Da fährt mein Zug, Peter Kurzeck erzählt, Hörbuch supposé

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Peter Kurzeck, ein begnadeter Erzähler!
Ein Leuchten!
Abgesehen von seinen Romanen und seinem autobiografischen Großprojekt sind seine „erzählten“ Hörbücher besonders empfehlenswert. Vielleicht gar als Einstieg und Lustmacher auf Kurzecks Geschichten am geeignetsten…
„Da fährt mein Zug“ sei als Beispiel genannt, genau wie „Stuhl, Tisch, Lampe“, „Mein wildes Herz“ (alle supposé) oder „Unerwartet Marseille“(Stroemfeld Verlag).
Man muss sich das so vorstellen: Kurzeck beginnt einfach zu erzählen, aus dem Stehgreif, da gibt es keine Buchvorlage, das ist keine Lesung, er beginnt zu erzählen und sofort ist man gefangen und lauscht dieser magischen Stimme. Es ist ein Strömen, ein lustvolles Ausschweifen von Diesem zum Nächsten, ohne je den roten Faden zu verlieren. Da ist nicht von Spektakulärem die Rede, sondern von Alltäglichem, von Beobachtungen, von Wahrnehmungen, von Empfindungen, aber Kurzeck macht aus den kleinsten Dingen etwas ganz Besonderes. Er hatte das Staunen nie verlernt und lässt uns daran in schönster Art und Weise teilhaben.

„Damals war es so, dass es einen Nachtzug gab, von Straßburg nach Avignon, der kurz nach elf abfuhr. Also in der Stunde vor Mitternacht, ich glaube um 23 Uhr 12 oder 18.“ […]
„Und in Frankreich ist es nicht so, dass sie die Züge ansagen, und der Zug unmittelbar danach fährt, sondern sie sagen die Abfahrt an, und dann steht der Zug manchmal noch sechs, sieben, acht Minuten. Und dann rollt er ganz sacht an.“

Wie weiter, wenn einem das Reisegepäck davon fährt, weil man den Nachtzug noch einmal verlassen hat, um sich die Beine zu vertreten? Wenn man mit dem Taxi hinterher fährt?
Was fühlt man, bei einer der ersten Lesungen als „echter“ Autor? Welche Gedanken kommen, wenn man bei einer medizinischen Untersuchung sein eigenes Herz auf dem Monitor schlagen sieht? Wie war das, als man noch ein Telegramm schicken musste, wenn man übers Wochenende „unerwartet“ mit dem alten Auto immer weiter gen Süden fuhr bis nach Marseille und es nicht mehr rechtzeitig bis zum Arbeitsbeginn am Montag nach Hause schaffte, es gar nicht schaffen wollte und trotzdem seinen Job nicht verlor?

„Man muss solche Geschichten erzählen, sonst hält man es nicht aus.“

Peter Kurzeck, 1943 geboren in Böhmen, kam als Flüchtlingskind nach Staufenberg bei Gießen, lebte lange in Frankfurt am Main und zuletzt in Uzès in Südfrankreich. Er starb im November 2013.
Seine Lebensgeschichte erzählte er in seinem Roman-Zyklus „Das alte Jahrhundert“, der bisher 5 Bände umfasst und unvollendet blieb. Aus dem Nachlass wird in diesem Herbst im Stroemfeld Verlag der 6.Band als Fragment erscheinen.

Eine Hörprobe gibt es unter: http://www.buecher.de/shop/hoerbuecher/da-faehrt-mein-zug-mp3-download/peter-kurzeck/products_products/detail/prod_id/42259920/

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2 Gedanken zu “Da fährt mein Zug, Peter Kurzeck erzählt, Hörbuch supposé

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