Karl-Heinz Ott: Und jeden Morgen das Meer Hanser Verlag

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Was hier mit einem so luftig leichten Titel beginnt, gewinnt beim Lesen schnell an Tiefe. Das Wasser spielt dabei eine Rolle: das wilde Meer in Wales, der zahme Bodensee.

„Jeden Morgen steht sie auf den Klippen, bei jedem Wind und Wetter, und jedesmal denkt sie, ich könnte springen. Denkt es, seit sie hier ist. Das Meer würde sie sofort verschlingen.“

Dass Karl-Heinz Ott ein großartiger Erzähler ist, war auch letzthin in seiner Lesung und Buchvorstellung (passenderweise am Wannsee) im Literarischen Colloquium zu erleben. Geschickt und kurzweilig erzählte er über sein Schreiben und über sein neues Buch. Beim Lesen nun kam mir vieles bekannt vor, Hintergründe die ich aus dem Gespräch erinnere. Doch auch ohne irgendwelches Vorabwissen ist dieses Buch ein Lesegenuss, wenngleich bei nicht gerade leichtem Thema. Doch Ott ist eben ein Könner – er arbeitet auch fürs Theater und ist Musikkenner – der Inszenierung und der Virtuosität. Alles passt. Jeder Satz sitzt. Am Wannsee erzählt er von seinem begonnenen Musikstudium, dass dann durch ein „Erweckungserlebnis“ durch die Lektüre Handkes ein Ende fand. Er wandte sich dem Schreiben zu.

Von einer katholisch-strengen Kindheit bei der Großmutter im Allgäu, später nach deren Tod bei den Nonnen im Waisenhaus, geprägt, möchte die Heldin später eigentlich nichts wie weg aus dieser Gegend. Sie lernt Bruno, einen Koch, bei der Ausbildung in Sankt Moritz kennen. Sie heiraten und übernehmen die Gastwirtschaft von Brunos Eltern. Ohne ihre Tatkraft und Energie wäre aus der Dorfwirtschaft am Bodensee nie ein 1-Sterne-Restaurant geworden. Ohne Ottos Kochkünste auch nicht. Doch als dann der Stern wieder weg ist, geht es mit Bruno bergab.

„Zuweilen ist ihr, als sei sie mit Bruno nie zusammen gewesen. Manchmal entschwindet er so weit, als hätten sie beide nie Seite an Seite gelebt. Er besteht dann nur noch aus einer Hülle, die eine Haube trägt und eine Schürze. Viel mehr sieht sie nicht mehr.“

Von Brunos Tod erfährt man schon zu Beginn des Romans. Langsam dröselt Ott dann die Hintergründe auf und baut damit Spannung auf. Seine Protagonistin, Mitte 60, sitzt auf einem Schuldenberg und findet keine Arbeit mehr. Bruno hat sie mit seinem Tod hängenlassen. Sie folgt schließlich dem Vorschlag eines Stammgasts und fährt, alles zurücklassend nach Wales, um dort ein in die Jahre gekommenes Hotel an der Küste zu bewirtschaften. Es gibt kaum Gäste. Sie hat dort viel Zeit zum Nachdenken und wir Leser/innen dürfen teilhaben an den zweifelnden, hinterfragenden, schmerzlichen, düsteren Gedanken, die sie verfolgen. Sie gibt sich den essentiellen (Glaubens-)Fragen hin, hadert mit der katholischen Erziehung. Selbst im Traum lassen Bruno und dessen Bruder Arno, der das verschuldete Restaurant am Bodensee übernommen hat, sie nicht zur Ruhe kommen. Nur am Meer, auf dem Klippenweg, dem tosenden Wind ausgesetzt, scheint der Kopf etwas leerer zu werden, sich die Unruhe etwas zu legen.

Wiederholte Äußerungen, wie etwa über ein Shakespeare-Gedicht in Sankt Moritz intensivieren das Gefühl der Hauptperson mit ihren ewig um das eine kreisenden Gedanken. Der Sinn des Lebens! Was war verloren? War etwas gewonnen? Was, wenn alles anders gekommen wäre? Großartig wie Ott eine Szene beschreibt, bei der sie einen Vortrag darüber besucht und sich ihrem Empfinden nach plötzlich alles allein auf sie gerichtet scheint. Und es kommen solch herrliche Sätze vor:

„Als Kind erblickte sie in diesen Strommasten lauter kleine Eifeltürme, deren endlose, am Horizont verschwindende Zahl irgendwann in Paris enden müsste.“

Trotz aller Kürze von 140 Seiten hinterlässt die Lektüre das Gefühl großer Fülle, in ihrer Komplexität und Nachdrücklichkeit liegt gerade die Kraft. Wer will, kann sich hier an kurzweiliger Lektüre erfreuen oder aber mit in die Tiefe tauchen, was ich durchaus empfehle. Ein Leuchten!

Bereits mit seinen Romanen „Wintzenried“ und „Die Auferstehung“ (wird auch verfilmt) hat mich Ott begeistert. „Und jeden Morgen das Meer“ erschien im Hanser Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Leseexemplar.

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Nadine Olonetzky: Belichtungen Kommode Verlag

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Eine ganz und gar faszinierende Idee hatte die vielseitige Schweizer Autorin Nadine Olonetzky. Sie fing die Zeit ein. Wir Bücherliebhaber wissen alle, wie das ist, wenn das Buchregal der Sonne ausgesetzt ist und die Seiten manchen Buchs am Buchschnitt vergilben, Jahr für Jahr mehr. Olonetzky hatte die Idee, dieses Zeitphänomen bewusst auszunutzen. Ich bewundere ihre Geduld: Seit 20 Jahren platziert sie gefundene kleine Gegenstände auf einem Blatt Papier und lässt Sonne und Zeit ihre Arbeit tun. Rund um die Dinge vergilbt das Papier. Zurück blieb die ursprüngliche Form, das Weiß unter den Dingen.

 

„Wir sind leicht, längst hinter allen Wolken, vielleicht auf
dem Weg zur Rückseite des Monds und immer weiter
durch ein Nichts, das trägt. Der Auslöschung
gerade noch einen Lidschlag voraus.“

In dem kostbaren Band sind nun viele dieser Motive abgebildet und eingerahmt von kleinen Texten, die hervorragend zu den Wandlungen passen. Es sind sehr persönliche Miniaturen. Sie sind ebenso wie die Bilder Zeitzeugen. Es wird hinterfragt, geschaut, gefühlt und erinnert. Wie die Belichtungen zeigen sie die Essenz unserer Existenz im Alltäglichen.

„Das Jetzt, wenn es sichtbar wird, ist immer schon
vergangen. Klappen die Lider zu, wird das, was gerade
war, ein Bild im Meer der Erinnerungen. Nur
weil sie vergehen, kann man die Augenblicke sehen.“

Der kleine Kommode Verlag hat aus dem Buch ein feines Kunstwerk gemacht: Hochwertiges Papier, fadengeheftet, der Bucheinband doppelt gelegt und von einer Lichtarbeit hinterlegt. Man spürt hier die Liebe zum Buch. Ich bin froh, trotz aller Hiobsbotschaften, was das Buchsterben betrifft, solche wunderbaren Bücher zu finden. Herzlichen Dank an den Verlag, auch für das Rezensionsexemplar. Mehr über die Autorin und den Verlag findet sich hier.

Lukas Rietzschel: Mit der Faust in die Welt schlagen Ullstein Verlag

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Bereits das Buchcover, das mir ziemlich gut gefällt, weist auf die folgende Geschichte hin. Da ist es aus mit der Romantik eines Caspar David Friedrich (Umschlagbild: Hügel mit Bruchacker bei Dresden), aus mit der heilen ländlich, dörflich, kleinstädtischen Welt, da kreuzt die Faust, die Gewalt das ruhige Dahinleben. Auch in der Epoche der Romantik gab es zeitgleich den Drang zur Weltflucht und die Ausrichtung ins Private, aber auch ein Suchen der Identität in Richtung Nationalismus. Und natürlich Heinrich Heine: Deutschland Ein Wintermärchen, seinerzeit als Schrift eines „Vaterlandsverräters“ beschimpft.

Dass der Roman teils biografisch ist, sagt der Autor selbst. Und dieses Debüt des 23-jährigen Lukas Rietzschel lebt von seiner Geschichte, von einer Geschichte, die aktueller und brisanter nicht sein könnte. Er zeigt, wie Misstrauen und Hass sich langsam und unscheinbar, aber stetig entwickelt in einer zunächst heilen Welt …

Die Geschichte einer zerfallenden Familie ist es. Sie zieht sich über 15 Jahre hinweg von 2000 bis 2015 und ist angesiedelt in Neschwitz in der Lausitz. Zwei Jungs, Philipp und Tobi, kleiner Altersunterschied, und Eltern, die gerade ein Haus bauen, die beide Arbeit haben. Ihnen geht es besser, als anderen in dem kleinen Ort in Sachsen. Viele haben ihre Arbeit verloren und mancher versinkt in Alkohol und Sinnlosigkeit.

Ganz langsam baut sich ein Szenario auf: Die Jungs, denen langweilig ist, die auf der Suche sind und die „falschen“ Freunde finden. Viele ziehen weg, von Zukunft kann hier keine Rede sein. Die Ehe der Eltern zerbricht. Der geliebte Großvater stirbt. Viel Hoffnung bleibt da nicht. Zunächst sind da die Sorben, diese kleine nationale Minderheit mit der eigenen Sprache die in der Lausitz lebt und die von der Clique der Brüder als Fremde angefeindet werden. Und dann all diese Massen von Fremden aus Afrika und Arabien, die Unterkunft und Geld bekommen, während im Ort Schule, Sparkasse, Läden geschlossen werden. Leise schleicht sich der Hass in die Gemüter der Menschen, die sich zurückgelassen fühlen. Rietzschel macht das sehr glaubwürdig, buhlt aber nicht um Verständnis, klärt nur auf.

„Deshalb ist man doch kein Nazi“, sagte Philipp und drehte sich um. Das erste Mal sah er Christoph wieder ins Gesicht. „Alle anderen dürfen stolz auf ihr Land sein“, sagte er, „nur in Deutschland ist das verboten!“.

Einer der Brüder, Philipp, der ältere, zieht sich zurück aus der Szene, will selbständig werden, will weg an einen besseren Ort. Tobias hingegen macht mit und zwar aktiv. Er will nicht hinnehmen, dass „sein“ Land, dass, was ihm zusteht, von diesen Fremden genommen wird. Was anfangs noch als Ausraster im betrunken Zustand an Silvester geschieht, wird immer aggressiver. Tobias und seine Freunde werden gezielt gewalttätig. Übergriffe werden genau geplant und rigoros durchgeführt. Tobias, der sich von Mutter, Vater und Bruder missverstanden und abgelehnt fühlt, sich aber eigentlich nach Zugehörigkeit sehnt, findet nirgends mehr Halt und übergibt sich voll dem Hass und der Gewalt.

Lukas Rietzschels Sprache mit ihren stakkatohaften, teils abgehackten und fragmentartigen Sätzen wirkt zunächst unbeholfen, unvollständig, passt aber zunehmend zur bedrohlichen Entwicklung der Geschichte. Ein wenig mehr Tiefe hätte dem Roman dennoch gut getan. Trotzdem ein recht gutes Debüt!

Der Roman des erst 23-jährigen Autors erschien im Ullstein Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Klaus Anders: Sappho träumt Edition Rugerup

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Der Dichter Klaus Anders bewegt sich mit seinem neuen Lyrikband durch Zeit und Raum. Von einer durchwachten Nacht über eine ganz besondere und eigene Auslegung von Tarotkarten bis zum Maler Max Beckmann spannt sich der Bogen. Es gibt Miniaturen, die Alltägliches beleuchten, oft auch mit einem ironischen Anklang. Ganz im Gegensatz dazu finden sich im Übermaß Wunden, Schmerz und Tragik. Auch Gesellschaftskritisches kreuzt mitunter die Zeilen. Und es gibt zwei längere Zyklen, die sicher einiger Recherche bedurften.

Vieles bleibt rätselhaft, uneindeutig, manche Hintergründe lassen sich im Gedächtnis zusammensuchen (oder ergooglen oder später im Anhang lesen). Klaus Anders bearbeitet oft historische Motive. So wird dieser Lyrikband mitunter spannender als ein Geschichtsbuch.
Thomas Manns letzte Liebe kommt vor, Stalins Sterben, der Niedergang eines syrischen Stadtstaats und die im Titel genannte griechische Dichterin Sappho. Da tauchen dann so spannende historische Figuren auf, wie Guglielma, deren Anhänger glaubten: Sie „sei der Heilige Geist, entzündet in einer Frau. So wie Gott als Sohn in einem Mann.“ (Eine schöne Vorstellung …)

„Wenig aber bis nichts lernt ein Mensch, wenn es
dem eigenen Vorteil nicht dient. Dabei zeigt ihm
der arglose Blick in ein Augenpaar, was
er zum Leben braucht und zum Sterben.“

Im Zyklus „Beckmanns Speicher“ wird die Zeit des Malers Max Beckmann auf der Flucht vor den Nazis verdichtet. Die gesamte Kriegszeit verbrachte Beckmann versteckt in Amsterdam, da ihm das Visum für die USA verweigert wurde. Anders benutzt dabei die Bilder der Triptychen, die Beckmann in dieser Zeit häufig malte. Diese Bilder werden zwischen mythischen Begebenheiten arrangiert.

„Nicht zu fragen ist die Botschaft,
Licht versandet in der Nacht,
Schatten sinken in die Wände,
wer noch hofft, hat nichts bedacht.“

Der Zyklus Tarot bezieht sich auf die 22 Trumpfkarten, die große Arkana. Ein Teil der Gedichte sind inspiriert von historischen Persönlichkeiten. Hier Ausschnitte aus erster „0-Der Narr“ und letzter Karte „XXI-Die Welt“:

„Lass gehen, heut bin ich der Narr, und morgen,
Du. Es schwankt das Schiff,
Es sinkt nicht. Mach die Augen zu.“
————–

„Sprach zu mir im Wald die Taube:
Immer seh ich dich allein,
Gehst und sinnst und sprichst dir leise.

Geh schon immer diese Wege;
Immer bin ich hier allein,
Doch hier bin ich niemals einsam.

Alles spricht mich liebend an.
Gehen will ich, schauen, lauschen
Und verwehen irgendwann.“

Auch vor Tod und Teufel schreckt der Dichter nicht zurück. Sie hält er mit seinen Versen in Schach. Die Themen Religion und Spiritualität werden in ihrer großen Vielfalt beleuchtet und dazu gehört auch die Natur, die den ewigen Kreislauf, die Endlichkeit aufzeigt. Hier finden sich auch kurze Texte, die Haikus ähneln.

Dabei bleibt der Dichter immer einer klassischen Form treu. Und darin sind seine Gedichte auch am besten aufgehoben. Sie benötigen keine Experimente. Die Wirkung liegt allein in der Sprache und dem in ihr gebetteten Inhalt.

„Sappho träumt“ erschien in der Edition Rugerup. Eine Leseprobe und mehr über den Autor Klaus Anders, der auch Lyrik aus dem Norwegischen übersetzt, unter anderem Olav H. Hauge und Kjartan Hatløy, gibt es hier.

Gianna Molinari: Hier ist noch alles möglich Aufbau Verlag

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Die 1988 geborene Schweizerin Gianna Molinari las im Jahr 2017 einen Auszug aus ihrem Debütroman bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Ihr Beitrag kam gut an und sie erhielt den 3Sat-Preis. Nun liegt der komplette Roman vor und er wurde sofort für die longlist des Deutschen Buchpreis 2018 nominiert. Das ist erstaunlich, doch es freut mich, denn es ist ein vom allgemein Üblichen abweichender Roman, der mich selbst sehr anspricht, mental und emotional.

Ein wenig naiv oder zumindest minimalistisch, wie auch die kleinen Zeichnungen im Buch, die die Hauptfigur während ihres Nachtwächterinnen-Dienstes anfertigt, wirkt diese Geschichte auf den ersten Blick. Das ist jedoch gerade das hinreißende an ihr. Was vielfach vergessen wird, ist, dass in der Naivität ja auch das Spielerische, Kindliche, Neugierige zum Tragen kommt. Und unter der scheinbaren Einfachheit der Geschichte finden sich unzählige doppelte Böden.

„Ich möchte Teil einer Geschichte sein oder vieler Geschichten zugleich.“

Die namenlose Heldin heuert in einer fast schon stillgelegten Fabrik als Nachtwächterin an. Nur ein Teil des Werkes produziert noch Wellpappe. Am Rest nagt der Zahn der Zeit. Aus der Ich-Perspektive wird erzählt, was die Hauptperson in den Nächten vor dem Monitor und bei ihren Rundgängen erlebt. Viel ist es nicht, wäre da nicht der Wolf, der bisher erst einmal auf dem Gelände gesehen wurde, von dem sie sich aber endlich Abwechslung verspricht. Denn hier „scheint noch alles möglich“ in dieser Brache, die die Welt außen vor hält, mit Zäunen mit Schlupflöchern. Der Chef hält es nicht für notwendig die maroden Stellen ausbessern zu lassen. Doch wegen des vermeintlichen Wolfs lässt er Fallen aufstellen und eine Grube ausheben.

„Der Wolf wird nicht gefürchtet, weil er in Containern wühlt und fressen will, sondern weil er eine Grenze überschritten hat. Er hat sein Umfeld verlassen und die Fabrik betreten. Das scheint Grund genug.“

Ein weiterer „doppelter Boden“ ist der M. d. v. H. f. Ein Mitarbeiter der Fabrik, Lose, der eine Sammlung zu einem ungewöhnlichen Ereignis aufbewahrt, wird zum Freund, ebenso wie Clemens, der jeweils die zweite Nachtschicht übernimmt. „Der Mann der vom Himmel fiel“ wird im Wald nahe des Flughafens und der Fabrik tot aufgefunden. Nach und nach stellt sich heraus, dass es sich vermutlich um einen Mann aus Kamerun handelt, der sich in einem Fahrwerk des Flugzeugs versteckte, doch während des Flugs in eisiger Höhe erfror. Als die Räder kurz vor der Landung ausgefahren wurden, fiel er zu Boden. Und genau diesen Moment sah Lose, der als Jäger auf einem Hochsitz saß und auf Wild wartete, aber nicht verstand, dass das fallende Etwas ein Mensch war.

„Seit ich weiß, dass nicht weit von meiner Halle ein Mann aus einem Flugzeug fiel und als Unbekannter gefunden wurde und ein Unbekannter blieb, scheinen mir die grundlegendsten Dinge nicht mehr sicher zu sein: die Zugehörigkeit zu einer Familie, der eigene Name.“

Die Nachtwächterin ist eine Sammlerin, eine, die Wissen und Fundstücke zusammenträgt, sich zum eigenen Verständnis Notate und Skizzen macht, eine die viel nachdenkt, fantasiert und hinterfragt und viel erkennt, erspürt. Eine, die noch nicht zum fremdgesteuerten Menschenroboter geworden ist, wie es die Gesellschaft verlangt, eine die noch spielen und ausprobieren und entdecken kann. Ich mag sie sehr, ich bin ihr sehr nah.

Und vielleicht ist es auch ein Märchen, das uns Gianna Molinari da erzählt. Vielleicht ist in solch einem Märchen der Wolf plötzlich da und kein Feind des Menschen, sondern ein sanfter Gefährte. Viel Weisheit und Tiefe strahlt aus diesem kurzen Text. Wenn Menschen vom Himmel fallen (diese Geschichte basiert auf einem tatsächlichen Ereignis), dann ist alles unsicher, dann ist alles möglich. Im Guten wie im Bösen. Dann mag es sogar möglich werden, dass Zäune und Grenzen durchlässig werden, dass Wölfe wieder einen gemeinsamen Lebensraum mit Menschen finden, dass die Natur und der Mensch wieder in Verbindung stehen,  dass Mensch und Mensch sich gegenseitig akzeptiert, dass Herkunft und Geschichte keine Rolle spielt.

Ein geglücktes literarisches Debüt! Ein flirrendes Leuchten!

Der Roman erschien im Aufbau Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier.

Maxim Biller: Sechs Koffer Kiepenheuer & Witsch Verlag

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Mal sehen, ob Maxim Billers hohe Ansprüche, was gute Literatur angeht, auch auf seinen eigenen Roman zutreffen, dachte ich mir, als ich „Sechs Koffer“ zu lesen begann. Leider, gleich vorweg, kann ich nichts finden, was diesen Roman als besonders anspruchsvoll auszeichnet. Weder inhaltlich noch sprachlich hat er mich in Gänze überzeugt. Zwischendurch hat er mich sogar gelangweilt und nach der Lektüre ist die Geschichte schnell vergessen. Das macht Arno Geiger besser, das kann Ralf Rothmann besser, Uwe Timm und auch Christoph Hein, die alle ähnliche Themen in ihren Romanen bearbeiten.

Die Geschichte, die sich rund um den in der Sowjetunion wegen seiner Schmugglergeschäfte hingerichteten Großvater des Erzählers (aka Autor) dreht, ist zeitweise leicht konfus. Es geht darum, wer in der Familie den Großvater verraten hat, ihn an die Obrigkeit ausgeliefert hat, wer für seinen Tod verantwortlich ist und es geht darum, wer mit wie vielen Dollarscheinen durch den eisernen Vorhang gen Westen flüchten wollte. Der Enkel versucht die ewig unter Verschluss gehaltenen Wahrheiten zu erforschen und aufzudecken. Vater und Mutter, drei Onkel und eine Tante könnten dabei die Finger im Spiel gehabt haben. Jeder Leser kann letztlich anhand der „Aussagen“ selbst entscheiden, wer der Schuldige ist. Ganz klar ist es aus der Geschichte nicht herauszulesen.

Der Roman spielt teils in der Tschechoslowakei, später in Hamburg und Zürich und wechselt dauernd die Zeiten, einmal 1965, dann 1978.  Keine der Figuren kommt mir nahe. Keine berührt mich oder bleibt im Gedächtnis haften. Auch ist nicht immer klar, aus wessen Perspektive eigentlich erzählt wird. Interessant immerhin, dass Biller versucht den 15-Jährigen eine zeitlang anhand einer Brechtlektüre (Flüchtlingsgespräche) durch seine Suche auf den Spuren der Familie zu führen.

Ich finde den Roman trotz seiner Thematik weder tragisch noch eindringlich, ab und an klingt ein wenig trockener Witz hindurch. Nichts jedoch, was einen hohen Anspruch an Literatur erfüllen könnte. Schade, ich hatte mir mehr erhofft.

Im Literarischen Quartett und auch im Feuilleton so wie bei vielen Buchbloggern ist er durchweg besser angekommen. Etwa bei „Die Buchbloggerin“.

Der Roman steht auf der Longlist, ist also nominiert für den Deutschen Buchpreis. Er erschien im Kiepenheuer & Witsch Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Alexander Münninghoff: Der Stammhalter C. H. Beck Verlag

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Roman einer Familie ist der Untertitel des Buches des Niederländers Alexander Münninghoff. Und wie so viele Familiengeschichten, die zu Romanen werden, ist auch diese zwar extrem interessant, vielschichtig und turbulent, aber auch schlichtweg verwirrend. Man verliert sehr leicht den Überblick, vor allem, wenn man nicht an einem Stück liest. So viele Figuren an so vielen Orten Europas mit unfassbar vielen Ereignissen. Gleichzeitig erlaubt der Autor hier einen Blick auf europäische Geschichte, die sich vom Baltikum über Polen, Belgien und die Niederlande zieht. Handlungszeitraum von vor dem zweiten Weltkrieg fast bis heute, mit kurzen Ausflügen in die Vorgeschichte einzelner Personen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein übermächtiges Familienoberhaupt, Joan, der Großvater des Erzählers Alexander. Dieser, ursprünglich Niederländer, baut im Baltisch-Deutschen ein großes Unternehmen auf, dass sich vielfältig über Teile Europas verteilt.  Schon bevor sich der zweite Weltkrieg ankündigt, beginnt der „Alte Herr“, wie er im Buch genannt wird, die Fühler wieder in Richtung Niederlande auszustrecken, obwohl er Zuhause Hab und Gut zurücklassen muss, ist es die richtige Entscheidung, denn das Land wird bald Spielball der zwei Großmächte Deutschland und Russland.

Der älteste Sohn Frans, schwarzes Schaf der Familie, der in diversen katholischen Internaten der Niederlande widerwillig die Schulbank drückte, tanzt aus der Reihe und meldet sich als Baltischdeutscher zur Waffen-SS, um für Deutschland zu kämpfen. Doch zuvor heiratet er noch die schöne Wera, die von ihm schwanger wird und Sohn Alexander, genannt Bully zur Welt bringt.

Der alte Herr, der sich inzwischen in den Niederlanden ein neues Imperium aufgebaut hat (mit allerlei undurchsichtigen Methoden, teils auf illegalem Wegen, von denen es überhaupt in diesem Roman wimmelt), holt Wera und den Enkel, den „Stammhalter“ zu sich ins Haus in Voorburg. Doch als Frans aus dem Krieg zurückkehrt, gibt es die Liebe zu seiner Frau nicht mehr. Frans verschwindet wieder. Als er schließlich doch in den Niederlanden vor Gericht steht, wegen seiner SS-Vergangenheit, weiß auch hier der Alte Herr ihn, vermutlich durch Bestechung, heraus zu pauken. Im „eine Hand wäscht die andere“-Verfahren arbeitet er mit Geheimdiensten, katholischen Kirchenvertretern zusammen und hat immer wieder den nötigen Handlanger parat. Sympathisch ist diese Hauptfigur nicht.

„So hatte ich schon früh Geheimnisse. Ich sprach nicht über meinen Vater und das, was er im Krieg getan hatte, nicht über meine Mutter, die in Deutschland mit meinem unehelichen Schwesterchen in ärmlichen Verhältnissen wohnte, nicht über meinen erzkatholischen Großvater und seine zwielichtigen Aktivitäten, von denen ich im Laufe der Zeit etwas deutlichere Vorstellungen bekam, nicht über meine Entführung, …“

Der 7-jährige Bully/Alexander muss schließlich bei seinem Vater und dessen neuer Frau in Den Haag leben. Es gibt Vormundschaftsstreitigkeiten. Da die Mutter mit ihm nach Deutschland flieht, lässt der „Alte Herr“ ihn abenteuerlicherweise zurück entführen. Als der Patriarch an Krebs stirbt, beginnt die Schlacht ums Erbe. Dass Alexanders Vater kein Geschäftsmann wie der Vater ist, zeigt sich recht schnell. Doch hat er für ähnliche Tricks Geschick. Das letzte Kapitel ist schließlich den Geschehnissen um Alexanders Eltern gewidmet und da gibt es durchaus noch Überraschungen …

Sprachlich macht der Autor keine Experimente. Braucht er auch nicht, denn hier zählt die Story. Das Buch liest sich in der Tat als ausgefallene biografische Geschichte leicht und kurzweilig. Unglaublich wie viele außergewöhnliche Ereignisse es in einer einzigen Familie gibt. Dagegen wirkt das eigene Leben gleich blass. Ein Anhang oder Stammbaum zu den vielen Figuren wäre allerdings hilfreich gewesen.

„Der Stammhalter“ erschien bei C. H. Beck. Es wurde aus dem Niederländischen übersetzt von Andreas Ecke. Mehr über den Autor und eine Leseprobe gibt es hier.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionexemplar.

Weitere Besprechungen finden sich bei LiteraturReich und bei MonerlS-bunte-Welt .

Spreepartie die Dritte: Ein Debütroman aus dem Literaturverlag Droschl, Vermischtes aus dem Laurence King Verlag und eine kulinarische Reise nach Georgien mit Literatur aus dem Weidle Verlag und der Edition Fototapeta

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Am vergangenen Samstag fand eine Fortsetzung der wunderbaren Reihe „Spreepartie“, organisiert von den famosen Damen von Kirchner Kommunikation statt. Eingeladen waren wieder verschiedene Buchblogger. Diesmal gab es drei Programmpunkte. Wer dann noch nicht zufrieden war, konnte sich noch am Wannsee beim Sommerfest von Kiwi tummeln.

 

Während des Frühstücks erzählte uns Ally Klein, die mit einem Auszug ihres Debütromans „Carter“ beim Bachmannwettbewerb las, wie sie sich sozusagen dazu überreden/überzeugen ließ, daran teilzunehmen und wie hart sie sich darauf vorbereitete. Nun meinte sie, seitdem könne sie nichts mehr erschüttern. Spannend, dass sie sich beim Schreiben immer wieder auf Bloch bezieht und vielleicht noch auf Dostojewski und dass sie zwei Varianten ihres Romans geschrieben hat. Eine, die sch rein auf die Geschichte, die Handlung bezieht, und die zweite, an der dann sprachlich gefeilt wird. Mit dem wunderbaren österreichischen Literaturverlag Droschl und dem dortigen Lektor hat sie einen Glücksgriff getan.

 

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Kurz darauf traf schon Max Erbe ein, der uns vom Entstehen der deutschen Dependance des Laurence King Verlags erzählte, der in England ein gut eingeführter, sehr bekannter Verlag ist. Seit Frühjahr 2018 werden Teile des Programms in Deutschland vertrieben. Hier finden sich fein illustrierte Sach- und Kinderbücher, zudem allerlei Karten- und Wissensspiele, teils mit Bezügen zu Kunst und Design.

 

Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Mittagsmahl, das im georgischen Restaurant Madloba aufgetischt war. Es bestand nicht nur aus leckeren georgischen Spezialitäten, sondern auch aus geistiger Nahrung: Iunona Guruli, die Übersetzerin ist, aus Tbilisi stammt und in Berlin lebt und arbeitet, erzählte über die Besonderheiten der georgischen Sprache, die zudem eine ganz eigene Schrift besitzt, die nur aus Kleinschreibung und vielen Rundungen besteht und fast wie kaligraphiert wirkt. Zwei Romane, die sie übersetzte, stammen aus den kleinen wunderbaren unabhängigen Verlagen Edition Fototapeta und Weidle Verlag und erscheinen im Herbst, rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse, bei der diesmal das Schwerpunktland Georgien ist.


Ich danke dem tollen Kirchner-Team für die Einladung zur nun schon zur Tradition gewordenen Spreepartie und für die interessanten literarischen Einblicke. Ausführliche Besprechungen folgen nach Lektüre, zudem auch zur Buchmessezeit ein Beitrag über meine Leseerlebnisse mit georgischer Literatur.

Lucia Jay von Seldeneck/Florian Weiß: Ich werde über diese Merkwürdigkeit noch etwas drucken lassen Kunstanstifter Verlag

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„Tiermeldungen aus zwei Jahrhunderten“ – diesen Untertitel trägt dieser großformatige Band aus dem Kunstanstifter Verlag, der ganz feine, wunderschöne sehr eigen gestaltete Kunstbücher herausgibt. Dieses Exemplar hat es in sich. Es vereint kleine merkwürdige Geschichten über sonderbare Tiere mit beeindruckenden Illustrationen, die zudem auf sehr originelle Weise entstanden sind. Mit seiner selbst erfundenen „Punktiermaschine“ bearbeitet der Berliner Künstler und Illustrator Florian Weiß Papier und lässt kleine Meisterwerke entstehen. Siehe folgendes Foto:

Der Band ist in Halbleinen gebunden, auf feinem Papier gedruckt, fadengeheftet und hat zu jeder Geschichte ein ausklappbares Bild des jeweiligen Tiers. Beeindruckend, wie genau Weiß seine Punktierungen ausführt. Jedes einzelne Tier wird mit Entdeckungsjahr und Entdeckungsgeschichte vorgestellt. Es finden sich Tiere in der Luft, Tiere im Wasser, auf und unter der Erde.

Die Autorin Lucia Jay von Seldeneck ist bereits recht bekannt durch ihre Bücher über Berlin, wie etwa „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muß“. Doch diesmal geht es nicht um Berlin, sondern um die ganze Welt. Die Autorin hat sich Geschichten zu den seltsamen Tieren ausgedacht, die Weiß punktiert hat. Das ganze ist sehr stimmig geworden. Zu Bild und Geschichte gibt es auch die tatsächlichen Daten zum jeweiligen Tier und eine Landkarte zum Aufenthaltsort.

So erleben wir, wie ein 1,70 langer Alligator in der Kanalisation entdeckt wird. Oder dass Elefanten in Afrika immer kürzere Stoßzähne haben: man vermutet eine genetische Anpassung an die Gegebenheiten (Elfenbeinhandel). Wir hören von einem Storch, der im Mecklenburgischen mit einem Stück Pfeil aus afrikanischem Holz im Hals aufgefunden wird, und damit einen Beweis der Langstreckenflüge nach Süden erbringt. Oder von einem dänischen Archäologen, der Maulwürfe als Ausgrabungshelfer einsetzt.

Wir lesen von Maria Sibylla Merian, die über die Metamorphose der Raupe zum Schmetterling forscht und dazu Bilder veröffentlicht. Davon, wie eine Gruppe Wildgänse, in Formation fliegend, auf dem Radar über Alaska von Soldaten für Kampfflugzeuge gehalten wird. Über eine Schildkröte auf Tonga, die erst im Alter von 188 Jahren stirbt. Und wie die DDR-Regierung den amerikanischen Feinden eine Kartoffelkäferplage ankreidet. Was Dichter Ringelnatz mit Seepferdchen zu schaffen hat … und noch vieles andere mehr.

Dieser kunstvolle über DIN A4 große Band ist ein Kleinod aus einem ganz wunderbaren Verlag. Es lohnt sich, dem ungewöhnlichen Programm vom Kunstanstifter Verlag Beachtung zu schenken. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Andreas Altmann: Weg zwischen wechselnden Feldern poetenladen

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Das Cover wirkt wie eine Landkarte: Grüne Flächen durch schwarze Linien und Punkte verbunden. Den Umschlag dieses Lyrikbandes hat Franziska Neubert gestaltet und er verweist stimmig auf den Inhalt. Auch hier geht es um Flächen, um Felder, begrenzt und mit Anhaltspunkten ausgestattet. Die Gedichte von Andreas Altmann sind grün. Diese Farbe legt sich um eine Sprache, die leise und sanft sich bewegt. Mitunter, wenn die Sanftheit in eine umfassendere Ganzheit gelangt, wechselt die Farbe. Unter jedem Gedicht liegt eine Schwingung, die die Verse trägt und den Leser langsamer werden lässt, mitunter auch tiefer atmen lässt.

“ … dem regen
läuft das licht zusammen und rinnt mir
über das gesicht.“

Altmanns Gedichte sind weitab von dem, was heute oft gefordert wird: größer, schneller, weiter. Auf einer tieferen Ebene gibt es diese Eigenschaften dann doch, aber voller Absichtslosigkeit. Bereits im stillen Lesen, wird deutlich, wie klangvoll und liedhaft diese kurzen Texte sind. Der Dichter sieht und setzt um, spürt und verbindet, versinkt in Augenblicken, heftet sensibel Wort an Wort, färbt gefundene Sprachspuren neu.

„der weg vergreist, geht an seinem horizont
schon über meine leiche, die weiße katze zögert,
steigt zwischen zügen über gleise, die wiese
schwimmt im regenlicht, „

Andreas Altmann ist einer der Lyriker die eher einen kleinen Bekanntheitsgrad haben, was schade ist. Er macht nicht mit außergewöhnlichen Formen (außer konstanter Kleinschreibung) oder exaltierter Performance auf sich aufmerksam und das nimmt mich gerade für ihn ein. Hier steht die Sprache und allein die Sprache, nichts was ablenkt, dem/der Leser/in gegenüber und fordert nichts, außer einem Versinken ins Sprachfeld.

“ pferde reiten durch das feld, sind nur der kopf,
in dessen mähne meine hände greifen, dann seh ich
den zitronenfalter auf einem schädelgroßen findling
sitzen, und dieser anblick sperrt mich wieder ein.“

In Felder sind auch die Kapitel diese Bandes aufgeteilt: Es gibt die Geisterfelder und die Schlafrandfelder, die Wetterfelder und die Marienfelder und zwischendrin, Muttererde und Nährboden. Eine geerdete lyrisches Einheit, die sich dennoch immer wieder in Höhen schwingt, um zurückzukehren und erneut Kraft in der Erde zu finden. Viele der Gedichte tragen Themen wie Kindheit, Familiengeschichte, Krieg und Flucht mit sich. Trotz des vielen Grün, ist es häufig eisig, winterweiß. Obwohl die Natur das Bühnenbild bestimmt, sind diese Gedichte weit mehr als Naturgedichte. Oft bietet der Wald den Lebensort von Tier und Geisterhaftem. Natura morta, sprachliche Stilleben in einer Zeit des Vergänglichkeit, der Endlichkeit. Oft melancholisch, sind es essenzielle Lebens- und Sterbensgedichte.

“ … der wind umhüllt die körper,
sie sind außer sich, und an den grenzen
sterben kinder in den nächten, schlafen
in den schreien ihrer mütter ein. …“

Andreas Altmann, 1963 in Hainichen geboren, hat schon einige Lyrikbände veröffentlicht, alle im poetenladen. Mehr über den Autor und eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionexemplar.