Lydia Sandgren: Gesammelte Werke mare Verlag

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Welch ein starkes Debüt! 
Stark in jeder Hinsicht, denn das Buch zählt etwa 850 Seiten und die 1987 geborene Schwedin Lydia Sandgren arbeitete 10 Jahre lang an „Gesammelte Werke“. Es hat sich richtig gelohnt. Der Roman ist ein echter Schmöker und dabei so gekonnt geschrieben, wie die ihrer nordischen Kollegen Johan Harstad und Lars Saabye Christensen. Auch in eine Reihe mit Franzen oder Auster möchte man ihn stellen. Sandgren ist meiner Ansicht nach ein großes Talent. Ihr gelingt damit das, was einem ihrer Hauptprotagonisten nicht gelingt …

Das Schöne an solch gewaltigen Romanen ist ja, dass man einfach eintaucht, über längere Zeit von den Geschehnissen fasziniert ist und auch in Lesepausen die Figuren präsent sind. Man lebt mit den Helden und gewinnt sie lieb. Ein gutes Zeichen ist es immer, wenn ich das Buch trotz seiner Schwere überall mit hin schleppe und ich dafür auf das schmale Zweitbuch für unterwegs verzichte. Ja, welches Buch kann man im Anschluss an so ein Wunderbuch lesen?!

Die Geschichte spielt in Göteborg, beginnt in der Jetzt-Zeit und und spannt dabei auch Bögen zurück bis in die 80er/90er Jahre. Wir treffen den Verleger Martin Berg in seiner Wohnung in Göteborg. Es ist kurz vor seinem 50. Geburtstag und er steckt in einer Lebenskrise. Er hat Kisten mit alten Papieren um sich herum drapiert. Dabei sind vor allem begonnene Manuskripte, denn Martin wollte schon längst einen Roman geschrieben haben. Schon seit er Student war. Stattdessen hat er einen Verlag gegründet, der recht anspruchsvolle Bücher herausgibt.

„Was hatte der Verleger Martin Berg der Welt zu geben? […] Wer liest denn heutzutage noch hochwertige Belletristik und Sachbücher? Die neuen literarischen Schwergewichte sind Influencer, die sich hundertfünfzigtausend Wörter aus den Fingern saugen, idealerweise zum Thema Liebe, oder wie die jungen Leute jene innere Leere nennen, die sie nachts um den Schlaf bringt.“

Martin denkt zurück, wie alles begann …

Schon in der Schule lernen sich Martin und Gustav kennen und werden unzertrennlich. Martin kommt aus einer Arbeiterfamilie, Gustav aus wohlhabendem Elternhaus. Gustav beginnt ein Kunststudium, Martin studiert Philosophie. Zusammen sind sie unterwegs auf Studentenpartys, Martin interessiert sich für Mädchen, Gustav ist mehr dem Alkohol zugeneigt. Martin lernt Cecilia kennen und beide werden ein Paar. Zusammen gehen sie durch dick und dünn und nach dem Studium für ein Auslandsjahr mit einem weiteren Freund nach Paris. Cecilia bleibt zurück und widmet sich ihrem Studium der Ideengeschichte. Während Gustav sich in Museen weiterbildet und sein Skizzenbuch füllt, versucht Martin seinen Roman zu schreiben. Sehr oft weichen die guten Vorsätze und beide finden sich auf der nächsten Party wieder. Im Sommer verbringen die beiden zusammen mit Cecilia einen Monat am Meer in Antibes. Dort wird Cecilia Model für Gustav und mit dem Antibes-Zyklus gibt es später eine erste Ausstellung von Gustav. Martin indes schafft im ganzen Jahr in Paris nur immer neue Ansätze für sein Romanprojekt.

„Doch unabhängig davon, ob Gustav zufrieden war oder nicht, tendierte er doch immer wieder zurück zum Zweifel. Unvermeidlich. Der Zweifel schien seine Grundausstellung zu sein. Ganz egal, was sie dagegen sagten. Es spielte auch keine Rolle, dass er sich selbst immer wieder das Gegenteil bewies. Früher oder später landete er wieder da. Er konnte akzeptieren, dass er talentiert war (etwas anderes wäre auch die reinste Wahnvorstellung gewesen), aber, fragte er, was spielte das schon für eine Rolle.“

Zurück in Göteborg verliert sich der Kontakt zu Gustav mal mehr mal weniger. Seinen zunehmenden Erfolg als Maler, trotz seiner Zweifel, verfolgen wir Leser am Rande mit. Martin und Cecilia leben zusammen und Cecilia wird schwanger. Die beiden heiraten und Tochter Rakel wird geboren. Rakel spielt auch die Hauptrolle im zweiten Strang des Romans. Abwechselnd wird aus ihrer Sicht als um die 20-jährige erzählt. Hier ist der Schwerpunkt der Verlust der Mutter, als sie 10 war, der jüngere Bruder Elis im Kleinkindalter. Wie es zum Verschwinden der Mutter kam, ist die eigentliche Frage des Romans. Urplötzlich von einem Tag auf den anderen verließ Cecilia ihre Familie. Nach Jahren des Wartens richtete sich die restliche Familie irgendwie damit ein. Gustav ist in dieser Zeit eine große Hilfe für die drei. Martin geht vollkommen in der Verlagsarbeit auf. Er geht keine Beziehung mehr ein.

Als Rakel, die Deutsch kann, eines Tages ein Manuskript eines deutschen Autors für Martins Verlag lesen soll, glaubt sie in der Geschichte ihre Mutter als Protagonistin zu erkennen. Nun beginnt eine spannende Reise durch die Vergangenheit, in der auch Gustav wieder eine tragende Rolle spielt, dessen Bilder bald in einer großen Retrospektive in seiner Heimatstadt zu sehen sein werden und die beiden Geschwister sich ein gutes Stück weiter entwickeln und vom Vater emanzipieren. Auch das Ende ist der Autorin perfekt gelungen. Nicht offen, nicht geschlossen, so wie ich es mag.

Lydia Sandgren hat eine Familiengeschichte geschrieben. Nichts Neues, meint man. Aber hat man die ersten Seiten gelesen, gibt es kein zurück mehr. Der oft überstrapazierte Begriff Sog tritt ein und es ist schon immer wieder ein kleines Wunder, wie aus einer „eigentlich alles schon dagewesen“-Geschichte ein unglaublich brillantes, auch über die vielen Seiten anhaltendes Lesevergnügen wird. Was sicher in meinem Fall auch damit zu tun hat, dass das Buch einen Maler porträtiert, einen Verleger, der einen Roman schreiben will enthält, es um Philosophie geht, es Querverweise in die Weltliteratur gibt und das Buch letztlich eine große Hommage an die Freundschaft ist.

Formal ist das Buch in drei große Teile und viele Kapitel unterteilt, umrahmt von einem Interview, welches Martin einer Literaturzeitschrift (?) gibt. Die Charaktere sind bestechend skizziert und gekonnt abgebildet, hier merkt man, dass die Autorin auch Psychologin ist. Ich halte dieses Debüt für eines der besten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ein Leuchten!

„Gesammelte Werke“ erschien im Mare Verlag. Übersetzt aus dem Schwedischen haben Stefan Pluschkat und Karl-Ludwig Wetzig. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Hüseyin Yurtdas: Der Verkrochene Elif Verlag

In „Der Verkrochene“ klagt ein Ich über sich selbst. Wehleidig, wütend, resigniert, gleichgültig, bitter, vermutlich auch ziemlich traumatisiert. Gleich eingangs erfahren wir, dass der „Verkrochene“ offenbar gar nicht erwünscht ist in der Familie, in die er hinein geboren wird, eine angesehene türkische Familie, wie sich im Verlauf herauslesen lässt. Die Mutter verweigert ihm die Brust, vom Großvater setzt es Prügel. Der Schwester des Ichs geht es da wesentlich besser; sie wird wie eine Prinzessin behandelt. Der männliche Protagonist erhält keinerlei Rückhalt, bekommt kein gutes Selbstwertgefühl mit und kein Handwerkszeug fürs weitere Leben.

„Was ist Liebe letztendlich? Das, was ich von meiner Familie nicht erfahren habe? Die gläserne Galerie. Ich versuche heute die Liebe ganz neu zu erschaffen. Leidend wie ein Hund.
Lachen Sie wenigstens ein bisschen? Seien Sie doch nicht ganz so ernst. Sie dürfen meine Anstrengungen mit einem Lachen belohnen.“

Er sitzt einsam in der Wohnung oder manchmal im Teehaus. Er sieht das Leben um ihn herum, nur er selbst scheint kein Leben zu führen. Langeweile, Frust, Selbsthass. Kurze prägnante Sätze zeigen die ganze Tragik in ein paar Worten. Grübeleien, philosophische Fragen, die im endlosen Nichts verdampfen …  Er, der sich selbst Idiot schimpft, war immerhin Student; doch er lebte mit einem Kommilitonen in einer Kellerwohnung und empfand nur Leere. Freunde gibt es fast keine. Einmal wird ein Nachbar, ein Malerpoet, genannt, dem er zuhört, wenn er von seiner Arbeit erzählt.

Es gibt Momente, in denen alles passt, in denen Möglichkeiten aufscheinen, Möglichkeiten, die nicht soo abwegig sind. Doch dann kommen wieder die Selbstzweifel. Ist der Protagonist wütend, äußert sich das bisweilen auch in einer recht derben Erzählart. Ein andermal erzählt er uns, dass er aus dem Adel stammt, dass er aber nicht die richtige (Haut?)Farbe besitze.

„Wie kann ein vernünftiger Mensch, der die Wahrheit liebt, in dieser Welt leben? Es ist unmöglich aufzusteigen. Wie windet man sich von unterhalb der Erde zum weiten Himmelszelt hinauf? Durch Wahnsinn? So ein Mensch wird keine Freunde haben. Und einen Vertrauten auf keinen Fall. Voll Zorn wird er sich erheben und sich schlafen legen. Er muss sich jeden Tag aufs Neue überreden, bereit zu sein. Um ein falsches Leben zu ertragen.“

Zwischendurch kommen kurze Kapitel, die sich lesen als wären es Träume oder Wachphantasien. Oder ist er doch verrückt? Durchgedreht? Ein Pessimist? Ein Menschenfeind? Niemals wird ganz klar, was unser Held für ein Mensch ist. Spielt er mit uns ein Spiel? Oft bezeichnet er sich selbst als Lügner, als Schauspieler, ja Gaukler. Macht er uns etwas vor? Hält er uns mitunter gar den Spiegel vor? Ist er der unzuverlässigste Erzähler der Welt? Vielleicht ist er aber auch einer, der mit ungewöhnlichen Mitteln den Zustand unserer Gesellschaft reflektiert und mit philosophischen Mitteln überdenkt. Und auch wenn der Erzähler immer wieder die Leserin direkt anspricht, ob sie nicht genervt sei, langsam genug hätte, ist sie das nicht. Im Gegenteil: Ich habe dieses 120 Seiten zählende Buch gern gelesen und den Autor mitunter sehr gut verstanden …

Hüseyin Yurtdas, 1978 in München geboren, lebt in Istanbul, wo er auch Sozialpsychologie studierte, was sicher auch den Roman geprägt hat. Barbara Yurtdas übersetzte das Buch. Es erschien im Elif Verlag, den ich generell für schöne Entdeckungen empfehle. Ich danke dem Verleger für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Michael Wildenhain: Die Erfindung der Null Klett Cotta Verlag

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„Manche Menschen wirken auf den ersten Blick wie Verlorene. Als hätte ein Ereignis in ihrem Leben sie aus der Bahn getragen und als hätten sie trotz aller Bemühung nicht wieder Fuß gefasst.“

Michael Wildenhains neuer Roman hat es in sich. Obwohl ich mich mit Mathematik noch nie anfreunden konnte, hat mich der Titel und das Thema sehr gereizt. Die einzelnen Kapitel sind nach einem mathematischen Beweisverfahren benannt, der Induktion, ergänzt durch Zwischenkapitel wie Gegenprobe und Hilfssatz. Die eigentliche Story wird dann auch begleitet von kurzen, im Zusammenhang mit dem Text aufschlussreichen philosophischen und mathematischen Diskursen. Auch Homers Irrfahrten des Odysseus spielen eine Rolle.

Was zunächst wie ein Krimi beginnt, entpuppt sich schließlich als extrem gut konstruierte Geschichte, die oft durch Vor- und Rückblenden verwirrt, was wiederum darauf hinweist, welche Rolle die Zeit überhaupt spielt und in wie vielen Parallelwelten wir womöglich leben.

Eine Frau aus Stuttgart, Susanne Melforsch, verschwindet im Urlaub in Südfrankreich. Ihr Reisebegleiter Dr. Martin Gödeler (schöne Anspielung auf Gödel, bekannter Philosoph und Mathematiker), einst Koryphäe auf dem Gebiet der Mathematik, nun Nachhilfelehrer, meldet sie nicht als vermisst, sondern reist allein zurück nach Stuttgart. Kurze Zeit später wird er verhaftet und erzählt dem ermittelnden Staatsanwalt in mehreren längeren „Verhören“ seine Version der Geschichte. Gödeler holt dabei weit aus, erzählt detailreich, was er für wichtig hält, wirkt dabei sehr zielstrebig, doch folgt nie ein Geständnis der Tat. Je nach wechselnder Beweislage, eine Leiche wird nie gefunden, befindet er sich in Untersuchungshaft oder wird unter Auflagen wieder freigelassen.

„Als ich, Martin Gödeler, Doktor der Mathematik, summa cum laude, vormaliger Spezialist für Differentialgeometrie, am dritten Tag auf der anderen Seite der entspiegelten Glasplatte zu reden begann, ist die Metamorphose abgeschlossen.
Der antike Heerführer setzt sich an jenem Vormittag auf dem Besucherstuhl zurecht, und der junge, kluge Staatsanwalt braucht Zeit, um zu begreifen, dass er nun das Publikum ist.“

Wir Leser dürfen den Gesprächen folgen, wir bewegen uns sprunghaft durch das Leben Gödelers, der bereits in der Schule ein Mathegenie ist und ab dem Studium eine steile Karriere hinlegt. Mit einer Mitstudentin lebt er zusammen, sie bekommen eine Tochter. Doch die Ehe zerbricht, als Gödeler auf einem Kongreß eine faszinierende Kollegin kennen lernt und eine sowohl im fachlichen wie im privaten obszessive Beziehung beginnt. Dass Dr. Elisabeth Lucile Trouvé auch noch andere Leidenschaften verfolgt, als die Mathematik, erlebt Martin nach ein paar Jahren, gerade als er seine Frau und Tochter endgültig verlassen will, wie einen Paukenschlag, der ihn für lange aus der Bahn wirft.

Parallel dazu erfahren wir aus dem Leben von Susanne Melforsch (ebenfalls verwirrend geheimnisvoll), die immer wieder zu verschiedenen Zeitpunkten in Gödelers Leben auftaucht, wobei er für sie immer eine bedeutendere Rolle spielt, als sie für ihn. Drei junge Leute, Nachhilfeschüler von Gödeler, die gleich anfangs sehr präsent, fast slapstickartig auftauchen, dienen eher zur Verwirrung und spielen letztlich eine untergeordnetere Rolle. Die Handlung verlagert sich von Berlin nach Hamburg schließlich nach Stuttgart, mit Zwischenhalten in Belgien und Südfrankreich. Mehr verrate ich nicht zum Inhalt, denn sonst gäbe es nicht mehr dieses spannende Lesevergnügen.

Auf höchst verschlungenen Wegen nähert sich der Autor der Auflösung aller Geheimnisse, die die Lektüre so spannend machen. Was anfangs wie ein undurchdringlicher Irrgarten erscheint, wird nach und nach zugänglich gemacht. Dazu kommt der sprachliche Genuss, denn auch hier brilliert der Autor. Teils leicht altmodisch, teils in verschlungenen Satzbauten und in ausführlichen schwingenden Strukturen füllte mich diese Sprache vollkommen aus. Welch eine große und seltene Kunst eine spannende anspruchsvolle Geschichte in beeindruckender Sprache zu lesen!

Michael Wildenhain ist mit diesem Buch ein großer Wurf gelungen. Was in „Das Lächeln der Alligatoren“ schon anklang, wächst hier zum Höhepunkt. Ein Leuchten!

Der Roman erschien im Klett Cotta Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier.

Ragnar Helgi Ólafsson: Handbuch des Erinnerns und Vergessens Elif Verlag

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Ragnar Helgi Ólafssons zweites in deutscher Sprache erschienenes Buch beinhaltet 13 mal kurze mal längere Geschichten, die einen an die eigenen Erinnerungen denken lassen und daran wie wenig zuverlässig unser Gedächtnis ist, aber auch wie erfinderisch. Mitunter verdrehen sie einem die Gedanken so, dass man schwer jeder einzelnen Behauptung hinterherdenken kann. Manchmal fragt man sich, ob man nicht doch noch Philosophie oder zumindest die gängigen Experten studieren sollte.

Die erste Geschichte, „Der Fluchtversuch“ ist mir die liebste, zeigt sie doch, wie schwierig es ist, sich zwischen Wunsch/Zukunft und Realität/Gegenwart zu entscheiden. Es ist das typische: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ Oder in diesem Fall: Lieber Lakritze im Mund, als ein Busticket in die Unsicherheit.

Manche der Geschichten kann mich nicht genug fesseln oder ich verstehe sie schlichtweg nicht. Manche regen mich zum Nachdenken und Rumspinnen an und entbinden mich von der (gerade ungeliebten) Realität (ihr wisst weshalb). Dazu die Frage, die in einer Geschichte aufgeworfen wird, ob man wirklich ohne Erinnerungen, mit Amnesie leichter und vor allem freier leben könnte: Schwer vorstellbar.

Die längste Erzählung im Buch ist eigentlich ein Brief, der womöglich nie gelesen wird, wie der Schreiber vermutet. Dies hindert ihn aber nicht, in großer Weitschweifigkeit eine einzige Frage seiner Ex-Geliebten zu beantworten. Dabei werden von Byron bis Shelley, von Pessoa bis zur griechischen Mythologie alle Register gezogen.

“ … und mir klar wurde, dass man erstmal etwas vergessen haben muss, um sich daran erinnern zu können: Um etwas noch mal wachrufen zu können, muss es erst vergessen worden sein, zumindest für einen Augenblick.“

Die Geschichte „Funes der Jüngere„, die in der argentinischen Nationalbibliothek spielt, (womöglich eine Hommage an Borges‘ Bibliothek von Babel) gefällt mir nach der ersten am Besten. Hier geht es um eine besondere Begabung: sich alles merken zu können, ein fotografisches Gedächtnis zu haben. Was allerdings in diesem Fall zu massiven Einschränkungen führt.

„Erinnerungen müssen unklar sein. Sonst können sie nicht von der Wirklichkeit unterschieden werden. Sind sie eine vollkommen exakte Kopie von der Welt oder des Erlebnisses, dann gibt es keinen Unterschied zwischen Wirklichkeit und Erinnerung. Dann wird das Sicherinnern an ein Ereignis das Gleiche sein, wie es zu erleben, und das Sicherinnern, etwas erinnert zu haben, das Gleiche, wie sich daran zu erinnern, was wiederum nicht von dem unterschieden werden kann, was man erlebt.“

Der Isländer Ragnar Helgi Ólafsson ist Schriftsteller, Künstler, Musiker, Verleger und Grafikdesigner. Seine Vielfalt zeigt sich auch hier in diesen Geschichten wieder, denn es geht immer um alles oder nichts, um die Alltäglichkeiten und die Besonderheiten, um Ausgedachtes und Umgedachtes, um Realität und um Trugbilder. Empfehlen möchte ich dazu auch gleich noch den zuvor erschienenen Lyrikband „Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können“, den ich noch lieber gelesen und hier auf dem Blog auch schon ausführlich vorgestellt habe (Foto siehe oben)

Der Autor hat das im Elif Verlag erschienene Buch mit dem erwähnenswert schönen Cover selbst gestaltet. Das bewährte Übersetzerteam Wolfgang Schiffer und Jan Thor Gislason haben diesen Band aus dem Isländischen übertragen. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eine weitere Besprechung gibt es auf dem Blog Sätze & Schätze.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Leseprojekt Dag Solstad I: T. Singer / Professor Andersens Nacht Dörlemann Verlag

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„Vom Storytelling halte er gar nichts. Seine Bücher sollen nach Literatur riechen, nicht nach gelebtem Leben.“ sagt der 1941 geborene Norweger Dag Solstad in einem Interview  mit Iris Radisch in der ZEIT. Das ist mir so sympathisch und ich wundere mich, dass die Bücher dieses großen Erzählers hierzulande so wenig bekannt sind (im Gegensatz zu Knausgard oder Espedal). Er hat schon einen eigensinnigen Stil. Aber gerade damit erreicht er wahre literarische und erzählerische Tiefe.

Denn wir müssen zugeben, dass es zu diesem Zeitpunkt in der Erzählung rätselhaft anmuten kann, dass Singer in irgendeinem Roman eine Hauptfigur sein könnte, unabhängig vom Niveau, wir können aber darüber informieren, dass eben dieses Rätselhafte das Thema des zu realisierenden Romans ist.“

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Im Roman „T: Singer“, der bereits 1999 in Norwegen erschien, lässt er einen absoluten Außenseiter, immer wieder kommentiert vom allwissenden Erzähler (siehe Zitat oben) durch sein grüblerisches, gewollt gleichförmiges Leben gehen. Eigentlich möchte er unsichtbar bleiben und nichts als ein gewöhnliches Leben führen. Einmal, als Kind, hat ihn ein Ereignis so geprägt, dass er noch im späteren Leben immer wieder davon beeinträchtigt wird. Es ist so unspektakulär und dennoch entspringt dem ein großes Schamgefühl. Durch Tagträume und Philosophieren gelangt er durch die Tage und wird unversehens zum Langzeitstudent. Anfangs manifestiert sich der Wunsch Schriftsteller zu werden, doch er denkt so lange über den ersten Satz nach, dass er darüber nicht hinaus findet.

„Singer liegt auf der Couch seiner Bruchbude im Stadtteil Homansbyen, […] während er hier, bald dreißig Jahre seinem seligen Tagtraum nachhängt. Das hier ist Singer, absorbiert von seiner heimlichen Bestimmung, die in erster Linie ein Tagtraum ist.“

Schließlich wird er Bibliothekar, nimmt mit Mitte 30 eine Stelle in der Provinz an und zieht weg aus Oslo. In Notodden in der Telemark läuft anfangs alles nach Plan. Er geht in der Masse unter. Seine recht gleichförmige Arbeit bei meist gleichem Tagesablauf ist genau das, was er will. Bestimmte Rituale ergänzen den Tag.

Als er sich in eine Frau verliebt, bei ihr einzieht und heiratet, läuft auch das alles vollkommen unspektakulär für ihn ab. Die Anfangszeit ist geprägt von frischem Wind, von Ablenkungen und neuen Ritualen, wird für ihn aber schnell wieder zur Routine und Singer wird wieder introvertiert wie zuvor. Bald wird klar, dass es zu einer Trennung kommen muss. Doch durch einen Verkehrsunfall kommt seine Frau Merete zu Tode. Dass Singer sich um ihre Tochter kümmert, die aus einer vorigen Beziehung stammt, ist für ihn gleich klar. Und obwohl er weiß, dass ihm nicht wirklich an ihr liegt, besteht er den Großeltern gegenüber darauf, immer in der Angst, alle könnten ahnen, dass Merete und er sich eigentlich scheiden lassen wollten. Von seinem eigentlichen Entschluß, aus diesem Leben auszubrechen, als 40-jähriger anderenorts neu zu beginnen, bleibt nur der Umzug nach Oslo mit einer neuen Bibliothekarsstelle. Und so lebt er schließlich mit einer ihm fremden Tochter ein ihm eigentlich fremdes Leben …

T. Singer ist wie viele der männlichen Protagonisten bei Solstad einer, der sich schicksalhaft treiben lässt, selten eigene Entscheidungen trifft, und wenn doch, dann sogar oft gegen das eigene intuitive Bauchgefühl. So als müsste er nach einer höheren Instanz, einer bestimmten Norm oder Moral handeln, die über sein Tun zu entscheiden hat. Das macht einem die Figuren mitunter fremd aber eben auch extrem faszinierend. Allesamt sinnt sie Zweifler und Eigenbrötler. Solstad beherrscht die Sprache perfekt und bereichert sie mit philosophischen und moralischen Fragestellungen.

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„Professor Andersens Nacht“
mutet zunächst wie ein Kriminalroman an. Er erschien bereits 1996 in Norwegen und die Handlung beginnt am Heiligabend mit einem typisch norwegischen Weihnachtsessen.

Der Literaturprofessor Pål Andersen, alleinlebend, verbringt den Weihnachtsabend zu Hause und sinniert über Sinn und Unsinn dieses Festes. Zu vorgerückter Stunde steht er am Fenster und beobachtet die Menschen in den hell erleuchteten Fenstern im Haus gegenüber. Alles scheint friedlich, bis Andersen Unglaubliches sieht. In einer Wohnung wird eine junge Frau von einem Mann erdrosselt. Andersen ist schockiert, greift zum Telefonhörer, um die Polizei zu benachrichtigen. Doch dann legt er wieder auf. Warum er das tut, weiß er selbst nicht. Es scheint wie ein Zwang. Doch Ruhe findet er nach dieser Entscheidung nicht mehr. Wir kennen das alle: man schiebt eine wichtige Sache auf und irgendwann, je länger man wartet, wird es schier unmöglich, es noch zu tun.

„Dann lief er durch seine Wohnung, […] bis zum hell erleuchteten Arbeitszimmer, wo er sich einige Zeit hinsetzte und zu lesen vorgab, bevor er aufstand, und wieder durch die Zimmer der Wohnung ging, grübelnd, über sich selbst nachdenkend, im völligen Bewusstsein über das, was er da trieb, aber mindestens ebenso ergriffen von dem Unverständlichen daran.“

Was nun in Professor Andersen vorgeht ist spannendstes Kopfkino und psychologische Studie zugleich. Andersen schläft schlecht, geht spazieren und vor allem steht er den Rest des Weihnachtsfests am Fenster und lauert, was gegenüber weiter passiert. Bei einer Einladung zu einem Freund versucht er sich mitzuteilen, endlich über das Vorgefallene sprechen zu können, würde ihn beruhigen, denkt er. Doch er schafft es nicht. Nach schlafloser Nacht, bricht er spontan auf nach Trondheim, um dort Silvester zu verbringen. Nur weg, denkt er. Dort trifft er sich mit einem Kollegen und die Gespräche, von viel Alkohol durchtränkt, lassen ihn langsam das Gesehene vergessen. Über existenzielle Themen und über ihren Beruf und inwiefern die Literatur heutzutage überhaupt noch tragbar ist, wird diskutiert. Sehr spannend ist das alles für die Leser, obgleich man selbst natürlich den Mord nicht aus dem Kopf bekommt, wissen will, wie es weitergeht. Doch auf eine übliche Krimihandlung darf man hier nicht hoffen und das ist gut so.

Andersen erwacht früh am Morgen im Hotel in Trondheim mit panischer Angst, bricht sofort auf und reist nach Hause. In der Wohnung begibt er sich sofort ans Fenster. Infolge sieht Andersen den mutmasslichen Mörder in der Wohnung, die Wohnung verlassen und wieder betreten, kann anhand der Namensschilder an der Haustür seinen Namen ausfindig machen, begegnet ihm sogar auf der Straße. Wochen vergehen. Täglich durchforstet er die Zeitung nach dem Todesfall oder einer Vermisstenanzeige. Doch nichts. In hanebüchenen Selbstgesprächen erläutert er das Für und Wieder nun endlich doch noch zur Polizei zu gehen. Und schließlich sitzt Andersen sogar in einer Sushibar um die Ecke neben ihm, wo er mit ihm ins Gespräch kommt …

Was Dag Solstad als Schriftsteller leistet ist einfach genial. Er schreibt so herrlich unberechenbar, dass seine Geschichten, obwohl scheinbar wenig passiert, spannend und berauschend sind. Das Wenige, was im Außen passiert, steht dem reichen Innenleben seiner Protagonisten entgegen und reicht bis zu philosophisch existenziellen Themen, die uns alle betreffen. Denken und hinterfragen und zweifeln stehen hier im Mittelpunkt. Und eine anspruchsvolle Sprache, die Ina Kronenberger großartig übersetzt hat. DAS ist große Literatur! Hellstes Leuchten!

Lieber Dörlemann Verlag, bitte vervollständigt die Werkausgabe von Dag Solstad! Ich benötige Nachschub!

Teil II meines Leseprojekts „Solstad lesen“ folgt in Kürze. Leseproben gibt es auf der Verlagsseite. Eine weitere Besprechung zu „T. Singer“ findet sich auf dem Blog „letteratura“.

Ana Marwan: Der Kreis des Weberknechts Otto Müller Verlag

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Womöglich der schönste Debütroman dieses Jahres: Er kommt von  der 1980 in Slowenien geborenen, in Wien lebenden Ana Marwan und erinnerte mich anfangs im Sprachstil und mit seiner skurrilen Hauptfigur gleich an die Romane von Anna Weidenholzer (hier besprochen: „Weshalb die Herren Seesterne tragen“), in seiner Intensität aber auch an Anna Baar (hier besprochen: „Als ob sie träumend gingen“). Im Laufe der Handlung entwickelt sich daraus eine wunderbare eigene Erzählart, die mit schrägem Humor auffällt, mit Sprache exzellent spielt und zudem noch ausgesprochen klug und so ganz anders als üblich mit Genderklischees umgeht.

Es geht um Karl Lipitsch. Und zwar ganz und gar. Lipitsch ist nämlich ein Egoist, ja womöglich ein Narzist, auf jeden Fall jedoch ein Misanthrop, wie er selbst stolz behauptet. Lipitsch schreibt an einem Buch. Einem philosophischen. Worum es geht, weiß man nicht so genau. Er möchte dabei jedoch möglichst wenig gestört werden. Vor allem nicht von einer Frau. Denn Frauen findet er anstrengend, Beziehungen wenig gewinnbringend. Lipitschs Frauenbild lässt allerhand zu Wünschen übrig. Also ein durch und durch unsympathischer Zeitgenosse.

„Wenn du es mal satt hast und aufhörst mich gut zu stillen, werde ich schreien, wenn du anfängst von Ent-wicklung zu reden, werde ich weinen und mir eine Neue suchen, die das besser macht. Ich werde auch aufhören, dich schön zu finden, mal schauen, ob du mich dann auch so schnell ersetzen kannst.“

Doch seine Nachbarin Mathilde, die er zufällig am Flughafen, bei der Rückkehr von einem Familienfest trifft, ist sehr freundlich zu ihm, wie er findet, bis zur Aufdringlichkeit. Auf keinen Fall will er mit ihr mehr zu tun haben. Doch Mathilde will Kontakt knüpfen, am Gartenzaun spricht sie ihn an, wo er doch gerade vertieft ist ins Schreiben. Mathilde lässt nicht locker und Lipitsch gesteht ihr sogar außer einem hübschen Aussehen ein wenig Klugheit zu, kennt sie doch immerhin Proust, weiß sogar Zitate daraus.

„Proust ist nicht jedermanns Sache“, öffnete Lipitsch gleich ein Ventil. Er betätigte regelmäßig die Ventile seiner Wut, die sich im Bereich der Zweideutigkeit befanden, damit alles unverrostet und gut gelüftet und gesund blieb, und offene Konflikte vermieden werden konnten.“

Es ist höchst spannend und amüsant als Leserin mitzuverfolgen, wie Lipitschs Innenwelt von seinem äußeren Verhalten Mathilde gegenüber abweicht. Denn innen entsteht langsam aber stetig eine Abhängigkeit von ihr. Er wartet auf Zeichen, auf Gesten, auf Einladungen zu ihren Salon-Abenden, um sich möglichst vorteilhaft zu zeigen, denkt ständig was er noch tun kann, um gut anzukommen. (Ein herrliches Beispiel dafür: Er überlegt sich ein kleines Mitbringsel für sie. Es darf nicht zuviel, nicht zu wenig sein. Er hat noch ein Glas Honig stehen, entfernt das Etikett und ersetzt es durch ein handgeschriebenes und gibt es als frischen Imkerhonig von einem Bekannten aus.) Doch nie gesteht er sich gänzlich zu, dass womöglich Zuneigung entstanden ist, dass er sich vielleicht gar verliebt hat. Mathilde gegenüber schon gar nicht. Ihr Angebot sich endlich zu duzen, lehnt er rundweg ab. Zuviel Nähe erträgt er nicht.
Dennoch vereinbaren sie für jeden Freitagnachmittag Kaffeetreffen.

„Die ersten Male wartete er mit großem Unbehagen, bestehend bald aus Angst, dass sie nicht kommen würde, bald aus vorzeitiger Wut, weil sie vielleicht nicht gekommen sein wird, oder aber auch aus mühsam vorgetäuschter Indifferenz, ob sie kommen würde oder nicht. Ihre Pünktlichkeit wiegte ihn jedoch bald in ein Gefühl von Sicherheit, denn sie wusste ihr Spinnennetz als Hängematte anzubieten.“

Eines freitags – es sind Monate mit regelmässigen Treffen vergangen, Lipitsch fühlt sich mittlerweile sicher und angenehm mit Mathilde, mehr braucht und will er nicht – erzählt Mathilde, dass sie für 2 Wochen in Urlaub fährt. Mit wem? Mit Arbeitskollegen (er weiß noch immer nicht, wo und was sie arbeitet!). Lipitsch fällt aus allen Wolken. Wie kann sie nur? Und so kurzfristig? Wie soll er das durchstehen?

Für Mathilde, die Kluge, ist der Urlaub schließlich ausschlaggebend um einen Schlußstrich zu ziehen. Klar erkennt sie, dass mit „Karl“ nichts weiter anzufangen ist und beendet ihre Treffen nach ihrer Rückkehr.

Lipitsch nun, geht durch alle Phasen einer echten Trennung. Sieht bei sich keinerlei Schuld am Scheitern. Wütet innerlich. Droht. Schreibt Briefe. Versucht erneut Kontakt zu knüpfen. Sieht letztlich ein, dass er es verpatzt hat. Dass aus alldem für ihn eine Erkenntnis reift, die er schriftlich darlegt. Dass er, der nie an so etwas wie Schicksal glaubt, plötzlich den Zufall als weltbewegend sieht und als ausschlaggebend für die Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft, den ewigen Kreislauf des Lebens, ist erstaunlich (so klärt sich auch der ungewöhnliche Titel des Romans am Schluß). Aber wer weiß, vielleicht hat Lipitsch sich auch hier wieder in eine Theorie verrannt, die ihn vom echten Leben fern hält? Überlegt die Leserin …

Ana Marwan deckt die im Geheimen wirkenden Muster von Männern und Frauen auf. Sie hat eine brilliante Charakterstudie eines durch und durch unsympathischen Mannes geschrieben. Doch sie entlarvt ihn, durchleuchtet ihn und lässt ihn in einer großen freundlichen Geste an einer Frau, an einer Beziehung wachsen. Ich bin froh, das mir dieses Buch vom Otto Müller Verlag nahe gelegt wurde. Es ist eine erfrischende und amüsante, kluge und sprachlich hervorragende Entdeckung!

Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Eine aufschlußreiches Interview mit der Autorin und eine Leseprobe gibt es hier.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Édouard Lewis: Im Herzen der Gewalt S. Fischer Verlag

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Von Édouard Louis` Romanen las ich immer wieder in verschiedenen Blogs und Zeitungen. Nun ergab sich die Möglichkeit die Inszenierung eines seiner Romane in der Schaubühne Berlin in der Regie von Thomas Ostermeier zu sehen. Als ich „Im Herzen der Gewalt“ verließ, war ich mit Eindrücken voll, die mich noch Tage danach über das Stück nachdenken ließen. Ich beschloss, unbedingt auch den Roman zu lesen.

Ich wusste nicht, las es erst später, dass Édouard Louis inzwischen einer der aktuell aufstrebendsten Intellektuellen Frankreichs ist. Auch war mir beim Lesen noch nicht klar, dass die Freunde, die er im Roman sehr oft mit Vornamen nennt, Didier Eribon und Geoffroy de Lagasnerie sind. Beide sind bekannte französische Philosophen. Eribon landete einen Bestseller mit „Rückkehr nach Reims“, in dem er, wie Louis, von seinem Elternhaus in der französischen Provinz berichtet, jedoch nicht romanhaft. De Lagasnerie ist viel politisch aktiv und setzt sich für die Gelbwesten ein.

„Im Herzen der Gewalt“ beginnt damit, dass der Protagonist seine Wäsche in den Waschsalon bringt, zuhause alles putzt und zuletzt versucht, sich selbst klinisch rein zu waschen. Nichts hilft. Der Makel bleibt. Was ist passiert?

„Und ich dachte auch – in ungeduldiger Erwartung der Zukunft, die das Ganze in gewisser Weise in die Vergangenheit verlegen, es relativieren würde: In einer Woche denkst du: Jetzt ist es schon eine Woche her, komm schon, und in einem Jahr: Jetzt ist es schon ein Jahr her.“

In Rückblenden erfahren wir, dass Edouard Opfer einer Gewalttat wurde. Am Weihnachtsabend kehrt er sehr spät von Freunden in seine Wohnung zurück. Unterwegs spricht ihn ein Mann an, Reda, der in recht eindeutiger Weise Kontakt sucht. Zunächst versucht Edouard, der allein mit seinen Büchern sein will, ihn abzuwimmeln. Doch schließlich nimmt er Reda mit in seine Wohnung. Es kommt zu einvernehmlichem Sex. Reda erzählt von seinem Vater, der nach Frankreich emigrierte, ein Kabyle, kein Araber sei er. Araber hasse er.

Als Reda gegen Morgen aufbrechen will, bemerkt Édouard, dass sein Mobiltelefon fehlt. Als er Reda darauf anspricht, tickt dieser aus. Er fühlt sich als Dieb beschuldigt und in seiner Ehre beleidigt, obgleich er, wie sich herausstellt, tatsächlich das Telefon in der Tasche hat. In der Tasche hat er außerdem eine Pistole, mit der er Édouard später bedroht. Seine Wut steigert sich, je mehr Édouard versucht zu beschwichtigen und den Diebstahl, als in seiner prekären Situation als normal, ja notwendig hinzustellen. Reda würgt und vergewaltigt Édouard. Später, als Édouard es geschafft hat, ihn zur Tür hinaus zu bewegen, entschuldigt er sich gar und will wieder hinein.
Was Édouard erlebte war Todesangst.

Wie Édouard desweiteren mit der Situation umgeht, wie er sein dringendes Redebedürfnis dem Krankenhauspersonal, den Polizisten, die die Anzeige aufnehmen, seinen Freunden, seiner Schwester überstülpt, wird überdeutlich. Wie er später jedoch genau ins Umgekehrte driftet und nur noch darüber schweigen will, keine Therapie gegen das erlittene Trauma in Anspruch nehmen will. Sondern bewusst verdrängen, ja leugnen will, ist unglaublich präzise und zum Nachdenken anzettelnd geschrieben.

„Aber ich wusste, dass ich mich belügen musste. Ich sage nicht, dass das an sich eine Lösung ist, ich weiß nicht, ob sie für jedermann gälte, aber ich für meinen Fall tat gut daran, all meine Energie darauf zu verwenden, mich zu überzeugen, dass ich nicht traumatisiert war, und mir einzureden, dass es mir gutging, auch wenn das nicht stimmte, auch wenn es eine Lüge war.“

Gerade auf der Bühne entfaltet sich hier die Komplexität der Ereignisse sehr plastisch: Die Bemühungen des Opfers (der selbst aus einer armen Familie stammt), den Emigrantensohn in seiner prekären Lage zu verstehen und nicht überheblich, sondern großzügig zu wirken, verkehren sich ins Gegenteil. Die Gewalt des Täters im Spiegel seiner Herkunft, im Verleugnen der eigenen Homosexualität durch Herauskehren der vermeintlichen Männlichkeit durch Gewaltausübung. Das Gefühl Édouards, dass selbst die engsten Freunde, ihn nicht verstehen. Wie er letztlich doch Anzeige erstattet.

Ach darum – so dachte ich, heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es sich so verhält, aber in dem Moment dachte ich: „Er begehrt dich und verabscheut sein Begehren zugleich. Er will dich für sein Begehren büßen lassen. Er will sich sleber glauben machen, dass ihr das alles nicht getan habt, weil er dich begehrt, sondern als Vorwand für das, was er jetzt tut, …“

Louis berichtet hier nicht chronologisch, sondern lässt seine Hauptfigur von Emotionen geleitet, scheinbar sprunghaft erzählen. Zudem baut er eine weitere Instanz ein, nämlich Édouards Schwester, der er bei einem Besuch, einer Flucht gleich, von seinem schrecklichen Erlebnis erzählt. Diese wiederum erzählt die Geschichte ihrem Mann, was eine ganz neu Sicht auf die Dinge wirft, da sie die Geschehnisse, als typisch für ihren Bruder auslegt und meint, er hätte vorher wissen können, was für ein Täter Reda sei. Gleichzeitig zeigen sich hier wieder die tiefen Differenzen zwischen Bruder, der zum Studium von Zuhause fort ging, und die Schwester, die im Heimatort blieb.

„Im Herzen der Gewalt“ ist sowohl als Theaterstück, als auch als Buch ein großes Erlebnis. Es bringt so viele der aktuellen gesellschaftspolitischen Themen auf den Punkt, Rassismus, Homophobie, Klassenunterschiede, dass man daran eigentlich gar nicht vorbeikommt. Es regt in ganz verschiedenen Richtungen zum Denken an und ist nicht so schnell vergessen. Und all das in feinster Sprache. Große Empfehlung! Ein Leuchten!

Der Roman erschien im S. Fischer Verlag. Mehr über den Autor und eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Siri Hustvedt: Damals Rowohlt Verlag

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„Sagen Sie mir, wo die Erinnerung endet und die Erfindung beginnt? Sagen Sie mir, warum ich Sie als Reisegefährtin brauche, als meine jeweils liebe und launische Andere, meine Partnerin für die Dauer dieses Buchs? Wie kommt es, dass ich Ihren Schritt neben mir fühle, während ich schreibe?“

Siri Hustvedts neuer Roman beginnt schon auf den ersten Seiten zu leuchten. Ihr Thema ist nach vielen Essays und dem Roman „Der Sommer ohne Männer“ Biografisches. Die Autorin gleitet zurück in die Zeit, in der sie als junge Frau ihre erste eigene winzige Wohnung in New York bezog. Aus Tagebucheinträgen der 21-jährigen, einem ersten Romanmanuskript und aus der Perspektive der 61-jährigen, setzt sich ihr Buch zusammen. Zeit scheint dabei nicht wichtig. Das Damals mit dem Heute momentweise zu verschmelzen. Sich Erinnerungen auszusetzen, einzelne Stücke zu einem plausiblen Ganzen zusammen zu setzen.

„In der Erinnerung“, sagte sie, „gibt es kein wirkliches Voraus oder Hinterher, nicht wahr? Die Erinnerung wallt im Jetzt auf, in der vertikalen Zeit. Und erinnerte Zeit ist, wie Sie wissen, mit Imagination durchsetzt. Wer bin ich eigentlich?“

S.H., genannt Minnesota, hat sich nach dem Schulabschluss ein Jahr Frist gesetzt, um einen Roman zu schreiben, bevor sie ihr Studium antritt. Ziel ist die Stadt New York. In einer heruntergekommenen Wohnung liest sie, schreibt und lauscht der seltsamen Nachbarin Lucy, die abends und nachts eine Suada von Tönen und imaginären Gesprächen los lässt. S. H. lernt ihre beste Freundin Whitney kennen und sie ziehen durchs Viertel. Intellektuelle Parties und alternative Lesungen werden besucht. Liebesaffären ausgelebt. Anhand eines wiederentdeckten Tagebuchs rekonstruiert die heutige Siri Hustvedt ihr damaliges Leben. Zwischendurch lesen wir Abschnitte aus dem Romanmanuskript, dass eine Detektivgeschichte werden soll. Erlebnisse aus dem Alltag fließen hinein.

Die Erinnerung an den Vater, der Arzt war, den sie manchmal als Kind begleiten durfte zu seinen Hausbesuchen. Der, als sie stolz ihre Anatomiekenntnisse vorführte, nur meinte, sie würde bestimmt eine gute Krankenschwester – „Ich werde mich weit über dich hinauslesen, Vater.“ Die Entscheidung über den Vater hinauszuwachsen. Zu lesen und nochmal zu lesen, um zu wissen. Und dann im Jetzt, die Telefonate der heutigen Siri mit der alten Mutter, die immer mehr vergisst, wiederholt nach ihrem Schreiben fragt, vielleicht stolz auf die Tochter ist.

Das Erinnern und Reflektieren der Fünferbande, des damaligen engen Freundeskreises von S.H. Wie sich alle eine eigene Geschichte zu S.H.`s sonderbarer Nachbarin Lucy zusammenspinnen. Die Entdeckung der DADA-Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven, Freundin von Marcel Duchamp, dessen berühmt gewordenes Werk „Fountain“ eigentlich ihre Idee war, die mit der Schriftstellerin Djuna Barnes befreundet war.

Sie beschreibt außerdem genau das, was in einem Essay in Rebecca Solnits Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ dargestellt wird. Ganz klar. Männer überall tun das immer und immer wieder und auch die junge Siri hat damit zu kämpfen. Einmal erfährt sie Gewalt und entgeht dabei nur knapp einer Vergewaltigung, weil die Nachbarin mit ihren Freundinnen zur Stelle ist. Die Siri aus dem Jetzt hinterfragt diese Szene und hadert noch immer mit sich selbst, zu „brav“ gewesen zu sein.

Von Lucy erfährt S. H. dann auch deren traurige Familiengeschichte. Bei einer Dinnerparty, zu dem S.H. von Lucys esoterisch spirituellen Freundinnen eingeladen ist, geschieht schließlich so etwas wie eine, man könnte sagen „Initiation“. Der zunächst kluge, sympathische Philosophieprofessor, entpuppt sich als seine Ehefrau unterdrückender und überheblicher, Frauen die Welt erklärender Macho. Wie Hustvedt die Geschehnisse dieses Dinners schildert, diese Verwandlung, diese Erkenntnis, auch im inneren S. H.`s, deren Widerstand endlich auflebt und als hoch intelligente Suada zu Tage treten darf,  ist grandios. Das ist Erzählkunst par Excellence!

„Aber ich zitierte Wittgenstein, dem ich mich so viele Stunden gewidmet hatte, und um Sarahs Mann, den ich, wie ich merkte, angefangen hatte zu hassen, noch weiter zu verletzen, zitierte ich hochtrabend auf Deutsch …“

Dass S. H. schließlich offenbart wird, sie sei in einen Hexenzirkel geraten – „Wir sind entschieden gegen alle patriachalen Religionen. (…) Wir sind gegen den Hass des Patriarchats auf den Körper und die Sinnlichkeit, die Natur und die Frauen. Wir glauben an die alte Ökologie, an Harmonie und Heilen.“  – beschäftigt diese noch lange. Und wer weiß, vielleicht hat dieses Erlebnis die Frau und Autorin Siri Hustvedt ja doch auch geprägt in ihrer feministischen Entwicklung?

„Wenden Sie sich nicht von Ihren Gaben ab. Entschuldigen Sie sich nicht dafür. Fürchten Sie auch nicht Ihre Wut. Die kann nützlich sein. Und merken Sie sich: Die Welt liebt starke Männer und hasst starke Frauen. Ich weiß das. Die Welt wird sie strafen, aber Sie müssen daran festhalten.“

Später trägt S.H. immer ein Springmesser bei sich, dass ihr eine Freundin nach dem Angriff zur Selbstverteidigung schenkte. Sie nennt es liebevoll „Baroness“. Und mit der Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven schließt sich der Kreis: Frauen im Schatten der Männer … so gern ich Paul Austers Bücher lese, Siri Hustvedt sollte nie im Schatten ihres Ehemanns stehen. Ihr Werk ist klug und reif und zeugt von unglaublicher sprachlicher und erzählerischer Stärke! Ein strahlendes Leuchten!

„Damals“ erschien im Rowohlt Verlag. Die Übersetzung kommt von Uli Aumüller und Grete Osterwald. Es gibt zudem einige karikaturhafte Illustrationen von der Autorin selbst. Ebenso empfehlenswert: die gleichzeitig erschienenen Essays zum Thema Kunst, Geschlecht und Geist unter dem Titel: „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“. Und natürlich, wer ihn noch nicht kennt, der 2003 erschienene bekannteste Roman „Was ich liebte“, den ich noch aus Buchhändlerzeiten im Regel stehen habe.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar von „Damals“.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Ellen Hinsey: Des Menschen Element Matthes & Seitz Verlag

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Der Traum
Die Zeit wie eine Schote aufzubrechen und ihre leuchtenden, glühenden Samen zu betrachten

Ellen Hinsey habe ich nur entdeckt, weil Litauen diesmal Gastland der Leipziger Buchmesse war. Denn sie hat zusammen mit dem 80jährigen litauischen Lyriker Tomas Venclova ein Buch herausgegeben. Die 1960 in Boston geborene Amerikanerin hat mit dem vor langer Zeit nach USA emigrierten Dichter und Literaturprofessor Gespräche geführt und somit sein Leben fürs Lesepublikum aufgeblättert. Das Buch heißt „Der magnetische Norden“ und erschien vor kurzem im Suhrkamp Verlag. Ebenso ist sie Übersetzerin seiner Gedichte.

Als ich ein wenig recherchierte fand ich heraus, dass Ellen Hinsey, die lange Zeit in Paris lebte, nicht nur sich gut auskennt im osteuropäischen Raum und dessen Geschichte, sondern dass sie selbst auch schreibt, und zwar vorrangig Lyrik. Als ich in einer Leseprobe die ersten Zeilen von ihr las, war ich fasziniert: Hinsey weiß hochaktuelle und brandheiße politische Gedichte zu verfassen, die in solch gelungener Spracharbeit und Direktheit selten sind. Ihre Themen lassen außerdem auf intensive Philosophie- und Geschichtskenntnisse schließen. So spricht sie bei der Buchvorstellung in der Berliner DAAD-Galerie über die Ideen des griechischen Philosophen Parmenides, der sie beim Schreiben für dieses Buch sehr beeinflusste: Grob gesagt, hatte er die Theorie, dass es keine Getrenntheit gibt in der Welt, dass alles eins ist. So gesehen erhalten die Gedichte auch eine spirituelle Dimension.

Einsicht und Zweifel
Einmal nur unerwartet die Einheit der Welt erfahren –
wider die Manöver des Verstandes.

Dauerhafter Zustand
Die Wachheit lädt den Verstand ein, sich ihr anzuschließen
im sprießenden, sich stetig erneuernden Feld der Welt.

Merkwürdiges Autodafé
Im Gegenzug plant der Verstand seinen ewigen Angriff auf
das Sein.

Auszug aus dem Notizbuch A

 


Ellen Hinsey scheut nicht die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen. So schilderte und verdichtete sie beispielsweise Verhöre von Gefangenen verschiedener Regimes. Hinsey besuchte dazu den Gerichtshof in Den Haag, wo es um Kriegsverbrechen im osteuropäischen Raum ging. Oft schockierend und ungeschönt: diese Gedichte sind mitunter starker Tobak …

Die Tyrannei hat nichts dagegen, klein anzufangen: Maß ist ihr gleichgültig. Ihre Träume vom Ruhm werden frohen Mutes im Kindertheater geprobt.
[…]
Die Regression der Tyrannei ist einfach: die Begierde eines Kleinkinds, der Welt seine Allmacht aufzuerlegen.

aus Chronik – Eine kurze Biografie der Tyrannei

In ihrer Buchvorstellung erzählt Hinsey desweiteren, dass es ihr beim Schreiben ums „Bewahren“ geht, das Bewahren vor dem Verschwinden. In ihrem Lyrikband findet sich dieses Bewahrenwollen in allen drei Kapiteln: Im ersten „Des Menschen Element“ geht es um das Wesen des Menschen: seine Besonderheit; im zweiten „Zeugnis“ geht um das Treiben und Tun der Menschen: die Spaltung der Welt; im dritten „Mitternachtsdialog“ um das Zweifeln, den Moment der Veränderung, um die Vergebung.

Langsam rollen Polizeiautos die mitternächtlichen Boulevards entlang, überwachen das Unheil. Pomp protzt mit Verfall – aber keiner gewinnt, da die Nacht beide in ihren abgenutzten Teppich rollt – um sie auf die Schultern ermatteter Schläfer zu laden, jener unschuldigen Träger der Hoffnung.

aus Annalen – Östliche Apokryphen

Ellen Hinsey schreibt über den Menschen in der Welt, verdichtet, konzentriert und philosophisch. Ihre Gedanken sind unbedingt lesenswert, auch für Nicht-Lyrik-Leser.

Ellen Hinsey war 2015 Gast beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD. Der vorliegende Band erschien in der Reihe DAAD Spurensicherung 29 im Matthes & Seitz Verlag und wurde übersetzt von Uta Gosmann.