Anne Kanis: Nichts als ein Garten Metrolit Verlag

2015-08-03 12.08.48

Ein wenig fehlen mir die Worte, um den Zauber dieses Romans zu beschreiben, den ich an einem einzigen Tag verschlungen habe!
Es ist schon ein sehr besonderer Ton den Anne Kanis erklingen lässt. Ihre Sprache wirkt beinahe naiv, aber ganz im positiven Sinn, ungekünstelt, unverstellt, herzlich und eben auch überzeugend auf ihre Hauptfigur zugeschnitten.

Mich hat das Buch sehr getroffen, auch aufgrund des Themas, dass ja immer noch relevant scheint. Denn es ist eine sogenannte „Wendegeschichte“. Mich interessieren solche Geschichten brennend und ich bin immer wieder überrascht in welch neuen Konstellationen die unterschiedlichsten Autoren damit sprachlich und inhaltlich umgehen.

Im Klappentext heißt es: Ost und West, arm und reich, Geld oder Liebe.
Das trifft den Inhalt der Geschichte ziemlich genau.
Es geht um eine junge Sängerin, die nur kleine Auftritte mit geringer Gage erhält. Um sich über Wasser zu halten jobbt sie als Buffetthilfe in einer Kantine. Immer geht es darum, das schwankende Lebensgleichgewicht wieder herzustellen, welches zum Glück schon durch Kleinigkeiten, wie den Anblick einer Rose, eines Gartens mit Kirschbäumen oder der Erinnerung an eine Venedigreise mit den Eltern wieder herzustellen ist. Zumindest für kurze Zeit. Bis auf der Straße wieder ein Obdachloser mehr sitzt, sich die Straßenzüge im Heimatkiez bis zur Unkenntlichkeit verändert haben oder die stupide Arbeit an der Kaffeeausgabe alles in einen Grauschleier tunkt.

„Das gibt es, dass das ganze Drumherum von vorne bis hinten in sich zusammenkracht und mittendrin etwas hell bleibt.“ …. „Auch bevor die Mauer fiel und das System tobte, gab es das.“

Die namenlose Ich-Erzählerin führt uns durch ihren Alltag und erzählt uns Geschichten, wie es damals war, vorm Mauerfall, jedoch ohne Sentimentalität. Sie erinnert den Schrebergarten und die darin gelebte Familiengeschichte, freut sich über den Familienhalt, den sie als besonders wertvoll empfindet, sehnt sich aber auch nach Zukunft, für die sie sich einen höheren Lebensstandard erhofft. Als der reiche Ben, Direktor eines Kunstmuseums auftaucht, scheint dies zunächst eine Möglichkeit.

„Nichts herrlicher als Kunst.“
Er war selbst nie Künstler, so weiß er nicht, dass es nicht schön ist, immer beim Einkaufen Cent um Cent zu zählen.

Doch viel mehr Echtheit und wirkliche Zuneigung erfährt sie erst in der Begegnung mit Lan, der sie dann auch wieder in einen Garten mitnimmt…

Anne Kanis ist Schauspielerin und hat hier ihr Roman-Debüt vorgelegt. Sie ist in Ostberlin geboren und die Eltern stammen ebenfalls aus dem Künstlermilieu. So darf man davon ausgehen, dass ihre Geschichte autobiografische Züge trägt. Erschienen ist der Band im Metrolit Verlag.

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