Andreas Altmann: Weg zwischen wechselnden Feldern poetenladen

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Das Cover wirkt wie eine Landkarte: Grüne Flächen durch schwarze Linien und Punkte verbunden. Den Umschlag dieses Lyrikbandes hat Franziska Neubert gestaltet und er verweist stimmig auf den Inhalt. Auch hier geht es um Flächen, um Felder, begrenzt und mit Anhaltspunkten ausgestattet. Die Gedichte von Andreas Altmann sind grün. Diese Farbe legt sich um eine Sprache, die leise und sanft sich bewegt. Mitunter, wenn die Sanftheit in eine umfassendere Ganzheit gelangt, wechselt die Farbe. Unter jedem Gedicht liegt eine Schwingung, die die Verse trägt und den Leser langsamer werden lässt, mitunter auch tiefer atmen lässt.

“ … dem regen
läuft das licht zusammen und rinnt mir
über das gesicht.“

Altmanns Gedichte sind weitab von dem, was heute oft gefordert wird: größer, schneller, weiter. Auf einer tieferen Ebene gibt es diese Eigenschaften dann doch, aber voller Absichtslosigkeit. Bereits im stillen Lesen, wird deutlich, wie klangvoll und liedhaft diese kurzen Texte sind. Der Dichter sieht und setzt um, spürt und verbindet, versinkt in Augenblicken, heftet sensibel Wort an Wort, färbt gefundene Sprachspuren neu.

„der weg vergreist, geht an seinem horizont
schon über meine leiche, die weiße katze zögert,
steigt zwischen zügen über gleise, die wiese
schwimmt im regenlicht, „

Andreas Altmann ist einer der Lyriker die eher einen kleinen Bekanntheitsgrad haben, was schade ist. Er macht nicht mit außergewöhnlichen Formen (außer konstanter Kleinschreibung) oder exaltierter Performance auf sich aufmerksam und das nimmt mich gerade für ihn ein. Hier steht die Sprache und allein die Sprache, nichts was ablenkt, dem/der Leser/in gegenüber und fordert nichts, außer einem Versinken ins Sprachfeld.

“ pferde reiten durch das feld, sind nur der kopf,
in dessen mähne meine hände greifen, dann seh ich
den zitronenfalter auf einem schädelgroßen findling
sitzen, und dieser anblick sperrt mich wieder ein.“

In Felder sind auch die Kapitel diese Bandes aufgeteilt: Es gibt die Geisterfelder und die Schlafrandfelder, die Wetterfelder und die Marienfelder und zwischendrin, Muttererde und Nährboden. Eine geerdete lyrisches Einheit, die sich dennoch immer wieder in Höhen schwingt, um zurückzukehren und erneut Kraft in der Erde zu finden. Viele der Gedichte tragen Themen wie Kindheit, Familiengeschichte, Krieg und Flucht mit sich. Trotz des vielen Grün, ist es häufig eisig, winterweiß. Obwohl die Natur das Bühnenbild bestimmt, sind diese Gedichte weit mehr als Naturgedichte. Oft bietet der Wald den Lebensort von Tier und Geisterhaftem. Natura morta, sprachliche Stilleben in einer Zeit des Vergänglichkeit, der Endlichkeit. Oft melancholisch, sind es essenzielle Lebens- und Sterbensgedichte.

“ … der wind umhüllt die körper,
sie sind außer sich, und an den grenzen
sterben kinder in den nächten, schlafen
in den schreien ihrer mütter ein. …“

Andreas Altmann, 1963 in Hainichen geboren, hat schon einige Lyrikbände veröffentlicht, alle im poetenladen. Mehr über den Autor und eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionexemplar.

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4 Gedanken zu “Andreas Altmann: Weg zwischen wechselnden Feldern poetenladen

  1. Schön, dass hier Lyrik von einem kleinen Verlag besprochen wird. Sehr sensible und schöne Texte! Meine Erfahrungen mit Lyrik sind sehr widersprüchlich. Einerseits gibt es in unserer technisierten, hektischen und digitalen Welt ein Bedürfnis nach Poesie. Andererseits ist es sehr schwer, Lyrikbücher „unter die Leute“ zu bringen. Wir haben uns deshalb entschieden, Poesie zu den Internetnutzern zu bringen und hoffen so einigen zu poetischen Minuten zu verhelfen, ohne dass sie ein Buch bei uns bestellen müssen (Wobei uns das auch freuen würde). Hier ein bisschen Poesie von unserem Planeten: https://literaturplanetonline.com/category/gedichte/

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