Juha Hurme: dEr VerRückTe Kommode Verlag

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Es gibt immer etwas zu entdecken im Schweizer Kommode Verlag. Da gab es den künstlerisch gestalteten Band „Belichtungen“ von Nadine Olonetzky und den hervorragenden Roman „Kind aus Glas“ von Maarja Kangro und nun also „Der Verrückte“. Schon auf den ersten Seiten, weiß ich, dass ich mich in diesem Roman zuhause fühle, geht es doch um diejenigen, die einmal oder immer mal wieder aus dem System herausfallen, ungewollt, einfach weil sie und ihr Bewusstsein manchmal etwas anders ticken, eine Pause brauchen von dieser schnellen Welt und weil der Held dieser Geschichte bald seine Rettung in der Literatur sieht.

„Das erste Mal starb ich Anfang der Achtziger in Schweden, mit knapp über zwanzig.“

Das ist der erste Satz dieses Romans. Juha Hurme hält sich aber weder mit dem ersten noch dem zweiten Sterben lange auf, sondern erzählt uns die Geschichte des dritten Sterbens, welches im Jahr 2009 zur Adventszeit in Helsinki stattfindet. Es erwischt den Helden dieses Romans eiskalt.

„Ich spürte, dass Es kam. Dieses Buch erzählt Davon. Von Dem, was keinen Namen hat. Ich lag mit offenen Augen auf dem Bett und schätzte, wie weit Es weg war. Es war eindeutig näher als je zuvor, um die Ecke, würde ich sagen.“

Das „Es“ bringt in schließlich nach einer schrecklichen Nacht soweit, sich im gelben Haus einzufinden, sich selbst einzuweisen. Der Ich-Erzähler wird von Wahnvorstellungen geplagt, er glaubt, er sei tot. Kein klarer Gedanke scheint mehr zu fassen zu sein. Vollkommen außer Rand und Band kommt er in eine psychiatrische Abteilung, wo es doch recht schnell zu einer Randale kommt, zu einem Zweikampf mit einer „Handlangerin“ und später mit einem „Schlägertrupp“. Nach durch Beruhigungsmittel aus dem „Chemielabor“ verschlafenen, verlorenen(?) Tagen folgt die Verlegung in die geschlossene Abteilung. Hier kommt es zu den interessantesten Begegnungen mit Mitpatienten, wie „Einsdreiundsechzigeinhalb“, die jeden zur Begrüßung nach der Größe fragt oder mit Puupponen, der die Musikszene der 68er neu aufmischt. Auch kommt es zu Flashbacks in die Kindheit. Auch die war schon von kleineren Verrücktheiten, zumindest aber von enormer Fantasie und Kreativität durchzogen. Und nun sieht er seine Mutter, seinen Vater, die sich schließlich als Mitpatienten erweisen und wird nachts von hanebüchenen Träumen verfolgt. Da hilft nur die Literatur. Manchmal ist es dann auch die Bibel, die auf Stichhaltigkeit überprüft wird, schließlich ist bald Weihnachten.

„Bei Matthäus gibt es keinen Stall, sondern Maria gebärt ganz gewöhnlich zu Hause, in der Stadt, in der sie mit Josef wohnt. Der Stern führt die Weisen zu ihrem kleinen Eigenheim. Hier bedarf es auch keiner Engel oder anderer himmlischer Divisionen.“

Im Gepäck dabei ist auch der finnische Dichter und Dramaturg J.J. Wecksell (der selbst in der Psychiatrie landete, unter anderem zeitweise in Köln), dessen Werk unseren Helden anregt, ein Stück über dessen Wirken zu schreiben. Ein Stück, dass ihm hilft, wieder mehr zu sich zu kommen: Schreiben tut gut. An Silvester soll es aufgeführt werden. Als Schauspieler fungieren die Leidensgenossen und die schmeißen sich so richtig ins Zeug, obwohl manch einer dann doch abspringt oder reißaus nimmt.

„Verworrenheit ist ein Zeichen der Zeit,
Verworrenheit ist die einzige
Lösung für das Rätsel des Lebens.“

Das wilde Stück findet komplett Eingang ins Buch und ich lerne J.J. Wecksell (1838 – 1907) kennen, wenn auch aus sehr schräger Perspektive, aber was ich nicht verstehe, kann ich ergooglen. So erweitert dieses herrlich außergewöhnliche, in aller Tragik enorm witzige Buch meinen Horizont und womöglich auch mein Bewusstsein. Für alle, die es „gegen den Strich“ und skurril mögen ein Glücksfall!

Der 1959 geborene finnische Autor Juha Hurme inszeniert auch Theaterstücke und schreibt Romane. Mit beidem ist er in Finnland sehr erfolgreich. Er setzt sich außerdem für die schwedische Sprache in Finnland ein. Übersetzt wurde das Buch von Maximilian Murmann. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

 

Eva Maria Leuenberger: dekarnation Literaturverlag Droschl

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Auf dem Lyrik-Debütband der 1991 in Bern geborenen Eva Maria Leuenberger schlängelt sich das Skelett eines Fisches(?) über das Cover. Es könnte mit zarter Pastellkreide gezeichnet sein, könnte aber auch schlichtweg eine Röntgenaufnahme sein. So passt das Cover stimmig zum Titel und weist bereits auf die zu erwartenden Gedichte hin.

Auf wikipedia finde ich folgende Beschreibung des Wortes Dekarnation:

„Die Dekarnation(„Entfleischung“) oder Exkarnation(„Ausfleischung“) bezeichnet in der Archäologie und der Ethnologie(Völkerkunde) alle Vorgänge, durch die ein menschlicher Leichnam oder ein Tierkadaver von allen Weichteilen befreit wird, so dass nur die Knochen und bei Tieren auch das Geweih oder die Hörner übrig bleiben. Verschiedene Techniken der Dekarnation wurden und werden als Teil von Bestattungsritualen angewendet; das reicht vom Auslösen mit Messern, Verwesenlassen und Wiederausgraben bis hin zum Aussetzen als Fraß für Vögel.“

Sehr einladend klingt das zunächst nicht, doch schon beim Lesen des ersten Gedichtes, weiß ich dass mir hier etwas Existentielles angeboten wird, etwas was mich brennend interessiert. Wer sich nicht scheut, mit der Vergänglichkeit in Berührung zu kommen, ist hier willkommen. Das, was letztlich uns alle betrifft, bereits zu Lebzeiten wahr zu nehmen, zu integrieren, sich damit zu beschäftigen, ist keine allzu schlechte Idee.

„du bist nichts als zeit die fest
wird und zerrüttet
/ ein bröcklig gewordener ton
der zittert und bricht /“

Es beginnt im Kapitel eins alles noch sehr idyllisch in einem „Tal“, an einem Bach. Ein Mensch, erwacht, ein lebendiges Wesen berührt das Wasser, das Moos, sieht das Reh, den Vogel, den Himmel, den Himmel gespiegelt im Wasser. Das Lebewesen steht auf und geht … und wer weiß, ob es dann noch ein lebendiges Wesen ist oder der Versuch einer Auferstehung, am Ende gar Wiedergänger? Ein Naturgeist? Eine Moorleiche? Befinde ich mich in einem dystopischen Szenario?

Was Leuenberger hier in kraftvolle und doch feine Poesie übersetzt, ist ungewöhnlich und gefällt mir sehr. Naturgedichte? Ja. Aber es ist keine liebliche Natur, die in den vier Kapiteln „ Tal, Moor, Schlucht, Tal“ genannt, auftaucht. Es ist eine wilde unnachgiebige Natur, die sich ihr Reich zurückerobert. Die Verstorbenen werden vom Moor umschlungen und bleiben. Und werden lange lange Zeit später selbst wieder Moor. Wie kurz doch ein Menschenleben ist! Wie klein der Mensch im Großen Ganzen.

„dort, wo der see zu moor wird
gibt es keine zeit
ein moor und ein körper
heißt unendlichkeit“

Im zweiten Kapitel „Moor“ wird es dann klar, dass es sich um Moorleichen handelt. Mann Tollund und Frau Elling sind zwei tatsächlich in Dänemark im Moor gefundene Menschen. Erhalten noch Knochen und Haare. Dekarniert von der Natur selbst.

Leuenbergers Gedichte, eigentlich ist es ein einziges langes Gedicht, sind von einem einzigartigen Rhythmus geprägt. Ich muss an klassische englische Naturdichter denken, wobei hier alles extrem verknappt gehalten ist, keine Ausschweifungen, nur die Klarheit und Direktheit der Natur. Mehr braucht es nicht. So ist es sogar eindringlicher und zwischendurch geradezu unheimlich. Im Anhang lese ich, dass die Lyrikerin sich mit Emily Dickinson („vielleicht ist sehnsucht ein weißes Kleid“) und Anne Carson beschäftigt und diese auch einige Male zitiert.

Das dritte Kapitel, „Schlucht“ überschrieben, hebt sich durch die Gestaltung, die Einteilung der Verse ab. Enorme Zeilensprünge, Einrückungen, viel Leerraum dazwischen. Hier befindet sich ein Wesen, eine denkende fühlende Kreatur auf dem Weg durch Raum und Zeit, befindet sich womöglich bereits im Übergang in eine andere natürliche Daseinsform.

„und vor dir
wartet die schlucht

der anfang der nacht dringt
durch die zweige du weißt
niemand wartet auf dich
du weißt es und trotzdem
suchst du die bäume ab“

Im letzten Kapitel kehrt alles zurück, bewegt, verwandelt und so schließt sich der Kreis. Anfang und Ende unabwendbar das „Stirb und werde“.

In einer erweiterten Sichtweise finde ich das Dasein in einem Körper, der nicht mehr funktioniert. Geht es um Krankheit, Schmerz? Eher noch um den Tod. Leuenbergers Gedichtzyklus könnte ein Memorandum des Sterbens sein. Ein/e Sterbende/r erzählt, Körpervorgänge im Focus. Es kann aber auch die Beschreibung eines alten Horrorfilms sein: „das Bild knistert“. Es könnte der Weg Dantes ins Inferno sein. Es kann ein Traum sein. Ein Alptraum. Eine Vision.

„einmal reißt der nebel ein
und die luft dringt durch –
stille taut auf und wasser:
tropft die worte weich“

Aber vielleicht ist es alles ganz anders. Möge jede/r sich selbst ein Bild machen. Und Bilder gibt es ausreichend, sie entstehen sofort. Und es darf auch ein Geheimnis bleiben. Fragen dürfen bleiben, blieben mir noch tagelang … So oder so ist dieser Gedichtband in meinen Augen ein kleines Wunder.

Diese Rezension erschien zuerst am 14.8. auf dem Hotlistblog.

Jon Fosse: Der andere Name Rowohlt Verlag

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Welch kostbare Lektüre! Welch Leuchten!

Von Jon Fosse, dem großen norwegischen Dramatiker, Lyriker und Romanautor, ist der erste Band seines auf 7 Bände angelegten Werks erschienen. Wie immer hat Hinrich Schmidt-Henkel brillant übersetzt, was bei Fosses Sprachduktus sicher alles andere als einfach ist. Andererseits erkennt man Jon Fosses Werk anhand dieser Sprachmelodie zumindest bei seinen Romanen sofort heraus. Ich bin auch gerade wegen dieser reduzierten, meditativen Sprache große Liebhaberin seiner Bücher und Stücke.

Jon Fosses „Ein anderer Name“ auf einen bestimmten Inhalt festzulegen, ist schwierig. Es gibt sicher wenige Autoren, bei denen das Werk so wenig plotorientiert ist. Die Geschichte lebt von der einfachen Sprache mit einer einzigartigen Rhythmik mit vielen refrainartigen Wiederholungen, die das Geschriebene trägt. Fosse selbst nennt es „Langsame Prosa“, was es ziemlich gut trifft. Was einem nicht-Fosse-Kundigen anfangs befremdlich scheint, wird im fortgeschrittenen Lesestadium zu einem einzigen Fluß ohne Halt, zu einer Reise durch Raum und Zeit (Fosses Roman hat keine Kapitel, keinen Punkt, nur Kommas – ein einziger langer Satz! Ich liebe es!). Fosse verhandelt hier die ganz großen Themen wie Liebe und Tod in einer Weise, wie sie nur im Kleinen, in den ganz einfachen Dingen des Lebens zu finden sind.

„ja, seltsam, denn groß ist die Entfernung nicht, der Abstand zwischen den Lebenden und den Toten, obgleich diese Entfernung unüberwindlich wirken mag, ist sie es nicht,“

Es geht um einen Maler, der seit seine geliebte Frau gestorben ist, allein in seinem alten Bauernhaus lebt, recht erfolgreich ist mit seinen Bildern, die ein Galerist in Bergen (Fosse schreibt den alten Stadtnamen Bjorgvin) für ihn verkauft. Beinahe der einzige mit dem er freundschaftlichen Kontakt hat, ist sein Nachbar, ein Fischer und Landmann, der ihm oft mit Arbeiten in Haus und Hof hilft. Ihre Gespräche bestehen fast immer aus den gleichen Themen. Keiner versteht so richtig die Lebensart des anderen und doch verbinden sie diese ritualartigen Treffen auf ganz eigene Weise. Der kleine Hund Brage, der unverhofft in des Malers leben auftaucht, ist mir durch Fosses zarte Beschreibung sofort ans Herz gewachsen.

„ich bin nie besonders gern bei Leuten zu Hause gewesen, dafür war ich immer zu schüchtern, ja mir ist dann, als ob ich etwas tun würde, wozu ich kein Recht habe […] als ob ich ihr Leben stören würde oder jedenfalls selbst gestört würde von ihrem Leben, das sich mir aufdrängt, ja als ob ich vom Leben der anderen ausgefüllt würde,“

Ab und an fährt der Maler nach Bergen und bringt neue Bilder, erledigt Einkäufe oder besucht einen Freund, bei dem es sich womöglich um ein Alter Ego des Malers selbst handelt. So ganz klar wird es nie, denn die Geschichte spielt letztlich auch außerhalb einer sicheren Realität, vielleicht in einem bewusstseinserweiternden Raum oder auf einer (oder mehreren?)Meta-Ebene. Darauf weist einiges hin, denn der Maler versinkt oft in Erinnerungen, die sich recht bildhaft zeigen. Hier verwischen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Personen verwandeln sich oder finden sich gedoppelt.

In den Erinnerungen zeigen sich prägende Kindheitsszenen: Der Maler Asle hat schon als Junge so gut gezeichnet, dass er seine Bilder an Nachbarn verkaufen konnte. Der gute Bekannte Asle, der den gleichen Namen wie der Maler trägt, hat bereits in seiner Kindheit Tod und Missbrauch erlebt und fühlte sich schuldig, weil er die Verbote der Mutter missachtete.

Am schönsten sind die Szenen, in denen der Held von seiner Herangehensweise an das Malen seiner Bilder, ausschließlich Öl auf Leinwand, erzählt: Dazu gehört meditatives Sitzen und Eintauchen in das Bild, oft im Dunkeln, weil er im Dunkeln das Leuchten, das Licht in den Bildern erkennt. Dann sind seine Bilder gelungen, wenn sie, zumindest für ihn dieses Licht im Dunklen haben. Und das bringt er durch den Verkauf der Bilder hinaus in die Welt …

„und manchmal sorgt nur ein einziger Strich dafür, dass das Bild so sprechen kann, und das ist nicht zu begreifen, denke ich, und, denke ich, so ist es auch mit der Dichtung, die ich gern lese, nicht dass es wichtig ist, was über dies oder das gesagt wird, sondern etwas anderes, etwas das stumm in und hinter den Sätzen spricht“

Für mich ist der Roman eine Hommage an die Einfachheit, die Hingabe und ein zutiefst spirituelles, mystisches Buch. Ein Leuchten, ölbildfarbenes Leuchten!

Der Roman „Der andere Name“ erschien im Rowohlt Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich freue mich schon auf den nächsten Band, der hoffentlich bald übersetzt ist. Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Weitere Besprechungen auf dem Blog zu Jon Fosses Roman „Trilogie“ und zu dem wunderbaren Gedichtband „Diese unerklärliche Stille“:
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2016/05/27/jon-fosse-trilogie-rowohlt-verlag/
https://literaturleuchtet.wordpress.com/2016/03/12/jon-fosse-diese-unerklaerliche-stille-verlag-kleinheinrich/

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Tarjei Vesaas: Das Eis-Schloss Guggolz Verlag

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Aus dem kleinen Guggolz Verlag kommen immer außergewöhnliche Entdeckungen in schönster Ausstattung: ein wirklich ästhetisches Cover und Fadenheftung. Diesmal finde ich das Cover besonders interessant, passt es doch vollkommen zu einer meiner Tuschearbeiten aus dem letzten Winter (siehe oben). Herr Guggolz sucht und findet immer wieder überraschende „neue“ Stimmen aus vergangener Zeit, aus oft nord- oder östlichen europäischen Ländern und lässt übersetzen. So wie hier der geniale Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkels ans Werk ging.

Eisig ist es wirklich fast durchgängig in diesem Roman. Dennoch wurde mir warm beim Lesen, weil diese Geschichte wirklich feinsinnig und in sehr poetischer Sprache erzählt wird. Dass Vesaas auch Lyrik schrieb, spürt man. Es ist ein sehr sinnliches, mystisches und symbolkräftiges Buch. Der Autor kommt aus Norwegen, dieses Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, lebte von 1897-1970 im Ländlichen. Er schrieb auf Nynorsk, einer Art westnorwegischem Dialekt. Für diesen Roman erhielt er 1964 den Preis des Nordischen Rats.

„Siss hatte viele Gedanken, wie sie da ging, eingemummt gegen den Frost. Sie wollte zu dem Mädchen Unn, ihr noch halb unbekannt, zum ersten Mal, zu etwas, das sie nicht kannte, darum war es aufregend.“

Es ist die Geschichte von Siss, einem 11-jährigen Mädchen in einer eher abgelegenen Region Norwegens. Die Natur spielt hier eine wichtige Rolle. Manchmal spürt man die Naturgeister durch die Zeilen ziehen, hört Vogelstimmen und das Eis knacken und klirren. Siss ist von einer neuen Mitschülerin, Unn, die Waise ist und bei einer Tante lebt, vollkommen fasziniert und angezogen. Am Tag nachdem sie sie zum ersten Mal bei ihrer Tante besucht hat, verschwindet Unn. Sie erscheint nicht in der Schule und das ganze Dorf begibt sich auf die Suche. Nur die Leserin weiß, was mit ihr passiert ist.

„Die Strömung hat zugenommen, geht stärker durch den Fichtenwald. Die Nadeln strecken ihre Zungen vor und singen ein unbekanntes Nachtlied. Jede Zunge allein ist so klein, dass sie nicht zu hören ist, gemeinsam tönt das Lied so leise und machtvoll, dass es Berge schleifen könnte, wenn es wollte.“

Siss jedoch verkraftet nicht, dass die frisch gewonnene Freundin nach langer Suche als verschollen, ja als tot gilt. Wie zuvor Unn, sondert sie sich in der Schule ab und wird zur Außenseiterin, weil sie glaubt, sich an ein Versprechen Unn gegenüber halten zu müssen. Unn schien mit ihr ein Geheimnis teilen zu wollen. Doch kam es dazu nicht mehr.  Es bedarf eines weiten Wegs, einer permanenten Innenschau und die Mithilfe der Dorf- und Schulgemeinschaft, bis Siss wieder aus ihrem Kokon der Einsamkeit und Schuld heraustritt.

Das Eis-Schloss spielt hier eine wesentliche Rolle. Es ist ein aus einem gefrorenen Wasserfall entstandenes monumentales Bauwerk, hinter dem sich viele Eishöhlen verbergen. Zuvor noch Ausflugsziel verändert sich seine Bedeutung im Laufe der Geschichte: Es wird zuerst zum Grab, dann zum Mahnmal und schließlich kurz bevor es durch das Tauwetter des Frühlings zusammenstürzt auch Ort der Befreiung für Siss.
Ein klirrendes Leuchten!

Der Roman erschien im Guggolz Verlag, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Eine Leseprobe gibt es hier. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Knut Hamsun / Martin Ernstsen: Hunger Avant Verlag

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Knut Hamsuns „Hunger“ ist ein Klassiker, eines der bekanntesten Romane Norwegens. Der norwegische Illustrator Martin Ernstsen hat aus dem Roman eine ausdrucksstarke Graphic Novel gemacht, die ich, ebenso wie den Roman selbst, sehr empfehle.

Det var i den Tid, jeg gik omkring og sulted i Kristiania, denne forunderlige By, som ingen forlader, før han har faaet Mærker av den …
(„Es war in jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verlässt, ehe er von ihr gezeichnet worden ist.“)

Quelle: wikipedia

So lautet der Anfang des Romans, den Hamsun 1888 begann, in Erinnerung einer Zeit, in der er selbst in Kristiania (heute Oslo) als junger Schriftsteller an großem Hunger litt. Die Geschichte wurde in Kopenhagen geschrieben und zunächst in Teilen anonym veröffentlicht. Es ist die Geschichte eines Schriftstellers und Journalisten, der in prekären Verhältnissen lebt, oft obdachlos, oft tagelang ohne etwas zu essen. Hamsun schildert die Leidensphasen des jungen Knud Petersen eindrücklich: kurze Hochzeiten, wenn wieder einmal etwas veröffentlicht wurde, wechseln mit langen Phasen des Wahnsinns, der Scham, der Verzweiflung und des Stolz ab.

Als Grundfarbe hat Ernstsen schwarz gewählt, was auch sehr stimmig zum düsteren Inhalt passt. Die Hauptfigur, läuft durch Kristiania. Sein Zimmermiete kann er nicht mehr bezahlen, deshalb meidet er die Hauswirtin und verbringt seine Tag draußen. Sitzt auf Bänken, lässt sich durch die Straßen treiben, über die Plätze, beobachtet die Menschen. Auf der Suche nach einem stillen Ort zum Scheiben landet er oft im Park. Er versetzt das bisschen, was er besitzt, bettelt, trotz großer Scham um etwas zu Essen, oft recht einfallsreich, um seinen wirklichen Zustand zu verbergen. Er hadert mit sich selbst und auch mit Gott, der es nicht gut mit ihm zu meinen scheint.

Die wirkliche Welt, die ihm zunehmend schwieriger wird, versucht er durch sein im Übermaß vorhandenes Talent zum Fantasieren auszugleichen. So zaubert er sich in Gedanken, oder ist es schon ein Hungerdelirium?, eine Wahnvorstellung? ein wundervolles Mädchen als seine Auserwählte herbei. In diesen helleren, fast manischen Hochphasen wechselt die Hauptfigur ihr Aussehen, es kommt helle, leuchtende Farbe ins Spiel. Sehr selten allerdings, die meisten Seiten sind in schwarz/weiß gehalten und sind dennoch oder gerade deshalb enorm aussagekräftig. Die inneren Zustände des getriebenen Protagonisten werden im Bild sehr deutlich und beleben die eigene Phantasie. Auch das, was den Roman ausmacht, was damals 1890 bei Erscheinen neu war, der stete Bewusstseinsfluß, die durchdringende Psychologie, zeigt sich in den Illustrationen durch daumenkinoähnliche Sequenzen. Ich jedenfalls hatte hernach gute Lust, den Roman noch ein weiteres Mal zu lesen.

Die anspruchsvolle graphic novel erschien im Avant Verlag. Der Textteil wurde von Ina Kronenberger aus dem Norwegischen übersetzt. Eine Leseprobe gibt es hier.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Knut Ødegård: Die Zeit ist gekommen Elif Verlag

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Rechtzeitig zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit Ehrengast Norwegen erschien im Elif Verlag die erste Übersetzung eines Lyrikbands von Knut Ødegård ins Deutsche. Åse Birkenheier hat dies meisterhaft geschafft. Der Dichter ist in seiner Heimat sehr bekannt und erhielt zahlreiche Preise für sein lyrisches Werk.

Diese Lyrik erzählt. Sie beschäftigt sich mit der Vergangenheit, der Gegenwart  und einer möglichen Zukunft. Es sind keine verrätselten Gedichte, sondern glasklare in ihrer Direktheit. Eindeutige Aussagen werden von poetischen Zeilen umspült. Das liest sich, als würde man auf einem Boot sitzen, von Wellen bewegt, mal mehr, mal weniger heftig.

Mutter

Ich habe eine Mutter in blauem Mantel.

Sie nimmt meine Hand, ich bin
klein, ich habe Angst, sie
führt mich.

Ihr Mantel ist
mit Sternen übersät.
Der Schnee ist sehr tief
hier, wo wir gehen, auf der nicht geräumten
Milchstraße: Sie
und ich.

Ødegårds Gedicht über Zeit, gleich das erste im Band, welches auch den Titel des Buches vorgibt, ist von unglaublicher Eleganz. Was im nächsten Kapitel folgt, sind eigentlich beinahe Fließtexte, die Geschichten erzählen. Man darf sie dennoch Gedichte nennen, so voller Poesie sind sie. Ødegård hat sich durchweg schwierige Themen auferlegt, die es einem nicht leicht machen. Vielleicht ist aber dies der einzig machbare Weg, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sie in eine poetische Form zu bringen, sie sozusagen zu umschließen und in ihrer Brüchigkeit zusammenzuhalten.

Ob der Dichter von der Großtante schreibt, die noch Jahrzehnte nach dem Krieg an einem Schal für den (gefallenen) Sohn strickt,

„Saß da
im Dachgeschoss und schaukelte auf und ab, ab
und auf im schwarzen Schaukelstuhl
mit so langen Kufen, dass die schimmelweißen Locken
in Tantes bakteriengelben Kopf mit roten Geschwüren
manchmal Stern berührten, ferne Spiralgalaxien
im endlosen Raum des Himmels,
und manchmal den gierigen Humusmund der Erde,
der von unten schnappte.“

ob vom Kirchendiener, der sich um die kleinen Ministrantenbuben „kümmert“, oder ob er von dem psychisch kranken Lars erzählt, der mit Elektroschocks und einer Lobotomie „behandelt“ wird, es sind erschütternde Zeugnisse der Vergangenheit.

Ein weiteres wichtiges Thema ist das Altern. Hier lese ich sehr anmutige, berührende Verse über den uns allen bevorstehenden Alterungsprozess und das Glück, jemanden an der Seite zu wissen.

„Ein wenig schief kehren wir heim
vom Spaziergang an diesem Sonntag, wir beide. Du
und ich. Und langsam
streiche ich dir übers Haar, das
noch vor kurzem durchs Universum
flog: Du, noch vor kurzem ein kleines Mädchen
auf einer Schaukel.“

Ergänzt wird dieser Teil durch weitere, wie ich finde, sehr schwere Gedichte. Den längeren Zyklus „Nieselregen“ am Ende des Bandes kann ich fast nicht ertragen. Er erzählt von einer Apokalypse der Menschheit. Hier werden Menschen wieder zutiefst unmenschlich, werden zu Monstern, hier stürzt die Welt wieder ins Chaos. Nicht umsonst werden hier auch Zeilen aus der „Edda“ zitiert. Und hier trifft es wirklich zu: Die Zeit ist gekommen.

Ødegårds Gedichte sind schonungslos, aber oft klingt für mich etwas Höheres durch die Zeilen. Es ist viel vom Universum die Rede und das ist womöglich im Blick des Dichters (oder der Leserin?) auch ein spiritueller Raum. Vielleicht kommen wir dem alle näher, wenn sich unser Dasein gen Ende neigt, vielleicht werden wir alle uns erst dann des Todes bewusster …

Der Lyrikband des 1945 in Norwegen geborenen, teils in Island lebenden Knut Ødegård erschien im kleinen feinen Elif Verlag , auf dessen Programm es lohnt, einen Blick zu werfen. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hinweis: Der Umstand, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, hat keinerlei Auswirkung auf meine Wahrnehmung und Rezension des Buches.

Jan Kjærstad: Berge Septime Verlag

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Auch der neue in Deutsch erschienene Roman des Norwegers Jan Kjærstad lässt nichts zu wünschen übrig. Zwar ist die Handlung eine gänzlich andere wie im großartigen „Das Norman-Areal“, bei dem die Liebe zur Literatur im Vordergrund steht, aber eine ebenso intelligente, spannende, aktuelle, bei gleichbleibend hohem Sprachniveau.

Jan Kjærstad gibt uns einen tiefen Einblick in die heutige europäische Gesellschaft. Seine Geschichte gilt nicht nur für Norwegen, dass der Autor im Roman mitunter „unsere kleine Kolonie“ nennt, sondern wohl für ganz Europa. Das, was wir mittlerweile viel zu oft erleben müssen und was daraus folgt. Wie gehen wir mit Terror, mit Bedrohungen unserer Sicherheit um? Es geht um einen 5-fachen Mord. ein hoher Parteifunktionär, Arve Storefjeld, und seine Angehörigen, darunter ein kleines Mädchen werden brutal ermordet. An einem Wochenende, dass sie gemütlich in ihrer Hütte in der Nordmarka nahe Oslo verbringen wollten, wird allen nachts im Schlaf die Kehle durchtrennt.

Der Aufschrei ist groß. Medien stürzen sich auf die Ereignisse. Sofort besteht Terrorverdacht. Eine ganze Stadt, ja die ganze Nation, die sich in Sicherheit wähnte, wirkt wie gelähmt, verängstigt ob dieses Angriffs auf ihr friedliches Land und ruft nach Aufklärung, ja nach Vergeltung. Der Politiker war beliebt, ein politisches Motiv wird vermutet, ein islamistischer Anschlag nicht ausgeschlossen. Doch niemand bekennt sich zur Tat.

„Selten haben die Medien bessere Tage erlebt, die Nachrichtensendungen werden von noch mehr Zuschauern verfolgt, die Auflagen der Zeitungen schießen in die Höhe, die Leute klicken sich durch die Onlineausgaben wie nie zuvor.“

Anhand von drei beteiligten Personen spielt der Autor die jeweils eigene Sichtweise auf die Geschehnisse durch. Großartig, wie er seine Charaktere ausarbeitet, als Leserin hat man ein genauestes Bild der Protagonisten, lernt ihre Sichtweise kennen und fühlt mit.

Da ist zunächst die Journalistin Ine Wang, die in einer Lebenskrise steckt, aber durch die schreckliche Tat paradoxerweise wieder Aufwind in ihrem Beruf bekommt, da sie kurz zuvor ein Buch über den ermordeten Politiker schrieb. Sie profitiert letztlich von seinem Tod, sie steht wieder in der Öffentlichkeit, ist gefragter denn je. Hier gibt der Autor einen interessanten Einblick in heutiges journalistisches Arbeiten.

„Kein Journalist in diesem Land weiß mehr über Arve Storefjeld als ich.“

Dann gibt es den Richter Peter Malm, der ein Buch über Gerechtigkeit schreiben will, ein zurückgezogen lebender, distinguierter Herr. Als er mit dem Vorsitz im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder betraut wird, ahnt er bereits, dass diese Aufgabe ihn und sein beschauliches Leben in ihren Grundfesten erschüttern wird. Das Schweigen des Angeklagten fordert in heraus, sich mehr als üblich mit diesem zu beschäftigen.

„Ich gebe zu, dass Berge mir zu denken gab. Es gelang mir nicht, die gehörten Aussagen mit der resignierten, aber immer weniger dämonisch wirkenden Gestalt, die verschlossen neben dem Verteidiger saß, in Einklang zu bringen. Berge wirkte unlesbar.“

Und schließlich lesen wir von Nicolai Berge, der für alle überraschend des Mordes Angeklagte. Er war mit der Tochter des Politikers längere Zeit liiert, war selbst in der Partei engagiert, erfolglos, und mit wenig Erfolg auch später als Schriftsteller. Er kam durch einen anonymen Hinweis in den Focus der ermittelnden Beamten. Berge macht zu den Anschuldigungen keine Aussagen. Er schweigt den ganzen Prozess über hartnäckig. Was in ihm vorgeht, seine Variante der Geschehnisse, erfahren wir Leser exclusiv.

„Ironischerweise besteht jetzt ein reges Interesse an meinen beiden Erzählbänden. Und nicht nur das: Der Verlag hat bei mir angefragt, ob sie das Manuskript mit dem Arbeitstitel Missglückte Berichte, das in meinem Safe gefunden wurde, veröffentlichen dürfen.“

Seine Verhaftung und die folgende Gerichtsverhandlung schweißt die Bevölkerung zusammen, sie wünscht sich einen Schuldigen, eine Verurteilung, eine möglichst harte Strafe für dieses „Monster“.  Tatsächlich bleibt aber die Frage der Schuld ungeklärt. Kjærstad lässt uns erahnen, wie es hätte sein können, er schürt Zweifel, er zeigt auf, dass alles mehr als nur eine Seite hat. Gleichzeitig hält er uns allen einen Spiegel vor.

Sein Roman spielt im Jahr 2009, also vor dem Anschlag von Anders Breivik in Oslo und auf der Insel Utøya, wurde aber nach dem Anschlag geschrieben. Doch selbst wenn Kjærstad die Tat zum Anlass genommen hat, dieses Buch zu schreiben, steht es vollkommen selbständig und ist ein eindrucksvoller Text, der im Prinzip von Tag zu Tag nur aktueller wird, schaut man auf das, was in der Welt ständig passiert. Ein Leuchten!

Der Roman erschien im Septime Verlag und wurde von Bernhard Strobel übersetzt. Eine Leseprobe gibt es hier.

Der Traum in uns – Lyrik aus Norwegen Ehrengast Frankfurter Buchmesse 2019 #3

„Der Traum in uns“ ist das Motto des diesjährigen Ehrengasts der Frankfurter Buchmesse. Die Zeile ist einem Gedicht Olav. H. Hauges entnommen (unten eine Vertonung des Gedichts). Das finde ich schon bedeutsam. Lyrik spielt in Norwegen eine viel größerere Rolle als etwa bei uns. Als ich vor vielen Jahren in einer kleinen Stadt in Norwegen eine Buchhandlung betrat, wie ich es immer in anderen Ländern mache, war ich freudig überrascht, wie viel Platz der Lyrik in den Regalen eingeräumt wurde.
Ich stelle hier eine kleine Auswahl an Lyrikbänden vor.

Olav H. Hauge

Olav H. Hauge ist einer der bekanntesten Lyriker in Norwegen. Er lebte von 1908 bis 1994. Ich habe Hauges Gedichte und seine Tagebuchauszüge bereits vor längerer Zeit gelesen und auch hier auf dem Blog vorgestellt. Der Dichter stammte aus einer einfachen Landfamilie in Westnorwegen, sehr abgelegen der Hof. Er war Obstgärtner, neugierig, klug, unglaublich belesen und sprachbegabt. Teils las er im Original Lyrikbände oder auch berühmte Philosophen. Klaus Anders, der Übersetzer der Hauge-Bände hat einen wunderbaren Beitrag über Hauge auf fixpoetry veröffentlicht.

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Kjartan Hatloy

Kjartan Hatløys Gedichte sind sehr nah an der Natur. So lebt auch der 1954 in Westnorwegen geborene Dichter ganz abgeschieden und sowohl der Natur als auch den Büchern verbunden. Ich lernte ihn durch seinen Übersetzer Klaus Anders kennen. Bisher gibt es 2 Bände in deutscher Sprache: „Der weiße Weg“ und „Die Lippen verlangen nach Ocker“. Hatløy ist der Onkel des berühmt gewordenen Karl Ove Knausgård. Es gibt einen sehr schönen Film von Frank Wierke über den Dichter und seinen Lebensraum „Solrøven. Sonnenfuchs“.

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Jon Fosse

Der große norwegische Schriftsteller und Dramatiker Jon Fosse (geb. 1959) ist auch ein wunderbarer Lyriker. Im kleinen, (gerade auch für nordische Literatur) unbedingt empfehlenswerten Verlag Kleinheinrich erschien der zweisprachige Gedichtband „Diese unerklärliche Stille“, der unübertrefflich schön gemacht ist. Auf feinstem Papier mit schönsten Illustrationen liest man hier Gedichte, die von sehr großer Weite und unendlicher Tiefe zeugen. In ähnlich schöner Aufmachung erschien aktuell zur Buchmesse ergänzend ein Prosaband „Kindheitsszenen“.

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Ruth Lillegraven

Ruth Lillegravens Lyrikband „Sichel“ hat es auf die Hotlist der unabhängigen Verlage geschafft. Ich habe ihn für den Hotlistblog besprochen. Es ist ein eigentlich ein einziges Langgedicht über ein naturnahes Leben, welches plötzlich gefährdet ist durch eine Krankheit. Wie dann Sprache und Literatur Heilung bringen können, erzählt die 1978 geborene Lillegraven auf wunderbare Weise. Der Band erschien im Verlag Edition Rugerup (sowieso ein Ort für nordische Lyrik) und Klaus Anders hat es übersetzt.

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Ulrik Farestad

Einer der bekanntesten jungen Lyriker ist der 1984 in Oslo geborene Ulrik Farestad. Sein Band „Staub, Sterne, Pixel“ erschien ebenfalls bei Edition Rugerup. Seine Gedichte sind Beobachtungen des Alltags und spiegeln mitunter auch Gesellschaft und Politik des Landes. Übersetzer ist auch hier Klaus Anders.

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Knut Ødegård

Knut Ødegårds Lyrik ist nun in diesem Band „Die Zeit ist gekommen“ aus dem Elif Verlag auch in deutscher Sprache zu lesen. Seine Gedichte sind eigentlich kleine Geschichten. Sie wenden sich sehr direkt an den Leser. Schonungslos und mit hoher Aktualität schreibt der 1945 geborene Dichter, der in seiner Heimat sehr bekannt ist, auch von Unfassbarem, von Leid, Trauer und nicht zuletzt dem Altern. Es übersetzte Åse Birkenheier. Meine ausführliche Besprechung dazu hier.

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Rolf Jacobsen

Der Norweger Rolf Jacobsen (1907-1994) ist einer der wichtigsten Dichter seines Landes. Seine Texte im Band „Nachtoffen“ spiegeln die Natur, die Abfolge der Jahreszeiten und doch auch die Zivilisation, das Leben in der Stadt und auf dem Land. Er erkannte die Armut seiner Umgebung und schrieb darüber. Jacobsen hat einen tiefergehenden Blick für die Dinge, auch für die inneren. Der Band erschien in der Edition Rugerup, übersetzt von Klaus Anders.

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Anthologie „Sternenlichtregen“

Die Anthologie aus dem Wunderhorn Verlag bietet einen guten ersten Überblick über die aktuelle Lyrik in Norwegen. Hier findet man nicht nur traditionell schreibende Dichter sondern auch experimentierfreudige. Es finden sich sowohl ältere als auch jüngere Stimmen ein. Mir gefällt dieser Gedichtauszug der 1994 geborenen Svanhild Amdal Telnes besonders gut:

„In den Nächten
benutzt Mutter einen Tropfenzähler
bei ihrer Arbeit

Sie reiht
kleine, salzige Perlen
auf unsere Wangenknochen

Ob sie die bei Ebbe sammeln geht?“

Ruth Lillegraven: Sichel Edition Rugerup

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Aus Norwegen, dem diesjährigen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, kommt ein in seiner Schlichtheit der Sprache außergewöhnlich eindrücklicher Lyrikband von Ruth Lillegraven. Die 1978 in Westnorwegen geborene Dichterin taucht ein in eine archaische Lebenswelt, die sich in ihren Menschen und in der Natur manifestiert. Hier ist wenig Raum für fliegende Gedanken. Hier ist vielmehr harte Arbeit angesagt. Und für den Held dieses Langgedichts ist es schwer, als er seine körperliche Kraft verliert. Dass neue Energie aus dem Geist kommen darf, dass Worte, die oft so schwer fielen, ganz neue Räume eröffnen, gleicht höchster Magie. So magisch wie diese Gedichte.

In einer klaren einfachen Sprache bildet Lillegraven ihre Verse. Sie sind bis aufs absolut Notwendigste verdichtet, enorm konzentriert. Zeilen- und Wortwiederholungen prägen die Gedichte und machen sie dringlich, bilden den Rhythmus.

all dieser stein

alles fällt
in den fjord
der himmel
der berg, das licht
blau in blau
grau in grau
nass in nass
alles in alles

alles fällt
in den fjord

Im Kapitel I werden wir in eine Familie eingeführt. Der Mond lenkt anfangs das Geschehen. Ein Kind, der Junge Endre, der nicht schlafen kann und vom Vater mit dem Mond vertraut gemacht wird. Eine Zärtlichkeit liegt in diesen Zeilen, eine Liebe. Der Junge benennt seine Eltern in der Sprache der Natur:

mutter und vater

meine mutter ist sonnenschmelz
und butterblume

vater ist altfichte
und adlerkreisen

Als der Junge vier wird, redet er nicht mehr. Viel später erst beginnt er von neuem, doch:

die stille sitzt in mir, liegt auf der lauer
als wäre sie eine andere sprache

Die Mutter erkennt, dass dieser Sohn anders ist als seine vielen Geschwister.

neun junge, neun walderdbeeren auf einem halm, das sagte mutter

Das Schicksal spielt ein Spiel mit der Familie. Der Hof brennt ab, der Vater wird krank und erzählt Geschichten von früher. Es ist eine Zeit, in der Krankheit leicht Tod bedeuten kann. Geschwister sterben jung. Manche heiraten, verlassen die Familie, das Land bis in die neue Welt. Sommer und Winter vergehen. Die Jahreszeiten bestimmen die Arbeit. Immer weniger Walderdbeeren. Und irgendwann sind es nur noch der Junge Endre, die Mutter, der Vater.

so sacht fällt der schnee
dass er fast nicht fällt

so sacht fällt der schnee
dass ich beinahe sehen kann
wie er sich löst und zurückfällt
in den himmel

legt sich auf dem mond
zur ruhe
hier sind die bäume
schwer und dunkel

Die Natur weist die Wege. Der Mondkalender sagt, tu dies, lass das. Darauf ist Verlass. Schon immer ist das so und bleibt so.

Dann findet Endre seine Frau. Abelone, die Tochter des Lehrers. Und sie leben auf seinem Hof.

und
den blauglockenhimmel
werde ich runterhakeln zu dir
flüstere ich, lege ihn wie
den feinsten schal
um deine
schultern

Es ist ein Leben vollkommen nach der Natur. Endre wächst ein in die Natur, wird Wald und Baum und Regen. Und Abelone erwartet ein Kind, es wird wachsen und sein Vater wird ihm den Mond zeigen in einer Nacht ohne Schlaf.

In Kapitel II stirbt Endres Vater – der ewige Kreislauf, das Stirb und werde. Doch Abelone hat eine Fehlgeburt. Kein weiteres Kind will kommen. Auch Endre erkrankt, er hat das „Reißen“, den Rheumatismus vom Vater geerbt, schafft das Pensum nicht, was Haus und Hof abverlangen. So ist er nichts wert. Der Hof wird verkauft an den Schwager, der arbeitet wie ein Bär.

so habe auch ich
meinen schatten

ich bin der du warst
sagt der schatten

ich bin der du
sein solltest

ich bin
sveins sohn

und du bist
nichts

Kapitel III lässt Hoffnung leuchten. Und was da leuchtet, kommt in einer anderen Sprache aus dem fernen Land in Übersee, wo der Bruder lebt. Er schickt ein Buch, ein Wörterbuch, dick und schwer. Endre wächst mit den Wörtern mit dem fremden Klang.

snow, sage ich
mit der neuen stimme
blättre und blättre in dem buch
die seiten dünn wie
morgendunst

Es ist eine Freude, zuzusehen, wie Endre nun auflebt. Neue Bücher kommen. Endre liest und lernt und wächst innerlich. Er liest von den Niagara-Fällen, von der Kaiserin von Indien, von Guiseppe Garibaldi und vom ausgestorbenen Vogel, dem Dodo. Endre liest und liest und blüht auf, doch Abelone, die früher die Lesende war, leidet. Sie hat mit dem Tagwerk zu tun, mit der Küche, dem Hof, auf dem sie weiterhin leben. Sie, die früher las, versteht ihn nicht mehr. Die Bücher sind nun sein Spiegel, sein Traum. Hier ist er Reisender, Entdecker, Wissenschaftler.

Und dann geschieht es wundergleich: Auch Abelone, die Enttäuschte nimmt das dicke Buch zur Hand und spricht leise die neuen Wörter. Und so finden sie wieder zusammen, durch eine neue Sprache zueinander in neuen Worten wieder gemeinsam.

Im VI. Kapitel kommt der Bruder aus Amerika zu Besuch und wundert sich und erinnert sich, wie der Bruder einmal war und wie er jetzt ist. Wie er viel redet in dieser neuen Sprache, wo er doch immer so wenig sprach früher. Endre und Abelone sprechen ihr Englisch bis der Tod Endre holt. Der ewige Kreislauf … das Stirb und werde.

Ruth Lillegravens „Sichel“ ist ein stilles langsames Buch. Es erreicht seine Höhepunkt, als Endre durch die Worte, durch Bücher, durchs Lesen neue Lebenskraft erlangt. Und doch wachsen mir von Anfang an auch die Zeilen ans Herz, die mich durch die Natur des ländlichen Norwegens um 1900 führen. Hier ist eine Tiefe zu spüren, auch eine Schwere, eine Art magischer Melancholie. Jedes Wort findet seinen stimmigen Platz, jeder Vers passt, um einen beschwörenden Rhythmus hervorzurufen. Gedichte mit sehr kurzen Zeilen und mit vielen Brüchen wechseln sich ab mit dichten, beinah blockartigen, erzählenden Textteilen, die allerdings immer in ihrer Anordnung einen sichtbaren Schwung enthalten.

Wunderschön dann die für mich sehr überraschend kommende Wende in Endres Leben, hervorgerufen durch das Studium der Bücher. Lesen als heilsame Kraft. Sprache als Licht. Das ist die wunderbare, diesem Gedichtzyklus zugrunde liegende Erkenntnis.

Und so freue ich mich sehr, dass dieser Zauberband einen Platz auf der Shortlist des Preises der unabhängigen Verlage gefunden hat. Die Gedichte wurden trefflich übersetzt von Klaus Anders, der selbst Dichter ist. Der Band erschien in der Edition Rugerup.

Diese Rezension erschien erstmals auf dem Hotlistblog. Das Buch ist eines von 10 Titeln, die für den Preis der Unabhängigen Verlage ausgewählt wurden. Auf der Seite der Hotlist gibt es eine Leseprobe.

Der Traum in uns – Romane aus Norwegen Ehrengast Buchmesse 2019 #2

Wunderbare neue Romane aus dem Buchmesse Gastland Norwegen gibt es dieses Jahr zur Buchmesse. Jedes Mal eine schöne Möglichkeit die Literatur anderer Länder zu entdecken. Einige neue, aber auch ältere Romane finden hier Erwähnung. Ein Hoch im speziellen auch auf die brillanten Übersetzer!

Beim Klick auf die jeweiligen Bilder oben und unten findet sich der Link zur Besprechung. Falls nicht, ist sie noch in Arbeit und folgt, solange gehts zur Verlagsseite. Manchen Autoren wende ich mich etwas ausführlicher zu. Leuchten allenthalben!

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Besonders herausragend finde ich Johan Harstad mit seinem im Frühjahr erschienenen über 1200 Seiten umfassenden einzigartigen sprachmächtigen Familien-Kunst-Liebes-Stadt-Kriegs-Theater-Freundschafts-Roman „Max, Mischa & Tet-Offensive“. Eines der Highlights dieses Lesejahres. Die Übersetzerin heißt Ursel Allenstein. Erschienen bei Rowohlt.

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Jan Kjærstad:
Der in Norwegen sehr bekannte Autor schreibt in „Das Norman-Areal“ absolut genial über das Phänomen der Literaturbesessenheit und deren Schattenseiten. Vom Autor ganz frisch erschienen: die Übersetzung des Romans „Berge“ von Bernhard Strobel im Septime Verlag. Der neue großartige Roman zeigt anhand mehrerer Morde die Befindlichkeit der Norweger auf und bietet Einblick in die aktuelle Politik und Gesellschaftssituation, ist aber alles andere als ein Krimi. Meine Besprechung dazu hier.

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Tomas Espedal:
Ein poetischer melancholischer Sprachkünstler. Einer, bei dem die Sprache und Form im Mittelpunkt steht. Jedes seiner Bücher pure Lesefreude! „Das Jahr“ ist sein hierzulande aktuell erschienenes Buch, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Alle Bücher erschienen im Matthes & Seitz Verlag. Zu meinen ausführlichen Beiträgen geht es mit Klick auf die Bilder.

„Worte und Sätze gingen mir durch den Kopf, als wäre das Innere meiner Augenlider ein umgedrehtes Blatt Papier, auf dem jemand schrieb, ein dunkles Papier, auf dem die Wörter mit voller Kraft einschlugen, sie leuchteten.“

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Jon Fosse:
Der große norwegische Autor und Dramatiker, der mich schon lange begleitet mit seinen Romanen, Gedichten und Stücken. Klar, einfach, eindringlich und poetisch, seine Sprache. „Der andere Name“ ist ein auf mehrere Bände angelegtes Werk, es ist der neueste Roman auf Deutsch, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Alle Bücher erschienen im Rowohlt Verlag.

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Hanne Ørstavik:
Eine echte Entdeckung! Schwer zu beschreiben, was ihre Romane so besonders macht. Vielleicht ist es die Dichte und Intensität, eine besondere Art das Alltägliche zu beschreiben, die ihre Bücher auszeichnet. Zudem sind die Bücher aus dem Karl Rauch Verlag auch besonders hübsch gestaltet mit feinem Papier und Fadenheftung. „Die Zeit, die es dauert“ ist der neueste Roman, übersetzt von Andreas Donat.

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Merethe Lindstrøm:
Eine wunderbare Autorin, die hierzulande bekannter werden sollte. Sie weiß in ihren Romanen in die Tiefen zu tauchen und hat eine unvergleichlich schöne poetische Sprache. Gerade neu erschienen ist „Tage in der Geschichte der Stille“, übersetzt von Elke Ranzinger. Beide Bücher erschienen im Matthes & Seitz Verlag.

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Lars Saabye Christensen:
Sein Roman „Der Halbbruder“ hat mich schon vor Jahren begeistert und auch „Magnet“, ein Roman über einen charismatischen norwegischen Fotografen in den USA aus dem letzten Jahr war ein (ge-)wichtiges Lesehighlight. Die Übersetzerin ist Christel Hildebrandt. „Die Spuren der Stadt“ heisst sein aktuell erschienener Roman, der der Stadt Oslo in den 80er Jahren gewidmet ist, erschienen bei btb.

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Karl Ove Knausgård:
Irre berühmt geworden mit seinem autobiografischen mehrbändigen Monumentalwerk „Min Kamp“, in dem er detailliert auch sehr private Details und Befindlichkeiten erzählt und bei dem beim Lesen ein unglaublicher Sog entsteht. Übersetzer sind hier Paul Berf und Ulrich Sonnenberg. Alle Bände erschienen im Luchterhand Verlag.

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Per Petterson:
Sein bekanntester wunderbarer Roman „Pferde stehlen“ wurde auch kürzlich verfilmt. Der Norweger verarbeitet darin ein wichtiges Stück norwegischer Geschichte. Der neueste Roman „Männer in meiner Lage“ erschien soeben, übersetzt von Ina Kronenberger im Hanser Verlag.

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Ketil Bjørnstad:
Der Autor, der auch grandios Klavier spielt und das thematisch auch oft in seinen ausgezeichneten Romanen verarbeitet. „Oda“ kann ich besonders empfehlen: Es geht darin um die Künstlerin Oda Krogh (1860-1935) aus Oslo, damals Christiania, die ihrer Zeit weit voraus war. Lothar Schneider und Ina Kronenberger haben übersetzt. Alle Bücher erschienen im Suhrkamp Verlag.

Viel Vergnügen bei nordischer Lektüre!