Kristine Bilkau: Nebenan Luchterhand Verlag / Delphine de Vigan: Die Kinder sind Könige Dumont Verlag

Heute ganz kurz ein Blick in zwei Romane, die mich neugierig gemacht hatten, die mich aber nicht in Gänze erreicht haben. Das hat sicher weniger mit der Qualität, eher mit der jeweiligen Thematik zu tun, die mich zeitweise sehr genervt hat und die sich an einigen Punkten auch überschneidet.

„Die Glücklichen“ und „Eine Liebe in Gedanken“ von Kristine Bilkau gefielen mir sehr. So war ich gespannt auf den neuen Roman „Nebenan“. Leider hat es nicht ganz geklappt mit uns beiden.

Es geht um ein Paar, Julia und Chris, um die vierzig, dass von Hamburg aufs Land gezogen ist, er ist Biologe und setzt sich für den Umweltschutz ein und sie ist Keramikerin, hat im kleinen Ort auch einen Laden eröffnet, verkauft aber das meiste über ihre Website. Als eines Tages die Nachbarn verschwunden sind, macht sich die Hauptprotagonistin Julia Gedanken. Auch die zweite Hauptfigur, Astrid, etwa 60-jährig, hat mit Widrigkeiten zu tun. Sie ist Ärztin und lebt mit ihrem Mann, der bereits in Rente ist ebenfalls im Ort. Das Bindeglied dazu ist Elsa, 80-jährig. Sie ist die Nachbarin schräg gegenüber von Julia und Tante von Astrid. Die Autorin erzählt wechselweise aus der Perspektive der zwei Frauen. Die eine bekommt seltsame Drohbriefe und sorgt sich um Elsa; die andere hadert mit dem unerfüllten Kinderwunsch, fragt sich gleichzeitig, ob man in diese Welt eigentlich noch Kinder setzen darf und sorgt sich um das verlassene Nachbarshaus.

Es passieren seltsame Dinge, die in keinem rechten Zusammenhang stehen und für mich scheint der Roman zu sehr aus einem Konglomerat möglichst vieler zeitgeistiger Themen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung durch Mikroplastik, Mutterschaft, Social Media zu basieren. Die Geschichte selbst geht unter oder aber ich finde sie nicht. Aber vielleicht passt der Roman auch einfach nicht zu meinen derzeitigen Leseinteressen.

Social Media und Kinder ist auch das Thema, dass beide Romane verbindet. Julia in „Nebenan“ schaut sich Videos von glücklichen Müttern, Kindern und Familien an, während die Hauptfigur Mélanie in „Die Kinder sind Könige“ diese Videos mit ihren kleinen Kindern dreht (Stichwort Unboxing) und damit Millionen Klicks erreicht und unglaublich viel damit verdient. In beiden Büchern gibt es zwei sehr unterschiedliche Frauen als Hauptfiguren.

Delphine de Vigans Romane mag ich ebenso. Hier besprochen habe ich bereits „Nach einer wahren Geschichte“. „Die Kinder sind Könige“ hat mich gerade auch wegen der Thematik interessiert. Denn man könnte auch meinen, und auch das wird im Roman thematisiert, dass diese Mütter ihre Kinder ausbeuten und ihnen die Kindheit stehlen. Denn tatsächlich sind Mélanies Kinder zunehmend weniger glücklich darüber, ständig vor die Kamera gezerrt zu werden. Mir sträubten sich die Haare, als ich las, was die 6-jährige Kimmy und der 8-jährige Sammy alles über sich ergehen lassen müssen. Privatsphäre gibt es kaum mehr, alles wird vermarktet. Die Werbung, die dabei für alle möglichen Marken gemacht wird, bringt gutes Geld. Und Mélanie, die mit dem Filmen begann, weil sie die anderen Filmenden mit ihren glücklichen Familien so toll fand, die aber mittlerweile ihre große Konkurrenten sind, meint, ihre Kinder damit ja finanziell unabhängig zu machen. Mélanie überwacht streng die Anzahl ihrer Follower. Sie will die Bekannteste sein. Sie scheint die Probleme nicht zu sehen, die Tochter, die sich immer mehr sträubt, nicht ernst zu nehmen. Da wurde ein eigenes Filmstudio in einer gekauften Nachbarwohnung eingerichtet, Mélanies Mann gab seine Arbeit auf, sein Verdienst wurde nicht mehr benötigt. Die Wohnung quillt über von Waren, die alle längst nicht mehr brauchen.

Als die kleine Tochter auf dem Grundstück der abgeschlossenen teuren Wohnanlage verschwindet, kommt die Polizistin Clara, die zweite Hauptfigur ins Spiel, die im starken Gegensatz zu Mélanie steht. Vigan schildert im letzten Kapitel auch die langfristigen Folgen, die die „Königskinder“ treffen …

Mich hat es wirklich entsetzt, was Social Media aus Menschen machen kann. Nicht dass mir das nicht klar war, wie dieses schnelllebige Medium die Welt verändert. Ich bin ja mit meinem Blog und meinen Kanälen mittendrin. Und doch kenne ich Grenzen. Ich finde es einfach schlimm, dass Kinder von ihren Eltern, die das aufgrund von Ruhm und Geld tun, so ausgenutzt werden. Liebe ist das nicht. Das ist Egoismus.
Ich gebe zu, meine Besprechung ist diesmal besonders subjektiv, aber manchmal ist das eben so.

Nebenan“ erschien im Luchterhand Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. „Die Kinder sind Könige“ erschien im Dumont Verlag in der Übersetzung von Doris Heinemann.

Andrea Scrima: Kreisläufe Literaturverlag Droschl

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„Wenn wir nur die Vergangenheit hinter uns bringen könnten und mit ihr die Fehler der Menschen, die uns erschaffen und dann beinah gebrochen haben, könnten wir glücklich sein.“

Es ist der zweite Roman der 1960 in New York geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin Andrea Scrima. Nach Wie viele Tage , das mir sehr gefiel, lese ich nun „Kreisläufe“ und finde eine Art Ergänzung zum vorigen Roman vor. Ebenso wie zuvor ist es vor allem auch die Sprache, der Ausdruck innerer Vorgänge und Reflexionen, die Komplexität und die Vielschichtigkeit, die mir das Buch zu etwas Besonderem machen. Ging es zuvor vorrangig um die Lebenswege und Verortungen in der Vergangenheit und Gegenwart, wird nun einerseits die Beziehung zur Mutter und zum Vater thematisiert, aber auch die zum Lebensgefährten.

„Berlin war eine ganz eigene Variante von Nirgendwo; ich hatte meinen Platz unter den Außenseitern und Ausreißern der Stadt gefunden […] Ich redete mir ein, geblieben zu sein, um abseits des Kunstmarkts arbeiten zu können, in Wirklichkeit versteckte ich mich vor etwas, aber das war mir damals nicht bewusst.“

Die Künstlerin Felice lebt in Berlin und hat ihre erste Einzelausstellung in New York, ihrer Heimatstadt. Sie verbindet den Anlass ihrer Reise mit dem Besuch bei der Mutter. Der Vater ist bereits tot, die drei Geschwister an unterschiedlichen Lebensorten angekommen. Sobald sie das Haus betritt, umfängt sie die düstere Atmosphäre der Kindheit. Sie beschreibt gleich eingangs ganz wunderbar, was mit ihr passiert: Sie öffnet den Küchenschrank und findet Büchsen von Nahrungsmitteln vor, eine fällt ihr direkt entgegen. Und nun öffnet sich sinnbildlich eine nach der anderen, jede enthält Erinnerungen, die meisten davon sind keine schönen. Nach und nach und in vielen Zeitsprüngen gelangen wir tiefer in die Familie der Heldin. Anhand von einzelnen Ereignissen, zeigt sich das Bild immer deutlicher, das Bild einer dysfunktionalen Familie. Zwischen der unberechenbaren, manipulierenden Mutter und der Tochter herrscht ein gespanntes Verhältnis, das beide wie eine unsichtbare Mauer voneinander trennt. Jeder Versuch der Aussprache seitens der Tochter ist zum Scheitern verurteilt. Über eine Art Smalltalk geht es nie hinaus, die Mutter blockt, wo die Tochter sich Erklärungen und Anerkennung wünscht. Tatsächlich blitzt die Anerkennung dann einmal kurz hervor, als die Mutter, die Schwester und eine Nachbarin die Ausstellung Felices in der Galerie besuchen, obwohl es womöglich eher darum geht, diese mit dem Berühmtsein der Künstler-Tochter zu beeindrucken.

Zwischendurch erinnert sich Felice an die Zeit, als sie von zuhause auszog, an die Beziehung mit einem Mitstudenten, an die konzentrierte Atelierarbeit während des Studiums, diese magische Zeit, die immer auch mit Geldmangel verbunden war, aber auch ihr Schwangerschaftsabbruch wird thematisiert. Auch später beim Studium in Berlin öffnen sich manche Türen und Felice hat mehrere Ausstellungen an verschiedenen Orten Deutschlands.

„Meine Familie hatte mich aus der Bahn geworfen. Uns alle hatten unsere Familien aus der Bahn geworfen – Bobby, Rick, Sunny und mich – und die Kunst war unser Versuch wieder eine Ordnung herzustellen.“

Im zweiten Teil rückt der Vater in den Vordergrund, dessen Tagebuchkalender Felice nach dem Tod des Vaters findet und mit zurück nach Berlin nimmt. Sie entdeckt, dass der Vater an Depressionen litt und Psychopharmaka nahm, dass er fortweg arbeitete, um die 6-köpfige Familie zu ernähren. Ich spüre hier eine besondere Zuneigung der Tochter zum Vater; das Verhältnis scheint ein viel innigeres gewesen zu sein, als zur Mutter. Jeder Tagebucheintrag weckt Erinnerungen und ruft Bilder hervor; doch manches bleibt für immer im Dunklen. Scrima schreibt sich hier an den Tagebucheinträgen entlang, die meist nur aus kurzen Stichworten bestehen und auch keine spektakulären Ereignisse aufzeigen. Oft geht es um die Arbeit, manchmal ums Wetter oder neue Anschaffungen. Diese Art des Schreiben ist anders, als der erste Teil, der für mich persönlich ausdrucksstärker wirkte, weil sich die Sprache mehr ausdehnen darf. Auch Träume und ihre möglichen Deutungsvarianten spielen durchweg eine Rolle.

In beiden Teilen liegt auch immer wieder der Fokus auf der Partnerschaft mit Michael. Michael ist in der DDR aufgewachsen und wegen zu viel Widerstand und Eigenwillen gegen das System in einen Jugendwerkhof und in Haft gebracht worden. Die Geschehnisse haben in extrem traumatisiert, so dass er nach dem Fall der Mauer zunächst begeistert die neu gewonnene Freiheit nutzt, bald jedoch von der Vergangenheit wieder eingeholt wird und aus mangelndem Vertrauen immer mehr auf Rückzug geht. Auch Felice gegenüber. Gespräche sind kaum möglich. Scrima beschreibt hier sehr klar und eindringlich, wie stark die Veränderungen durch den Fall der Mauer, die Menschen, die in viel zu kurzer Zeit in einer vollständig anderen Staatsform leben sollten, verunsicherte und teils komplett aus der Bahn warf.

„Ich würde ihm (Anmerkung: dem Vater) erzählen, wie mit der Wiedervereinigung eine einzige entzweigerissene Psyche, deren eine Hälfte ihre schlimmsten Ängste auf die andere projizierte, in eine deutsch-deutsche Romanze verfiel, in einen plötzlichen Rausch, der die verheerenden Schäden verleugnete, die das Verschmelzen der beiden grundsätzlich verschiedenen Staaten an den Menschen der früheren DDR anrichtete, deren Land sich mit einer schwindelerregenden Plötzlichkeit in Luft aufgelöst hatte, mit allem, wofür es einst gestanden hatte.“

Die beiden bekommen einen Sohn und trotzdem bestreitet Felice fast allein den Lebensunterhalt mit Übersetzungen. Die Kunst bleibt dabei auf der Strecke. Erst mit der Trennung beginnt ein neues Kapitel, mit dem auch Sohn Max im Text in den Mittelpunkt rückt.

Der Roman ist sprachlich so gekonnt und formell so gut gelungen, dass ich einfach nur beeindruckt bin, wie die Autorin Erinnerungen so aufbereitet, dass sie literarisch leuchten. Dennoch hat mich die Geschichte, obwohl sie mich tief berührt, zeitweise ziemlich mitgenommen, da ich so einige Übereinstimmungen zu meinem eigenen Leben fand. Wenn Literatur so tief auf mich wirkt, ist das für mich doch immer ein großer Gewinn. Besonders intensiv und wunderschön zu lesen, fand ich die Sequenzen, in denen fast nichts passiert, die nur einen Augenblick einfangen, eine Betrachtung, eine Empfindung und diese dann durch Nachdenken und Nachspüren ausdehnen und ins Literarische überführen. Ein Leuchten!

„Kreisläufe“ erschien im Literaturverlag Droschl. Aus dem Amerikanischen übersetzt hat es Andrea Scrima selbst zusammen mit Christian von der Goltz. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Lyrisches Sonntags-Literatürchen

Jeden Sonntag ein Türchen zu aus verschiedenen Richtungen leuchtender Literatur. Heute in etwas anderer Form


Mein Augenmerk gilt heute dem Lyrikband „azur ton nähe“ von Siljarosa Schletterer. Am Untertitel „flussdiktate“ erkennt man schon in welche Richtung es geht: ans Wasser. Da ich selbst so ein wasseraffiner Mensch bin, habe ich mich an den vielen Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen sofort wohlgefühlt. Meine Aufmerksamkeit hat zunächst auch der Einband geweckt. Es ist ein Motiv des Künstlers Franz Wassermann (!), dessen mit einer bestimmten Klebetechnik hergestellten Collagen auch im Buch immer wieder in Korrespondenz mit den Gedichten gehen.
Die Lyrikerin hat eine sehr schöne Form gefunden, ihre Gedichte zu gliedern und einzuordnen. Jedes Gedicht hat einen Titel, der aus dem Namen des Gewässers und seinen geographischen Koordinaten besteht. So reise ich strömend durch Österreich mit seinen großen Flüssen und kleinen Bergbächen und weiter über die Schweiz nach Deutschland, in die Niederlande und auch nach Italien, zu Venedigs Kanälen. Schletterer teilt den Band in drei Kapitel ein, die im Titel bereits genannt sind: azur, ton, nähe. Je nachdem, was die Gewässer auslösen, welche Worte oder auch Gefühle oder Erinnerungen sie hervorbringen, sind sie einem der Kapitel zugeordnet, wobei das letzte Kapitel am sinnlichsten ist. Ich habe das Gefühl, dass die Gewässer jeweils eine ganz eigene Sprache sprechen, die die Dichterin ganz zart einfängt und mit ihrer eigenen Stimme zu wunderbarer Poesie übersetzt.

Der Band erschien im Limbus Verlag. Hier gehts zur Website der Lyrikerin: https://siljarosaschletterer.wordpress.com/

Stewart O`Nan: Ocean State Rowohlt Verlag

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Stewart O`Nans neuer Roman Ocean State fügt sich nahtlos in die Reihe seiner vorigen Romane ein. Er ist einer der großen US-amerikanischen Erzähler. Immer lesenwert, dabei unspektakulär, wechselnde Themen, fein konstruiert und kurzweilig erzählt. Ich habe in den letzten Jahren einige seiner Romane gelesen, zwei auch bereits auf dem Blog besprochen. Siehe unten.

Wir befinden uns in der Stadt Westerly, Rhode Island, USA. Die Geschichte dreht sich um einen Mord, der von einer 18jährigen Highschool-Schülerin begangen wird. O`Nan beginnt mit dem Treffen des jungen Liebespaares Birdy und Myles, die eigentlich beide mit einem anderen Partner zusammen sind. Was für Myles wohl nur ein Abenteuer ist, fühlt sich für Birdy wie die große Liebe an. Birdy, eigentlich Beatrix lebt bescheiden mit ihrer alleinerziehenden Mutter, von Myles erfährt man nur, dass er aus einem reicheren Elternhaus kommt. Seine Freundin Angel lebt mit ihrer Mutter Carol und ihrer 13jährigen Schwester Marie, aus deren Perspektive auch die meiste Zeit erzählt wird in einer schlechten Wohngegend. Der eintönige Alltag besteht aus Schule, Arbeit, fernsehen, durchbrochen von wenigen feierlichen Anlässen wie Halloween oder Weihnachten. Die Mutter, die regelmäßig trinkt, bringt immer wieder neue Männer mit, auch Angel ist viel unterwegs. Marie fühlt sich alleingelassen und nicht gesehen. Immer wieder wird sie zur Großmutter abgeschoben. Denn sie ist in der Familie die brave Tochter. Im Gegensatz zu Angel, die wohl öfter über die Stränge schlägt. Aus Frust isst sie zu viel, fühlt sich dabei minderwertig gegenüber ihrer hübschen Schwester Angel.

„Wir fürchteten Dramen, waren aber auch süchtig danach. Weil wir jung waren, hielten wir uns für stark. Wir dachten, wir wären abgehärtet. Wir wollten, dass das Schlimme schnell passierte, damit die schmerzlichen Augenblicke vorüber waren und wir unser normales, langweiliges Leben fortsetzen konnten.“

Der Autor schafft es über mehr als die Hälfte des Buches die Spannung zu steigern, bevor die Tat wirklich begangen wird. Geschickt geht er dabei vor und schildert gekonnt die einzelnen Charaktere, die Abhängigkeiten und die Unsicherheiten der Paare im Collegealter, aber auch die deren Eltern. Man erinnert sich dabei selbst an die eigene Zeit der ersten bedeutungsvollen Liebe und des furchtbaren Liebeskummers. Beim Lesen dachte ich dann oft, wie abgeklärt man die Geschichte jetzt im fortgeschrittenen Alter liest und sich wundert, wie ernst und tragisch das alles damals war, als die Gefühle Achterbahn fuhren.

O`Nan lässt uns Leser nicht erfahren, was und wie genau der Totschlag passiert, erzählt auch wenig über die Phase der Inhaftierung, außer, dass die Tat im Strandhaus von Myles Eltern geschah, welches auch der Treffpunkt der beiden Liebenden war. Die Täterin scheint nach Außen hin kühlen Kopf zu bewahren, so als wäre sie vollkommen unbeteiligt.

„Egal, ob es ein Unfall war oder nicht, sie weiß, dass sie Reue empfinden sollte, doch wenn sie ehrlich ist, muss sie zugeben, dass sie irgendwie wollte, dass das kleine Miststück tot ist. Irgendwas stimmt nicht mit ihr. In ihren schwächsten Momenten schließt sie ihre Tür ab, kniet sich wie ein Kind vors Bett und erfleht die Barmherzigkeit Gottes.“

Tatsächlich blieb mir aus meiner Sicht unerklärlich, wie man eine solche Tat, die in diesem Fall ja im Ansatz geplant war und dann aus dem Ruder lief, begehen kann. Aus beleidigtem Stolz? Aus Nervenkitzel? Was muss passieren, damit man soweit geht? Es erschließt sich mir nicht. Und das sagt auch Marie, die im abschließenden Kapitel rückblickend von den weiteren Geschehnissen und der Zukunft der Protagonisten erzählt. Sie ist die einzige, die weiter im Ort lebt, und als Lehrerin noch lange mit der Geschichte von Außen konfrontiert wird.  Einen Krimi sollte man nicht erwarten, aber eine spannend beleuchtete Milieustudie.

Der Roman erschien im Rowohlt Verlag. Übersetzt hat wie immer Thomas Gunkel. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eine weitere Besprechung gibt es bei Letteratura. Ein schönes Interview mit dem Autor gibt es hier.

Zwei weitere Romane des Autors habe ich hier besprochen. Auch „Die Chance“ empfehle ich sehr.

Stewart O`Nan: Stadt der Geheimnisse Rowohlt

Kerstin Becker: Das gesamte hungrige Dunkel ringsum Edition Azur

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„wir sind am Anfang durchlässig
und weich und lernen fortan
zu verhärten“

Der neue Lyrikband von Kerstin Becker strahlt ins Dunkel hinein, um auf den Titel des Buches zuzugreifen. Das Dunkel wird hier kompromisslos ausgeleuchtet, wie mit einer Taschenlampe punktgenau getroffen. Das Dunkel, das wir alle kennen, aber manche eben wesentlich mehr. Es beginnt mit der Zeugung, weiter mit der Geburt, wo die Dunkelheit verlassen werden muss und der Start ins Leben grell beleuchtet ist. Es beginnt mit dem Babyflaum und was am Ende bleibt, ist die kratzige Kunstwolle, die nach dem Tod aufgedröselt und wieder verwendet wird. Kerstin Beckers Gedichte spannen einen Bogen vom Anfang zum Ende eines Menschenlebens, eine Lebenszeit. Wie unterschiedlich diese verlaufen kann erfahren wir auch. Wir hören viel mehr vom Dunkel, das immer da zu sein scheint ganz in der Nähe, lauernd. Die Helligkeit nimmt ein viel geringes Maß ein. Kommt zu kurz, wie das eben in manchen Menschenleben so ist. Trotz aller Dunkelheit empfinde ich Kerstin Beckers Gedichte nicht bitter oder resignierend, sondern durchaus kraftvoll und weit, die Sprache manchmal rau und dann wieder zart.

Das Aufwachsen, die Kindheit scheinen auf, ein Leben in den Wäldern, den Wiesen, ein ländliches Leben. Immer mit der Natur, erdig, sinnlich, sehr körperlich, auch eklig und dreckig. Wildwuchs, Wachstum. Geräusche, Gerüche. Freundschaft und Blutsschwesterschaft. Hier ist es oft schön hell. Schnell zeigt sich dann aber doch wieder der Unterschied zwischen arm und reich, zwischen weiblich und männlich, zwischen wollen und sollen, zwischen Zwang und Freiwilligkeit. Missbrauch und Gewalt schweben im Raum eines Gedichts, dürfen es auch, dürfen benannt und ausgesprochen werden in diesem Rahmen.

„wir gleichen unseren Puls dem Puls der letzten Wälder an
wie später einmal unsere Mens die Sommersonne
spinnt weiße Waben unter unsre Lider“

Im großen Gegensatz zum Dunklen wird immer wieder die Natur besucht. In den Wald und über die Felder. Durchatmen, Wahrnehmen. Die Bäume, die Wiesen – sie sind Heil- und Ruhemittel. Da ist die Verbindung ganz stark, da wächst nach, was verloren war. Das ist der Raum, den es dem sterilen, künstlichen Klinik- und Pflegebereich entgegen zu setzen gilt. Denn das Dunkle ist auch die schwere Erkrankung, die zieht und zerrt und hilflos und ohnmächtig macht und nicht weichen will.

„wir hätten oft schon tot sein können Wald
wie geht es dir
in dir geh ich am Faden aus Instinkt und ahne Ahnen
und glaub fast an der Menschenhirne Amen“

Kerstin Becker zeigt in einigen Gedichten die prekäre Arbeitssituation auf, in der manche Menschen stecken: es geht um die Dienstleister. Menschen, die saubermachen, Essen ausliefern, an Kassen sitzen und dennoch finanziell kaum über die Runden kommen, und die, die mit ihrem „Bescheid“ mit großer Scham zur Tafel gehen müssen, um zu überleben.

„siehst du den Speckgürtel
und Ghettos um die Städte
Abriegelsystem humanus ich gehör
der Kaste Allerletzter an“

Die Lyrikerin schickt das Lyrische Ich zu Besuch zur Schwester, die zuhause schwer alleine zurecht kommt, die aber auch nicht in die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen gehen kann, weil sie geschlossen wurde. Auch ein Familienausflug wird ganz stark verdichtet: ein Besuch des Flughafens, die ungestillte Sehnsucht auf der Zuschauerterasse, weil es für eine Ferienreise im Flieger eben nicht reicht (welches ich allzu gut kenne) oder es gar nicht möglich war, überall hinzufliegen in der DDR.

Am Schluss schließt sich der Kreis. Nach Zeugung, Geburt, Lebenszeit folgt das Sterben, der Tod. Das Stirb und Werde, das niemals aufhört, für jeden Einzelnen allerdings immer das Schönste und das Schlimmste bedeutet.

„muss ich denn Abschied nehmen Welt von deinen süßen
salzgen Wassern grünen Hügelketten
ich habe dich von oben wie ein
Raumfahrer gesehen
du bist so zart und voller Grab“

In den Gedichten gibt es keine Interpunktion, was aber nicht stört, denn die Verse gliedern sich durch ihren Rhythmus. Wie im vorigen Band Biestmilch sind die meisten in der Wir-Form geschrieben. Etwas, was mir besonders auffällt, weil es, wie ich finde in aktuellen Gedichten selten zu finden ist. Dabei hat diese Form den Vorteil, dass man sich mit der Dichterin verbunden fühlt und näher dran ist am Erleben. Und tatsächlich erinnern mich manche Gedichte in Ton und Wortwahl an die Gedichte von Christine Lavant. Und, liebe Kerstin, über das wunderbare kaum mehr gehörte Wort „lavede“ freue ich mich besonders. Ein Leuchten!

Schwarz/Weiß-Fotos ergänzen die Gedichte, grenzen die einzelnen Kapitel voneinander ab. Auch äußerlich ist der Gedichtband schön gestaltet. Er erschien im Verlag Edition Azur bei Voland & Quist. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

„Eine der Lyrikempfehlungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 2022“

Jan Bazuin: Tagebuch eines Zwangsarbeiters C.H. Beck Verlag

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Ich mag Barbara Yelins Illustrationen sehr, deshalb fiel mein Blick auch sofort auf diese Neuerscheinung. Der 19-jährige Holländer Jan Bazuin hat Tagebuch geführt über die Ereignisse, die er vor und im Arbeitslager der Deutschen in München-Neuaubing von 9.1.1944 bis zu seiner Flucht am 21.4.1945 erlebte. Barbara Yelin hat dazu ihre typischen Illustrationen beigetragen. Es ist ein hochinteressantes Zeitdokument und hat mich wirklich überrascht, da ich bisher wenig zum Thema gelesen habe.

Am 23.2. wurde das Buch im NS-Dokumentationszentrum in München vorgestellt. Ich war beim Live-Stream dabei und habe unglaublich viel erfahren. Wie das Buch entstand, wie Yelin sich die Illustrationen erarbeitet hat. Der Sohn von Jan Bazuin berichtete, wie das Tagebuch, das eigentlich aus drei kleinen Heften besteht, die er nach dem Tod seines Vaters fand, zum Buchprojekt wurde, Barbara Beuys bereicherte die Runde mit umfassendem historischen Wissen zum Thema.

November 1944, Rotterdam: Die Deutschen besetzen seit 1940 die Niederlande. Jan Bazuin, 19 Jahre alt, lebt bei seinen Eltern. Er beginnt Tagebuch zu schreiben. Die Arbeitslosigkeit ist zu dieser Zeit groß. Der Vater will Jan loswerden, weil es zu wenig zu essen für die Familie gibt. Manchmal hat Jan Arbeit, manchmal organisiert er Essen, das er tagelang im Umland sucht. Die Menschen fällen die Bäume in den Straßen, um Brennholz zu haben. Es herrscht überall großer Mangel. So oft wie möglich trifft er sich mit seiner Freundin. Bei ihr verbringt er auch Weihnachten, hier bekommt er genug zu essen.  Als die Deutschen im Januar wieder alle 16 – 40-Jährigen unter Strafandrohung zum Abtransport ins Arbeitslager nach Deutschland aufrufen, muss auch Jan Rotterdam verlassen. Beim ersten Aufruf hatte Jan Glück, er war als Saisonarbeiter auf dem Land, doch wurde sein Bruder bereits da nach Kassel geschafft. Die Reise führt mit dem Zug quer durch Deutschland bis nach München. Mit langen Unterbrechungen, die die Männer im Viehwaggon verbringen müssen und mit Zwischenaufenthalt in Dachau, landen sie in Neu-Aubing.

Dort hat Jan das Glück die meiste Zeit eine Arbeit in der Küche zu finden, so dass er alles andere als Hunger leiden muss. Die Portionen, die er dort bekommt und die er in seinem Tagebuch genauestens erfasst, lassen fast nicht glauben, dass er sich in einem Zwangsarbeiter-Lager befindet. Dafür arbeitet er von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Doch dann gibt es auch Zeiten in denen er mit Rübensuppe, Brot und Kartoffeln auskommen muss. Er selbst empfindet die Arbeit als gut für ihn, damit er nicht so viel grübelt und an seine Familie und die Freundin denken muss.

„Montag, 19. März. Halb zwölf Fliegeralarm. Erst halb vier Entwarnung. Bei uns keine Bomben, wohl aber 30 km weiter. Das Essen war wie gehabt. Gut, aber wenig. Vielleicht gibt es in Holland gar nichts, ich will also nicht klagen.“

Das Ungewöhnliche an den recht schlichten Tagebucheinträgen ist eine ungebrochene Zuversicht, mit der Jan an alles herangeht. Nie glaubt er, dass er nicht mehr nach Hause kommt. Jeder Tag wird, auch wenn er noch so anstrengend war, mit einem positiven Gedanken bedacht. Tatsächlich darf man sich die Verhältnisse hier nicht wie in einem Konzentrationslager vorstellen. Jan verdient Geld mit seiner Arbeit, er hat oft den halben Samstag und/oder den Sonntag frei. Mehrfach geht er ins Kino, macht sogar Ausflüge ins Umland.

Im Lager begegnet er auch polnischen und italienischen Zwangsarbeitern. Manche lädt er ein, ihm etwas in sein Tagebuch zu schreiben, es bilden sich kleine Zusammenhalte. Doch es wird auch gestohlen, vor allem Nahrung. Nicht alle haben so ein Glück wie Jan. Immer wieder kommen Informationen im Lager an, in denen von der Lage der Front, von der Hilfe der Alliierten und vom möglichen Ende des Kriegs die Rede ist. Die vielen Luftangriffe sprechen ihre eigene Sprache.

Am 21.4.45 entscheidet sich Jan für die Flucht. Mit einem Kameraden legt er Hunderte von Kilometern zurück und schafft es tatsächlich über die Frontlinie zu den Amerikanern. Kurz darauf bricht das Tagebuch ab.

Im informativen Nachwort berichtet Mitherausgeber Paul Raabe vom NS-Dokumentationszentrum, was über Jan Bazuins Leben sonst noch bekannt ist und bindet die Tagebucheinträge in größere Zusammenhänge.

Barbara Yelins Illustrationen sind dunkel gehalten. Grau dominiert. Wenige Bilder sind mit Sprachblasen gezeichnet, die meisten Bilder sprechen für sich. Das Buch ist keine Graphic Novel. Man wollte den Tagebuchcharakter nicht verfälschen, was ich als eine gute Entscheidung betrachte.

Ich finde dieses Buch hochinteressant, zeigt es doch einen weiteren Aspekt zum Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Bisher kenne ich den Roman Sie kam aus Mariupol von Natascha Wodin, in dem sie über ihre Eltern erzählt, die als Zwangsarbeiter aus der Ukraine nach Deutschland verschleppt wurden und wesentlich schlechter behandelt wurden.

Tagebuch eines Zwangsarbeiters“ erschien im C. H. Beck Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Yara Nakahanda Monteiro: Schwerkraft der Tränen Haymon Verlag

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„… hier bin ich Weiß, dort bin ich Schwarz, der zweitschlimmste Ort ist dazwischen …“

Eigentlich hätte dieses Buch mehr Sichtbarkeit bekommen, wäre nicht in diesem Jahr zum dritten Mal die Leipziger Buchmesse in ihrer traditionellen Form ausgefallen. Tara Nakahanda Monteiros Roman „Schwerkraft der Tränen“ ist im Original auf portugiesisch geschrieben, Portugal wäre/war Schwerpunkt der Buchmesse. Monteiros Roman ist aber gleichzeitig kein typisch portugiesisches Buch, sondern eins, dass uns nach Angola führt, in die Hauptstadt Luanda des portugiesischsprachigen Landes im südwestlichen Afrika. Die Autorin lebt im Alentejo/Portugal, ihre Wurzeln aber liegen in Huambo in Angola. Dort wurde sie 1979 geboren. Gleich stellt sich mir die Frage nach autobiographischem Schreiben, wird aber bald unwichtig aufgrund der Schönheit der Sprache und des spannenden Inhalts.

Vitória verlässt Portugal Hals über Kopf und verpasst damit absichtlich ihre geplante Hochzeit mit Dinis, der schwul und der Bruder ihrer Geliebten Catarina ist. Sie lässt alles, was ihr wichtig ist zurück, weil es etwas noch Wichtigeres, Dringenderes gibt: die Suche nach ihrer Mutter, die sie als kleines Kind bei den Großeltern zurückließ, um als rebellische und kämpferische junge Frau in den Krieg für die Unabhängigkeit ihres Landes zu ziehen. Die Familie verlässt Angola und Vitória wächst in Portugal auf, erhält in einem Internat ihre Schulbildung, lebt dann in Lissabon.

„Ich fühle mich hilflos, Luanda ist anders als Lissabon und mit dem Idyll in Malveira sowieso nicht zu vergleichen. Kurz überlege ich, ob ich meinen Entschluss bereue.“

Nach der Ankunft fühlt sich alles fremd an. Sie kommt bei einer Bekannten ihrer Tante unter und gliedert sich langsam ins Familienleben dort ein. Romena besitzt Bäckereien und gehört somit zur Mittelschicht, es gibt Dienstpersonal und den Töchtern fehlt es an nichts. Ganz anders sieht es in anderen Vierteln aus. Armut, bettelnde Kinder, aber eben auch Reichtum, der gerne gezeigt wird. Vitória wird zu Hochzeiten mitgenommen, aber auch zu Totenfeiern. Es wird aufgetischt, es gibt traditionelle Rituale, von denen auch die gebildeten, reichen Familien nicht abweichen. Kontakte werden geknüpft, Beziehungen genutzt. So gelangt Vitória auch an den General, der ihr bei der Suche nach der Mutter helfen soll. Die Tante hatte ihr den Namen aufgeschrieben. Alle Hoffnung ruht auf dem Einfluss seines Namens.

Erste Hinweise kommen dann aber aus anderer Richtung: Vitória fliegt nach Huambo und begegnet Juliana, einer Freundin ihrer Mutter, die an ihrer Seite kämpfte. Sie bewirtschaftet eine Art Frauenhaus. Vitória lebt sich ein, es dauert lange, bis Juliana zu erzählen beginnt und ihr einen Schritt weiter hilft. Bei einer Hilfsorganisation hinterlegt sie Foto und einen Brief an die Mutter. Dann vergehen viele Monate. Die Heldin findet sich in diesen neuen Strukturen zurecht, arbeitet mit und fragt sich, ob es je wieder ein zurück nach Portugal geben wird. Und wartet. Und merkt, wieviel mehr Geduld sie in diesem Land braucht. Auch ihre innere Not und die großen Hoffnungen spiegeln sich im Text.

„Denn Familiengeschichte gehört nicht allein denen, die sie erlebt haben. Die Nachgeborenen tragen die Biografie derer in sich, die vor ihnen da waren. Auch ich bin schon Teil dieser Vergangenheit, also gehört mir auch die Erinnerung.“

Als schließlich eines Tages ein Brief der Mutter kommt, das Zeichen, dass die Mutter noch lebt, beinhaltet er so gar nicht das, was sich Vitória gewünscht und erhofft hat. Doch sie erfährt viel über das Schicksal der Mutter, die letztendlich ein Opfer des Krieges wurde. Und was Krieg mit den Menschen macht. Wie sie verraten wurde. Und welche Rolle der General dabei spielte …

„Sie erzählt, als die Kämpfe losgingen, habe man sich die Gewalt des Krieges nicht vorstellen können. Man lebte für eine Utopie, einen Traum. Das geht so lang, bis man töten muss, um nicht selber getötet zu werden. Beim Töten bleibt es im Krieg auch nicht. Es wird massakriert, gefoltert, verstümmelt und vergewaltigt.“

Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt. Es ist eine dieser Geschichten, in denen ich in ein mir fernes fremdes Land eintauche, es ein wenig kennenlernen darf, ohne zu verreisen. Mir kommt es nahe, durch die Persönlichkeiten, denen ich begegne, die mich teilhaben lassen an ihrem Alltag und an den Festen. Und ich werde neugierig und gebe das Land ein in die Suchmaschine, sehe auf der Karte, wo es liegt, wie groß es ist, lese über die Geschichte, die im Fall von Angola eine sehr kriegerische ist. Unabhängigkeitskriege, um sich von der Kolonialmacht Portugals zu lösen, Bürgerkriege zwischen verschiedenen Freiheitsbewegungen und immer wieder Staatspräsidenten, die korrupt in die eigene Tasche arbeiten.

Mir hat die bildreiche, lebendige und sinnliche Sprache sehr gefallen und die Art der Erzählung, die Einblicke – manchmal schiebt die Autorin Sequenzen mit Selbstgesprächen ein: von einer Hausangestellten, von einem alten Fischer – bietet in die Lebenswelt der Bewohner, aber eben auch in die spezifische Natur und die Traditionen. Wer per Roman auf Reisen gehen möchte, weit weg, dem sei dieses Buch empfohlen.

Der Roman erschien im Haymon Verlag. Übersetzt aus dem Portugiesischen hat es Michael Kegler. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar!

Sonntags-Literatürchen

Jeden Sonntag ein Türchen zu aus verschiedenen Richtungen leuchtender Literatur.

aus „Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte“ von Christine Lavant

zu meiner Besprechung:
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2015/08/23/christine-lavant-zu-lebzeiten-veroeffentlichte-gedichte-wallstein-verlag/

Auf meinem Blog sind auch weitere Titel der wunderbaren Schriftstellerin vorgestellt.