Olga Lawrentjewa: Surwilo Graphic Novel Avant Verlag

Eine ganz ausdrucksstarke Graphic Novel ist „Surwilo“ von der 1986 geborenen Olga Lawrentjewa. Der Untertitel weist auf den Inhalt hin: Eine russische Familiengeschichte. Der Handlungsort ist überwiegend Leningrad. Die Geschichte erzählt die Großmutter ihren Enkelkindern, die sie gerne auf dem Land besuchen. Sie beginnt dabei mit ihrer Mutter, die 1914 Wikenti Kasimirowitsch Surwila heiratet. Wikenti kommt aus dem Dorf Surwily, das in Polen liegt. Sie leben in Leningrad mit den beiden Töchtern Ljalja und Walja in einer großen Wohnung. Als Wikenti im Jahr 1937 verhaftet wird, angeblich weil er mit anderen polnischstämmigen Kollegen Spionage und Sabotage plante, schreibt seine Frau Briefe an die höchsten Behörden, um herauszufinden, wo er sich befindet und weshalb er unschuldig verhaftet wurde. Antworten kommen keine. Auch in den folgenden Jahren nicht. Für die Familie wird dieser Vorfall zum Verhängnis: Sie werden weit weg aufs Land verbannt. Die Töchter werden in der Schule gemobbt, aufgrund des Makel im Lebenslauf. Der Vater ein Volksfeind! Eine nach der anderen gehen beide nach der Schule zurück nach Leningrad, um ein Studium zu beginnen. Walja erhält ein Stipendium, doch reicht das Geld kaum, sie leidet Hunger. Sie besucht Bekannte, die noch im alten Haus wohnen und trifft dort auch oft Petka, mit dem sie sich gut versteht.


1941 verlässt Walja das Technikum und sucht Arbeit. Doch aufgrund des Fragebogens bei der Bewerbung, in dem die Daten der Eltern abgefragt werden, findet sie keine Stelle. Erst in einem Krankenhaus nimmt man sie. Im September beginnt die Blockade. Gleichzeitig fallen die Bomben. Walja hat im Krankenhaus schwerste Arbeit zu verrichten, doch die Lebensmittel werden knapp. Immer mehr Menschen sterben, entweder durch die Bombenangriffe oder sie verhungern. Einmal noch sieht sie die Schwester, dann kommt die Nachricht ihres Todes. Wenige Frauen bleiben im Krankenhaus, in dem Ausnahmebetrieb herrscht. Kein Strom mehr, keine Lebensmittel. Dennoch werden die Aufgaben von der Armee strengstens überwacht. Eine verschwundene Lebensmittelkarte kann den Tod zur Folge haben. Walja ist geschwächt und ständig kurz vor dem Zusammenbruch. Die Blockade dauert über 2 Jahre. Im Januar 1944 ist sie zu Ende. (Wikipedia schreibt zur Blockade Leningrads: „Verluste: 16.470 Zivilisten durch Bombenangriffe und ca. 1.000.000 Zivilisten durch Unterernährung“)

Das Leben geht weiter. Walja macht einen Buchhaltungskurs, findet endlich eine Arbeitsstelle. Das Leben wird besser. Petja, der als Soldat im Krieg ist, schreibt Walja. Es beginnt ein Briefwechsel. Er kommt 1945 mit Ehrungen und Orden zurück und macht Walja einen Heiratsantrag. Bald bekommen sie eine Tochter. Beide arbeiten. Doch Walja wird von Angstzuständen und Panikattacken heimgesucht, ist schwer traumatisiert. Oft liegt sie nächtelang wach. Die schrecklichen Erfahrungen der Belagerung, die vielen Sterbenden, die vielen lebendigen Toten wird sie ihr Leben lang nicht vergessen. Und doch bietet das Leben mit Petja und der Tochter auch viele frohe Zeiten.


Als sie 1958 einen Brief erhält, in dem man ihren Vater rückwirkend rehabilitiert, ist es wie ein Traum für sie. Manche Hindernisse sind damit aus dem Weg geräumt und sie erhält rückwirkend ihre Medaille für die Verteidigung Leningrads. Dass der Vater bereits 11 Tage nach der Festnahme hingerichtet wurde erfährt sie erst nach der Perestroika, nach 1989 aus seiner Akte.

Olga Lawrentjewa hat diese Geschichte illustriert und auch erzählt. In kurzen Episoden als Rahmenhandlung sind die Enkel immer wieder mit der Großmutter unterwegs, während diese erzählt. Hier wird auch der Grundstein gelegt, dass die Geschichte aufgeschrieben wird. Lawrentjewa hat mit dieser Graphic Novel noch viel mehr getan als eine biographische Geschichte zu erzählen. Sie hat sie illustriert und damit interpretiert. Und ihre Bilder sind durchgängig schwarz/weiß, wobei das Schwarze fast immer überwiegt und wie Kohle und/oder Tusche anmutet. Der allermeiste Text wird dabei in Sprechblasen erzählt, mitunter gibt es kurze erklärende Zeilen. Es gibt zwischendurch immer wieder ganzseitige Bilder. Nie wird es allzu kleinteilig. Dabei hat sie einen höchst expressiven Stil, der einen sofort vereinnahmt. Mitunter gibt es eruptive Szenerien, dann wieder eher verwaschene, nebelhafte. Die Gesichter, die Figuren sind genau und ausdrucksvoll. Was besonders in den Szenen, die im Krankenhaus spielen teils sehr grausam, aber ehrlich sich zeigt: Körper, wie Gerippe, Gesichter wie Totenköpfe. Die Illustratorin erschafft eine Welt, die die Schrecken und Grausamkeiten des Krieges aufzeigt, aber auch über unschuldige Opfer des Stalinistischen Regimes Zeugnis ablegt. Das tut sie in einer Form, die meisterhaft ist, gerade weil sie so persönlich und direkt ist.

Wir wissen längst, wie schwer auch Kriegskinder und Kriegsenkel noch zu tragen haben, wie schwer und wie lange Körper und Seele noch beeinträchtigt sein können. Ich denke, Olga Lawrentjewa hat mit ihrem eindrucksvollen Buch einen Teil dazu beigetragen (und sei er auch noch so klein), diese enormen Belastungen zu verarbeiten. Bald werden nur noch Texte und Bücher, vielleicht Bilder, über diese Zeiten berichten, wird es keine Zeitzeugen mehr geben. Und dabei sind Erinnerungen und Lebensberichte so wichtige Warnungen und Mahnungen. Wie wichtig, sehen wir aktuell.

Die Graphic Novel erschien im Avant Verlag. Aus dem Russischen übersetzt wurde sie von Ruth Altenhofer. Surwilo ist einer der wenigen Comics, die überhaupt ins Deutsche übertragen wurden. Eine Leseprobe gibt es hier. Auf der Verlagswebsite gibt es auch Infos zur Autorin, die ich im Buch vermisste. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Jan Brokken: Sibirische Sommer mit Dostojewski Kiepenheuer & Witsch

DSCN3079

Der Niederländer Jan Brokken hat einen Roman über eine – wie heißt es so schön? – wahre Begebenheit geschrieben. Es geht um die Freundschaft Fjodor Dostojewskis mit Alexander von Wrangel. Als große Dostojewski-Bewunderin konnte ich diesen Roman nicht links liegenlassen.

Wahrscheinlich weiß jede/r Dostojewski-Leser/in das biografische Detail von seiner Verurteilung zum Tod im Jahr 1849. Kurz bevor der Befehl ausgeführt wurde, kam die Nachricht der Begnadigung. Sie sollte das große Wohlwollen des Zars demonstrieren. An dieser Stelle in Sankt Petersburg begegnet der baltische Alexander von Wrangel als Student dem Schriftsteller zum ersten Mal. Nach vielen Jahren, als Alexander seine Karriere als Jurist in Semipalatinsk beginnt, lernt er den dort stationierten „Zwangs-Soldaten“ Fjodor Dostojewski kennen. Dostojewski hatte die langjährige Zwangsarbeit im sibirischen Lager überstanden und begann wieder zu schreiben. Hier entsteht das zum Teil biografische Werk „Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“. Zwischen den beiden Einzelgängern entwickelt sich eine enge Freundschaft. Wrangel setzt sich für ihn ein. Aus den gegenseitigen Besuchen mit Gesprächen und dem Gefühl dem anderen nah zu sein, entsteht bei Alexander die Idee einer gemeinsamen Sommerfrische: Sie beziehen eine Datscha außerhalb der Stadt, den Kosakengarten.

Der Autor Jan Brokken hatte das große Glück aus dem privaten Briefwechsel zwischen Dostojewski und Wrangel, die ihm zur Recherche überlassen wurden, zu schöpfen. Damit hat er eine stimmige Geschichte konstruiert. Es ist spannend zu lesen, welch große Vielfalt der Völker dort an einem Ort gemeinsam miteinander lebten. Muslimische und Russisch-orthodoxe, Tartaren und Kosaken. Einerseits gibt es die gut situierten reichen Minen- oder Gutsbesitzer, deren Frauen Champagner trinkend nach neuester Pariser Mode gekleidet sind, andererseits die für jegliche Arbeit eingesetzten Leibeigenen. Eine riesige Kluft zwischen reich und arm.

Brokken schildert Dostojewski als einen, der nach den Jahren im Lager, alles dankbar wahr- und aufnimmt, um es später womöglich in seine Geschichten und Romane einfließen zu lassen. Im Anhang kann man von solchen Begebenheiten lesen. Gleichzeitig erzählt er von seinem Hang zu den menschlichen Abgründen, von der Frage: Sind Gewalt und Verbrechen Ausdruck einer Krankheit? Am Schwerwiegendsten  leidet er unter seiner noch immer nicht aufgehobenen Strafe als Zwangssoldat, da diese mit einem Publizierungsverbot einher geht.

„Alles, das wir zusammen erlebt haben, hat er in irgendeiner Weise einen Platz in seinen Romanen gegeben. Ich staune immer wieder, wie er aus belanglosen fait divers ein Epos über menschliches Unvermögen machen konnte.“

Die Passagen, die von Wrangels und Dostojewskis Liebesmüh berichten, nehmen einen Großteil des Romans ein. Hier zieht sich der Roman für mein Gefühl zu sehr in die Länge. Einzig der Hintergrund, dass auch diese Geschichten als Vorlagen für Dostojewskis Romane dienen, machen sie erträglich. Brokken ist ein recht intensives Porträt einer Männerfreundschaft gelungen, das aufzeigt, wie stark die eigenen Erlebnisse Dostojewskis Texte prägten.

„Keiner von Dostojewskis Romanen ist persönlicher als Der Idiot […]. Der Idiot ist seine Apologie. Wenn ich über die Hauptfigur, Fürst Myschkin, lese, der wie ein Messias sein will, aber keine Erlösung bringt, höre ich Fjodor Michailowitsch reden.“

Der Roman erschien im Kiepenheuer & Witsch Verlag. Helga von Beuningen hat ihn aus dem Niederländischen übersetzt. Eine Leseprobe gibt es hier.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ljudmila Ulitzkaja: Jakobsleiter Hanser Verlag

DSCN2202

In ihrem neuen Roman blickt die große russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja auf ihre eigene Familiengeschichte zurück. Hauptperson darin ist Nora, eine unkonventionelle Frau, die als Bühnenbildnerin arbeitet, einen Sohn alleine aufzieht und mit einem verheirateten Regisseur liiert ist. In Kapiteln die von der Heute-Zeit bis weit in die Vergangenheit zurückreichen erzählt sie aus wechselnder Perspektive, beginnend mit dem Tod der Großmutter Maria und dem Auffinden alter Briefe.

„Das war wohl das Schicksal seiner Familie, seines Volkes – in einer großen Grube in Kiew, in Babi Jar lagen sein jüngster Bruder, vier Cousinen, insgesamt neunundzwanzig Blutsverwandte – ermordet. Und über ganz Europa verstreut noch viele Millionen Menschen, mit denen er nicht verwandt war. Der Teufel trug nur verschiedene Schnauzbärte.“

Einer der Stränge besteht aus Auszügen eines Tagebuchs und Briefen, die die Autorin tatsächlich im Nachlass ihrer Familie fand. Die verschiedenen Briefwechsel gestalten sich nach meinem Empfinden zeitweise ein wenig langatmig, lesen sich weniger flüssig als die durcherzählte Geschichte. Das mag daran liegen, dass bei den Briefen viele offene Fragen bleiben, aber auch an Jakows und Marias langen, sich ständig wiederholenden Liebesschwüren. Der Briefwechsel war einzig möglicher Kontakt über lange Phasen dieser Beziehung, weil das Paar immer wieder getrennt wurde: Zuerst war Jakow beim Militär, dann im Krieg und schließlich mehrmals in der Verbannung, ohne Schuld, was bei ihm immerhin kein Straflager bedeutete. Er konnte recht frei einer vorgegebenen Arbeit nachgehen, nur eben an anderen Orten. Letztlich zerbrach die Ehe daran. Dieser Strang zieht sich über einen Zeitraum von 1905 bis 1955 und wird wechselweise zu Noras Geschichte – 1974 bis 2011 – erzählt.

Die Hauptgeschichte ist spannender, sie reicht von Russland bis in die USA. Nora ist Bühnenbildnerin und arbeitet oft mit Tengis, einem georgischen Regisseur zusammen. Obgleich die beiden sehr lange getrennte Zeiten verbringen, bleiben sie stets ein Liebespaar. Ihre Arbeit speist sich auch aus den Eigenheiten der beiden und ihrem starken Freiheitsdenken. So sind ihre Stücke durchaus manchmal unbequem und werden mitunter abgesetzt. Nora ist die Enkelin der beiden briefeschreibenden Liebenden und hat einen Sohn, Jurik, der als junger Mann zu seinem in die USA ausgewanderten Vater zieht. Vitja ist ein Mathematikgenie und hat seinem Sohn einiges davon vererbt. Jurik allerdings zieht es eher zur Musik, wobei er scheinbar seinem Urgroßvater Jakow nachkommt. Während Vitja sich jedoch erfolgreich integriert, wird Sohn Jurik drogenabhängig. Doch Nora holt ihren Sohn zurück nach Russland …

„Sie, Nora, schwamm in einem Fluss, und hinter ihr schwammen fächerartig drei Generationen von Menschen, die auf den Fotografien festgehalten waren und deren Namen sie kannte. Dahinter in der Ferne eine endlose Reihe namenloser Vorfahren, Männer und Frauen, die einander aus Liebe, aus Leidenschaft, aus Berechnung, auf elterliches Geheiß gewählt, Nachkommen gezeugt und aufgezogen hatten.“

Ich mag Ulitzkajas Art zu schreiben sehr. Die Geschichte ihrer Familie ist überaus interessant, scheint es doch sehr ungewöhnliche und vielseitige Persönlichkeiten zu geben. Künstlerisch begabte, wie Maria, die sich als junge Frau erfolgreich dem Ausdruckstanz zuwendet und auf der Bühne steht, Jakow, der die Musik liebt, sie aber für ein Studium der Wirtschaft aufgibt und wissenschaftlich Begabte, wie Vitja, der Mathematiker und Jurik, bei dem sich die Musik mit der Wissenschaft verbindet. Oft frage ich mich, was davon Fiktion ist …

„Jakobsleiter“ erschien im Hanser Verlag. Die Übersetzung aus dem Russischen kommt von Ganna-Maria Braungardt. Auf dem Vorsatz- und Nachsatzblatt findet sich der Stammbaum der Familie. Das ist hilfreich zum Nachvollziehen der verwandtschaftlichen Verbindungen. Außerdem finden sich am Schluß Anmerkungen der Übersetzerin. Eine Leseprobe und ein Interview gibt es hier.

Ismail Kadare: Die Verbannte S. Fischer Verlag

DSCN2066

Vor einigen Wochen erst habe ich Ismail Kadare entdeckt, habe „Die Dämmerung der Steppengötter“ gelesen und war begeistert. Das drückte ich auch in meiner Besprechung hier auf dem Blog aus. Ich wollte unbedingt mehr lesen und freute mich auf das neue Buch von ihm und habe mich sofort hineingestürzt. Doch leider leider überzeugt mich „Die Verbannte“ nicht ganz. Vielleicht habe ich die Messlatte zu hoch gehängt. Viel weniger sprachliche Highlights konnte ich finden und die Geschichte wirkt auf mich verwirrend und streckenweise umständlich, mitunter unzugänglich.

Zum Inhalt:
Albanien, Tirana, Anfang der 80er Jahre: Der berühmte Theaterregisseur Rudian Stefa wird zu einem Termin ins Parteikomitee bestellt. Auf dem Weg dorthin überlegt er ängstlich, weshalb. Liegt es an Einwänden gegen sein neues Theaterstück oder an seiner Affäre mit Migena, einer jungen Frau? Als es heißt, dass bei einer Verbannten, die Suizid beging, ein von ihm signiertes Buch gefunden wurde, erinnert er sich: Bei einer Signierstunde hatte er einer Leserin auf deren Wunsch hin eine besondere Widmung ins Buch geschrieben. Er kenne diese Frau nicht, erklärt er der Behörde und ist damit erst mal aus dem Schneider. In seinem Inneren arbeitet es allerdings weiter. Zwischen rätselhaften Träumen, Schreibblockade, eigenartigen Selbstgesprächen und abstrusen Phantasien, kann er sich nur durch ausreichende Valiumeinnahmen beruhigen.

„Rudian Stefa, der die Neigung hatte, alltägliche Ereignisse in höhere Sphären zu verlegen, stellte sich vor, wie die Nachricht auf dem Olymp diskutiert wurde.“

Als Migena sich ihm gegenüber dann im Verlauf ausgesprochen seltsam verhält, kommt sehr langsam eine wilde Story ans Tageslicht: Migena hatte ihrer Freundin (der Verbannten) das Buch stellvertretend signieren lassen, da diese beinahe obsessiv vom Dramatiker schwärmte, aber nie die Chance hatte eine Vorstellung in Tirana zu sehen. Die Geschichte, die sie ihm auftischt, wirkt wirr und eher unglaubwürdig. Nur sehr langsam und nicht in aller Gänze (zumindest in meinem Fall), kommt man als Leser*in dem Geheimnis der beiden Frauen auf die Spur.

Kadare macht hier jede Menge Anspielungen auf die antike Mythologie, spielt mit dem Orpheus-Motiv. Womöglich ist das als Umschreibung, als große Metapher auf die tatsächliche Geschichte anzusehen?

Was mir störend auffällt, ist das Frauenbild, das Kadares Hauptfigur hat. Liebe? Sehnsucht? Die drückt sich im Fall von Rudian Stefa sehr seltsam bis gar nicht aus. Da ist so viel männliche Eitelkeit. Da werden Frauen schon etwas zu oft, auf reine Körperlichkeit reduziert. Was er hier Liebe nennt, würde ich allenfalls als sexuelle Anziehung betrachten. Ich kann nicht anders, als das Alter des Autors mit einzubeziehen, Kadare wurde 1936 geboren, somit vertritt er die Vorstellung  einer ganz anderen Generation. Insofern möchte ich Nachsicht walten lassen und werde zum Abgleich als nächstes einen seiner älteren Romane lesen.

„Die Verbannte“ erschien im S. Fischer Verlag, wie alle Bücher Kadares. Übersetzt wurde es von Joachim Röhm, der auch einen Nachtrag verfasste. Eine Leseprobe gibt es hier