Markus Orths: Max Hanser Verlag

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„Ein Maler ist verloren, wenn er sich findet.“
                                                             Max Ernst

„Max“ heißt der neue Roman von Markus Orths und es geht um Max Ernst, den Graphiker, Maler und Bildhauer, den DADA-Max und den Surrealisten, der sich LopLop nannte, der Oberste der Vögel, einen der vielseitigsten Künstler seiner Zeit. Ich besitze einen umfangreichen Kunstband über eine Max Ernst-Retrospektive, den ich bei der Lektüre immer ergänzend zur Hand hatte. Man bekommt nämlich Lust nach den Bildbeschreibungen die Gemälde anzusehen.

Markus Orths hat mit „Max“ keine reine Biografie geschrieben. Vielmehr geht es um die Frauen in Ernsts Leben, die ihn spiegeln. Jeder der sechs Gefährtinnen widmet er ein eigenes Kapitel. Es tauchen auch Gala und Peggy Guggenheim auf, doch die wichtigen vier waren Lou Straus, Marie-Berthe Aurenche, Leonora Carrington und Dorothea Tanning. Sehr löblich, dass Orths die Frauen gleichberechtigt neben Max Ernst stellt: Er findet mit der verschiedenen Ausgestaltung seines Erzähltons für jede Frau eine eigene Stimme. Unverwechselbar beschreibt er die Charaktere und widmet den Frauen den eigenständigen Platz, den sie verdienen. Sie stehen hier nicht im Hintergrund, sondern zeigen sich mit ihrer eigenen künstlerischen weiblichen Kraft.

Lou ist die erste Frau Ernsts und aus dieser Ehe entstammt auch der Sohn Jimmy. Sie leben in Köln. Lou ist sehr selbständig, was ihr nach der Trennung von Max zugute kommt. Sie ist Kunsthistorikerin und arbeitet als Journalistin. Sie ist jüdischer Abstammung. Sehr lange kann sie sich vor den Deutschen verstecken. Doch sie stirbt letztlich in Auschwitz. Der erwachsene Sohn Jimmy lebte längst in den USA und konnte doch nicht die Einreise durchsetzen.

Paul Éluard und seine Frau Gala lernt Max im Kreis der Intellektuellen und Dadaisten in Paris kennen. Mit Gala wird Max eine Liebesaffäre haben. Paul wird sein bester Freund. Als er die wesentlich jüngere Marie-Berthe Aurenche kennen lernt, ist klar, sie werden ein Paar. 1927 heiraten sie. Doch Marie-Berthes Überspanntheit hält Max nicht lange aus.

Dann tritt die englische Malerin Leonora Carrington in sein Leben und die beiden finden sich in ihrer Kunst wieder und leben in einer für beide künstlerisch ergiebigen Zeit lange in Südfrankreich, bis die Nationalsozialisten an die Macht kommen und schließlich alle Deutschen in Frankreich inhaftiert werden sollen.

Max wird von Leonora getrennt. Diese verbringt lange Zeit in einer psychiatrischen Klinik in Spanien und wird später über ihre „Verrücktheit“ schreiben. Max gelingt nach einigen Lageraufenthalten mithilfe des berühmten Fluchthelfers Varian Fry und mit dem Geld von Peggy Guggenheim schließlich die Flucht in die USA. Mit Peggy hat er daraufhin eine kurze Liebesffäre. Leonora und er finden in der neuen Welt nicht mehr zusammen.

Leonora.
Dorothea.
Das klang wie ein gekipptes Echo.“

Doch dann lernt er die Malerin Dorothea Tanning kennen, mit der er auch bis ans Lebensende zusammenbleiben wird. Die beiden leben in der Wildnis Arizonas, bevor sie wieder nach Europa zurückkehren und sich in Frankreich niederlassen. Ein wenig zu kurz kommt die Zeit mit Dorothea im Buch. Vielleicht ist das aber auch der Zeit geschuldet, die vermutlich die ruhigste und am wenigsten aufregende, dafür die verbindlichste aller Beziehungen war.

„Wenn mein Bild nur fünf Menschen innehalten lässt, ja wenn es nur einen einzigen Menschen innehalten lässt, ist es nicht umsonst gewesen. Veränderung ist kein Flächenbrand, sondern das Aufflammen eines Streichholzes. Und Streichhölzer können wir entzünden. Die Künstler. Mühsam. Aber wirkungsvoller, als du denkst, Max.“

Orths ist es bestens gelungen anhand von Ernsts Lebensdaten eine literarische Biografie, ja eine Hommage an den facettenreichen Künstler zu schreiben, die auch sprachlich überzeugt. Eine Empfehlung an alle, die Max Ernsts Kunst mögen und einen lebendigen Roman einer sachlichen Biografie vorziehen. Von meiner Seite: Ein Leuchten!

Der Roman „Max“ erschien im Hanser Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ein aufschlussreiches Interview mit Marcus Orths gibt es auf dem Blauen Sofa.

Ergänzend sehenswert ist auch der Film von Peter Schamoni „Max Ernst – mein Vagabundieren, meine Unruhe“: Trailer

Die Fotos sind dem Kunstband „Max Ernst Retrospektive“ aus dem Hatje Cantz Verlag entnommen.

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Shumona Sinha: Staatenlos Edition Nautilus

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Es ist bereits der dritte Roman der aus Indien stammenden Autorin und auch hier umkreist sie weiter ihr Thema Emigration und Integration, kommt ihm noch näher. Shumona Sinha lebt seit 2001 in Paris, studierte Literaturwissenschaft an der Sorbonne. Mit  „Erschlagt die Armen“, ihrem ersten Roman wurde sie als Autorin bekannt. Darin ging es um eine Dolmetscherin in einer Asylbehörde, die zwischen alter und neuer Heimat steht. Im zweiten Roman Kalkutta kehrte Sinha zu den Wurzeln ihrer Familie zurück. Was in jedem Buch als Thema immer wieder auftaucht, ist die Rolle der Frau. In „Staatenlos“ ist es nun sogar zum Hauptthema geworden …
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Aya Cissoko: Ma Wunderhorn Verlag

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Aya Cissoko wurde 1978 in Paris geboren. Ihre Eltern kamen aus Mali nach Frankreich, um es besser zu haben als in der Heimat und von da aus ihre Familie mit versorgen zu können. Aya Cissoko erzählt anhand ihrer eigenen Geschichte:

Diese setzt ein bei der Beerdigung der Mutter und wird in Rückblenden erzählt. Nach und nach erfahren die Leser*innen von der Verheiratung der 15-jährigen Mutter im Dorf in Mali. Dort gelten die Mädchen als hochzeitsreif, sobald sie ihre Menstruation bekommen. Oft ist der Partner von den Eltern lange vorher bestimmt. Cissokos Mutter hat Glück, ihr Mann ist „nur“ 15 Jahre älter und holt sie zu sich nach Frankreich.

„Der Sarg wird am Eingang zu Block 101 abgestellt. Die Männer haben betend einen Ring darum gebildet. Wir Frauen warten in einigem Abstand, fünf Meter hinter der letzten Reihe der Männer. Wir sollten eigentlich bei ihnen stehen dürfen, schließlich ist dies ein nicht muslimisches Land.“

Für Aya ist die Kindheit zunächst wild und frei, als Spielplatz gilt die Straße, da die Wohnung aus einem 15 qm kleinen Zimmer für zwei Erwachsene und vier Kinder besteht. Die finanzielle Situation ist immer prekär. Alles verschlimmert sich, als der Vater und die Schwester bei einem Brandanschlag ums Leben kommen und kurze Zeit später ein Bruder aufgrund einer Hirnhautentzündung stirbt. Die Mutter kämpft sich alleine durch, geht arbeiten und nimmt trotzdem immer auch Bedürftige aus der Heimat auf. Es herrscht generell ein rauhes Klima, Schläge für die Kinder sind nicht selten. Trotz des ruppigen Tons und der strengen Behandlung ist ihre Sorge zu spüren.

„Koroke weist mich als einer der ersten auf diese schlechte Angewohnheit hin: >Warum fluchst du die ganze Zeit? Hör auf damit, du hast eine wüste Sprache.< >Ach echt! Scheiße, hab ich noch gar nicht gemerkt!<

Schwer verständlich sind für mich die ungeschriebenen Gesetze der afrikanischen Familienkultur. Die Frauen haben es schwer. Männer dürfen sich alles erlauben, haben mitunter mehrere Frauen. (>Welche andere Rolle kann eine Frau ausfüllen, als den Stammbaum des Mannes zu verlängern?“)  Und diese Gesetze scheinen auch in der neuen Wahlheimat Frankreich unter den Einwanderern zu gelten. Umso mutiger ist es, dass sich Aya Cissoko als Hauptfigur des Romans loslösen kann und neugierig neue Wege geht. Sie schafft das Abitur, sucht sich einen Studienplatz, bricht ab, sucht neu, findet Unterstützung. Bewegung ist ihr wichtig und so landet sie beim Boxen und wird richtig gut, gewinnt Wettkämpfe und findet auch hier wieder Menschen, die sie fördern. Ein Halswirbelbruch bedeutet schließlich das Aus der Karriere als Boxerin. Es folgt eine schwierige Neuorientierung und die Balance zu finden zwischen Herkunft und Neuland, zwischen Tradition und Moderne, bleibt Hauptaufgabe. Cissoko emanzipiert sich, grenzt sich ab, trifft eigene Entscheidungen, übernimmt Verantwortung und bleibt sich dabei ihrer Wurzeln bewusst.

„Mit fast dreißig kehre ich auf die Schulbank zurück. Lernen ist gut für jedes Alter und mein Kopf ist endlich ausgeruht.“

Cissokos Roman ist eine große Liebeserklärung an ihre Mutter und die Geschichte einer starken jungen Frau, die sich klug und hartnäckig für ein freies und selbstbestimmtes Leben in Frankreich entscheidet. Wer Einblick in andere Kulturen sucht und lesen will, wie Integration gelingen kann, lese dieses Buch.

Was mich am Buch ein wenig gestört hat, ist, dass Teile der Dialoge auch oft zusätzlich in Cissokos Muttersprache Bambara abgedruckt sind. Es stört ein wenig den Lesefluss. Das ist allerdings auch schon das Einzige, was ich an diesem Buch auszusetzen weiß.

Der Roman „Ma“ wurde von Beate Thill aus dem Französischen übersetzt und erschien im Wunderhorn Verlag. Mehr über Buch und die Autorin und eine Lesprobe gibt es hier. Ein beeindruckendes Porträt der 1978 in Frankreich geborenen Aya Cissoko gibt es bei „Aspekte“

Christophe Boltanski: Das Versteck Hanser Verlag

Ein Haus in Paris, ein Innenhof in der Rue de Grenelle, ein Fiat 500 im Hof, ein Haus, in dem sich die Wohnung der Familie Boltanski befindet, eine Wohnung unterteilt in viele Räume, eine Wohnung mit zwei Stockwerken, in einem Raum das Versteck.

„Diese Familie ist nichts als eine lange Folge von Pseudonymen, Spitznamen, gekauften oder erfundenen Decknamen. Von nicht mehr ganz eigenen Namen, da sich dahinter andere verbergen, die alle dieselbe Frage stellen: „Wer sind wir?“

Die gesamte Besprechung kann man lesen auf fixpoetry

Film-Kunst-Film: Bin im Wald. Kann sein, daß ich mich verspäte DVD Film von Corinna Belz 2016

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Unter der Rubrik „Film-Kunst-Film“ stelle ich nun auch ab und an Filme vor, die mich beeindruckt haben und die in irgendeiner Form mit Literatur/ Kunst zu tun haben.

Die Regisseurin Corinna Belz, bekannt durch ihren Film über den Maler Gerhard Richter, hat einen wunderbaren Film über Peter Handke gemacht. Ein Film, der mich sehr für den Schriftsteller einnimmt, ein stiller Film voller Sehnsucht und Passion.

Gedreht wurde vor allem in Peter Handkes Haus nahe Paris, seinem ganz eigen gestalteten Lebensort. Eine kleine Episode auch in dem Landhaus, welches Schauplatz der Verfilmung von Handkes Theaterstück „Die schönen Tage von Aranjuez“ war, in dem Sophie Semin, Handkes Frau die weibliche Rolle spielt und er selbst einen sehr kurzen Auftritt als Gärtner hat. Auch diesen Film vom Regisseur Wim Wenders empfehle ich sehr: http://www.dieschoenentagevonaranjuez-derfilm.de/ (gerade neu als DVD)

Es ist schon spannend zu sehen, welch eine Persönlichkeit aus dem jungen, aufmüpfigen und dennoch scheuen Mann, der auf der Tagung der Gruppe 47 im Jahr 1966 zum ersten Mal von sich reden machte oder dem „Verrückten“, der mit seinem Stück „Publikumsbeschimpfung“ in der Regie von Claus Peymann die Theaterbesucher mehr als irritierte, geworden ist.

Die kleinen Dinge sind es, die den Film so besonders machen. Zuzusehen, wie Handke Pilze schneidet und das Geräusch genießt, wie er draußen im Garten all seine Bleistifte spitzt (er schreibt nur mit der Hand), oder wie er auf seinem Nähsessel sitzt und versucht den Faden in das schmale Nadelöhr zu fädeln, um eines seiner Hemden zu besticken ist schon sehr besonders. Handke gibt diesen Dingen seine ganze Aufmerksamkeit, findet die Sinnlichkeit darin. Die gleiche große Aufmerksamkeit, die er auch für die Sprache seiner Geschichten verwendet. Jedes Wort wird gewogen, damit es auch stimmig ist. Handke nennt das Schreiben auch einen Prozeß der Erfindung.

Schön auch zu sehen, wie die Notizbücher entstehen mit Text und paralleler Zeichnung, sie sind selbst schon kleine Kunstwerke. Das „Notizbuch“ aus dem Insel Verlag zeigt Einblicke. Einige Zeichnungen konnte man bereits in „Von der Baumschattenwand nachts“ aus dem Jung & Jung Verlag sehen.

Noch bis Ende Juli kann man Original-Zeichnungen aus Handkes Notizheften in der Galerie Friese in Berlin sehen.

Einen Trailer zum Film gibt es auf der offiziellen Film-Seite.

Octave Mirbeau: Diese verdammte Hand Weidle Verlag

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Ein Mann besucht ein wenig widerwillig einen alten Freund, einen Künstler. Dieser erscheint ihm verwirrt, gar verrückt. Als Erklärung seines Zustands erhält er folgende Aufzeichnungen zu lesen:
Darin geht es um einen höchst sensiblen Menschen, dessen Dasein schon von Kindesbeinen an von Schwermut und Traurigkeit geprägt ist.. Eine Familie, die ganz und gar nicht versteht, was mit diesem Jungen bloß los ist, warum er nicht funktioniert. Die ganze Kindheit hindurch hatte man ihm seine Empfindsamkeit, seine Phantasie ausgetrieben und nach dem Collége waren dann auch die Reste jeglichen Eigensinns verloren. Fortan trudelt er verwirrt und planlos durchs Leben, bis er den Maler Lucien kennenlernt.

„Eines musst du dir bewusst machen: Eine Landschaft … eine Figur … ein beliebiger Gegenstand … all das existiert nicht an sich. Es existiert bloß in dir. Du stellst dir vor, daß es Bäume gibt, Ebenen, Flüsse, Meere. Weit gefehlt, mein Freund … Nichts von alldem gibt es, jedenfalls letztlich.“

Mirbeau legt den Maler Lucien nach dem Vorbild Vincent van Goghs an. Mirbeau war auch der einzige, der zeitlebens zwei Gemälde von van Gogh kaufte. Er selbst war Schriftsteller und eine schillernde, gleichzeitig kluge und kritische Gestalt der französischen „Belle Époque“. Eines seiner bekanntesten Bücher war „Tagebuch einer Kammerzofe“, eine Kritik an der Bourgeoisie, das von Jean Renoir und später von Luis Buñuel verfilmt wurde. Es lohnt sich Mirbeau neu zu entdecken.
Wenn van Gogh wirklich so klug und ganzheitlich dachte, wie Mirbeau ihn in dieser Geschichte schildert, war er in der Tat ein verkanntes Genie …

In „Diese verdammte Hand“ wird sich der Maler Lucien aus Selbstzweifel am Schluss seine „verdammte“ Hand absägen, die Hand die den Pinsel führt, die aber den neuzeitlichen Ideen und kreativen Ergüssen dieses eigensinnigen Künstlergehirns scheinbar nicht hinlänglich folgen will. So verblutet er in jener einzigen Nacht, die sein ergebener Freund, oben genannter Sensibler, durchschläft. Zuvor hatte er jede Nacht über ihn gewacht, aus Angst um ihn, der ihm immer verrückter und wahnhafter erschien und dessen Kunst auf ihn mehr als verstörend wirkte. Lucien hatte ihn zum Schreiben angeregt, doch was aus seiner Feder kommt, ist nicht genügend, viel zu vorhersehbar, wie ihm Lucien vorhält. Die Leidenschaft, die Lucien hat, fehlt ihm gänzlich. Er ist ein ängstlicher Mensch, in Liebesdingen vollkommen naiv, wie sich im Falle Fräulein Julias zeigt, und dennoch ein treuer Freund, der jegliche Eskapaden mitmacht, weil er sich sonst vollkommen verloren und einsam fühlt. Was aus ihm nach Luciens Tod wird, steht in den Sternen. Der Autor verrät es nicht …

„Ist Kunst wahrhaftig diese Qual, diese Hölle? Würde auch ich – der ich sie mir in meinen, erneut unsagbar wirren Träumen tatsächlich als eine solch große Linderung vorstellte, ein solches beispielloses und phantastisches und unendliches Paradies, in dem der Mensch nichts anderes erschafft als das Glück – in diesem fortwährenden Wehklagen leben, mit diesem vor Schmerz verzogenen Gesicht und diesem zuckenden Auge, welches der fahle Blitz des Wahnsinns getroffen hat?“

Das Buch erschien im Weidle Verlag in bekannt schöner Gestaltung, hinter der wie immer Friedrich Forssman steckt: Feinstes Papier, fadengeheftet. Papier und Schrift werden im Impressum genannt. Übersetzt wurde es von Eva Scharenberg. Zudem gibt es ein aufschlussreiches Nachwort von Pierre Michel. Mehr über Verlag und Buch findet man hier.
Eine weitere Besprechung findet man bei Birgit von Sätze & Schätze.

Film-Kunst-Film: Violette DVD Film von Martin Provost 2013

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Unter der Rubrik „Film-Kunst-Film“ stelle ich nun ab und an auch Filme vor, die mich beeindruckt haben und die in irgendeiner Form mit Literatur/Kunst zu tun haben.

„Ich bin eine Wüste, die selbst mit sich spricht.“

Der Film erzählt von der Schriftstellerin Violette Leduc (1907-1972), die anfangs der 50er Jahre in Paris lebte und zu schreiben begann. Als einfache Frau mit einer komplizierten Mutter-Tochter-Beziehung wagte sie es als erste darüber und unverblümt über Themen wie Abtreibung, weibliche gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität zu schreiben. Eines Tages traut sich Leduc, die gerade „Das andere Geschlecht“ gelesen hat, sich ihrem Vorbild Simone de Beauvoir zu nähern und ihr ihr Romanmanuskript zu übergeben.

Beauvoir liest es und ist überrascht über die Kraft dieser Literatur, hilft ihr bei der Veröffentlichung und wird fortan zum Protegé Leducs. Doch was Leduc wirklich möchte, geschieht nicht. Sie wird nicht hinreichend gesehen. Ihre erstes Buch im Jahr 1946, „L`Asphyxie – Das Ersticken“, das immerhin im Verlag Gallimard in einer Reihe erschienen, die Albert Camus herausgab, bleibt weitgehend erfolglos.
Violette, das uneheliche, ungewollte Kind, sucht nach Liebe, die jedoch immer wieder zum Scheitern verurteilt ist. Für Violette ist Beauvoir mehr als ihre Lektorin, sie betet sie an, wirkt geradezu verliebt. Doch die behält meist ihren kühlen Kopf und ausreichenden Abstand bei. Dennoch ist sie zumindest materiell für sie da, vor allem als sie einen psychischen Zusammenbruch hat: Beauvoir besorgt (und zahlt) ihr einen privaten Klinikplatz, wo Violette langsam wieder zu Kräften kommt. Doch auch das zweite Buch, welches zwar mehr wahrgenommen wird und vor allem bei Frauen viel Zuspruch findet, verhilft ihr nicht zum ersehnten großen Erfolg. Erst mit ihrem 1964 erschienenen Roman „La Bátarde – Die Bastardin“ wird sie für den Prix Goncourt nominiert und schafft endlich auch den Durchbruch. Später wird sie ihren Ruheort, wo sie am besten schreiben kann, auf dem Land in der Provence finden.

Der Film lebt von der großartigen Schauspielkunst seiner Protagonisten, allen voran Emmanuelle Devos, die die Violette beeindruckend verkörpert. Sandrine Kiberlain als Simone de Beauvoir spielt die kühle Intellektuelle perfekt. Zudem gibt er einen etwas anderen Einblick in die Literaturszene dieser Zeit in Paris.
Ein filmisches Leuchten!

Mehr über den Film und den Trailer gibt es auf der offiziellen Film-Website.
Die Bücher von Violette Leduc gibt es in deutscher Sprache leider nur noch antiquarisch.Der Film macht allerdings auch Lust, sich wieder einmal die Bücher von Simone de Beauvoir vorzunehmen.