojewski.

„Besser zugeben, dass wir im Lauf der Zeit immer weniger von allem wissen. Lassen wir die Dinge ihren eigenen Lauf nehmen., wann immer sie einen haben.“

Doch auch die aktuellen Themen wie Flüge in den Weltraum, die KI, die künstliche Intelligenz (die Gedichte schreiben kann), die Kriege, die Politik, das Zeitgeschehen finden Eingang in dieses Buch. Oft wird dabei auf die Ewigkeit angespielt, die Größe des Universums, die Un-Endlichkeit. Die Stille wirkt manchmal beängstigend auf die Autorin, manchmal wird sie zur großen Beruhigung. Ebenso wie der Sternenhimmel, die Natur, die Gezeiten – alles ganz unabhängig vom Menschen funktionstüchtig.

„Was kann man gegen melancholische Stimmungen tun? Ich mache mir Gedanken. Ich weiß es nicht. Sie haben mir so lange Gesellschaft geleistet, sie sind sogar mit mir gealtert. Sie brachten mich zu Flughäfen und Bahnhöfen. Ich hätte sie vermisst, wenn sie verschwunden wären, ja, wirklich; unsere Freunde sind nicht notwendigerweise menschlich. (Zu menschlich?)“

Etel Adnan kann, wie ich finde, wunderschön in Worte fassen, was eigentlich unsagbar ist. Vielleicht sogar unvorstellbar, wenn man nicht direkt der eigenen Vergänglichkeit gegenübersteht. Sie scheint durchlässig und akzeptierend noch im Wissen, dass das Dasein nur ein Lidschlag ist, gegenüber der Weltzeit. Dieses Buch ist somit, salopp ausgedrückt, ein Ratgeber im Angesicht der Sterblichkeit und gleichzeitig ein Hoch auf die Schönheit und die Reife des Alters. Und vor allem ist es ein Gedankenbuch einer klugen, ich möchte sogar sagen, weisen Frau, die es versteht, mit feinster Sprache, mit Wort und Bild zu gestalten. Ein Leuchten!

Das Buch erschien in der Edition Nautilus. Die Übersetzerin Klaudia Ruschkowski, die Etel Adnan gut kannte, hat ein aufschlussreiches Vorwort dazu geschrieben. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Bereits hier auf dem Blog besprochen:

Eckhart Nickel: Spitzweg Hörbuch speak low



„Wie etwas gemeint ist, darüber haben sich auch die klügsten Geister schon immer den Kopf zerbrochen. Jedes Mal, wenn ich einem Streit beiwohne, habe ich den Eindruck, das alles Übel dieser Welt daher rührt, dass Menschen verschiedener Meinung sind.“

Wie habe ich als Teenager die Bilder von Carl Spitzweg geliebt, allen voran „Der arme Poet“ (nicht ahnend dass ich selbst einmal ähnlich arm poetisch unterm Dach sitze – Haha!). Ich glaube mit ihnen hat meine Freude an Kunst begonnen. Da wurde ich natürlich sofort aufmerksam auf den Roman von Eckhart Nickel. Auf dessen Cover ist allerdings „Der Hagestolz“ abgebildet. Das ist ein geschickter Schachzug, denn tatsächlich geht es ganz am Schluss des Romans dann in einem fabelhaften Showdown um ein anderes Werk des Malers der Spätromantik.

Welch ein kluges, witziges, sprachfertiges, anspruchsvolles Buch! Coming of Age-Geschichten sind sonst so gar nicht mein Ding, aber hier ist es Nickel wirklich gelungen mich zu begeistern. Vielleicht auch, weil ich mir selbst so einen gebildeten kunstbegeisterten Freund in meiner Jugend gewünscht hätte, wie es Carl im Roman für den jugendlichen Helden ist. Die ausgewählten Zitate zeugen als Beispiele davon, warum mich dieser Roman so gut unterhalten hat und gleichzeitig mit seiner feinen Sprache fasziniert hat. Er wird hervorragend und absolut passend zum Inhalt und Stil interpretiert von Schauspieler Andreas Hutzel.

„Ich habe einmal gelesen, es sei die einzige Aufgabe unseres Daseins einen Mittelweg zwischen Schmerz und Langeweile zu finden. Also eine Balance herzustellen zwischen Entbehrung und Überdruss. Und dass es nur dadurch möglich sei sich einen inneren Reichtum aus Geist und Empfindungen anzulegen, der uns unabhängig mache von den Unbilden stumpfer Geselligkeit, wie sie die äußere Welt für uns bereit hält mit der geistlosen Leere der Zerstreuungssucht und der Verrohung ihrer Sinne bis zur Empfindungslosigkeit. Nur wie sieht dieser innere Reichtum aus? Wie und wo häufe ich ihn an?“

Gleich eingangs findet sich ein Beispiel, welches aufzeigt, weshalb viele Menschen schon in der Schule vom Kunstunterricht vollkommen entmutigt sind und so auch später immer sagen werden: „Ich kann nicht malen“ oder „Ich kann mit Kunst nichts anfangen“. Kunstlehrer*innen und die Notengebung sind eher oft das Problem. Auch der Umgang mit und der Blick auf Kunst wird hier geprägt. Ich hatte damals das große Glück eine wunderbare und fördernde Kunstlehrerin zu haben. Das hat mich weit getragen. Der Hauptprotagonist jedoch meint gleich eingangs, dass er mit Kunst eigentlich wenig am Hut hat, außer mit den in Zeitungen oft zu findenden Suchbildern, in denen man 10 Unterschiede zum Originalkunstwerk entdecken soll. Doch oben genannte Szene im Kunstunterricht öffnet unerwartet die Türen für neue Betrachtungsweisen und beschert dem Helden einen neuen Freund, einen wahren Kunstdurchdringer und durch ihn die Nähe zu seiner Angebeteten, einer kunstbegabten Mitschülerin. Er, der bisher darunter gelitten hat, dass er mit einer allzu normalen, langweiligen Familie geschlagen ist, zehrt nun von der Besonderheit und Eigenart seiner Freunde und wächst selbst.

„Ich hatte mir angewöhnt bei einem Spezialisten für Antiquarisches in der Altstadt zu suchen, der auch ab und zu wohlfeile Neuausgaben führte, bei denen zum Glück die Preisbindung aufgehoben war, aber der Stempel, mit dem sie quer über die Unterseite versehen waren, störte mich enorm wegen des hässlichen Wortes. Ich hatte immer das ungute Gefühl, der Umstand, dass sie als Mängelexemplar gekennzeichnet waren, färbe in Folgerichtigkeit nicht nur unweigerlich versteckt auf den Inhalt, sondern irgendwann auch auf den Leser selbst ab. Also mich.“

Dieser Carl (!) lebt wie ein junger Dandy, drückt sich gewählt aus und lädt unseren Helden in sein kleines geheimes Refugium, serviert exklusiven Tee und philosophiert und erzählt exzellent und kurzweilig über Kunst. Bald stößt auch noch Kirsten dazu, die von der Kunstlehrerin aufgrund eines Selbstporträts gedemütigt wurde. Die drei Außenseiter verstehen sich auf Anhieb und bald wächst in Carls blühender Fantasie ein Plan, wie man der Kunstlehrerin ihre Unsensibilität heimzahlen kann. Der Plan wird gleich am nächsten Tag in die Tat umgesetzt und Kirsten verschwindet. Zumindest soll es in der Schule so aussehen, tatsächlich soll sich Kirsten im Geheimzimmer von Carl verstecken.

Nun läuft nicht alles so wie geplant, aber letztendlich auch nichts verkehrt. Es gibt Überraschungen und seltsame, ja gefährliche Begegnungen und auf der Suche nach Kirsten, die dann plötzlich wirklich verschwunden ist, landen alle im Kunstmuseum. Hier kommt es (zumindest für mich, die ich jedes im Roman erwähnte Gemälde googelte) auch zu dem großen Aha-Erlebnis bezüglich eines Spitzweg-Gemäldes. Und zu einem doch sehr spannenden und einfallsreichen Countdown, der sicher die Freundschaft der drei Protagonisten aufs Schönste besiegelt.


Ich liebe diesen Roman sehr. Ich liebe seine wundervoll altmodisch geschnörkelte Sprache weitab vom Mainstream, auch inhaltlich. Kunst ist das Hauptthema, das jedoch in allen Facetten abgebildet wird und Neugier weckt. Vielseitig zeigt Nickel hier auf, in welcher Weise man mit Kunst umgehen kann, wie man über sie sprechen kann, dass sie ein großes feierliches Erlebnis wird, aber gleichzeitig nicht abgehoben wirkt. Ich bewundere diese Sprachfertigkeit. Dieser Roman hat Stil und vergisst nicht einmal den Humor, der manchen guten Romanen fehlt. Große Empfehlung! Warmes Leuchten!

„Es gibt diesen Notausgang gleich zu Beginn des 20. Jahrhunderts.“ – Schönster Satz, denn ich hätte zur Zeit manchmal auch gerne so einen rettenden Notausgang. Gemeint ist hier der im Kunstmuseum, dessen Räume nach Epochen aufgeteilt sind.

Ich danke dem Hörbuchverlag speak low für das Rezensionsexemplar. Eine Hörprobe gibt es hier. Die Daumen sind gedrückt für den Deutschen Buchpreis!

Ich habe die drei wichtigsten Gemälde aus dem Roman hier mit eingestellt. Für mich sind die Bilder eine schöne Ergänzung gewesen. Und hier gehts zum hochinteressanten Hintergrund der Geschichte:
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/anwalt-gesteht-spitzweg-diebstahl-1486243.html

Fotos gemeinfrei Wikimedia commons

Katie Kitamura: Intimitäten Hanser Verlag

Die Autorin Katie Kitamura ist für mich eine echte Entdeckung. Sie schreibt so unglaublich souverän und klug. Sie bringt brisante Themen in ihren Roman, ohne plakativ, laut und oder aufdringlich zu wirken, wie es in vielen Büchern derzeit der Fall ist. Ihre Stärke ist die Tiefe, der genaue Blick, die echte Auseinandersetzung mit Inhalten. Mir war schon bei der Leseprobe klar, dass das ein Schatz ist.

Titel und Cover mögen die Leserin vielleicht in eine andere Richtung denken lassen, aber es geht nicht vordergründig um eine Liebesbeziehung, sondern generell um die Beziehungen und Abhängigkeiten von Mensch zu Mensch. Es geht um Wahrhaftigkeit, im Kleinen wie im Großen. Und darum wie wir uns und andere mitunter selbst belügen, oft ganz unbewusst, doch manchmal mit großen Konsequenzen. Wie selbst vertraute Menschen manchmal nicht das sind, was sie scheinen. Wir wir verheimlichen oder verschweigen, zum eigenen Schutz oder dem eines anderen. Dabei geht Kitamura in die Tiefe, ihre Gedanken, bzw. die ihrer Heldin, beeindruckten mich. Großartig zum Beispiel, wie sie ihre Protagonistin während einer Ausstellungseröffnung vor einem Bild alter Meister stehen lässt und wie sie es nach eingehender Betrachtung interpretiert, als sie sieht, dass es von einer Frau gemalt ist, was damals selten war. Wie die Autorin anhand dieser kurzen Szene das Thema Feminismus weitaus besser und eindrucksvoller vermittelt, als es derzeit vielerorts laute Stimmen und Debatten vermögen, gefällt mir sehr. Überhaupt ist es ein stilles, aber umso nachdrücklicheres Buch.

Eine namenlose junge Frau verlässt New York, wo sie ihren Vater lange pflegte, während die Mutter zurück nach Singapur ging. Als sie für eine Stelle als Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag angenommen wird, ist das für sie ein großer Schritt, auch mit der Hoffnung besetzt, einen neuen Lebensort zu finden. Die Arbeit ist teils sehr schwer. Hier gibt Kitamura einen schönen Einblick in die Aufgabe einer Simultandolmetscherin, noch dazu am Gericht. Es geht um Sprache und deren Grenzen. Hier heißt es nicht nur die richtigen Worte zu finden, sondern auch den Tonfall des sprechenden Zeugen oder Angeklagten genau zu treffen, dabei aber jegliche eigene Interpretation zu unterlassen oder gar emotional zu werden. Was in Anbetracht der Verbrechen in manchen Prozessen extrem schwer ist.

„Am Gerichtshof ging es um nicht weniger als das Leid Tausender Menschen, und wenn es um Leid geht, ist Authentizität unerlässlich. Und doch war der Gerichtshof seinem Wesen nach ein Ort größter Theatralik.“

Gleichzeitig lernt sie Jana kennen, eine Kuratorin am Kunstmuseum, durch die sie wiederum Adriaan kennenlernt, mit dem sie eine Liebesbeziehung beginnt. Auf einer Vernissage lernt sie eine weitere Frau, eine Kunsthistorikerin kennen und deren Bruder, der eine alte Buchhandlung besitzt. Und wenn das banal und nach wenig Handlung klingt, so muss ich deutlich machen, dass Kitamura in diesen Begegnungen Einblicke gibt, die sehr deutlich die komplizierten Beziehungsgeflechte spiegeln und Verhalten und Geschehnisse in Bezug setzen zu uns Leserinnen selbst. Jeder kennt das, hat solche Freundschaften oder Beziehungen erlebt und/oder hinterfragt.

„Es ist erstaunlich einfach, Wahrgenommenes wieder zu vergessen, einen entsetzlichen Anblick, die Stimme, die das Unsagbare sagt – um in dieser Welt bestehen zu können, müssen wir vergessen und tun es auch, wir leben in einem Zustand des Ich weiß es, aber ich weiß es nicht.“

Als Adriaan, der noch verheiratet ist, wegen Scheidungsfragen zu seiner Frau nach Portugal fliegt, überlässt er Jana seine Wohnung, die jedoch stark die Handschrift seiner Frau trägt. Eine Woche will er bleiben, es werden viele Wochen und bald schon kommt kein Lebenszeichen mehr. Währenddessen muss die Heldin in einer Gerichtsverhandlung dolmetschen, in dem ein afrikanischer Präsident schwerer Gewalttaten gegen die Menschenrechte angeklagt wird. Als sie teils für die Verteidigung übersetzen muss, sogar persönlich im Vorfeld des Gerichtsaals, beginnt sie zu spüren, wie stark sie sich selbst zurücknehmen muss, um diese Arbeit souverän und perfekt, wie es notwendig ist, zu machen.

Letztlich gelingt es ihr und man bietet ihr sogar eine Verlängerung des Arbeitsvertrags an. Will sie hierbleiben? Nach der Enttäuschung mit Adriaan? Hier kommen nun die Begriffe Heimat und Sich-Zuhause-Fühlen ins Spiel. Die Frage an welchem Ort, wie und mit wem man leben will. Hier im Roman bleibt sie vorsichtig positiv unbeantwortet …

Katie Kitamura ist ein für mich großer Roman gelungen. Sie schaut genau hin, beobachtet und beschreibt äußerst subtil, wie Menschen sich verhalten, wenn es um Liebe, um Macht und um Gewalt geht. Ein Leuchten!

Das Buch erschien im Hanser Verlag. Übersetzt hat es Kathrin Razum. Eine Leseprobe und ein Interview mit der Autorin gibt es hier.
Eine weitere begeisterte Besprechung gibt es auf dem Blog Letteratura.

Mich hat der Roman auch erinnert an die bereits hier besprochenen Romane von Lucy Fricke und Nora Bossong:
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2022/03/29/lucy-fricke-die-diplomatin-claassen-verlag/
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2019/09/20/nora-bossong-schutzzone-suhrkamp-verlag/

Sonntags-Literatürchen

Jeden Sonntag ein Türchen zu aus verschiedenen Richtungen leuchtender Literatur. Heute wieder etwas anders als gewohnt.

Angelika Stallhofers Lyrikband ist eine Perle, ein kleines Kunstwerk in Sprache und Bild. Ich mag ja diese Kombinationen aus Gedichten und Bild oder Collage sehr. Hier zog mich das Cover magisch an, diese blaue Tiefe betont durch die pinken Durchbrüche, aber auch der wunderschöne Titel. Die Collage/Malarbeiten, die sich ins Innen des Buches erweitern sind von Andrea Zámbori. Die Schriftstellerin und Lyrikerin Angelika Stallhofer hat ein unglaubliches Geschick in der Kürze ihrer Gedichte unglaublich viel zum Ausdruck zu bringen. Ich bewundere das. Das kürzeste zählt gerade mal 2 Zeilen und keines ist länger als eine Seite. Doch sie sprechen Bände in all ihrer Zartheit, stellenweise auch direkt und ungeschönt. Hier werden große Fragen der Herkunft verhandelt oder die eines Vogelgesangs. Im Kleinen das Große und umgekehrt. Große Empfehlung!

Stille Kometen“ erschien im Verlag Edition ch.

#weiterschreiben Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt Ullstein Verlag

Inzwischen hat sich dieses bereits am 16.1.19 hier auf dem Blog vorgestellte Projekt ein großes Stück erweitert und feiert gerade 5-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass gibt es noch einmal den Beitrag zum Buch und den Hinweis auf das Hörbuch, welches gerade erschienen ist: Dabei sind Autoren, die von Anfang an dabei waren, wie auch ganz viele neue. Siehe unten.

Hörbuch: Weiter Schreiben – (W)Ortwechseln

Ein wirklich tolles Projekt haben sich die Autorinnen Annika Reich und Lina Muzur ausgedacht und in die Tat umgesetzt. Es begann mit der Idee eine Möglichkeit zu finden für Autorinnen und Autoren aus Krisengebieten und/oder im Exil weiter zu schreiben und auch weiter gelesen zu werden. Daraus entstand im Netz eine Website und nun die gedruckte Anthologie.

Das Buch ist innen viel schöner geworden als das Cover verspricht. Ich bin ziemlich begeistert, dass im Buch nicht nur Texte, sondern auch Kunst, bunt sich ausbreitend, enthalten ist. Es ist auch das, was ich zuerst ansehe. Ich bin mit Bildern vertraut, ich nehme vieles wahr, was dahinter steht. Es sind Fotos, Mixed Media-Arbeiten, Malerei und Tusche, die ich selbst als Material so liebe. Ich gehe mit diesem Buch anders um, lese nicht von vorne nach hinten durch, sondern blättere, lese, blättere, schaue.

Deutschsprachige Autorinnen und Autoren trafen sich, real oder über den Bildschirm, um über ihr Schreiben zu sprechen, zu übersetzen oder einfach der Welt des/der anderen zu begegnen. Ob Annett Gröschner mit Lyrikerin Widad Nabi in die Geschichte ihrer Heimathäuser eintaucht, ob Saša Stanišić über ein Lachen von Salma Salem erleichtert ist oder ob der Journalist und Dichter Ramy Al-Asheq überrascht ist, als die Lyrikerin Monika Rinck, bei ihrem Treffen sofort beginnt sein Gedicht zu übersetzen, alle haben einen stimmigen Umgang miteinander gefunden, alle haben sie mich getroffen, nah am Herzen.

Ich werde nicht viel mehr über das Buch schreiben. Das entscheide ich gerade beim Blättern. Ich werde kurz aufzeigen, was es für mich so wertvoll macht, stärker, als ich vorher dachte. Es erzählt von Menschen, die das tun, was ich auch tue, Schreiben, trotz aller Widrigkeiten, innerer und äußerer. Ob im Innen Krieg herrscht oder im Außen – Schreiben bleibt.

Auszug aus dem Gedicht „Briefe an 14 Gazellen“ von Widad Nabi

„Nachts werde ich alt
heimlich vor der Zeit,
ohne dass mich jemand sieht.
Ich werde hundert Jahre alt.
Die Traurigkeit, die unter meiner Haut wächst,
wird zum Gedicht,
und ich bleibe, wie ich bin,
eine kleine Gazelle im Spiegel der Quelle.

Auszug aus „Das Herz eines Wolfes kochen“ von Rabab Haidar

„Wölfe werden immer nur mit Männern in Verbindung gebracht: Männer essen ihre Herzen und die Wölfe essen ihre. Wölfe werden Männer und verwandeln Männer in Wölfe.
Frauen hingegen werden mit Schlangen, Skorpionen, Eulen, Mäusen, Katzen oder Kaninchen assoziert. Mit Wölfen nicht.
Wie soll ich nur von mir erzählen?“

Auszug aus dem Gedicht „Den Dichtern folgt die Traurigkeit“ von Ramy Al-Asheq 

„Den Dichtern
folgt nur die Traurigkeit

Sie erwacht wie ein Funke an Fingerspitzen
und schläft ein
wischt man eine Träne
fort
mit den Fingerspitzen

Geboren wird sie
unbefleckt
bevor die Sprache sie überfällt
und benennt

Sie tritt ein mit dem Wind
und fährt aus mit der Seele“

Ich lege dieses Buch allen sehr ans Herz. Es ist eine Schatztruhe, eine Wunderlampe, ein Leuchten!

Das Buch erschien im Ullstein Verlag. Alle Beteiligten hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen, sie sind aber im Buch und auf der Verlagsseite zu finden, wo es auch eine Leseprobe gibt. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Der Beitrag erschien zum ersten Mal am 16.1.19.

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer S. Fischer Verlag

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Ich bin großer Fan von  Reinhard Kaiser-Mühleckers Büchern. (Und nach dem letzten etwas schwächeren auch wieder sehr beeindruckt) Sie sind so wunderbar un-zeitgeistig und nicht-mainstream, die Sprache eher altmodisch, dabei aber keineswegs altbacken. Gerade für Stadtmenschen, Home-Office-Arbeitende und Intellektuelle bieten sie einen ungeschönten Einblick in bäuerliche, dörfliche Strukturen und die harte Arbeit in der Landwirtschaft. Einen wichtigen Blick über den Tellerrand hinaus.

Mich hat Kaiser-Mühlecker wieder in eine Zeit versetzt, in der ich selbst auf dem Land lebte und einige der traditionellen dörflichen Strukturen, die beispielsweise auch auf dem Bauernhof von Jakob, der Hauptfigur, herrschen, miterlebt habe. Tatsächlich scheint der Roman fast direkt an seinen Roman „Dunkle Seele, tiefer Wald“ (Link dazu unten) anzuschließen. Wir begegnen dem gleichen Personal. Jakob führt den Bauernhof der Eltern schon seit er 15 ist, der Vater ein Träumer und Tunichtgut, der Bruder inzwischen verheiratet in Wien lebend und die Schwester Luisa, die ihr Leben auch nicht so recht auf die Reihe bekommt, zumindest aus Jakobs Sicht. Der Roman „Wilderer“ beginnt gleich auf der ersten Seite mit einer Russisch Roulette-Szene …

Inzwischen in den Zwanzigern ist Jakob immer noch ein Einzelgänger, der wenig Kontakt im Dorf hat und wenn dann nur aus beruflichen Gründen. Bisher mit einigen Projekten gescheitert, scheint sich die Freilandhühnerhaltung nun endlich auszuzahlen. Gleich eingangs kommt es zu einer Unbehagen verursachenden Szene, in der Jakob seinen eigenen Hund vergiftet, weil dieser wildert und nicht mehr auf seine Befehle hört (was auch den Buchtitel erklärt).

„Tat er jemals nichts? […] Doch da im Radio redeten sie ja nicht davon, sondern von irgendwas mit Kreativität und so Zeug, das er – Leute wie er, die im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot verdienten, für die die Gesellschaft seit jeher nur Spott und seit einer Weile auch noch Kritik übrig hatte, weil sie angeblich die Natur zerstörten oder das Klima oder was – sich nicht leisten konnte.“

Als er durch eine Nebentätigkeit in der Dorfschule die Künstlerin Katja kennenlernt, die ein Aufenthaltsstipendium im Ort hat, ist sie ehrlich interessiert an ihm und seiner Arbeit in der Landwirtschaft. Als er ihr schließlich den Hof zeigt, beschließen beide, dass sie ein Praktikum von vierzehn Tagen bei ihm machen kann. Die Arbeit scheint ihr wider Jakobs Erwarten gut zu gefallen und auch gut zu gelingen. Sie verlängern die Zeit und Katja bringt sofort eigene Vorschläge und Ideen zur Verbesserung mit ein. Sie gibt ihre künstlerische Tätigkeit ganz auf und zieht auf den Hof. Aus beiden wird schließlich ein Paar. Die treibende Kraft geht in fast allem von Katja aus. So auch die Idee, die Landwirtschaft vollkommen auf biologischen Anbau und Tierhaltung umzustellen. Jakob bleibt in allem, zumindest in meinem Gefühl als Leserin, sehr distanziert, mitunter kühl. Gefühle, Emotionen scheinen im äußerst fremd zu sein, Gespräche führen außerhalb des Kontexts der Arbeit kaum möglich. Selbst wenn gute Dinge passieren – ein gutes Ernteergebnis, ein schöner Abend mit Katja oder sogar die Geburt des Sohnes – scheint er es einfach als gegeben hinzunehmen.

Der Hof entwickelt sich sehr gut, Katja bleibt nach der Geburt des Kindes weiter gut eingebunden, kann sich später sogar über ein Kunst-Aufenthalts-Stipendium freuen. Der Leser vermutet richtig, wenn er darin erkennt, dass Katja durchaus weiter als Künstlerin arbeiten will, sozusagen einen Plan B im Hinterkopf hat.  So, als würde sie sich Jakobs nie sicher sein. Was letztlich auch stimmt …

Katja bereitet ein großes Fest vor, weil der Hof aufgrund seiner Innovationen geehrt werden soll, viele Gäste sind da, das regionale Fernsehen berichtet. Alles könnte gut sein. Doch als der neue Hund, der lange in der Familie von Jakobs Bruder gelebt hat, wie der Vorgänger zu wildern beginnt, scheint in Jakob etwas ausgelöst zu werden, etwas Böses, Ungehaltenes, vielleicht lange Angestautes, durch Kleinigkeiten (die wir Leser durchaus wahrnehmen) Geschürtes, das sich nun Bahn bricht … Klingt in meinen Worten pathetischer als es ist, dazu schreibt und konstruiert Kaiser-Mühlecker viel zu gut.

„Vor langer Zeit, am Ende der Kindheit, mit zwölf oder dreizehn, war etwas über ihn gekommen, das ihn nie mehr verlassen hatte seither, das Gefühl, aus dem Dasein verbannt worden zu sein, aber nicht ins Jenseits oder ins Nichts, sondern wie in ein Abseits, in dem er aber nicht wirklich weiterleben durfte. Am Fenster des Daseins: Dort saß er und wartete. So hatte er sich da auf einmal gefühlt, ausgestoßen … Ein Schatten hatte sich damals über ihn gelegt, von dem er nach bald zehn Jahren längst nicht mehr annahm, er werde je wieder weichen.“

Generell liegt über dem Roman eine verschwimmende Düsternis, so als wäre die Hauptfigur nicht fähig, das Licht zu sehen. Melancholisch bis todessehnsüchtig (bedenkt man die erste Szene), aber auch auf eine Weise gleichgültig ob aller möglichen bewegenden Geschehnisse. Ein irgendwie geheimnisvoller, aber eben auch un(be)greifbarer Held. Für diesen neuen Roman: Ein Leuchten!

Der Roman erschien im S. Fischer Verlag und stand im Monat Mai auf Platz 1 der SWR-Bestenliste. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar. 

Eine weitere Besprechung gibt es auf dem Blog Letteratura.

Weitere Besprechungen zu Büchern von Reinhard Kaiser-Mühlecker hier auf dem Blog:

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald S.Fischer Verlag

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Zeichnungen S. Fischer Verlag

Jon Fosse: Ich ist ein anderer Rowohlt Verlag

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„Je est un autre.“ Arthur Rimbaud

Der zweite Band „Ich ist ein anderer“ (nach obigem Zitat von Rimbaud) von Jon Fosses Heptalogie schließt nahtlos an Der andere Name an, genau wie die Coverbilder (siehe oben). Als großer Fosse-Fan habe ich schon darauf gewartet und wurde natürlich nicht enttäuscht. Fosses unverwechselbare Sprache klingt für mich immer wie Poesie und führt mich in eine ganz andere Welt.

Das Buch beginnt mit genau den gleichen Zeilen, wie der erste Band und endet auch wie dieser: mit einem Gebet. Überhaupt spielt die Religiosität, der Glaube an Gott, wieder eine große, vielleicht sogar eine noch größere Rolle als in Band I. Es gibt fast keine Satzzeichen. Die Geschichte liest sich wie ein einziger großer Bewusstseinsstrom und wird geprägt von den in einander übergehenden fließenden Zeitsprüngen. 
Wir begegnen wieder Asle, dem Maler, der in einem alten Bauernhaus auf dem Land mit Blick auf einen Fjord lebt. An diesem Wintertag schläft er besonders lang, denn er hat einen anstrengenden Tag in der Stadt Bergen verbracht (Fosse nennt sie Bjorgvin nach dem alten Namen). Auch sein kleiner Hund Brage schläft lang und beide wollen nicht in die winterkalte Küche, um Kaffee zu kochen. 

Bis der Nachbar in der Tür steht, mit dem er ein freundschaftliches Verhältnis hat. Es ist die Adventszeit und er will wie üblich ein Gemälde als Geschenk für seine Schwester aussuchen. Asle steht auf und er entschließt sich noch am selben Tag erneut nach Bjorgvin zu fahren, um seine fertigen Bilder in die Galerie Beyer zu bringen für die jährlich vor Weihnachten stattfindende Ausstellung. Während der langen Fahrt auf der schneeglatten Straße beginnt Asle sich zu erinnern. Er denkt an den Jungen, der er einmal war, der mit seiner Mutter nicht zurechtkam. An die Teenagerzeit, als er sich von seinem naturgetreuen Zeichnen trennt und Bilder malt, die keiner versteht, die eben nicht „schön“ sind. Es sind innere Bilder, die sich ihm aufdrängen und gemalt werden müssen, denn sonst wird der Kopf immer voller und wirrer. Oft spielt Erlebtes eine Rolle, wie etwa der tragische frühe Tod der kleinen Schwester.

“ …und jetzt, denkt er, will er keine Bilder nach Fotos malen, von Haus und Hof, ja jetzt will er die Bilder wegmalen, die in seinem Kopf sind, aber er will sie nicht so malen, wie er sie sieht in seinem Kopf drin, denn etwas wie ein Leiden, wie ein Schmerz knüpft sich an jedes einzelne Bild, denkt er, aber auch eine Art Frieden, ja auch das, …“

Er wechselt auf das Gymnasium im nächstgrößeren Ort, um später die Kunsthochschule besuchen zu können. Vorher stellt er seine Bilder im örtlichen Jugendklub aus und hat großes Glück, dass ihn sein späterer Galerist dort auf der Durchreise entdeckt und ihm einige Bilder abkauft. Asle ist sehr froh darüber, so früh von zu Hause ausziehen zu können. Doch der Unterricht ist nichts für ihn. Ängste verfolgen ihn. Durch einen befreundeten Maler (Asle, sein Alter Ego) erfährt er von der Möglichkeit als besonders Begabter sofort auf der Kunstschule aufgenommen zu werden. Tatsächlich gelingt es ihm. Als er sich in Bjorgvin ein Zimmer ansehen will, trifft er in einem Café auf Ales, die ihn in ihren Blick bannt, ihn schließlich selbstbewusst anspricht und beide stellen fest, dass sie wohl gemeinsam zur Kunsthochschule gehen werden …

Ales kennen wir bereits aus dem ersten Band. Sie ist Asles Frau, die gestorben ist und um die er immer noch trauert, wenngleich er noch immer eine ganz besondere Verbindung zu ihr hat. Oft scheint sie neben ihm im Sessel zu sitzen, wenn er an seinem angestammten Platz über den Fjord schaut oder den Rosenkranz nimmt, um zu beten. Die Nähe zu Gott und das Beten hat sie ihm nahe gebracht. Er, der lange Zeit dem Alkohol verfallen war, hat durch sie und den Glauben geschafft davon los zu kommen.

“ … und ein Bild muss geschehen, es muss von selber kommen, wie ein Geschehnis, wie ein Geschenk, ja ein gutes Bild ist ein Geschenk, oder eine Art Gebet, es ist sowohl Geschenk als auch ein Dankgebet, denke ich und ich hätte nie willentlich ein gutes Bild zustande bringen können, denn Kunst geschieht, Kunst ereignet sich, so ist es einfach, …“

Was neu ist, sind die Gedanken, die immer wieder aufkommen: Asle mag nicht mehr malen. Es scheint, als hätte er alles aus sich herausgemalt, was zu malen war. Noch sind diese Gedanken selten, nehmen jedoch immer mehr Raum ein. Vielleicht hat er das Alter erreicht, um damit aufzuhören? Doch was kommt dann?

Und immer wieder die besondere Sprache, dieser typische Fosse-Sound. Die ewigen Wiederholungen, litaneihaft, besonders in den wenigen Gesprächen die der Held führt. Wiederholen und bestätigen gegen die Wortkargheit. Gespräche fallen ihm schwer. Dafür erleben wir die reichen inneren Selbstgespräche, die Gedankenwelt, die Art an Dinge, etwa an das Malen, heran zu gehen, die vielleicht auch von der abgeschiedenen Lebensart herrühren, die der Held jedoch um keinen Preis aufgeben würde. Und ich kann ihn gut verstehen …
Fosses Buch zeugt wieder von einer tiefen Spiritualität und von der Hingabe an die Kunst, die vielleicht nur auf diese Weise entstehen kann: der Maler (oder die Künstlerin, Autorin) als Medium. Ein Leuchten!

Der Roman erschien im Rowohlt Verlag und wurde wieder vom großen Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel aus dem Norwegischen übertragen. Eine Leseprobe gibt es hier. Das Buch ist auch unabhängig vom ersten Teil gut lesbar. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein interessantes Interview mit dem Autor gibt es in de FAZ.

Weitere Bücher von Jon Fosse, die ich hier auf dem Blog besprochen habe: