Maxim Biller: Sechs Koffer Kiepenheuer & Witsch Verlag

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Mal sehen, ob Maxim Billers hohe Ansprüche, was gute Literatur angeht, auch auf seinen eigenen Roman zutreffen, dachte ich mir, als ich „Sechs Koffer“ zu lesen begann. Leider, gleich vorweg, kann ich nichts finden, was diesen Roman als besonders anspruchsvoll auszeichnet. Weder inhaltlich noch sprachlich hat er mich in Gänze überzeugt. Zwischendurch hat er mich sogar gelangweilt und nach der Lektüre ist die Geschichte schnell vergessen. Das macht Arno Geiger besser, das kann Ralf Rothmann besser, Uwe Timm und auch Christoph Hein, die alle ähnliche Themen in ihren Romanen bearbeiten.

Die Geschichte, die sich rund um den in der Sowjetunion wegen seiner Schmugglergeschäfte hingerichteten Großvater des Erzählers (aka Autor) dreht, ist zeitweise leicht konfus. Es geht darum, wer in der Familie den Großvater verraten hat, ihn an die Obrigkeit ausgeliefert hat, wer für seinen Tod verantwortlich ist und es geht darum, wer mit wie vielen Dollarscheinen durch den eisernen Vorhang gen Westen flüchten wollte. Der Enkel versucht die ewig unter Verschluss gehaltenen Wahrheiten zu erforschen und aufzudecken. Vater und Mutter, drei Onkel und eine Tante könnten dabei die Finger im Spiel gehabt haben. Jeder Leser kann letztlich anhand der „Aussagen“ selbst entscheiden, wer der Schuldige ist. Ganz klar ist es aus der Geschichte nicht herauszulesen.

Der Roman spielt teils in der Tschechoslowakei, später in Hamburg und Zürich und wechselt dauernd die Zeiten, einmal 1965, dann 1978.  Keine der Figuren kommt mir nahe. Keine berührt mich oder bleibt im Gedächtnis haften. Auch ist nicht immer klar, aus wessen Perspektive eigentlich erzählt wird. Interessant immerhin, dass Biller versucht den 15-Jährigen eine zeitlang anhand einer Brechtlektüre (Flüchtlingsgespräche) durch seine Suche auf den Spuren der Familie zu führen.

Ich finde den Roman trotz seiner Thematik weder tragisch noch eindringlich, ab und an klingt ein wenig trockener Witz hindurch. Nichts jedoch, was einen hohen Anspruch an Literatur erfüllen könnte. Schade, ich hatte mir mehr erhofft.

Im Literarischen Quartett und auch im Feuilleton so wie bei vielen Buchbloggern ist er durchweg besser angekommen. Etwa bei „Die Buchbloggerin“.

Der Roman steht auf der Longlist, ist also nominiert für den Deutschen Buchpreis. Er erschien im Kiepenheuer & Witsch Verlag. Eine Leseprobe gibt es hier.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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17 Gedanken zu “Maxim Biller: Sechs Koffer Kiepenheuer & Witsch Verlag

  1. Liebe Marina,
    eigentlich habe ich den Roman ja ncht auf meiner Leseliste, da mich ja statt der historischen mehr die aktuellen Themen interessieren – ein Kritikpunkt auch mal wieder an der Longlist mit ihren ewigen „alten“ Themen: „und jährlich grüßt das Murmeltier“ (Übertreibung :-)). Aber die Idee der sechs Koffer, also die Betrachtung der Situation aus sechs Perspektiven, zieht mich ja doch irgendwie an. Nach deiner zurückhaltenden Besprechung werde ich mich der Sache nun also auch, aber vorsichtig, nähern.
    Viele Grüße, Claudia

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    • Liebe Claudia,
      es gibt ja viele „positiv“-Besprechungen. Dir Story an sich ist auch ganz ok. Die Ausarbeitung und vor allem die Sprache fand ich eben nicht so toll. Für mich ging es, ich gebe es zu, aber vor allem darum, ob einer, der immer hohe Ansprüche hat, sie selbst erfüllen kann. Und das finde ich eben nicht.
      Die „alten“ Themen auf der longlist stören mich nicht so sehr. Es ist recht gut gemischt. Und gerade habe ich ja den Debütroman von Gianna Molinari gelesen, der absolut im Heute verortet ist und der mir wahnsinnig gut gefallen hat. Besprechung dazu kommt Ende der Woche.
      Viele Grüße!

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  2. Ich fange grad damit an. Bisher hat mich Biller auch vor allem dadurch fasziniert, wie strukturkonservativ er im Gegensatz zu seinen laut vorgetragenen Ansprüchen schreibt. Immerhin fasst er sich diesmal kurz, das kann diesem Autor nur zu Gute kommen…

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  3. Es erzählt immer Maxim Biller, der ja genau weiß, was seine Mutter denkt, wenn sie schlafen geht und wie sie sich mit der Hand über das Gesicht streicht. Am Ende ist der Kunstgriff, daß die Geschichte jetzt die Schwester geschrieben hat, fast genial. Ansonsten habe ich mir auch gedacht, was ist hier eigentlich abgesehen von der Hinrichtung so besonders und mit Koffern hat das nichts zu tun, außer, daß diese Familie sehr entwurzelt ist und von einem Ort an den anderen zieht. Ich glaube auch, daß es eher eine längere Erzählung oder Novelle als ein Roman ist, liebe Grüße aus Wien, meine Besprechung kommt am Samstag!

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  4. Hallo Martina,
    ich teile auch dieses Mal deinen Leseeindruck! Vielleicht habe ich zu viel erwartet oder die vielen sehr positiven Rezensionen haben mir ein zu gutes Bild vom Buch gemalt. Leider konnte es mich nicht wirklich überzeugen. Obwohl es nicht sehr dick ist, langweilte mich das Hin und Her doch oftmals sehr.
    GlG, monerl

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