Jan Bazuin: Tagebuch eines Zwangsarbeiters C.H. Beck Verlag

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Ich mag Barbara Yelins Illustrationen sehr, deshalb fiel mein Blick auch sofort auf diese Neuerscheinung. Der 19-jährige Holländer Jan Bazuin hat Tagebuch geführt über die Ereignisse, die er vor und im Arbeitslager der Deutschen in München-Neuaubing von 9.1.1944 bis zu seiner Flucht am 21.4.1945 erlebte. Barbara Yelin hat dazu ihre typischen Illustrationen beigetragen. Es ist ein hochinteressantes Zeitdokument und hat mich wirklich überrascht, da ich bisher wenig zum Thema gelesen habe.

Am 23.2. wurde das Buch im NS-Dokumentationszentrum in München vorgestellt. Ich war beim Live-Stream dabei und habe unglaublich viel erfahren. Wie das Buch entstand, wie Yelin sich die Illustrationen erarbeitet hat. Der Sohn von Jan Bazuin berichtete, wie das Tagebuch, das eigentlich aus drei kleinen Heften besteht, die er nach dem Tod seines Vaters fand, zum Buchprojekt wurde, Barbara Beuys bereicherte die Runde mit umfassendem historischen Wissen zum Thema.

November 1944, Rotterdam: Die Deutschen besetzen seit 1940 die Niederlande. Jan Bazuin, 19 Jahre alt, lebt bei seinen Eltern. Er beginnt Tagebuch zu schreiben. Die Arbeitslosigkeit ist zu dieser Zeit groß. Der Vater will Jan loswerden, weil es zu wenig zu essen für die Familie gibt. Manchmal hat Jan Arbeit, manchmal organisiert er Essen, das er tagelang im Umland sucht. Die Menschen fällen die Bäume in den Straßen, um Brennholz zu haben. Es herrscht überall großer Mangel. So oft wie möglich trifft er sich mit seiner Freundin. Bei ihr verbringt er auch Weihnachten, hier bekommt er genug zu essen.  Als die Deutschen im Januar wieder alle 16 – 40-Jährigen unter Strafandrohung zum Abtransport ins Arbeitslager nach Deutschland aufrufen, muss auch Jan Rotterdam verlassen. Beim ersten Aufruf hatte Jan Glück, er war als Saisonarbeiter auf dem Land, doch wurde sein Bruder bereits da nach Kassel geschafft. Die Reise führt mit dem Zug quer durch Deutschland bis nach München. Mit langen Unterbrechungen, die die Männer im Viehwaggon verbringen müssen und mit Zwischenaufenthalt in Dachau, landen sie in Neu-Aubing.

Dort hat Jan das Glück die meiste Zeit eine Arbeit in der Küche zu finden, so dass er alles andere als Hunger leiden muss. Die Portionen, die er dort bekommt und die er in seinem Tagebuch genauestens erfasst, lassen fast nicht glauben, dass er sich in einem Zwangsarbeiter-Lager befindet. Dafür arbeitet er von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Doch dann gibt es auch Zeiten in denen er mit Rübensuppe, Brot und Kartoffeln auskommen muss. Er selbst empfindet die Arbeit als gut für ihn, damit er nicht so viel grübelt und an seine Familie und die Freundin denken muss.

„Montag, 19. März. Halb zwölf Fliegeralarm. Erst halb vier Entwarnung. Bei uns keine Bomben, wohl aber 30 km weiter. Das Essen war wie gehabt. Gut, aber wenig. Vielleicht gibt es in Holland gar nichts, ich will also nicht klagen.“

Das Ungewöhnliche an den recht schlichten Tagebucheinträgen ist eine ungebrochene Zuversicht, mit der Jan an alles herangeht. Nie glaubt er, dass er nicht mehr nach Hause kommt. Jeder Tag wird, auch wenn er noch so anstrengend war, mit einem positiven Gedanken bedacht. Tatsächlich darf man sich die Verhältnisse hier nicht wie in einem Konzentrationslager vorstellen. Jan verdient Geld mit seiner Arbeit, er hat oft den halben Samstag und/oder den Sonntag frei. Mehrfach geht er ins Kino, macht sogar Ausflüge ins Umland.

Im Lager begegnet er auch polnischen und italienischen Zwangsarbeitern. Manche lädt er ein, ihm etwas in sein Tagebuch zu schreiben, es bilden sich kleine Zusammenhalte. Doch es wird auch gestohlen, vor allem Nahrung. Nicht alle haben so ein Glück wie Jan. Immer wieder kommen Informationen im Lager an, in denen von der Lage der Front, von der Hilfe der Alliierten und vom möglichen Ende des Kriegs die Rede ist. Die vielen Luftangriffe sprechen ihre eigene Sprache.

Am 21.4.45 entscheidet sich Jan für die Flucht. Mit einem Kameraden legt er Hunderte von Kilometern zurück und schafft es tatsächlich über die Frontlinie zu den Amerikanern. Kurz darauf bricht das Tagebuch ab.

Im informativen Nachwort berichtet Mitherausgeber Paul Raabe vom NS-Dokumentationszentrum, was über Jan Bazuins Leben sonst noch bekannt ist und bindet die Tagebucheinträge in größere Zusammenhänge.

Barbara Yelins Illustrationen sind dunkel gehalten. Grau dominiert. Wenige Bilder sind mit Sprachblasen gezeichnet, die meisten Bilder sprechen für sich. Das Buch ist keine Graphic Novel. Man wollte den Tagebuchcharakter nicht verfälschen, was ich als eine gute Entscheidung betrachte.

Ich finde dieses Buch hochinteressant, zeigt es doch einen weiteren Aspekt zum Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Bisher kenne ich den Roman Sie kam aus Mariupol von Natascha Wodin, in dem sie über ihre Eltern erzählt, die als Zwangsarbeiter aus der Ukraine nach Deutschland verschleppt wurden und wesentlich schlechter behandelt wurden.

Tagebuch eines Zwangsarbeiters“ erschien im C. H. Beck Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Svenja Leiber: Kazimira Suhrkamp Verlag

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In Svenja Leibers neuem Roman stellt sie eine unangepasste Frau in den Vordergrund, eben die titelgebende Kazimira. Die Geschichte führt ins Baltikum in eine Zeit, in der mit Bernstein gut zu verdienen war, eine Zeit, in der Bernstein in Gruben gefördert wurde wie Kohle, in eine Zeit des wachsenden Fortschritts, der Mechanisierung. Anhand dreier Familien von unterschiedlicher Herkunft erleben wir die privaten aber auch die politischen Auseinandersetzungen, die für diese Zeit stellvertretend sind. Es geht um weibliche Emanzipation ebenso wie um den wachsenden Antisemitismus in Ostpreußen. Der Roman spielt in zwei unterschiedlichen Strängen einmal ab 1871 (mit kurzer Pause von 1918 bis 1930) bis 1945 und einmal im Jahr 2012. Beide werden am Schluss zusammengeführt. Mir hat die Geschichte so gut gefallen, dass ich mir gewünscht habe, die Autorin hätte auch die „Zwischenzeiten“ auserzählt.

Es beginnt an der kurischen Nehrung und in Königsberg. Kazimira, eine Frau, die sich noch auf die Natur mit ihren Geistern und eigenen Gesetzen versteht, lebt mit Antas Damerau zusammen in einer Hütte in den Dünen und sammelt Bernsteine, die ihr Mann schnitzt und drechselt. Sie verkaufen die Sachen an die wohlhabende jüdische Familie Hirschberg (angelehnt an die tatsächlich existierende Familie Becker) und Kazimira macht Näharbeiten ihm Haus. So verdienen sie ihren Lebensunterhalt. Als Hirschberg eine Grube zur Förderung von Bernstein bauen lässt, wird Antas sein bester Arbeiter.

„“Sie ist eine undurchsichtige Person. Angeblich ungetauft.“ Hier möchte sich Kowak auf die Zunge beißen. Stattdessen redet er etwas lauter weiter: „Hängt wohl einem Animismus an. Glaubt an Naturgötter. Eine gewisse Verehrung hege ich ja selbst dem Boden gegenüber, schon als Wissenschaftler.“ Er räuspert sich. „Und als Deutscher. Aber diese Anbetung von Kröten ist widerlich.““

Kazimira lernt unterdessen durch Henriette Hirschberg, einer gebildeten und emanzipierten Frau, Jadwiga Kowak kennen. Zwischen beiden entsteht eine zarte vorsichtige Anziehung, die sie später auch für sehr kurze Zeit vertiefen können. Doch in dieser Zeit (Ende 19. Jhdt.) lässt sich eine Liebe zwischen zwei Frauen nicht offen leben. Man trennt die beiden. Später finden jedoch Kazimiras Sohn Ake und Jadwigas Tochter Ilse zueinander. Kazimira möchte in der Grube arbeiten, würde gerne Hosen tragen, doch als Frau darf sie das nicht, Mann darf sie schon gar nicht sein. Als sie sich aus Protest die Haare abschneidet, meidet man sie offen bzw. greift sie sogar an.

„Ein Jahr später steht die Kaz an Jadwigas Grab. Das Grab liegt auf dem katholischen Friedhof.
Kazimira betrachtet die Erde und denkt an die Ahne und dass die noch wusste, was all das zu bedeuten hat, der Tod und das Leben und die Erde und der Himmel.
„Jetzt bist du schon auf unserem Stern“, flüstert sie. „Und bald komm ich auch.“

Nach und nach baut Hirschberg seinen Betrieb aus und auch ein soziales System für seine Arbeiter auf, das ihnen eine gewisse Absicherung bietet. So zeigt sich der Fortschritt auf vielen Ebenen. Doch nicht alle sind Hirschbergs wohlgesonnen. Sie haben mit Antisemitismus und mit Neid und später auch mit Ausgrenzung zu kämpfen. Letztlich verkaufen sie das Unternehmen und ziehen nach Wien.

Im zweiten Teil des Romans um 1930 begegnen wir Helene Damerau, Ilse und Akes Tochter, die sich in Pavel Petrov verliebt. Helenes Eltern sind in die USA ausgewandert. Helene wollte bleiben und gründet mit Pavel eine große Familie mit 7 Kindern. Um den Lebensunterhalt zu sichern, ziehen sie von Hof zu Hof, leben kurz in Königsberg und landen schließlich auf Gut Eilung, wo sie ein Auskommen finden. Die so lebendige Tochter Jela, die mit Trisomie geboren wird und zeitweise bei Kazimira lebt, wird noch als Kind in ein „Sanatorium“ gebracht und wird dort im Zuge der Eugenik als „unwertes Leben“ ermordet. Wir begleiten das weitere Schicksal der Familie bis in und durch den zweiten Weltkrieg bis zum Einmarsch der russischen Armee. Hier wird die Familie auseinander gerissen …

Im Erzählstrang, der im Jahr 2012 spielt, ist die Grube in Kaliningrad selbst in der nachkommunistischen Zeit marode und bringt kaum etwas ein. In Jantarnyj arbeitet die junge Nadja im Verkaufspavillon für Bernsteinschmuck und Souvenirs, doch der Umsatz ist mau. Das Geschäft mit Bernstein ist fast zum Erliegen gekommen. Zwar kommen noch deutsche Touristen, aber die tun überheblich, als wären sie immer noch auf deutschem Boden, sagt Nadjas Kollegin. Nadja hat eine kleine Tochter zu versorgen. Sie kommt schließlich mit Anatolij zusammen, der gerade seine Arbeit im Werk verloren hat. Durch einen nicht ganz sauberen Deal mit einem russischen Händler, der in China einen neuen Markt für Bernstein aufgetan hat, kommen die beiden zu etwas Geld, um ihren Heimatort hinter sich zu lassen. Durch den Tod von Nadjas Vater führen schließlich die beiden Erzählstränge zusammen …

Svenja Leiber hat echtes Talent, was Sprache angeht. Beim Lesen freue ich mich immer wieder über diese schöne Sprache, die von großer Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit zeugt. Auch die Handlung wird von dieser Sprache getragen und wirkt durch sie stark und dicht. Nicht zuletzt durch sie habe ich Kazimira in mein Herz geschlossen. Ein Leuchten wie Bernstein!

Der Roman erschien beim Suhrkamp Verlag. Eine Leseprobe und ein aufschlussreiches Interview mit der 1975 geborenen in Hamburg aufgewachsenen Autorin, auch über ihre umfangreichen Recherchen vor Ort, gibt es hier hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eine weitere Besprechung gibt es auf dem Blog Zeichen & Zeiten.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Irmgard Keun: Nach Mitternacht Claassen Verlag

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„Ein Deutschland mit unfrohen rohen Gesängen und drohenden Rundfunkreden, mit der künstlichen Dauer-Ekstase von Aufmärschen, Partei-Tagen, Heil-Jubeln und Feiern. Ein Deutschland voll berauschter Spießbürger. Berauscht, weil sie es ein sollten – berauscht, weil man ihnen Vernunftlosigkeit als Tugend pries – berauscht, weil sie gehorchen und Angst haben durften und berauscht, weil sie Macht bekommen hatten.“

So schreibt Heinrich Detering im Nachwort des Romans über das, was Irmgard Keun 1947 zu ihrem Buch sagte, was sie darin hatte zeigen wollen. Nun wurde „Nach Mitternacht“ neu aufgelegt mit einem wunderbaren Cover, welches der Roman auch bei der ersten Auflage im Jahr 1937 beim Exilverlag Querido in Amsterdam trug. Die 1905 in Berlin geborene Autorin hatte mit ihren Romanen großen Erfolg, besonders mit „Das kunstseidene Mädchen“, musste aber aufgrund der Verbote durch die Nationalsozialisten 1936 ins Exil gehen. Unter anderem ging sie nach Oostende, wo sie auf Josef Roth traf und mit ihm eine Beziehung einging. Sie kehrte 1940 wieder nach Deutschland zurück und lebte mit falschen Papieren aber unerkannt bis 1945 in ihrem Elternhaus in Köln. Nach dem Krieg dauerte es, bis ihre Literatur wieder bekannter wurde. Erst in den Siebziger Jahren wurde sie erneut entdeckt.

Was ich an Irmgard Keuns Romanen so liebe, ist dieser frische, oft naiv aber doch frech anmutende Ton in ihren Texten. Sie erfindet schöne Wortkombinationen, die für mich auch als eine Art Erkennungszeichen fungieren:

„Noch nicht mal mein Haar leuchtet. Es hat eine blonde Farbe, die schläft.“
oder
„Am liebevollsten konnte der Franz es sagen: „Sanna“. Weil er ja überhaupt so langsam und samtig denkt.“
oder
Leise plätscherten ihre Gespräche, es hörte sich an, als regne es im Lokal.“

Die Geschichte um die 19-jährige Susanne, Sanna genannt, spielt innerhalb 48 Stunden in Frankfurt am Main des Jahres 1936. Sanna wohnt dort bei Algin, ihrem Stiefbruder, der bis zur Machtübernahme der Nazis ein bekannter und oft gelesener Schriftsteller ist und seiner Frau Liska in recht wohlhabenden Verhältnissen. Vorher lebte sie bei Ihrer Tante Adelheid in Köln, einer verbitterten Frau, deren Sohn Franz nun allerdings ihr Liebster ist. Sanna musste dort weg, weil die eigene Tante sie bei der Gestapo denunziert hatte und sie nur mit viel Glück nach dem Verhör frei gelassen wurde. Sie hatte ganz unbedarft etwas über die Reden des Führers gesagt, was nicht gut ankam.

„Durch die Diktatur ist Deutschland ein vollkommenes Land geworden. Ein vollkommenes Land braucht keine Schriftsteller. Im Paradies gibt es keine Literatur. Ohne Unvollkommenheiten gibt es keine Schriftsteller und keine Dichter. Der reinste Lyriker bedarf der Sehnsucht nach Vollkommenheit. Wo Vollkommenheit ist, hört die Dichtung auf. Wo keine Kritik mehr möglich ist, hast du zu schweigen.“

In Frankfurt nun ist ihre kleine Welt, die Wohnung von Algin und seiner Frau Liska und deren Freunde und Bekannte. Der Brief von Franz, der eines Tages nach langer Schreibpause eintrifft, lässt sie hoffen, dass er nun nach Frankfurt kommt und ihr gemeinsames Leben doch endlich beginnen könnte. Am gleichen Tag wird der Führer in Frankfurt erwartet, der Opernplatz fühlt sich mit Menschenmassen, während Sanna mit ihrer Freundin Gerti durch die Straßen, Cafes und Kneipen streift. Für die Wartenden wird es eine Enttäuschung, denn Adolf Hitler fährt mit großem Troß durch die gesperrten Straßen, hält jedoch nicht an, die erwartete Rede fällt aus.

„Jetzt heult die Gerti plötzlich los, weil sie den jungen Aaron heute nicht getroffen hat, ich muss sie trösten. So ein Mädchen verliebt sich nun ausgerechnet in einen verbotenen Mischling, wo es doch immer noch Männer gibt, die von der Behörde erlaubt sind.“

Aus Sannas Erzählungen erfahren wir, wie sie, die eigentlich unpolitisch ist, sich mit der „Weltanschauung“ der Nationalsozialisten auseinandersetzen muss. Durch ihre Offenheit und Direktheit ohne Hintergedanken eckt sie mitunter an. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird die Situation beleuchtet. Während die Deutschen immer hitlerhöriger werden, verstummen kritische Stimmen, freiwillig oder gezwungenermaßen, während jeder jeden aus den geringsten Gründen denunzieren kann, glauben viele Juden nicht, dass es für sie wirklich gefährlich werden wird.

Keun erzählt davon beeindruckend, oft mit herrlichem Witz, Esprit und Ironie, die trotz des schweren Themas vollkommen angemessen und passend erscheinen. Sie hatte eine echte Gabe fürs Erzählen. Die Protagonistin Sanna, die sich selbst immer als sehr unwissend und einfach sieht, und auch nicht schön genug im Verhältnis zur Freundin Gerti etwa, darf durch das sichere Wissen und Begreifen der Autorin hindurchstrahlen. Sie schafft es auch geschickt, Männer zu entlarven, Männer, die oft groß tun und behaupten sehr viel Wissen und Erfahrung zu haben und dann doch nur in der Kneipe alkoholisiert groß daherreden. Das durchschaut auch Sanna und da passt der ruhige Franz ja eigentlich dann doch am besten zu ihr.

Franz kommt wirklich nach Frankfurt, nach Mitternacht, als ein großes Fest im Haus von Algin und Liska stattfindet. Doch er kommt nicht zum Feiern, er hat Schlimmes mitzuteilen. Ihre gemeinsame Zukunft, sofern sich Sanna wirklich dafür entscheidet, scheint unter keinem guten Stern zu beginnen …

„Wir leben nun mal in der Zeit der großen Denunziantenbewegung. Jeder hat jeden zu bewachen, jeder hat Macht über jeden. Jeder kann jeden einsperren lassen. Der Versuchung, diese Macht auszuüben, können nur wenige widerstehen. Die edelsten Instinkte des deutschen Volkes sind geweckt und werden sorgsam gepflegt.“

Ich habe den Roman als sehr zeitgemäß empfunden und finde ihn gerade auch als Einstieg in Keuns Literatur geeignet, obgleich er wesentlich düsterer ist und schwerer wiegt, als beispielsweise „Das kunstseidene Mädchen“ oder „Kind aller Länder“. Mir scheint, jedes ihrer Bücher hat einen ganz eigenen Reiz und ich lege die Lektüre jedem ans Herz.

Der Roman erschien im Claassen Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Eva Menasse: Dunkelblum Kiepenheuer & Witsch Verlag

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Es geht sich aus! Es geht sich ganz wunderbar aus!
Viele Tassen Kaffee und einige Mehlspeisen lang hatte ich riesige Freude an dieser opulenten Lektüre. Eva Menasses neuester Roman „Dunkelblum“ scheint mir auch ihr bester bisher zu sein. Ich erinnere mich noch gut an ihren ersten Roman Vienna, den sie damals 2005, ich war noch als Buchhändlerin tätig, im Café Einstein in Berlin bei einem köstlichen österreichischen Menü vorstellte. Seitdem sind einige weitere Romane erschienen, nicht alle davon habe ich gelesen, aber hier hat mich die Leseprobe schon absolut überzeugt. Auf über 500 Seiten breitet sie hier ein irres Panorama einer österreichischen Marktgemeinde aus, Dunkelblum genannt, aber angelehnt an die Geschichte des real existierenden Rechnitz im Burgenland. Über das „Massaker von Rechnitz“ kann man auf Wikipedia lesen, ich empfehle aber erst den Roman, denn von Menasse nachkonstruiert und auserzählt, ist es schon noch einmal etwas anderes.

1989: Es beginnt mit der Anreise des Dunkelblumer Lowetz, der sehr bald als junger Kerl dem Heimatort an der Grenze zu Ungarn den Rücken gekehrt hat und in der Hauptstadt lebt. Er kommt, um sich um den Nachlass seiner gerade gestorbenen Mutter zu kümmern, eine Verbindung zu ihr hatte er nicht mehr. Doch der Einzug ins Elternhaus und die Gespräche mit den alteingesessenen Dunkelblumern lassen ihn rasch wieder in den Ort eintauchen. Er lernt Flocke kennen, die Tochter des einzigen Bioweinbauern vor Ort, die auch nur zu Besuch ist und den Ehrgeiz hat eine Art Heimatmuseum aufzubauen; allerdings anders, als sich das die Einheimischen vorstellen. Der Reisebürobesitzer Rehberg, der an einer Dunkelblumer Chronik arbeitet und eben Lowetz` Mutter recherchierten mit ihr zusammen für dieses Projekt.

Etwa zur gleichen Zeit taucht auch ein vermeintlich Fremder namens Gellért auf, der sich augenscheinlich ebenfalls für die Dunkelblumer Geschichte interessiert, vor allem für die Zeit kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs. Er verwickelt die Bewohner freundlich in Gespräche und stellt Fragen. Viele können, oder vielleicht eher wollen, sich nicht mehr erinnern.

„Man tat, wie man geheißen wurde, und schwieg, so war das damals. Und später war es auch so.“

Gleichzeitig widmet sich eine Gruppe Wiener Geschichtsstudenten der Verschönerung des Jüdischen Friedhofs, der sehr lange sich selbst überlassen blieb. Die Studentin Martha begleitet die Aktion mit ihrer Kamera. Sie spielt später noch eine große Rolle gegen Ende des Romans.

Wir lernen nach und nach verschiedene Mitglieder der Ortschaft kennen. Menasse schafft es hier wunderbar die einzelnen Charaktere herauszuarbeiten und auch in Bezug zu der persönlichen Familiengeschichte zu setzen. So wimmelt es bald von Namen und Persönlichkeiten, die man später nicht unbedingt immer zuordnen kann, aber das spielt so gar keine Rolle, weil die Lektüre einen einfach weitertreibt und vollkommen fasziniert über die Geschehnisse staunen lässt. Da gibt es beispielsweise die resolute Resi Reschen, die das Hotel Tüffer führt, in welchem sie ihre Lehre begann und welches sie nach der Flucht der jüdischen Eigentümersfamilie Tüffer eigenständig weiterführte.  Da gibt es die schöne Leonore, die aus einem Nachbarsort eingeheiratet hat und ehrgeizig mit ihrem Mann, dem Toni Malnitz, aus dem eigenen Weingut einen Biobetrieb mit anspruchsvoller Hotellerie gemacht hat. Sie ist auch die Mutter von Flocke, aber Malnitz ist nicht der Vater. Da gibt es den bald pensionierten Hausarzt Sterkowitz, der damals frisch aus dem Studium plötzlich die Arztstelle übernehmen musste, weil der ansässige jüdische Arzt Bernstein den Ort verlassen musste. Da ist Antal Grün, ein KZ-Überlebender, der wieder nach Dunkelblum zurückkehrt und einen Laden eröffnet. Da gibt es den phlegmatischen Bürgermeister Koreny, der sich mit dem Wasserwirtschaftsamt herumschlägt, den öko-angehauchten Faludi-Bauer und den Obstbauer, den geflickten Schurl und viele andere mehr. Es ist ein großes Vergnügen zu lesen, wie die Autorin hier mit der Sprache und den speziellen österreichischen Begrifflichkeiten spielt.

„Da, lange zurück, gibt es eine reiche und stolze Geschichte von Dunkelblum. Aber dann, hoppala, ist die Geschichte irgendwie gestolpert und hat sich nur mit einem beherzten Sprung aufrechthalten können.
Und daher geht es quasi direkt nach den alten Römern mit den Russen weiter, mit der erbärmlichen, demütigenden Nachkriegszeit, in der man sich anstrengen musste, um den Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern endlich wieder herauszuarbeiten – das war historisch noch nie dasselbe, bitteschön!“

Dunkelblum gelangt mehr und mehr aus dem Ruder, als zuerst bei Grabungen ein altes Skelett gefunden wird, dann ein Flüchtling aus der DDR auftaucht, der über die ungarische grüne Grenze kam, Flocke verschwindet und der inzwischen wieder ansehnliche jüdische Friedhof mit Schmierereien geschändet wird. Plötzlich nach so langer Ruhe kommt Bewegung in den Ort, kommen Journalisten, gelangen Menschen durch den Eisernen Vorhang. Wie es geschieht, dass dann doch nach über 50 Jahren Schweigen über die grauenhaften Taten der Nazis kurz vorm Ende des zweiten Weltkriegs einer den Mund aufmacht, der wirklich große Schuld trägt und das auch noch vor der Kamera der jungen Martha, ist auch der Mithilfe von Gellért zu verdanken, der, man ahnte es schon, ebenfalls aus Dunkelblum stammt und fliehen musste:

Im Schloss der Gräfin feierten Nazigrößen noch kurz bevor die Russen eintrafen ein riesiges Gelage. Und in dieser Nacht wurden unzählige jüdische Zwangsarbeiter, die den Südostwall zum Schutz des Landes graben mussten, mithilfe Dunkelblumer SS-Schergen und der Hitlerjugend gewaltsam hingerichtet und dort verscharrt. Im realen Reckwitz hat man die Toten trotz vieler Grabungen niemals gefunden. In den umgebenden Gemeinden, in denen ähnliches geschah, aber schon. Eva Menasse hat unglaublich viel recherchiert für diesen Roman und ihn sehr breit angelegt. Ihr ist es unglaublich gut gelungen zum Schluss hin alle vielleicht zeitweise verwirrenden Fäden zu einem stimmigen Ende zusammenzubringen und richtig gute Literatur zu machen. Unbedingte Empfehlung!

Das Buch erschien im Kiepenheuer & Witsch Verlag.

Film–Kunst–Film: Schachnovelle Film von Philipp Stölzl 2021 nach Stefan Zweigs gleichnamiger Novelle

Unter der Rubrik „Film-Kunst-Film“ stelle ich ab und an auch Filme vor, die mich beeindruckt haben und die in irgendeiner Form mit Literatur/ Kunst zu tun haben.

Die Schachnovelle von Stefan Zweig las ich schon vor sehr langer Zeit. Es muss in der Ausbildung zur Buchhändlerin (also vor über 30 Jahren) gewesen sein. Sie hat mich sehr nachhaltig beeindruckt. Nun hatte ich Kinokarten bei einer Verlosung vom Diogenes Verlag gewonnen für die gerade angelaufene Neuverfilmung von Philipp Stölzl und habe deshalb die nur knapp 100 Seiten zählende Novelle vorher noch einmal gelesen. Meine Taschenbuchausgabe ist aus dem Fischer Verlag von 1988. Auch beim erneuten Lesen stellte sich wieder die Freude über dieses Buch, über Stefan Zweigs Können ein.

Umso gespannter war ich auf den Film. Mit Verfilmungen ist es ja oft so eine Sache, aber diese hat mir ausgesprochen gut gefallen, obgleich durchaus Veränderungen zur Buchvorlage vorgenommen wurden. Im Buch beginnt es mit einem Erzähler, der sich auf einer Schiffspassage von New York nach Buenos Aires befindet. Das könnte durchaus eine autobiografische Szene sein, denn Stefan Zweig musste Österreich in der NS-Zeit verlassen und nach Südamerika ins Exil gehen.

Im Film ist die Anfangsszene ganz anders gestaltet. Der Notar Dr. Josef Bartok lebt mit Frau Anna gut betucht in Wien und verdrängt den geplanten Einzug der Deutschen nach Österreich. Doch noch bevor er die Stadt verlassen kann, wird er von der Gestapo verhaftet. Er soll die Nummernkonten seiner Klienten verraten, weil die Nazis das Vermögen an sich bringen wollen. Er wird im Hotel Metropol, nun Sitz des Gestapo-Hauptquartiers, in einem kleinen Zimmer wie in Isolierhaft gehalten und zwischendurch zu Verhören geholt. Als er heimlich an ein Buch gelangt, was Ablenkung zu versprechen scheint, ist es ausgerechnet ein Schachbuch. Er lernt alle Partien auswendig, wird zum fanatischen Spieler im eigenen Kopf, sein Bewusstsein spaltet sich, um gegen sich selbst spielen zu können und er verliert sich letztlich vollkommen bis zum Zusammenbruch. Als er schließlich nach einem Jahr als psychisches Wrack auf freien Fuß gesetzt wird mit Anordnung das Land zu verlassen, begibt er sich mit neuen Papieren auf ein Schiff Richtung New York. 

Während im Buch die Zeit in der Haft recht kurz gehalten ist, wird sie im Film stark ausgebaut. Es gibt einige brutale Szenen, die man im Buch nicht findet. Doch die Art und Weise dieser Gefangenschaft, kommt durch die Kameraführung und die immerfort düsteren Lichtverhältnisse gut zur Geltung. Auch die Szenen auf dem Schiff, auf dem immer schlechtes Wetter und trübe Dunkelheit herrscht, unterscheiden sich leicht vom Buch. Hier wird Bartok, der sich nun van Leuwen nennt, zufällig Zeuge einer simultanen Schachpartie zwischen dem ebenfalls anwesenden Schachweltmeister Czentovic (über dessen Werdegang man im Buch sehr viel mehr erfährt) und einigen Passagieren, die natürlich fortwährend verlieren. Er mischt sich ein und erreicht so immerhin ein Remi. Alle sind begeistert und laden ihn auf eine Partie allein gegen den Weltmeister ein. Eine Partie, die ihn in die Gefahr bringt, wieder dem Wahnsinn anheim zu fallen, sich wieder eine „Schachvergiftung“ zu holen. Auch das Ende ist im Film anders als im Buch. Gut wird jedoch bei beiden das Motiv herausgearbeitet, das aufzeigt, dass beim Schachspiel wohl immer versucht wird, den Willen des Gegners zu brechen, was letztlich für einen Gewinn Bartoks über die Gestapo spricht.

„Selbstverständlich bin ich mir heute ganz im klaren, daß dieser mein Zustand schon eine durchaus pathologische Form geistiger Überreizung war, für die ich eben keinen anderen Namen finde als den bisher medizinisch unbekannten: eine Schachvergiftung. Schließlich begann diese monomanische Besessenheit nicht nur mein Gehirn, sondern auch meinen Körper zu attackieren.“

Für mich ist das Buch ein kleines Meisterwerk, was natürlich an der Form und der Sprache liegt, die Zweig hier großartig gelingt. Und doch hat auch der Film mich beeindruckt, was sicher überwiegend an der großartigen Leistung des Schauspielers Oliver Masucci liegt. Wie er die Wandlung vom gut situierten Wiener Notar über den psychisch gefolterten, aus Not immer bessessener werdenden Schachspieler bis zum erschöpften, ins Exil Flüchtenden darstellt ist sehr gekonnt. 

Die Schachnovelle ist das einzige Buch Zweigs, das die politische Gegenwart behandelt. Zweig schrieb sie zwischen 1938 und 1941 im brasilianischen Exil. Und auf diesen 100 Seiten spiegelt sich beispielhaft das ganze Ausmaß der Geschehnisse beim und nach dem Anschluss von Österreich ans Deutsche Reich unter Hitler. Etwas, das Zweig selbst miterlebte und was ihn schließlich bewog Wien zu verlassen. Ein Schicksal, welches stellvertretend für so viele steht.

Hier gehts zum Trailer auf der offiziellen Website: https://www.arthaus.de/kino/schachnovelle

Ebenfalls empfehlenswert der Film „Vor der Morgenröte“ von Maria Schrader über Stefan Zweigs Exil in Südamerika. Hier meine Besprechung dazu: https://literaturleuchtet.wordpress.com/2017/05/14/film-kunst-vor-der-morgenroete-dvd-film-von-maria-schrader/

Maria Lazar: Leben verboten! Verlag Das vergessene Buch

„Ein Leben, das sich nicht verbieten läßt, weil es dafür, so wie für jedes Leben, denn doch noch einen anderen Wertmesser gibt als Geld, Valuta, Kaufpreis der Arbeitskraft und Brauchbarkeit im Produktionsprozeß.“

Bereits 1932 geschrieben ist der Roman „Leben verboten“ von Maria Lazar eine der schönen Wiederentdeckungen in der deutschsprachigen Literatur. Mich erinnerte das Buch sofort an „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz, an Mela Hartwigs „Inferno“ und sogar in der Art der Sprache an Irmgard Keun. Die österreichisch-jüdische Autorin Maria Lazar lebte, in Wien geboren, von 1895 bis 1948, wo sie in Schweden starb. „Leben verboten“ ist 1934 in einer englischen Ausgabe in ihrem Londoner Exil erschienen. Lazar war Dramaturgin und schrieb Stücke und Romane. Sie begegnete Literaten wie Canetti und Broch. Kokoschka hat sie porträtiert als „Dame mit Papagei“. Doch wie es so oft ist, wird sie als Frau so gut wie nie wahrgenommen oder erwähnt. Einfach vergessen.

Der Held in „Leben verboten“ ist ein Bankier, dessen Bankhaus jedoch in Konkurs zu gehen droht. Um das zu verhindern begibt sich einer der beiden Teilhaber, Ernst von Ufermann per Flugzeug von Berlin nach Frankfurt, um einen neuen Kredit zu erwirken. Kurz vor Abflug wird im die Brieftasche mit dem Flugschein gestohlen. Ufermann, der ohnehin ein wenig ängstlich wegen des schwierigen Treffens war, begibt sich erleichtert auf den Weg und lässt sich, was er sonst nie tut, durch die Stadt treiben. Nach Hause zu Frau und Villa mag er noch nicht und so geschieht es, dass er es zufällig aus der Zeitung erfährt: Er ist tot. Sein Flugzeug stürzte kurz nach dem Start ab, keine Überlebenden. Was nun? Ufermann ist klar, dass seiner Frau nun die riesige Lebensversicherung ausbezahlt wird und die Bank dadurch auch gerettet ist. Was tun? Ufermann, verwirrt und unentschieden wie er ist, taumelt durch die Stadt und gelangt schließlich in düstere Kreise: eine Prostituierte und ein Boxer schicken ihn, ausgestattet mit neuen Papieren und mit einem geheimnisvollen Päckchen, dass er ihm Zug über die Grenzen schmuggeln soll, auf die Reise nach Wien. Damit verdient er erstmal so viel Geld, dass er in dieser Stadt untertauchen kann.

Auf dieser Reise und dem anschließenden Aufenthalt tauchen wir Leser in Ufermanns reiche Gedankenwelt. So sehr er seinen künftigen Mitmenschen Rätsel bleibt, so viel erfahren wir über ihn und über die Zeit der Wirtschaftskrise, in der es massenweise Arbeitslose gibt, das Bürgertum teils verarmt und die Nationalsozialisten immer sichtbarer werden. Junge Menschen, die wenig Aussicht auf Arbeit haben oder als Studenten leben, werden geködert, sich für die große Sache einzusetzen. Ufermann gerät unwissentlich in diese Szene, weil er seinen Auftrag erfüllen und das Päckchen übergeben muss. Unterschlupf findet er dann im „Kabinett“ der Familie Rameseder durch einen der Burschenschafter, wo sich bald darauf die 15jährige Tochter in ihn verliebt. Ufermann spaziert fortan ziellos durch die Stadt und je mehr Zeit vergeht, desto weniger kann er sich ja seiner Frau und dem Teilhaber offenbaren. Dass es sich diese beiden nun öffentlich gemeinsam mit dem Geld aus der Versicherung gut gehen lassen, weiß unser Held nicht.

Er ist ja nun Versicherungsbetrüger, denkt er mehr als einmal. Es gibt ihn ja gar nicht mehr. Von Ufermann heißt er ja auch nicht mehr. Er ist überflüssig. Lazar drückt das im Text oft drastisch aus: Leben verboten!

„Wie sind sie in eine solche Zwangslage gekommen? Gestehen Sie! Mein ganzes Leben lang habe ich mich immer nur benützen lassen, von meiner Frau, der Firma, der Versicherungsgesellschaft, bis sie mir alle miteinander das Leben verboten haben. Verboten? Sie haben sich das Leben verbieten lassen? Wie hunderttausend, wie Millionen andere das Leben sich verbieten lassen? Mein Leben war verwirkt. Verwirkt? Es hatte keinen Wert mehr, nicht einmal einen Preis. Begreifen Sie doch, Herr Professor, mein Leben bedeutete ein Minus auf dem Konto der Existenz, eine ganz ungeheure Schuld in Dollar, in Valuta – „

Aber dieses Leben verboten gilt auch für die schuftenden Dienstboten, für die, die keine Arbeit finden, die nur noch vor sich hinvegetieren ohne Aussicht auf ein gutes Leben. Ufermann, der ja eigentlich aus der wohlhabenden Schicht kommt, lebt und fühlt nun immer mehr auch mit den Armen. Je mehr Verstrickungen sich dann ergeben, desto unwohler wird Ufermann. Seine jungen Helfershelfer beschuldigen ihn des Verrats und überwachen ihn, da er mehr als einmal mit dem jüdischen Philosophie-Professor Dr. Frey im intensiven Gespräch gesehen wird.  Auch die Polizei wirft ein Auge auf ihn. Deshalb beschließt er mithilfe eines arbeitslosen Handwerkers die Flucht zurück. Wie es ihm dann in Berlin ergeht, als er seine Identität offenbart und die Wahrheit erzählen will, ist nicht minder komisch und absurd, als die Zeit in Wien und das Ende eine gelungene Überraschung.

Maria Lazar verließ Wien rechtzeitig und ging zunächst nach Dänemark, (mit Brecht und Weigel), dann nach Schweden ins Exil. Dabei kam ihr ihre frühere Heirat mit  einem Sohn August Strindbergs, durch die sie die schwedische Staatsbürgerschaft erlangte, zugute. Dort arbeitete sie auch als Übersetzerin. Aufgrund einer schweren Krankheit nahm sie sich dort 1948 das Leben.

Ihre Bücher erscheinen nun im Verlag Das vergessene Buch, dessen Name für sich spricht. Ein aufschlussreiches Nachwort von Johann Sonnleitner folgt am Ende des Romans. Es ist gut, dass es solche Verlage und solche Entdecker gibt. Es ist gut, dass immer mehr der vergessenen Geschichten, gerade von Frauen wieder sichtbar gemacht werden.

Minka Pradelski: Es wird wieder Tag Frankfurter Verlagsanstalt

Minka Pradelskis Roman „Es wird wieder Tag“ zeugt einmal mehr von der schrecklichen Grausamkeit in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Die Idee zu diesem Roman kam der Autorin, die für die USC Shoa Foundation arbeitet, bei berührenden Begegnungen mit Überlebenden. So erzählt die Autorin von ihrer Hauptfigur Klara, die sich an ihre Zeit in den Lagern erinnert, aber auch von den folgenden Bedingungen als „Überlebende“.

Die Geschichte beginnt allerdings 1946 in Frankfurt am Main mit der Geburt von Klaras Sohn Bärel, der diesen ersten Teil des Romans mit neunmalkluger Baby/Kleinkindstimme auch selbst erzählt. Er selbst erlebt im „Sportwagen“ sitzend die schlimme Begegnung der Mutter mit einer ihrer Peinigerinnen im Arbeitslager.

Vollkommen retraumatisiert ist Klara nach dieser Begegnung kaum mehr fähig sich um den Sohn zu kümmern und verfällt in eine tiefe Depression. Ihr Ehemann fordert sie schließlich auf, nachdem andere Möglichkeiten nicht halfen: Schreib es aus dir heraus! Erzähle es im Schreiben! Und das tut Klara schließlich und wir lesen mit. So ist das zweite Kapitel dann auch aus der Sicht von Klara erzählt.

So erfahren wir von „Liliput“, der KZ-Oberaufseherin in einem polnischen Lager, in der Klara als Zwangsarbeiterin lebte, nachdem sie Auschwitz entrinnen konnte, weil sie gesund genug aussah, um arbeiten zu können. In diesem Lager erlebt sie Unbegreifliches, aber auch die Solidarität italienischer Strafgefangener und schließlich dann auch die Befreiung durch die Rote Armee.
Sie schreibt auch über die Umstände ihrer Flucht als junges Mädchen, die die Eltern ermöglichten, um sie zu schützen, die sie jedoch in neue ungute Abhängigkeiten bringt. Sie bekommt Hilfe, wird aber ebenfalls ausgenutzt und hinters Licht geführt und lebt mehr und mehr in Angst. Letztlich kann sie ihre Identität nicht länger verschleiern und wird als Jüdin identifiziert. Diese Szenen sind die eindringlichsten im Buch.

Im Kapitel, das aus der Sicht von Klaras Ehemann erzählt wird, den sie selbst zunächst nur beim Nachnamen nennt, so fremd bleibt er ihr, zeigt sich auch wieder das, was das große Thema dieser Zeit war, die Verdrängung des Erlebten, das Fernhalten der Grausamkeiten, der unbedingte Wunsch und das Streben nach dem besseren Leben. Von Leon Bromberger erfahren wir nur über die Zeit nach dem Krieg. Er lässt Gefühle nicht zu, obwohl auch er seine gesamte Familie verlor, schirmt sich ab und stürzt sich in das neue Leben, was bei ihm soviel heißt wie, Geld verdienen, reich werden, Familie gründen und versorgen. Nie mehr in Lumpen, nie mehr hungern. Erst Klaras Krankheit nach der Begegnung mit Liliput, lässt ihn sich etwas öffnen, weicher werden, Gefühle Klara gegenüber empfinden.

Die Geschichte zeigt auch, wie es war „Überlebende/r“ zu sein im Nachkriegsdeutschland. Wie es war im amerikanischen Lager für Displaced Persons und welche Zukunft überhaupt möglich war. Dass das Zurückblicken anhand des großen Leids und Verlusts kaum möglich war, macht die Autorin anhand ihrer Hauptfiguren deutlich klar. Sie erzählt ihre Geschichte in einfacher Sprache. Den etwas künstlich wirkenden Erzählstrang aus Sicht des Neugeborenen fand ich eher anstrengend zu lesen. Möglicherweise hat er aber hohen Symbolgehalt, da Bärel, das erste jüdische Kind in der Frankfurter Klinik ist, das nach dem Krieg geboren wurde.

Minka Pradelski, 1947 selbst in einem Lager für Displaced Persons in Deutschland geboren, ist Tochter von Überlebenden des Holocaust. Ihr Roman erschien in der Frankfurter Verlagsanstalt. Ein Interview mit der Autorin gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Hans Joachim Schädlich: Die Villa Rowohlt Verlag

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Nach „Felix und Felka“ über das Künstlerpaar Nussbaum/Platek folgt nun ein Roman, der ein Haus in den Mittelpunkt stellt. In „Die Villa“ zeigt sich auch wieder die große Meisterschaft, die Hans Joachim Schädlich beherrscht: Die Kunst der Verknappung. Schmale Bände sind es mit kurzen Kapiteln. Doch immer wiegen sie mindestens doppelt so schwer. Denn das was der Autor nicht mitteilt, liest sich aus den Zusammenhängen dennoch heraus und verbindet sich zu einer komplexen Geschichte. Mehr und mehr erinnert mich diese Schreibart auch an Eric Vuilards (z.B. „Tagesordnung“) Herangehensweise.

Schädlich erzählt aus der Lebensgeschichte einer Familie im Vogtland, die durch strebsames Arbeiten und Wirtschaften zu Vermögen gekommen ist. Seine Geschichte umfasst den Zeitraum anfangs der 30er Jahre bis zu den Anfängen der DDR. Die Gründerzeitvilla mit großem Landschaftsgarten, die 1890 erbaut wurde wird in einem Prolog vorgestellt und auch das Schlußkapitel ist ihr wieder gewidmet. Zwischendrin begleiten wir die Mitglieder der Familie Kramer, die das Haus 1940 beziehen. Bereits das erste Kapitel, in dem Elisabeth Kramer „sich vorstellt“, legt den Grundstein für ein falsches Leben im Richtigen.

„Ich wollte keine Kinder“, sagte Elisabeth Kramer. „Ich wollte nicht heiraten“. Ich wollte nach der Volksschule in Oberheinsdorf was Soziales lernen und wollte in die Welt. Aber mein Vater hat nur die Jungs was lernen lassen, die gar keine Lust dazu hatten.“

Doch 1931 mit 18 Jahren „muss“ sie den Hans heiraten, kurz darauf kommt das erste Kind. Hans kommt aus einer Drogistenfamilie und steigt beim Schwiegervater in den Wollgroßhandel ein. Gleichzeitig wird er als NSDAP-Mitglied Ortsgruppenleiter der kleinen Stadt und die Familie wächst. Die Kinder, 3 Jungs und ein Mädchen, leben direkt in die von den Nazis geschaffenen Strukturen hinein, werden Pimpfe, später schickt man sie in die NAPOLA. Das Ehepaar verfolgt scheinbar nur am Rand mit, wie sich die Situation in Deutschland verändert, wie das angrenzende sudetendeutsche Gebiet übernommen wird, wie der Krieg erklärt wird, wie der einzige Jude im Ort, der Doktor, aus dem Alltagsleben verschwindet, wie einer von Elisabeths Brüdern, der psychisch krank ist, in einer Heil-und Pflegeanstalt plötzlich verstirbt. Der Garten der Villa wird neuerdings von einem französischen Zwangsarbeiter in Schuss gehalten. Die Familie lebt im Wohlstand, es gibt Auto und Dienstmädchen, scheint von der Verfolgung der Juden nichts mitzubekommen, hat auch in der Zeit während des Kriegs zunächst keinerlei Mangel. Der aufgrund einer Herzschwäche vom Wehrdienst befreite Hans fährt sogar mehrmals zur Kur quer durch Deutschland. Nur bruchstückhaft dringen die schrecklichen Geschehnisse auch in die Familie ein.

Nach Hans Tod durch Herzversagen 1943 zeigt sich Elisabeths soziale Stärke. Sie schafft es, als deutlich wird, dass der Krieg bald verloren sein wird, das Haus, ihre Eltern und die Kinder durchzubringen und später beim Einmarsch der Amerikaner sogar Unterstützung zu bekommen. Dennoch entscheidet sich sie nach deren Abzug die Heimat nicht aufzugeben, obwohl nun das Gebiet nach der Aufteilung der Alliierten an die Russen fällt …

Alles liest sich vollkommen natürlich, würde man diese Geschichte nicht mit dem heutigen Wissen lesen. Schädlich konstruiert das sehr geschickt. Er lässt den Krieg und die Gräueltaten der Nazis nur in ganz geringen Dosen in die im Kleinen heile Familienwelt einfließen, setzt bewusste Akzente. Erklärt nicht viel, lässt die Leser in der eigenen Vorstellung dieses Familienlebens treiben. Einzig der liebenswerte kleine Sohn Paul kommt einem hier als Persönlichkeit näher und steht vielleicht auch stellvertretend für die erschreckende Naivität der Bewohner dieser „normalen“ Familie im ländlichen Vogtland. Große Empfehlung!

„Die Villa“ erschien im Rowohlt Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Damiano Femfert: Rivenports Freund Schöffling Verlag

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Der Debütroman Damiano Femferts sprach mich gleich an. Die Thematik erinnerte mich an Olivier Guezs Roman „Das Verschwinden des Josef Mengele“. Nur leider, gleich vorweg, erreicht dieser Roman nicht die gleiche Qualität. Handwerklich gut geschrieben, aber leider doch ziemlich vorhersehbar gearbeitet und mit mir teils allzu salopper Sprache. Hätte ich nicht immer wissen wollen, ob die Geschichte doch noch eine spannende Wendung nimmt, hätte ich womöglich nicht zu Ende gelesen.

Die Geschichte spielt 1952 im Norden Argentiniens. In der Nähe einer Kleinstadt nahe der Grenze zu Chile wird ein verletzter Mann gefunden, der keine Papiere bei sich trägt und bei dem sich nach den ersten Untersuchungen herausstellt, dass er offenbar das Gedächtnis und die Sprache verloren hat. Chefarzt Rodrigo Rivenport betreut den Mann, obwohl er sich lieber mit seiner Schmetterlingssammlung beschäftigen würde (was überflüssigerweise anfangs auch dauernd im Text betont wird), er ist leidenschaftlicher Hobby-Entomologe. Als sich der Patient von den körperlichen Verletzungen erholt, zeigt sich, dass der große blonde Mann mit blauen Augen durch die Amnesie mit einem kindlich fröhlichem, neugierigen Gemüt versehen ist. Irgendwann nennt er den Namen Kurt. Irgendwann stellt sich heraus, dass er perfekt Orgel und Klavier spielen kann. Irgendwann stellt sich heraus, dass er ein Deutscher ist.

Schon hier kann man sich aufgrund des Settings leicht vorstellen, wer Kurt wirklich ist. Doch Rivenport, der sich allmählich aus seiner langweiligen Lebensroutine befreit, sich mit dem „Blondschopf“ anfreundet und vieles gemeinsam erlebt, braucht noch viele Seiten für seine Recherche von biografischen Daten nach der Herkunft und Identität des Mannes. Als er sie schließlich erhält, bleibt die Gewissensfrage.

„Und doch wusste er, Kurt war schuldig. Er war einer jener Täter, für die der Nationalsozialismus und der mit ihm verbundene Horror stand. Kurt erinnerte sich vielleicht nicht mehr, aber er war es doch, der anderen Menschen das Leben zur Hölle gemacht hatte, nicht andersherum, wie Rivenport nach seiner Chile-Reise angenommen hatte.“

Kurt, der zunächst die Identität eines im KZ ermordeten Juden annahm, nach Südamerika floh und dort auf der Flucht mit dem unter wieder anderem Namen gekauften Auto, einen Unfall hatte, bei dem er das Gedächtnis verlor und fortan ein selbstvergessenes vollkommen im Jetzt verankertes Leben weiterführt. „Darf das sein?“, fragt sich Rivenport und denkt dabei an die Metamorphose der Lepidopterae, von der Raupe, zum Kokon, zum wunderschönen Schmetterling. Kann aus einem SS-Mann ein gütiger Mensch werden?

Der Roman des 1985 geborenen Autor erschien im Schöffling Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Ulla Lenze: Der Empfänger Klett-Cotta Verlag

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Der neue Roman von Ulla Lenze basiert auf biografischem Material. Die Geschichte ist angelehnt an die Erlebnisse ihres Großonkels. Sie beginnt in Costa Rica 1953 und spielt in Rückblenden zu großen Teilen in New York beginnend im Jahr 1939, und zu kleineren Teilen in Neuss im Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949. Hauptfigur ist Josef Klein. Er ist ausgewandert in die USA, um es besser zu haben, sein Bruder Carl blieb zurück. Doch mit dem Job in einer Druckerei kommt er nur gerade so über die Runden. Aus seiner Passion für Funkgeräte lässt sich Geld machen, allerdings nicht so wie Josef sich das vorstellte, denn er gerät an patriotische Deutschamerikaner, die für die Nationalsozialisten spionieren.

Ein höchst spannendes Thema, das Ulla Lenze hier bearbeitet. Wenig bekannt ist über das Schicksal deutschstämmiger Amerikaner, die nach dem Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg unter Generalverdacht standen. Tatsächlich gab es zuzeiten den Amerikadeutschen Bund geführt von Fritz Kuhn einem glühenden Nazi, der sogar riesige öffentliche Kundgebungen, wie etwa im Madison Square Garden 1939 abhielt.

Josef „Joe“ Klein gerät zufällig durch einen Kunden der Druckerei in eine solche Veranstaltung und man bietet ihm, dem talentierten Amateurfunker, einen Job an. Joe scheint tatsächlich lange nicht zu verstehen (oder will es nicht wissen?) für wen er da arbeitet. Als es ihm klar wird, auch durch das Insistieren seiner Geliebten Lauren, die die Gefahr, die von den Nazis ausgeht deutlich erkennt, ist es natürlich zu spät. Er steckt mittendrin, erfindet und baut sogar ein mobiles Funkgerät, welches unabhängig von verräterischen Standorten bedient werden kann. Lauren besteht schließlich darauf, dass Joe sich beim FBI melden und berichten soll. Die wollen ihn dann als Gegenspion engagieren. Doch Joe ist für solche Aufgaben zu wenig raffiniert und sein Gewissen macht ihm zu Schaffen. Als er schließlich verhaftet wird, scheint er fast erleichtert.

Nach über 5 Jahren Haft und anschließender Internierung auf Ellis Island, der Insel, wo er einst erstmals einen Fuß auf amerikanischen Boden setzte, schickt man ihn nach Deutschland zurück. Dort wohnt er in Neuss bei seinem Bruder und der Familie. Doch weder er noch die Familie, die den Krieg so ganz anderes erlebt hat als er, kommen mit der Situation gut zurecht. So knüpft Joe wieder Kontakte zu den ehemaligen „Arbeitgebern“, in der Hoffnung mit neuem Pass über Südamerika wieder in die USA zurückkehren zu können …

Ulla Lenzes Roman macht neugierig und lädt dazu ein, sich mehr mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dazu bietet sie sogar eine Liste an Literatur und Filmmaterial im Anhang des Buches an. Sehenswert dazu diese Arte-Doku „Zum Nazi verdammt“. Dass da auch Arthur Millers „Fokus“ steht, passt gut, da der illustrierte Büchergildeband ohnehin hier zur Lektüre bereit liegt. Interessant auch, dass ich gerade erst einen Roman las, der in eben jener Zeit in Harlem um die 116. Straße spielt, in dem auch Protagonist Joe lebt: „The Street“ von Ann Petry. Mit vollkommen anderem Blickwinkel zwar, dennoch schließen sich für mich Kreise, klären sich Zusammenhänge. Beide Romane stelle ich in den nächsten Beiträgen ausführlich vor.

„Der Empfänger“ erschien im Klett-Cotta Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.