Minka Pradelski: Es wird wieder Tag Frankfurter Verlagsanstalt

Minka Pradelskis Roman „Es wird wieder Tag“ zeugt einmal mehr von der schrecklichen Grausamkeit in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Die Idee zu diesem Roman kam der Autorin, die für die USC Shoa Foundation arbeitet, bei berührenden Begegnungen mit Überlebenden. So erzählt die Autorin von ihrer Hauptfigur Klara, die sich an ihre Zeit in den Lagern erinnert, aber auch von den folgenden Bedingungen als „Überlebende“.

Die Geschichte beginnt allerdings 1946 in Frankfurt am Main mit der Geburt von Klaras Sohn Bärel, der diesen ersten Teil des Romans mit neunmalkluger Baby/Kleinkindstimme auch selbst erzählt. Er selbst erlebt im „Sportwagen“ sitzend die schlimme Begegnung der Mutter mit einer ihrer Peinigerinnen im Arbeitslager.

Vollkommen retraumatisiert ist Klara nach dieser Begegnung kaum mehr fähig sich um den Sohn zu kümmern und verfällt in eine tiefe Depression. Ihr Ehemann fordert sie schließlich auf, nachdem andere Möglichkeiten nicht halfen: Schreib es aus dir heraus! Erzähle es im Schreiben! Und das tut Klara schließlich und wir lesen mit. So ist das zweite Kapitel dann auch aus der Sicht von Klara erzählt.

So erfahren wir von „Liliput“, der KZ-Oberaufseherin in einem polnischen Lager, in der Klara als Zwangsarbeiterin lebte, nachdem sie Auschwitz entrinnen konnte, weil sie gesund genug aussah, um arbeiten zu können. In diesem Lager erlebt sie Unbegreifliches, aber auch die Solidarität italienischer Strafgefangener und schließlich dann auch die Befreiung durch die Rote Armee.
Sie schreibt auch über die Umstände ihrer Flucht als junges Mädchen, die die Eltern ermöglichten, um sie zu schützen, die sie jedoch in neue ungute Abhängigkeiten bringt. Sie bekommt Hilfe, wird aber ebenfalls ausgenutzt und hinters Licht geführt und lebt mehr und mehr in Angst. Letztlich kann sie ihre Identität nicht länger verschleiern und wird als Jüdin identifiziert. Diese Szenen sind die eindringlichsten im Buch.

Im Kapitel, das aus der Sicht von Klaras Ehemann erzählt wird, den sie selbst zunächst nur beim Nachnamen nennt, so fremd bleibt er ihr, zeigt sich auch wieder das, was das große Thema dieser Zeit war, die Verdrängung des Erlebten, das Fernhalten der Grausamkeiten, der unbedingte Wunsch und das Streben nach dem besseren Leben. Von Leon Bromberger erfahren wir nur über die Zeit nach dem Krieg. Er lässt Gefühle nicht zu, obwohl auch er seine gesamte Familie verlor, schirmt sich ab und stürzt sich in das neue Leben, was bei ihm soviel heißt wie, Geld verdienen, reich werden, Familie gründen und versorgen. Nie mehr in Lumpen, nie mehr hungern. Erst Klaras Krankheit nach der Begegnung mit Liliput, lässt ihn sich etwas öffnen, weicher werden, Gefühle Klara gegenüber empfinden.

Die Geschichte zeigt auch, wie es war „Überlebende/r“ zu sein im Nachkriegsdeutschland. Wie es war im amerikanischen Lager für Displaced Persons und welche Zukunft überhaupt möglich war. Dass das Zurückblicken anhand des großen Leids und Verlusts kaum möglich war, macht die Autorin anhand ihrer Hauptfiguren deutlich klar. Sie erzählt ihre Geschichte in einfacher Sprache. Den etwas künstlich wirkenden Erzählstrang aus Sicht des Neugeborenen fand ich eher anstrengend zu lesen. Möglicherweise hat er aber hohen Symbolgehalt, da Bärel, das erste jüdische Kind in der Frankfurter Klinik ist, das nach dem Krieg geboren wurde.

Minka Pradelski, 1947 selbst in einem Lager für Displaced Persons in Deutschland geboren, ist Tochter von Überlebenden des Holocaust. Ihr Roman erschien in der Frankfurter Verlagsanstalt. Ein Interview mit der Autorin gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Bücher gegen das Vergessen – Zum 75. Gedenktag der Befreiung von Auschwitz und zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

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„Sofern es überhaupt ein „Bewältigen“ der Vergangenheit gibt, besteht es in dem Nacherzählen dessen, was sich ereignet hat.“

Hannah Arendt

Viel habe ich gelesen darüber. Immer schon. Viel über Menschen, die der Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Und jedes Mal diese Unfassbarkeit. Immer war es schwer und trotzdem wichtig, vor allem wichtig, diese Texte weiter zu reichen, davon zu erzählen, auf das sie präsent bleiben. Hier eine kleine Auswahl:

Sehr besonders empfand ich da zum Beispiel, wie Zoni Weisz über seine verfolgte Familie und sein Überleben und Weiterleben erzählt. Nicht nur Juden wurden verfolgt und ermordet, auch Sinti und Roma, sowie sogenanntes „unwertes“ Leben, Menschen mit Behinderungen und psychischen Krankheiten – ein Schicksal beschreibt Barbara Zoeke in „Die Stunde der Spezialisten“ – Künstler, wie Felix Nussbaum und seine Frau Felka Platek oder die junge Charlotte Salomon, Kunstschülerin, die aus Berlin flieht, und alle Menschen, die sich auflehnten und im Widerstand mitwirkten – Valentine Goby erzählt von einem solchen Schicksal im Frauenlager Ravensbrück – oder Hilfe bei der Flucht leisteten.

Einer der auch sprachlich beeindruckendsten Romane über einen Überlebenden eines Speziallagers in Auschwitz ist Kanada“ von Juan Gómez Bárcena. Und eine aktuelle Perspektive auf Auschwitz zeigt der israelische Autor Yishai Sarid in seinem Roman „Monster“, der von einem israelischen Touristen-Guide handelt, der für die Gedenkstätte Yad Vashem arbeitet.

Zu den Einzelbesprechungen der Bücher und Hörbücher kommt man durch Klick auf das jeweilige Foto oben.

 

Juan Gómez Bárcena: Kanada Secession Verlag

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Es ist ein Roman, zu dem sich kaum Worte finden lassen. Atemlos, gebannt, fast an einem Stück habe ich ihn gelesen. Und jetzt Sprachlosigkeit infolge des Raums und der Sprachlandschaft dieses Romans, der Fülle und zugleich der Leere …

Juan Gómez Bárcena war eine Empfehlung Alexander Weidels vom Secession Verlag für Literatur. Ohne ihn hätte ich das Buch vermutlich nicht gelesen. Im Wust der Bücherfluten wäre er untergegangen. Ich bin froh, dass das nicht passiert ist. Mir wäre etwas entgangen, was für mich unvergleichlich gute Literatur ausmacht. Trotzdem oder gerade deshalb fällt es mir schwer über den Roman zu schreiben. Ich weiß jetzt schon, dass ich das nicht zu fassen kriege, was er transportiert in all seiner Bildhaftigkeit und was vermutlich bei jedem/jeder Leser/in ganz anders ankommt. Und ich weiß, dass es anderen bei der Lektüre ähnlich ging.

Gleich vorweg: Stefan vom Blog Poesierausch hat eine Rezension über „Kanada“ geschrieben, die kaum etwas über den Inhalt verrät. Wer also nicht gespoilert werden will, der lese auf Poesierausch. Ansonsten ist hier meine Besprechung:

„Kanada ist eine Empfindung, ein Schütteln, ein Schlag, den man nicht verstehen kann und der aus diesem Grund niemals verschwindet, während dein Leben vor dem Krieg nur ein Konzept ist, eine Idee, die sich auflöst, sobald man sie erklärt.“

Zunächst klingt der Titel ganz harmlos. Kanada. Doch dann spielt der Roman in Ungarn. Und erst auf Seite 124, zumindest ich wusste es vorher nicht, erfahre ich von den Erlebnissen des Protagonisten in „Kanada“. Gemeint ist nicht das Land in Übersee. Furchtbare traumatisierende Erfahrungen macht dieser Mann und kann nicht wieder in sein Leben zurück, weil er eigentlich nicht mehr lebensfähig ist. Was er durchgemacht hat, versteht niemand. Auch nicht der „nette“ Nachbar, der sich in der Zeit seiner Abwesenheit um das Haus gekümmert hat. Trotzdem wurde es geplündert. Dem/r Lesenden wird klar, warum. Die Stadt ist von den Bomben des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört. Der Mann verkriecht sich im Haus. Anfangs glaubt der Nachbar, der ihm regelmäßig Essen bringt, dass er bald wieder anfangen wird zu arbeiten. Versucht zu vermitteln. Doch nach dem Krieg haben die Kommunisten das Land übernommen. Mit einer Arbeit wird es nichts. Der Mann zieht sich in sein ehemaliges Büro im Haus zurück und verlässt es nicht mehr, zieht sich immer mehr in sich zurück. Man erfährt, dass er ein Zahlengenie ist, dass er einmal Dozent war, ein versierter Astrophysiker. Dass er das Lager nur überlebt hat, weil er diese Begabung hat. Doch auch jetzt in der Freiheit kann er nur weiter dahinvegetieren, mehr Tier als Mensch. Der Nachbar quartiert im restlichen Haus Mieter ein und verdient Geld damit. Jahre vergehen. Das Kind der Nachbarin wird vom Säugling zum Schukind. Wie viele Jahre wirklich vergehen, erfährt man erst, als es plötzlich Straßenkämpfe gibt, sowjetische Panzer durch die Stadt rollen. Es ist also der Ungarnaufstand 1956, als sich das Land gegen die Besatzungsmacht, die Sowjetunion auflehnt.

„Der Schuld lässt sich auf die ein oder andere Weise trotzen. Unschuldig zu sein, ist dagegen ein Gewicht, das dich zerquetscht. Unschuld stellt die ganze Welt bloß. Wenn es möglich ist, die härtesten Strafen grundlos zu erleiden, dann wird die  Wirklichkeit schuldig und verliert ihren Sinn –“

Der gebrochene Mann – nur ein einziges Mal erfährt man seinen Namen, János Kövári – nimmt kaum noch etwas außerhalb war, er fantasiert in Wahnvorstellungen, absurden Träumen oder sind es Retraumatisierungen? Erst am Schluss, als alles rückwärts läuft, scheint vollkommene Klarheit in den Mann zurückzukehren. Es ist wie ein Abspann. Er sieht sich und seine Familie unversehrt aus dem Zug aussteigen und ins Haus zurückkehren mit allen Koffern und sieht aus dem Fenster, wie der Nachbar den Schergen den Weg zu seinem Haus weist …

Die Entpersonalisierung oder Abspaltung wirkt besonders stark durch die Erzählform aus der Du-Perspektive. Und auch deshalb kommt mir die Geschichte besonders nah. Und tut weh. „Kanada“ ist ein Roman, der schmerzt, schmerzen muss, weil Literatur mitunter so sein muss. Große Literatur ist für mich keine, die unterhaltsam ist, sondern eine, die mich auch an meine Grenzen bringen darf. Das tut Bárcena mit diesem unfassbaren Buch. Und gerade deshalb leuchtet dieser Roman in all seinen Schrecken und seiner Düsternis.

Der Roman des 1984 in Spanien geborenen Juan Gómez Bárcena erschien im Secession Verlag für Literatur. Genial übersetzt wurde es von Steven Uhly. Er ist wie immer fein ausgestattet und fadengeheftet. Papiersorte und Schriftart kann man im Impressum nachlesen. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Felix Jackson: Berlin, April 1933 Weidle Verlag

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Vor einiger Zeit gab es meinen Beitrag zu Boschwitz „Der Reisende“. Ein gewichtiges Buch mit einer unglaublichen Entstehungs- und Wiederentdeckungsgeschichte. Das nun besprochene Buch erinnerte mich stark an obiges. Es hat viele inhaltliche Parallelen und es entstand unter ähnlich herausfordernden Bedingungen. In beiden Büchern geht es um die Unfassbarkeit des aufkommenden Nationalsozialismus mit all seinen Schrecken. Der deutsche Autor Felix Joachimson, später Jackson, emigrierte über Österreich und Ungarn in die USA und sprach nie wieder Deutsch. Sein Roman erschien 1980 erstmals auf Englisch und erst kurz vor seinem Tod stimmte er einer deutschen Ausgabe zu. Er ist in Tagebuchform verfasst.

Hauptfigur ist der Rechtsanwalt Hans Bauer, der nach einigen Monaten Kur in der Schweiz im April 1933 nach Berlin und in die Gemeinschaftskanzlei zurückkehrt. Inzwischen hat sich einiges verändert. Er beobachtet den alltäglichen Wahnsinn mit zunehmender Befremdung. Alle nicht-arischen Anwälte müssen ihre Tätigkeit niederlegen. So ergeht es dem Kollegen und Sozius von Bauer, der sich schließlich sogar das Leben nimmt. Er selbst entdeckt mit Entsetzen, dass er eine jüdische Großmutter hat. Der Geliebte einer Freundin, ein hoher Offizier der SS, hilft zunächst, diese Daten zu vertuschen. Doch wie man als Leser sofort erkennt und Bauer warnen möchte, nicht ohne Gegenleistungen. So muss als neuer Sozius, ein andienernder Nationalsozialist aufgenommen werden. So soll Bauer große Geldsummen leisten und schließlich ein befreundetes Künstlerpaar verraten. Keiner vertraut mehr dem anderen, jeder kann zum Verräter werden …

„Der Geruch brennenden Fleisches war noch immer in meiner Nase. Ich wollte mich übergeben, konnte jedoch den Mund nicht öffnen. Ich holte mein Taschentuch heraus und wischte mir das Gesicht ab. Als ich es in die Tasche zurücksteckte, war es naß. Ich hatte nicht bemerkt, daß ich weinte.“

Jackson hat einen Nerv für die Atmosphäre dieser Zeit. Gerade auch über die extrem heftige, immer mehr kippende Gefühlswelt des Hauptprotagonisten weiß er ergreifend zu erzählen. In teilweise atemlosen Abfolgen von sehr dichten Szenen, gerade auch in den Dialogen, zeigt der Autor seine Kunst.

Dass es bereits 1933 so schlimm war und es schon das KZ Oranienburg nahe Berlin gab, in dem im Roman eine junge Frau auf barbarische Weise gefoltert wird, damit sie den Namen eines befreundeten Kommunisten verrät, ist unfassbar. So wurde auch von außen sofort erkennbar, wer nicht hinter der Partei und dem Führer stand, wenn eben einer das „Heil- Hitler“ als Gruß verweigerte. So verrieten schon gedrillte Kinder unter dem Zeichen des Führers ihre eigenen Eltern. Jeder durchforstete angstvoll seine Herkunft. Niemand war mehr sicher.

Das Buch aus dem Weidle Verlag ist wieder von Friedrich Forssman bemerkenswert schön gestaltet und hat ein informatives Nachwort von Verleger Stefan Weidle, der den Roman auch übersetzt hat. Mehr über das Buch und eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Valentine Goby: Kinderzimmer ebersbach & simon

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In Ravensbrück stehen nur noch drei Baracken, was bleibt davon, wenn es keine Bücher darüber gibt?“

So die Französin Valentine Goby in einem Interview zu ihrem Roman „Kinderzimmer“, der bereits 2013 in Frankreich erschien. Sie hat dafür kürzlich den Annalise-Wagner- Preis 2017 erhalten. Deshalb erst wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Dass das Thema, das Goby hier bearbeitet kein leichtes ist, war mir klar, aber das es so schwer erträglich wird, hätte ich nicht gedacht.

Goby hat viel recherchiert, die Berichte überlebender Frauen des Frauen-KZ Ravensbrück gesammelt und einen Roman daraus gemacht. Es ist ein sehr sehr gutes Buch geworden. Mit größtem Respekt und sehr viel Feingefühl erzählt sie die Geschichte der Französin Suzanne Langlois mit Decknamen Mila, die in der Resistance tätig war, verraten wurde und 1944 zur Zwangsarbeit nach Deutschland ins Frauenlager Ravensbrück deportiert wurde. Die Zwanzigjährige ist schwanger. Doch das verrät sie bei ihrer Ankunft zunächst niemandem, auch den KZ-Arzt kann sie täuschen. Aufgrund der Mangelernährung sieht man ihr die Schwangerschaft bis zur Geburt nicht an. Sie vertraut sich nur zwei Frauen an, die zu engen Freundinnen werden. Ohne die Polin Teresa, hätte sie wahrscheinlich nicht überlebt:

„Leben heißt aufstehen, sagt sie, heißt essen, sich waschen, den Napf waschen, tun was dich erhält, und dann das Fehlende beweinen, es an dein eigenes Dasein heften. […] Leben heißt dem Tod nicht vorgreifen, in Ravensbrück und überall. Nicht vor dem Tod sterben, sich auf den Beinen halten in dem winzigen Intervall zwischen Tag und Nacht.“

Unter den unsäglichsten Umständen leben die Frauen dort. An einem solchen Ort schwanger zu sein, ist eigentlich unerträglich. Als ihr Sohn dann geboren wird, bringt man ihn in das sogenannte „Kinderzimmer“, in dem alle Säuglinge von einer einzigen Schwester betreut werden. Täglich sterben dort Neugeborene an Mangelernährung und Verwahrlosung. Mila selbst arbeitet als Näherin, sieht ihr Kind nur zum Stillen. Als auch ihr Sohn stirbt, übernimmt sie, sozusagen im geheimen Austausch, die Verantwortung für einen Neugeborenen, dessen Mutter starb.

Immer wieder keimt die Hoffnung, der Krieg möge zu Ende sein, die Befreier mögen kommen. Als sie mit einigen anderen Frauen auf einen Bauernhof zur Zwangsarbeit geschickt wird, ist das fast schon die Befreiung. Kurz darauf ist der Krieg tatsächlich beendet, sie werden fortgeschickt und versuchen sich schwach und ewig hungrig gen Westen nach Hause durchzuschlagen. Vom Roten Kreuz werden sie schließlich aufgenommen und nach Frankreich gebracht …

Im Epilog beschreibt Goby, wie Mila/Suzanne ihrem inzwischen 21jährigen Sohn, seine wahre Herkunft offenbart und ihn vorsichtig in die Ereignisse jener schlimmen Zeit einweiht.

Suzanne Langlois berichtete später als Überlebende und Augenzeugin vor Schulklassen über ihr Schicksal in Ravensbrück.
Ich empfehle Valentine Gobys wichtiges Buch uneingeschränkt. Mögen solche Zeitzeugnisse immer weiter getragen werden …

„Kinderzimmer“ erschien bei ebersbach & simon. Die Übersetzung aus dem Französischen stammt von Claudia Steinitz. Auf der Verlagsseite gibt es eine Leseprobe.
Unter http://www.ravensbrueck.de findet man Informationen über das Frauen-KZ und die dazugehörigen Lager.