Antanas Škėma: Das weiße Leintuch Guggolz Verlag

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Von der alten in die neue Welt oder der Liftboy als Dichter

Antanas Škėma ist ein litauischer Autor, der von 1910 bis 1961 lebte. Über sein Buch „Das weisse Leintuch“ kann man nicht sprechen, ohne auch in die Biografie des Schriftstellers einzutauchen, dessen Roman zum ersten Mal ins Deutsche übertragen wurde. Škėma schrieb seinen Roman in den Jahren zwischen 1952 und 1954. Er wurde in Lódz geborenen, wo sein litauischer Vater als Lehrer arbeitete. Nach Beginn des ersten Weltkriegs floh die Familie zunächst nach Woronesch, weiter in die Ukraine und kehrte schließlich 1921 endlich ins inzwischen unabhängige Litauen zurück. 1929 begann Škėma sein Studium, zunächst Medizin, dann Jura, doch bereits 1944 musste die Familie wieder vor den sowjetischen Besatzern fliehen. Er fand sich in Deutschland wieder, in einem Camp für Displaced Persons. Dort schrieb er an Dramen und Kurzgeschichten. 1949 emigrierte er in die USA. Er arbeitete unter anderem wie seine Romanfigur als Liftboy. Er engagierte sich in Exilkreisen fürs Theater und schrieb Essays und auch Gedichte. Bereits 1961 starb er bei einem Autounfall.

In Škėmas Romanfigur Antanas Garšva spiegelt sich die Spaltung, die eigene und die Litauens, spiegelt sich die jahrhundertelange unruhige Geschichte eines Landes, dass erst seit relativ kurzer Zeit seine Stabilität gefunden hat. Diese Unruhe mag auch verantwortlich sein für die tief verankerten und wohl der eigenen Vergewisserung dienenden traditionellen Eigenarten. Lyrik, beispielsweise, geschrieben oder gesungen gehört als wichtiger Bestandteil dazu.

So finden sich allerlei sprachliche und geschichtliche Eigenheiten im Roman, Symbole und Verschlüsselungen, die sich allerdings anhand der hilfreichen Anmerkungen im Anhang meist erlesen und erklären lassen.

Erstaunlich frisch und modern liest sich Škėmas Roman, der 1958 unter dem Titel „Balta drobulé“ erschien. Der Autor erzählt seine Geschichte in zwei Strängen, zum einen in der Jetzt-Zeit als Liftboy in einem New Yorker Hotel, zum anderen in Rückblenden in die Kindheit und Adoleszenz in der Heimat Litauen. Einige Kapitel sind überschrieben mit „Aus den Aufzeichnungen von Antanas Garšva“ – vermutlich ist es ein Skript, das Garšva in der Geschichte seiner Geliebten Elena zu lesen überlässt, damit sie weiß, auf was sie sich mit ihm einlässt.  Beide Stränge sind jedoch nicht konsequent chronologisch gearbeitet, sie folgen vielmehr dem Gedankenstrom Garšvas. Oft scheinen surreale Elemente (wie etwa ein Auftritt bekannter verstorbener Dichter in der Personalkantine im Hotel:

„Durch die Tür kommt Rimbaud. Er taumelt, Gewehre, Säbel und Dolche in den Händen. Seinen Armen entgleitet das trunkene Schiff. Durch die Tür kommt der betrunkene Verlaine …“

– eine ganz wundersame Szene, wie auch der groteske schwäbische Beerdigungszug mit Kapelle im strömenden Regen), schimmernde Phantasiewelten durch diese Prosa, vornehmlich dann, wenn der Fahrstuhlführer Garšva seinen mitunter langweiligen Dienst versieht.

„Up und down, up und down in einem streng eingerahmten Raum. Sisiphos, von neuen Göttern an diesen Ort versetzt. Diese Götter sind humaner. Der Stein hat die Erdanziehung verloren. Sisyphos braucht keine geäderten Muskeln mehr. Triumph von Rhythmus und Kontrapunkt. Synthese, Harmonie, up und down.“

Anspielungen an die antike Mythologie findet man nicht wenige in Škėmas Geschichte, so löst sich auch das Rätsel um den Titel „Das weisse Leintuch“ gegen Ende des Romans auf. Škėma schöpft aus einem großen Wissensschatz aus Geschichte und Philosophie, aus der baltischen Götterwelt und aus heimischem, mitunter religiösem Volksliedgut; das macht das Buch so faszinierend vielschichtig.

Einführend begleitet der Leser Antanas Garšva auf seinem Weg durch die Straßen New Yorks zur Arbeit. Wir folgen ihm in die Personalräume im Keller des Hotels und lernen seine nächsten Kollegen kennen. Und wir hören von einem Arztbesuch und einer Krankheit. Wir sehen zu, wie Garšva seine Uniform mit der aufgestickten Nummer anzieht: Die Nummer 87 geht an die Arbeit, nicht ohne einen Gedanken an Elena, die unerreichbare Geliebte.

„Elena – eine Jerusalemer Jüdin an der Klagemauer. Elena – Undine, die sich ihren abgerissenen Fischschwanz annäht. Elena – eine kniende Karyatide mit der wankenden Annenkirche auf dem Kopf. Elena – ein Baseballschläger im Gras.“

Durch Garšvas Tagesgedanken spannen sich immer wieder Erinnerungsbögen. So erfahren wir die  wichtigsten Lebensabschnitte:

Der Vater war musikalisch begabt, konnte wie der Teufel Geige spielen, doch die Eltern konnten sich den Beitrag fürs Musikkonservatorium nicht leisten, so dass er Lehrer wurde. Mit seinem Vater lebte Antanas geraume Zeit allein, da die Mutter, ebenfalls Lehrerin, an einer psychischen Erkrankung litt. Sie jagte Antanas als Kind furchtbaren Schrecken ein, wenn wieder ein Schub bevorstand. Als es nicht mehr anders ging, lies der Vater sie in die Psychiatrie einliefern.

Bereits im Alter von 21 Jahren merkt Antanas, dass er Symptome jener Krankheit zeigt, die er vermutlich von seiner Mutter geerbt hat: Schizophrene Schübe oder epileptische Anfälle oder posttraumatische Belastungsstörungen, ganz klar ist das nicht zu deuten, die ihn urplötzlich überkommen. Etwas, was auch die erste Liebe zu dem Mädchen Joné überschattet.

Kurze Zeit darauf schlägt sich Garšva als Partisan durch: Eine weitere Schlüsselszene folgt: die Tötung eines Menschen, eines jungen gleichaltrigen Manns, des Gegners im Kampf. Wir erfahren von Lektüren und ersten Schreibversuchen, wir sind dabei, wenn der Held von der Geheimpolizei bedrängt wird, seine Gedichte doch mehr nach dem gängigen kollektiven Geschmack auszurichten, zunächst noch freundlich, doch später mit roher Gewalt. Einige Monate verbringt er danach in einer psychiatrischen Klinik. Doch es will keine Ruhe einkehren in sein Leben. Allein die Flucht scheint die Rettung und so lebt Garšva längere Zeit in einem Lager für Displaced Persons in Deutschland und macht sich dann auf die Reise in die neue Welt. New York ist das Ziel. Doch als Emigrant und Dichter wird er dort nicht bejubelt, das Dichten wird zur Nebensache, da es gilt, Geld zum Überleben zu verdienen.

„Ein kleiner Gedichtband – danach sehne ich mich. Nun fange ich sogar zu beten an. Ist das ein Zeichen von Schwäche? Ich habe nicht mehr die Kraft, nach der Antwort in Büchern zu suchen. Ich habe nicht mehr die Kraft, nach der Antwort in mir zu suchen. Ich bin ein Überschussprodukt der Natur.“

Škėmas Sprache ist abwechselnd weich und poetisch, zeitweise rau und ruppig, manchmal nur beschreibend. Je nach Szene passt sie sich den Ereignissen an. Mitunter schleicht sich Ironie ein, vor allem dann, wenn Garšva während seiner Tätigkeit im Fahrstuhl über die darin beförderten Hotelgäste vor sich hin sinniert. Auch in seinen Erinnerungen spürt man die Veränderung in der Sprache. Garšvas Frauengeschichten werden in einem ganz anderen Ton erzählt, als beispielsweise das Gespräch mit dem litauischen Dichterkollegen im Camp für Displaced Persons. Sofort merkt der Leser auch, dass es mit der bereits anderweitig liierten Elena etwas ganz besonderes auf sich hat, anders als mit den vorherigen Liebschaften. So spiegelt sich auch jegliche Stimmung wieder, keine innere Befindlichkeit bleibt verborgen.

Der Biografie Škėmas entnimmt man, dass er auch der „litauische Camus“ genannt wurde, aufgrund seiner existenzialistischen Art zu schreiben. Modern und zeitgemäß, auch beeindruckend experimentell ist sie in der Tat. Wie gut, dass dieser Roman nach langer Zeit auch ins Deutsche übertragen wurde (von Claudia Sinnig) – empfehlenswert ist diese Entdeckung des Berliner Guggolz Verlag unbedingt.

Elisa Macellari: Kusama Graphic Novel Laurence King Verlag

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Einen Tag nach der Eröffnung, musste die Ausstellung von Yayoi Kusama im Gropius Bau Berlin aufgrund der Corona-Massnahmen schon wieder schließen. Sobald es wieder möglich war, mehr als einen Monat später, buchte ich mir sofort ein Ticket und die Ausstellung übertraf deutlich meine Erwartungen. Denn es ist eben nicht dasselbe eine Ausstellung online zu sehen oder den realen Kunstwerken gegenüberzustehen, mit denen man gerade in dieser Ausstellung direkt in Kontakt treten kann.  Die Ausstellung läuft noch bis zum 15.8.

Als ich bei Fräulein Julias Kulturjournal sah, dass es eine Graphic Novel über Kusama gibt, war ich erfreut. Wie meine Blogleser*innen ja wissen, bespreche ich hier auch immer wieder Graphic Novels, auch aus persönlichem Interesse als selbst Malende (so entstand gleich nach dem Besuch der Ausstellung auch unten stehendes Bild mit Tusche und Aquarellkreide). Außerdem gibt es ein 1000-Teile-Puzzle, welches ich bisher noch nicht in Angriff genommen habe.

Eingangs finden sich einige Seiten Text zur Einführung in die Lebens- und Künstlerinnenwelt von Kusama. Interessant scheint mir hierbei die Prägung durch östliche und westliche kulturelle Traditionen. Dann tauchen wir in die Bilder ein. Dass die rote Farbe am dominantesten ist, ergibt sich aus den künstlerischen Arbeiten. Am bekanntesten sind wohl die Polka-Dots. Eine Art Türkis, ein beinahe fliederfarbenes Violett und Schwarz ergänzen das Rot. Die Aufteilung der Bilder und Textanteile scheint mir gelungen über Kusamas Lebenszeit verteilt und ein stimmiges biographisches Abbild zu zeichnen. Es beginnt 1939 in Matsumoto, Japan, wo Kusama mit den Eltern lebt. In der Natur hat sie bereits als Kind Erlebnisse, die auf besondere Bewusstseinszustände hinweisen: Pflanzen und Tiere sprechen mit ihr. Ihre Verarbeitung des Erlebten ist das Malen.

1958 lebt Kusama in New York. Sie arbeitet dort als Künstlerin. In Kyoto hatte sie Kunst studiert. Als sie einen Kunstband von Georgie O`Keeffe entdeckte, empfand sie eine tiefe Verbindung. Sie schrieb der Künstlerin und diese will ihr in New York helfen.  Es dauerte dann noch lange bis sie ihre Eltern überzeugte, aufbrechen zu dürfen. Dort hat sie immer wieder Halluzinationen, Angstattacken, psychosomatische Körperbeschwerden, erhält schließlich die Diagnose Depersonalisation. Dennoch geht sie mit großer Kraft an ihre Kunstwerke, hat erste Ausstellungen, organisiert Happenings und Performances, hat einige wenige Erfolge in den 60er und 70er Jahren, begegnet Warhol und Dali. Ihre Kunst passt perfekt in diese wilde Zeit, sie erschüttert und rüttelt auf und bricht verkrustete Konventionen auf, bewirkt Veränderungen der Wahrnehmung auf Kunst, gerade auch zum Thema Gleichberechtigung und Sexualität. Umso erstaunlicher, da sie selbst keine Sexualität lebt, (vielleicht deshalb in ihrer Kunst ausdrückt: immer wieder auftretendes Motiv ist der Phallus) und eine platonische Beziehung zu einem viel älteren Mann führt.

1975 ist sie wieder in Japan und in Tokio in psychiatrischer Behandlung. 1977 entschließt sie sich ganz in einer psychiatrischen Klinik zu leben, ist aber auch dort künstlerisch enorm produktiv. Für sie scheint Kunst eine wichtige Ausdrucksform, ja ein Ventil zu sein, sie findet darin Stabilisierung ihrer Seele. Erst 1987 hat sie ihre erste Retrospektive in Japan. 1989 entdeckt man sie in den USA neu und sie stellt 1993 auf der Biennale in Venedig aus. 2017 eröffnete sie ihr eigenes Museum in Tokio. Sie malte bis heute großformatige bunte Bilder, die jedes für sich, ganze Welten darstellen. Selten hat mich in letzter Zeit eine Künstlerin so enorm beeindrucken können. Ein Leuchten für Kunst und Buch!

Die Graphic Novel und das Puzzle erschienen im Laurence King Verlag. Aus dem Englischen übersetzt hat es Juliane Lochner. Die italienische Originalausgabe gestaltete Elisa Macellari ganz wunderbar und vollkommen stimmig zu Kusamas Kunst. Illustrationen und Text überzeugen. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Don DeLillo: Die Stille Kiepenheuer & Witsch Verlag

Eine Flugzeugnotlandung in New York, ein Baseballspielübertragung, die nicht übertragen wird, der Bildschirm schwarz, die Notbeleuchtung in einem Krankenhaus. Fünf Menschen, zwei ältere Paare, ein junger Mann in einer Wohnung, die einen Stromausfall mutmaßen, aber über Schlimmeres spekulieren (ein Sonnensturm? der dritte Weltkrieg?). Das sind die Eckdaten des neuen Buches von Don DeLillo, dem großen amerikanischen Schriftsteller. Seine Romane sind fast immer kurz und knackig. Dieser hier ist gerade 100 Seiten lang und ich bin nicht sicher, was ich davon halten soll. Knackig finde ich ihn diesmal nicht. Klar, es geht um uns: die Gesellschaft des Überflusses, der Technologien, der weltweiten Vernetzung, der Globalisierung. Ob „Die Stille“ eine Kritik daran sein soll oder nur eine Momentaufnahme des Zusammenbruchs des Systems?

„Das Halbdunkel. Es steckt irgendwo im kollektiven Bewusstsein, sagte Martin. Die Pause, das Gefühl, das schon einmal erlebt zu haben. Irgendeine Naturkatastrophe oder Invasion. Ein warnender Instinkt, den wir von unseren Großeltern oder Urgroßeltern geerbt haben oder von noch weiter zurück. Menschen im Griff einer ernsten Bedrohung.“

Die Gespräche der Personen, die sich in der Wohnung in Manhattan eingefunden haben, um gemeinsam ein Baseballspiel zu sehen, sind so stupide wie Smalltalk oft ist und gleichzeitig spiegeln sie vermutlich die Hilflosigkeit angesichts der Situation. Der eine, Physikdozent, der alles was geschieht, von Einstein her denkt, bringt gleichzeitig Wissenschaft und Naturgesetze ins Spiel. Einer der hinterfragt, die anderen, die verständnislos eher hinnehmen, als versuchen zu verstehen?

„Von dem einen schwarzen Bildschirm in dieser Wohnung bis zur Lage ringsum. Was passiert da? Wer tut dem Ganzen das an? Sind unsere Gehirne digital überarbeitet worden? Sind wir ein Experiment, das zufällig gerade auseinanderbricht, ein Plan, den Kräfte außerhalb unserer Kalkulationen in Gang gesetzt haben?“

So begeistert ich sonst von DeLillos Romanen bin, so ratlos bin ich hier mit diesem. Was ihm gut gelingt, sind die unterschwelligen Schwingungen zwischen Einzelnen darzustellen. Dennoch hätte ich mir mehr Input gewünscht. Fazit: Schnell gelesen, die Kernessenz erfasst, aber wenig überzeugt von Sprache, Szenario und Personal. Im Feuilleton gibt es allenthalben jubelnde Stimmen, was ich nicht nachvollziehen kann. Immerhin in der Süddeutschen habe ich eine enttäuschte Stimme gelesen, was mich etwas beruhigt. Ich empfehle, lieber ältere Titel von DeLillo, zum Beispiel „Null K“, das mir sehr gut gefiel. Die Besprechung gibt es hier.

„Die Stille“ (auch den Titel finde ich wenig stimmig) erschien im Kiepenheuer & Witsch Verlag. Übersetzt hat den Text wie immer Frank Heibert. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Nell Zink: Das Hohe Lied Rowohlt Verlag

Nach „Virginia“ ist es der zweite Roman, den ich von der in Bad Belzig nahe Berlin lebenden Amerikanerin Nell Zink lese und es bestätigt sich, dass diese Autorin eine ungewöhnlich gute Erzählerin ist. Ich frage mich, warum sie so selten im Feuilleton oder auf Blogs besprochen wird. Ihre Erzählweise ist so mitreißend, kraftvoll und witzig, dass es eine Freude ist. So schafft sie es mit Themen, in denen ich mich gar nicht auskenne oder für die ich mich normalerweise nicht so brennend interessiere, dass ich trotzdem bereits nach den ersten Zeilen nicht mehr von ihrer Story los komme.

In „Das Hohe Lied“ spannt sie einen Bogen vom New York der 80er Jahre über Washington DC bis übers Jahr 2016 hinaus, als Donald Trump die Wahl zum Präsidenten gewinnt. Wir lernen Joe, Daniel und Pam kennen. In einzelnen Kapiteln werden diese Hauptprotagonisten mit ihrer Herkunft vorgestellt, bis sie in der Geschichte schließlich in New York zusammen treffen. Alle drei wollen Musik machen. Alle drei können es aber gar nicht so toll. Trotzdem planen sie mit einem von Daniel getragenen Musiclabel Joes unverblümt spontane Musik zu veröffentlichen. Daniel und Pam werden ein Paar. Pam ist früh von zuhause, sprich Washington DC abgehauen und hat als Programmiererin einen guten Job gefunden. Daniel arbeitet für Zeitarbeitsfirmen. Als Pam sehr jung schwanger wird, ist es für beide trotzdem keine Frage das Kind zu bekommen. Sie engagieren Joe als Babysitter für Flora und produzieren nebenbei Musik. Unverhofft wird ein Song von Joe tatsächlich erfolgreich, er unterschreibt einen Plattenvertrag und geniesst künftig sein hedonistisches Leben. Die raffinierte drogenabhängige Freundin, die der unbedarfte Joe aufgabelt, lässt Pam und Daniel sich um ihn sorgen …

Dennoch läuft alles ganz gut, bis am 11.9.2001 in New York zwei Flugzeuge in das World Trade Center donnern. Ab diesem Zeitpunkt verändert sich das Leben. Daniel und Pam packen die kleine Flora ins Auto und fahren zu den Großeltern. Dort kommt es schließlich zum Entschluss, Flora dort im sicheren Wohnviertel zur Schule gehen zu lassen. Die beiden Alt-Punks kehren ins in die Jahre gekommene Loft nach New York zurück.

„Die Stadt hatte ihren Billigtouch verloren. […] Die Reichen waren noch reicher, und Armut war inzwischen nicht mehr praktikabel. In ganz Manhattan stand die Mittelschicht mittleren Alters inmitten der Trümmer ihrer privaten Altersvorsorge und wartete darauf, ihre Positionen im mittleren Management zu verlieren.“

Wir begleiten sowohl die persönliche Entwicklung und Ausbildung von Flora, als auch die der politischen Entwicklung der Vereinigten Staaten. Der Bankencrash, der erste schwarze Präsident, und dann der Wahlkampf, der auf die Wahl Trumps zusteuert, in dem sich Flora nach Ende ihres Studienabschlusses in Biochemie für die Grünen engagiert. Flora steht stellvertretend für die junge Generation, die mit den Sozialen Medien aufwächst und sich in diesen sicher bewegt.

„Sie war damit groß geworden, der potenziell sofortigen weltweiten Verbreitung eines jeden von ihr geäußerten Wortes eine Kosten-Nutzen-Analyse vorauszuschicken.“

Sie steht für die Generation, die sich aufgrund des Klimawandels um ihre Zukunft sorgt, die die Welt retten und sich politisch engagieren will, die sich aber auch mit einer gewissen Desillusionierung auseinandersetzen muss.

„Der Krieg gegen öffentliche Güter und privates Auskommen hatte einen Namen: Wirtschaftswachstum, Kapitalismus, der zum Kapital – den natürlichen Ressourcen, wie etwa Flüssen voller kostenlosem Fisch – im selben Verhältnis stand wie der Islamismus zum Islam. Es war ein Fetisch, der „Güter“ produzierte, die nicht „gut“ waren.“

Mit dem Ergebnis, dass Flora mehr als einmal hinterfragt, wohin die Reise gehen soll und erst recht wozu. Auch in ihren ersten Beziehungen zeigt sich dieses Schwanken, dieses nicht genau wissen wohin. Der Professor, der an der Uni ihre Arbeit betreut, der wesentlich ältere eloquente Politik-Berater, der junge unbedarfte Praktikant, der an Joe erinnert? Manchmal erfordern dann die Ereignisse doch Entscheidungen, so auch bei Flora.

Nell Zink hat einen überzeugenden, wie unterhaltsamen Roman geschrieben, der durchaus kritisch brandaktuelle Themen unter die Lupe nimmt. Zink brachte mir dabei zum Beispiel die Funktionsweise des Wahlkampfs in den USA, die mich bisher gar nicht interessiert hat oder aber auch, wie die Musikszene und der Musikbusiness wirklich funktioniert, nah. Sie ist eine kluge Erzählerin, die nie langweilt, ganz gleich um was es geht. Sie schreibt in einer ebenso flotten, wie gründlichen Sprache mit sehr gelungenem Humor. Die hohe Qualität hält sie geschickt bis zum perfekt konstruierten Schluss durch.

Der Roman erschien im Rowohlt Verlag. Übersetzt wurde es von Tobias Schnettler. Eine Leseprobe gibt es hier.

Christina Hesselholdt: Vivian Hanser Berlin

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Als ich im Januar 2019 die Ausstellung „In her own hands“ mit Photographien von Vivian Maier (Foto siehe oben) sah, war ich überwältigt von der Fülle und dem genauen Blick der Künstlerin. Dass der größte Teil ihrer Fotos erst nach ihrem Tod entdeckt, ja entwickelt wurden, ist das Schicksal, das viele Künstler teilen. Das Leben der 1926 geborenen und 2009 gestorbenen Vivian Maier war nicht einfach, sehr unruhig, oft prekär und womöglich gab ihr die Photographie einen Grund da zu sein.


Die 1962 geborene dänische Autorin Christine Hesselholdt hat nun ein ungewöhnliches Lebensporträt geschrieben. Ich bin hin- und hergerissen von diesem Buch. Die Autorin geht ein Wagnis ein, mit dem ich nicht immer einverstanden bin. Dann wieder denke ich, wie sonst könnte man sich dieser Künstlerin nähern, von der ja nicht so viel autobiografisches Material zur Verfügung steht. Hesselholdt setzt einen allwissenden Erzähler ein. Dazu kommt Vivian selbst zu Wort, aber auch die Menschen, denen sie begegnet ist, wie etwa ihre wohlhabenden Arbeitgeber, als sie viele Jahre lang als Kindermädchen jobbt.

Hier übertreibt es die Autorin meinem Empfinden nach, indem sie Vivian als ein eher unzumutbares Kindermädchen schildert. Eine, die dem Kind brüsk befiehlt aufzuessen, unterwegs auf ihren Fototouren Süßigkeiten klaut, die es mitnimmt in den Schlachthof, damit es das wirkliche Leben kennenlernt. Ist das irgendwo aus Biografischem herauszulesen? Was hier Wahrheit und was Fiktion ist, bleibt ein Rätsel.

Der gesamte erste Teil spielt im Haus der Familie, in der Maier ab 1968 als Kindermädchen arbeitet. Immer wieder spricht hier Sarah, Mutter des Kindes und Hausherrin aus ihrem Leben und der Kindheit bei den Großeltern in Dänemark (Autobiografisches der Autorin?), was mich wenig interessiert. Und dann bin ich doch wieder eingenommen von der Sprache und den kreativen Einfällen der Autorin, wenn sie etwa Vivian als eine Art Messie schildert, wie es seinerzeit die wohlhabenden Gebrüder Collyer waren und damit bekannt wurden (wunderbar nachzulesen in E. L. Doctorows Roman Homer & Langley).

Im zweiten Teil beginnt der Erzähler (aka Autorin?) darüber nachzudenken, was er/sie überhaupt mit Fotographie anfangen kann, was Fotos zeigen, denn es scheint ja nichts als nur eine Momentaufnahme zu sein. Hier wird reflektiert, was Vivian Meiers beabsichtigte, wenn sie Bilder machte.

„Der Bäcker fragte: „Warum machen Sie so viele Fotos?“ „Haben Sie mitgezählt?“, antwortete ich. Darauf wusste er nichts zu sagen.“

Dann geht es rückwärts in der Zeit. Maria, Vivians Mutter hat sich vom Vater getrennt und zieht mit der kleinen Tochter bei der Porträtfotographin Jeanne Bertrand ein. Nach einer kurzen Zeit in Südfrankreich kehren die drei zurück. Nun erzählt überwiegend Vivian. Wir erfahren von der zerrütteten Familie und vom Werdegang Vivs. Zum Ende des Buches hin, verläuft der Text in eine Art Zwiegespräch zwischen Vivian und Erzähler.

„Ich fange mich nur selten lächelnd ein, aber heute war es der Fall: Ein Mann trug eine Scheibe vorbei, und ich fotografierte ihn von hinten, sodass ich mich im Glas spiegelte und es aussah, als würde er mich tragen.“

Vivian wird als forsche, wenig einfühlsame, etwas sonderliche einzelgängerische Person geschildert. Auch war sie an Männern, Frauen, Familie überhaupt nicht interessiert, ja generell waren ihr nähere Beziehungen wohl suspekt. Ist es das was die Autorin auf ihren vielen Selbstporträts erkennt? Sie wird als gesellschaftskritisch dargestellt. War sie das? Sind ihre Fotographien vor diesem Hintergrund entstanden? Tatsächlich schwand meine anfängliche Skepsis während der Lektüre mehr und mehr und ich empfinde nun den Roman als ungewöhnlich, aber höchst gelungen. Eine Biographie ist es jedoch nicht, eher eine Annäherung.

Ich habe mir begleitend den Band „Vivian Maier Street Photographer“ vom Schirmer & Mosel Verlag aus der Bibliothek geholt. Hier sind viele Fotos zu sehen, die Hesselholdt in ihrem Buch beschreibt. Offenbar hat sie sich auch intensiv mit diesem Band beschäftigt. Die Fotos, die in meinem Beitrag zu sehen sind, sind alle aus diesem Buch (bis auf ein farbiges Selbstporträt aus „Die Farbphotographien“, ebenfalls Schirmer & Mosel) und es sind alles jene beschriebenen Szenen.

Der Roman erschien im Hanser Berlin Verlag. Übersetzt aus dem Dänischen hat ihn Ursel Allenstein. Eine Leseprobe gibt es hier . Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Ottessa Moshfegh: Mein Jahr der Ruhe und Entspannung Liebeskind Verlag

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Nach „Eileen“ von Ottessa Moshfegh brauchte ich Nachschub. Es geschieht gar nicht so oft, dass ich von einem/r Autor/in alle Bücher lesen will. (Zuletzt war es Dag Solstad, der brillante norwegische Erzähler). Aber in Moshfeghs Bücher bin ich verliebt. Sie ist so eine brillante Erzählerin mit so einer eigenen Stimme und so abwechslungsreichen Themen, dass sie für mich wirklich die Entdeckung des Jahres ist.

In „Mein Jahr der Ruhe und Entspannung“ habe ich mich enorm wohlgefühlt. Obwohl die Protagonistin alles andere als sympathisch, eher Antiheldin ist, wirkt sie auf mich zutiefst menschlich. In aller Verschrobenheit der Figuren, in aller Absurdität der Geschichten liegt so viel Wahrheit, und ja, so viel Gesellschaftskritik, die nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. Wie schon in „Eileen“ ist es eine Figur, die es in der Wirklichkeit sicher häufiger gibt, nur will selbst niemand so sein. Dass die Autorin manches überspitzt darstellt, macht gerade den Reiz ihres Schreibens aus.

Diesmal erzählt sie von einer jungen Frau, die scheinbar alles hat was sie braucht. Ausreichend Geld, Schönheit, einen Job in einer angesagten Kunstgalerie, eine Wohnung in einer guten Gegend, ein hippes Leben in New York. Von ein auf den anderen Tag, gibt sie ihren Job auf und bleibt zuhause. Sie verlässt die Wohnung nur noch, um etwas zu Essen oder Kaffee zu holen. Sie will vor allem nur noch schlafen. Dass das ohne Hilfsmittel nicht funktioniert, merkt sie schnell und kontaktiert eine Psychotherapeutin, der sie so manche Befindlichkeit vorspielt. Und es gelingt: sie erhält unzählige Rezepte über diverse Schlaf- und Beruhigungsmittel. Die Gespräche mit der selbst höchst skurrilen Therapeutin Dr. Tuttle wiederholen sich einmal pro Monat.

„Aus ärztlicher Sicht muss ich Ihnen vom Bedienen schwerer Maschinen abraten – fahren Sie keine Sattelschlepper oder Schulbusse. Haben Sie es schon mit dem Infermiterol probiert?“

Zwischen den Schlafphasen der namenlosen Heldin erfahren wir etwas über deren Lebensumstände, die dann doch nicht immer so rosig waren. Kühles Elternhaus, früher Krebstod des Vaters, emotional abwesende alkohol- und tablettenabhängige Mutter, bald ebenfalls tot. Und zuletzt die Trennung von Trevor, einem Mann, der sie ausnutzte.

„Ich wollte mich auch am Gefühl der Verlassenheit festklammern, der Leere des Hauses, die mich daran erinnern sollte, dass es besser war, allein zu sein als umgeben von Menschen, die einen eigentlich lieben müssten, aber nicht dazu in der Lage waren.“

Während die Heldin ihre Medikamente durcheinander und in hoher Anzahl nimmt, wird sie nach dem Aufwachen gewahr, dass sie während des vermeintlichen Schlafs doch aktiv ist: auf einer Single-Seite chattet, in angesagten Clubs trinkt, mitunter horrende Rechnungen über Internet-Bestellungen erhält, Unmengen an Liefer-essen auf dem Tisch steht, etc. Ab und an bekommt sie Besuch von ihrer einzigen Freundin Reva, die ihre seltsame Verwandlung so gar nicht verstehen kann und sich sorgt. Doch für unsere Heldin ist sogar Reva nur ein Störfaktor. Reva selbst leidet an Magersucht und an dem Idealbild der toughen erfolgreichen hoch gestylten (aber mageren) jungen Frau. Dass unsere Heldin ihre Freundin doch mehr braucht, als sie denkt, merkt sie viel später erst.

„Ich setzte große Hoffnung auf das Ambien. Vier Ambien, dazu ein schöner Hustensaft, und ich wäre mindestens vier Stunden lang weg. „Denk positiv“, wie Reva immer sagte.“

Als eine Art Selbstfindungsprozeß, wenngleich sehr skurril und nicht unbedingt nachahmenswert, kann man diese Geschichte lesen. Die Heldin erkennt, dass alles was sie besitzt, nicht die Einsamkeit und innere Leere, vertreiben kann und versucht dieses Selbstexperiment. Denn um sich tatsächlich gänzlich von der äußeren Welt fernzuhalten, verbringt sie die letzten Monate tatsächlich nur im Tiefschlaf, der endlich Läuterung bringen soll. Wie und ob das gelingt, wird nicht verraten. Sicher ist jedoch, dass Moshfegh das Ende der Geschichte höchst gelungen konstruiert hat. Was ich bereits in „Eileen“ sehr zu schätzen wusste, ist ihr wirklich tiefschwarzer Humor, der seinesgleichen sucht. Ein Leuchten!

Der Roman der US-amerikanischen Autorin erschien im Liebeskind Verlag. Die wunderbare Übersetzung stammt von Anke Caroline Burger. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar und stürze mich gleich in die Erzählungen im neuen Buch „Heimweh nach einer anderen Welt“. Besprechung folgt.

Eine weitere Besprechung gibt es auf dem Blog Letteratura.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Ann Petry: The Street Nagel & Kimche Verlag

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„An der Pennsylvania Station kaufte sie sich eine Fahrkarte nach Chicago.
„Einfach?“, fragte der Mann am Schalter.
„Einfach“, bestätigte sie. Ja, dachte sie. Die Reise geht seit meiner Geburt in nur eine Richtung.“

Ann Petrys (1908 – 1997) Roman erschien bereits 1946. „The Street war der erste Roman einer afroamerikanischen Frau, der sich über 1,5 Millionen Mal verkaufte.“ steht dazu im Klappentext. Die Journalistin hat sich in allen ihren Texten mit dem Rassismus auseinandergesetzt. Das ist das Hauptthema in diesem Roman. Welche Chancen hast du überhaupt, wenn du nicht mit weißer Hautfarbe geboren bist? Was mir aber in diesem Buch mindestens genauso stark auffiel, war die Diskriminierung der Frau. Eigentlich gibt es in der ganzen Geschichte nur starke Frauen, die aber scheitern, weil sie von Männern (oft mit ihren Kindern) sitzengelassen, ausgebeutet, benutzt und auf ihren Körper reduziert werden. Ein Albtraum, den auch Lutie Johnson, die Hauptfigur von The Street erlebt.

Die Straße ist die 116. in Harlem, New York in den 40er Jahren und steht stellvertretend für alle Straßen, in denen nur Schwarze lebten, weil sie mussten, weil sie keinen Zugang zu anderen, „besseren“ Straßen und Vierteln hatten. Die junge Lutie Johnson zieht hier hin, weil ihr Mann Jim sie mit einer anderen betrogen hat, im eigenen kleinen Haus in einem besseren Viertel. Jim hat das Haus von seiner Mutter geerbt. Als er keine Arbeit findet, verdingt sich Lutie in einer reichen weißen Familie als Kindermädchen. Da sie dort während der Woche wohnen muss, sieht sie ihren eigenen achtjährigen Sohn Bubb weniger als den Sohn ihrer Arbeitgeber. Ihr Mann Jim nutzt das aus und holt sich eine andere ins Haus. Als Lutie das erfährt, zieht sie mit Bubb in eine schäbige Wohnung in der 116. Sie macht Abendkurse, um sich weiterzubilden und bekommt schließlich einen Bürojob, von dem sie sich und Bubb gerade so ernähren kann. Aus der reichen Familie hat sie im Kopf, dass es in Amerika jeder schaffen kann, nach oben zu kommen, reich zu werden. Wie wenig das auf Schwarze zutrifft, erfährt sie, trotz aller neuer Hoffnung dann doch immer wieder.

„Straßen wie die, in der sie lebte, waren kein Versehen. Sie waren sozusagen die Lynchmobs des Nordens, dachte sie bitter. Auf diese Weise hielten Großstädte die Schwarzen gefügig. […] Seit ihrer Geburt wurde sie mehr und mehr in die Enge getrieben, bis sie fast ganz eingemauert war, und diese Mauer hatten Stein für Stein eifrige weiße Hände errichtet.“

Vom Hauswart gierig begafft, von einer Mieterin, die in ihrer Wohnung einen Puff betreibt und ihr einen „Nebenverdienst“ anbietet, beobachtet, von der Arbeit erschöpft, erhofft sich Lutie dennoch immer einen Absprung aus dieser Düsternis. Eine bessere Wohnung, ein besseres Viertel, schon für ihren Sohn. Als sie einen Job als Sängerin in einem Nachtclub angeboten bekommt, träumt Lutie von einer schöneren Zukunft. Dass sie ihre Gage nur bekommen wird, wenn sie zu ihrem Boss, einem Weißen, „nett“ ist, weiß man als Leser längst. Die stolze Lutie lässt sich darauf nicht ein. Schließlich gerät ihr Sohn, der Geld dazu verdienen will, in Schwierigkeiten mit dem Gesetz, als er sich auf einen kriminellen Job vom Hauswart einlässt. Der spielt ein perfides Spiel, um sich an Lutie zu rächen, weil er von ihr abgewiesen wurde. Um Bubb auszulösen, braucht Lutie 200 Dollar. Weil sie die nicht hat, wendet sie sich aus Verzweiflung an jenen Nachtclubbesitzer …

Ann Petry hat einen atmosphärisch dichten Roman geschrieben, der im Kontext seiner Zeit, einen Meilenstein bildet. Sie arbeitet ihre Figuren und Charaktere genau aus und zeigt uns, dass hinter jedem Menschen, auch dem „Bösen“ ein einzelnes Schicksal steht. Er verhält sich so, weil er aus seinen Erfahrungen heraus, nicht anders kann. Sie stellt außerdem die Straße als „Täterin“, als Verursacherin des Leids in den Mittelpunkt. Das ist faszinierend, weil sie damit quasi das Unglück, die Gewalt, die Armut auslagert. Litaneihaft lässt sie Lutie dann auch immer wieder wiederholen, das sie aus der Straße weg muss, dass sie deshalb sparen müssen, dass sie mehr Geld brauchen. Luties ganzer Kampf richtet sich darauf, an einem besseren Ort, besser leben zu können. Das ist gekonnt inszeniert und inhaltlich brisant.

Ann Petrys Roman wurde von Uda Strätling aus dem Amerikanischen übersetzt. Ein aufschlussreiches Nachwort von Tayari Jones (deren Roman An American Marriage ich bereits hier besprochen habe) ist beigefügt. Er erschien im Nagel & Kimche Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Arthur Miller: Fokus Büchergilde Gutenberg

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In ihrem Nachwort dieser Büchergilde-Ausgabe von Arthur Millers (1915 – 2005) Fokus, schreibt die Illustratorin und Grafikerin Franziska Neubert darüber, wie erschrocken sie war, als sie das Buch las, um sich auf die Illustrationen vorzubereiten. Genauso erging es mir. Arthur Miller, vor allem bekannt durch seine Theaterstücke, schreibt in seinem einzigen Roman über Antisemitismus in den USA. Die Geschichte erschien erstmals 1945, sie spielt kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in New York. Bisher war mir nicht bewusst, dass der Antisemitismus auch in den Vereinigten Staaten solche Ausmaße besaß. Nach einiger Recherche ist mir nun klar, dass es vor allem christliche Organisationen waren, die massiv gegen Juden hetzten, wie in Millers Roman die „Christliche Front“.

Zitat aus Wikipedia„Nach einer Umfrage von 1939 waren 53 Prozent der US-Bürger der Ansicht, dass Juden anders seien und Einschränkungen unterliegen sollten. Verschiedene Untersuchungen zwischen 1940 und 1946 belegten, dass sie als eine größere Gefahr für das Wohl der Vereinigten Staaten angesehen wurden als jede andere national, religiös oder rassisch definierte Gruppe“ 

In „Fokus“ erleben wir, wie der als Personalchef in einem großen Unternehmen tätige Lawrence Newman nach jahrzehntelanger Betriebszugehörigkeit plötzlich aus seiner leitenden Position verdrängt wird. Der Grund: Er muss wegen eingeschränkter Sehkraft eine Brille tragen, die ihn in den Augen vieler wie ein Jude aussehen lässt. Erschreckend, wie allein anhand der Physiognomie hier Ausgrenzung stattfindet. Auch als Personalchef hatte Newman strenge Anweisungen „solche“ Bewerber gleich abzuwimmeln. Nun trifft es ihn selbst. Lange findet er keinen Job und auch in den Augen seiner Nachbarn wird er plötzlich zum Feind. Vor allem, weil er einer antisemitisch ausgerichteten Organisation nicht beitreten will, für die sein Nachbar Fred wirbt. In der gleichförmigen Einfamilienhaussiedlung in Queens gibt es jedoch schon Anfeindungen gegen den Ladenbesitzer Finkelstein. Man will das Viertel „säubern“.

„Finkelstein war noch ein junger Mann, als Jude aber war er alt. Er wusste, was da vorging; er musste es wohl wissen. Zweimal hatte er in den letzten drei Wochen, wenn er um sechs Uhr früh aus seinem Haus gekommen war, seinen Mülleimer auf der Seite liegend gefunden und die Abfälle vor seinem Haus verstreut.“

Newman, der, selbst voller Vorurteile, zuvor nie darüber nachgedacht hatte, warum man Juden ausgrenzt, erfährt nun selbst, was es bedeutet. Er wird nicht mehr als Einzelner gesehen, sondern aufgrund der vermeintlichen Zugehörigkeit einer Rasse behandelt. Newman versucht anfangs alles zu tun, weiter dazuzugehören, doch das ändert nichts. Etwas verändert sich nun in seinen Gedanken.

Als er an seiner neuen Arbeitsstelle eine Frau trifft, deren Bewerbung er ehemals aufgrund ihres Aussehens als Personalchef abgelehnt hatte, scheint sich sein Leben noch einmal grundlegend zu ändern: Er verliebt sich, sie heiraten. Zunächst scheint alles leichter, doch als beide in einem Hotel aufgrund ihrer vermeintlichen Herkunft kein Zimmer erhalten, beginnt auch hier die Schmach. Lawrences Frau Gertrud möchte nun, dass er auch zu den Versammlungen geht, dass sie endlich auch zeigen, auf welcher Seite sie sind. Newman hingegen erlebt am eigenen Leib, was die Fanatiker anrichten können. Das, was vorher allein Finckelstein zu ertragen hatte, trifft nun auch ihn. Er erlebt Ablehnung bis hin zur physischen Gewalt. Doch all das sensibilisiert ihn umso mehr. Und so steht er schließlich Finkelstein näher als allen anderen …

Arthur Miller hat einen Roman geschrieben, der mich aufgrund seiner perfekten Konstruktion und seiner gekonnten Sprache stark beeindruckt. Vollkommen mit genommen und mit wachsender Erschütterung las ich dieses Buch und möchte es hier bedingungslos empfehlen. Zumal Franziska Neuberts Holzschnitte sich in ihrer Zurückgenommenheit perfekt in die Geschichte einpassen, genug Raum lassen für eigene Bilder. Nie zeigt sie Gesichter, nie sieht man Newman genau. Absichtlich nicht, sagt Neubert. Das leuchtet ein, zumal allein die Atmosphäre und die Farbgebung hinreichend Auskunft geben, dass hier Unheimliches geschieht. Ein Leuchten!

„Fokus“ erschien in der Büchergilde Gutenberg wie immer in feinster Ausstattung. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzte es Doris Brehm. Von der 1977 geborenen Graphikerin Franziska Neubert stammen die ausdrucksstarken Illustrationen.

Weiter Besprechungen zum Buch gibt es bei Zeichen & Zeiten und bei Gute Literatur – Meine Empfehlung.

Ergänzend bietet sich als Lektüre an: „Der Empfänger“ von Ulla Lenze.

Ulla Lenze: Der Empfänger Klett-Cotta Verlag

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Der neue Roman von Ulla Lenze basiert auf biografischem Material. Die Geschichte ist angelehnt an die Erlebnisse ihres Großonkels. Sie beginnt in Costa Rica 1953 und spielt in Rückblenden zu großen Teilen in New York beginnend im Jahr 1939, und zu kleineren Teilen in Neuss im Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949. Hauptfigur ist Josef Klein. Er ist ausgewandert in die USA, um es besser zu haben, sein Bruder Carl blieb zurück. Doch mit dem Job in einer Druckerei kommt er nur gerade so über die Runden. Aus seiner Passion für Funkgeräte lässt sich Geld machen, allerdings nicht so wie Josef sich das vorstellte, denn er gerät an patriotische Deutschamerikaner, die für die Nationalsozialisten spionieren.

Ein höchst spannendes Thema, das Ulla Lenze hier bearbeitet. Wenig bekannt ist über das Schicksal deutschstämmiger Amerikaner, die nach dem Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg unter Generalverdacht standen. Tatsächlich gab es zuzeiten den Amerikadeutschen Bund geführt von Fritz Kuhn einem glühenden Nazi, der sogar riesige öffentliche Kundgebungen, wie etwa im Madison Square Garden 1939 abhielt.

Josef „Joe“ Klein gerät zufällig durch einen Kunden der Druckerei in eine solche Veranstaltung und man bietet ihm, dem talentierten Amateurfunker, einen Job an. Joe scheint tatsächlich lange nicht zu verstehen (oder will es nicht wissen?) für wen er da arbeitet. Als es ihm klar wird, auch durch das Insistieren seiner Geliebten Lauren, die die Gefahr, die von den Nazis ausgeht deutlich erkennt, ist es natürlich zu spät. Er steckt mittendrin, erfindet und baut sogar ein mobiles Funkgerät, welches unabhängig von verräterischen Standorten bedient werden kann. Lauren besteht schließlich darauf, dass Joe sich beim FBI melden und berichten soll. Die wollen ihn dann als Gegenspion engagieren. Doch Joe ist für solche Aufgaben zu wenig raffiniert und sein Gewissen macht ihm zu Schaffen. Als er schließlich verhaftet wird, scheint er fast erleichtert.

Nach über 5 Jahren Haft und anschließender Internierung auf Ellis Island, der Insel, wo er einst erstmals einen Fuß auf amerikanischen Boden setzte, schickt man ihn nach Deutschland zurück. Dort wohnt er in Neuss bei seinem Bruder und der Familie. Doch weder er noch die Familie, die den Krieg so ganz anderes erlebt hat als er, kommen mit der Situation gut zurecht. So knüpft Joe wieder Kontakte zu den ehemaligen „Arbeitgebern“, in der Hoffnung mit neuem Pass über Südamerika wieder in die USA zurückkehren zu können …

Ulla Lenzes Roman macht neugierig und lädt dazu ein, sich mehr mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dazu bietet sie sogar eine Liste an Literatur und Filmmaterial im Anhang des Buches an. Sehenswert dazu diese Arte-Doku „Zum Nazi verdammt“. Dass da auch Arthur Millers „Fokus“ steht, passt gut, da der illustrierte Büchergildeband ohnehin hier zur Lektüre bereit liegt. Interessant auch, dass ich gerade erst einen Roman las, der in eben jener Zeit in Harlem um die 116. Straße spielt, in dem auch Protagonist Joe lebt: „The Street“ von Ann Petry. Mit vollkommen anderem Blickwinkel zwar, dennoch schließen sich für mich Kreise, klären sich Zusammenhänge. Beide Romane stelle ich in den nächsten Beiträgen ausführlich vor.

„Der Empfänger“ erschien im Klett-Cotta Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Johan Harstad: Max, Mischa & die Tet-Offensive Rowohlt Verlag

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1241 Seiten: Max. Mischa. Owen. Theater. Apokalypse Now. Beckett. Vietnam-Krieg. Ionescos „Die Nashörner“. 09/11. Klavier. New York. Jazz. Stavanger. Freundschaft. Liebe. Kunst. Und eine schwer greifbare Melancholie.

Das sind die Stichworte, auf die ich Johan Harstads großen Roman reduzieren könnte, wenn ich es wollte. Ziemlich schnell sah ich Verwandtschaften zu zwei anderen gewichtigen Büchern. Ich finde nach wie vor, dass dieser Roman eine Art Mischung ist aus den von mir geliebten Romanen „4321“ des US-Amerikaners Paul Auster und „Magnet“ des Norwegers Lars Saabye Christensen. Ganz ähnliche Themen werden hier verhandelt. Und wie diese beiden, ist es ein gewaltiger Roman, pure Erzählkunst, wie sie nur über so viele Seiten geschehen kann. Nur auf diese Weise kann ich in eine Geschichte total versinken. Dabei sein. Mit leben. Spüren, was die Figuren fühlen. Selten sah eines meiner Bücher nach Beendigung der Lektüre so zerlesen aus. Es musste überall mit hin … und es war danach schwer, etwas gleichwertiges zum Lesen zu finden.

Tatsächlich spielt die Handlung dann auch zum Teil in Norwegen und in den USA und sie beginnt 1988 und endet 2011. Max lebt in Stavanger, seine Eltern sind kommunistische Aktivisten. Als 11-jähriger Junge spielt Max mit seinen Freunden allzu gerne Krieg. Der Film „Apokalypse Now“ wird später zum Highlight des beschaulichen Lebens in der Kleinstadt in Norwegen. Als seine Eltern mehr als überraschend beschließen, in die USA nach New York auszuwandern, bricht für den inzwischen 14-Jährigen eine Welt zusammen.

„… ich höre selbst, wie meine Sprache an Steinchen erinnert, die zwischen den Zähnen knirschen. Und so soll es auch sein. Die Kiesel sind das Resultat einer Sprache, die Jahrtausende überdauert hat, sie wurde aus dem Altnordischen herausgeschliffen, von Gletschern aus Felswänden geschürft, mit den Sedimenten aus dem Fjord gewaschen, vom Wind fortgeweht, …“

Der Vater wird Pilot bei American Airlines und glänzt durch Abwesenheit, was Max und seine Mutter näher zusammen bringt. Als er in der neuen Schule Mordecai kennenlernt, beginnt eine enge Freundschaft, die für die Entwicklung beider wichtig ist. Die beiden beginnen zunächst mit gemeinsamem Sport, wechseln schließlich zum Theaterworkshop der Schule und werden in diesem Metier richtig gut. In einem Sommer auf der New Yorker Insel Fire Island, lernt Max durch Mordecai Mischa kennen. Max ist 16, Mischa ist 23, kommt aus Montreal und ist bereits im Begriff als Künstlerin bekannt zu werden. Beide beginnen trotz mancher Widrigkeiten eine Liebesbeziehung. Max und Mordecai studieren an Schauspielschulen, Max wechselt ins Fach Regie und wird damit später recht erfolgreich. Mordecai hat es als Schauspieler schwerer und lebt oft am Limit. Ihre Freundschaft wird die Jahre überdauern, sie verlieren sich nicht aus den Augen.

Weiterhin kommt Owen ins Spiel. Er heißt eigentlich Ove und ist Max`von den Eltern tot geschwiegener Onkel. Ove verließ als junger Mann sein Heimatland, um in den USA Pianist zu werden. Doch der Erfolg ließ auf sich warten. Um die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erhalten, meldete er sich freiwillig für den Vietnam-Krieg, der damals, wie jeder glaubte, bald zu Ende sein würde. Diese Zeit prägt Ove/Owen nach seiner Rückkehr stark. Nach einigen guten Jahren mit seiner großen Liebe, kommt es zur Trennung. Erschüttert beginnt er in New York ein weiteres Mal ganz neu. Er findet Arbeit in einer Klavierfabrik, beginnt langsam wieder mit dem Klavierspiel und landet schließlich durch unvorhersehbare Umstände in einer riesigen Wohnung im damals architektonisch ungewöhnlichen Wohnhaus, genannt Apthorp, in Manhattan.

Max fasziniert der fremde Onkel und als beide sich kennenlernen, verstehen sie sich wunderbar. Max und Mischa ziehen schließlich bei Owen ein. Es folgen glückliche, spannende, bewegte Jahre, die einen großen Teil der Geschichte ausmachen. Doch so wie das Gebäude immer maroder wird, bröckelt auch Mischas Liebe zu Max, wird Owens Körper durch eine Krankheit immer fragiler. In dieser Zeit lebt auch Mordecai, mangels Geld und Arbeit eine Weile mit im Apthorp. Mischa trennt sich von Max und geht zunächst nach Kalifornien, dann nach Montreal zurück. Ihre Bilder werden auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt.

„Kunst von einer Künstlerin war schwieriger zu verkaufen. Sie musste, das wurde nie gesagt, aber immer gedacht, doppelt so gut, doppelt so kontrovers, aggressiv und sexy sein, um auf dem Markt dieselben Preise zu erzielen wie die Werke der männlichen Kollegen. Zusätzlich geplagt von der Furcht, man könnte es womöglich auch noch mit feministischer Kunst zu tun haben, …“

All das wird in Rückblenden erzählt. Max fährt mit dem Auto, um unabhängiger zu sein, von Auftrittsort zu Auftrittsort quer durch die USA. Sein neuestes Stück ist so erfolgreich, dass sich diese Tournee durch große Schauspielhäuser ergeben hat. Auf dieser Reise gerät auch Max an seine Grenzen, stellt sich die Frage, ob er mit dem Theater weiter machen will. Ein unerwartetes Wiedersehen mit Mischa bei einem sehr traurigen Anlass,

„… denn wenn es Temperaturen von Einsamkeit gibt, sind diese letzten Minuten die kältesten, weit unter dem Nullpunkt, ein Ort, zu dem Telefone oder Stimmen und Freunde und Familie nicht mehr durchdringen und in dem sich alle Moleküle zu einer unerschütterlichen Ruhe ordnen, …“

scheint dann aber neue Möglichkeiten zu eröffnen …

Und Wahnsinn: Was für ein Schluss! Welch große Erzählkunst! Harstad lässt seinen Helden Max in einem furiosen Showdown seinen ganz eigenen „Apokalypse Now“-Augenblick erleben. Welch ein Finale! Ein beglückendes Leseabenteuer, wie es selten zu finden ist, durfte ich hier erleben. Johan Harstad hat einen nahezu perfekten Roman konstruiert, dessen Sprache und Erzählweise mit dem Inhalt, den verhandelten Themen, um die Wette glänzen. Allem liegt eine tiefe Melancholie zugrunde, eine Dringlichkeit und Intensität, wie ich sie mag. Müsste man aus der großen Menge der diesjährigen Neuerscheinungen zum Buchmesse-Gastland Norwegen nur einen Roman wählen, dann bitte diesen. Ein nordlichtes Leuchten!

„Max, Mischa & die Tet-Offensive“ erschien im Rowohlt Verlag und wurde von Ursel Allenstein brillant aus dem Norwegischen übersetzt. Hier gibt es ein schönes Interview mit der Übersetzerin und hier eines mit dem Autor Johan Harstad. Zudem ist das Buch auch noch äußerlich interessant gestaltet. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Weitere ebenso begeisterte Besprechungen gibt es bei Klappentexterin, Masuko13 und Buzzaldrins.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.